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voice recorder schrieb am 7.2. 2003 um 03:12:40 Uhr über

Arm

Moral im Gespattene, verbundene Moral 1 Was zu Beginn des modernen
Kapitalismus Kapitalismus durch die ersten bürgerlichen Klassiker wie Mandeville, Smith und Hegel und natürlich durch die neue Eigentümerklasse selbst mehr oder weniger offen ausgesprochen wurde, das wurde in der Folgezeit unter dem Druck, sich gegenüber den wachsenden Demokratie-, Gerechtigkeits- und Menschenrechtsansprüchen zu legitimieren, abgeschwächt, verunklart, abgestritten.
Die Organisation Zu den hier wichtigen Entwicklungen gehört die Entste-
von Armut und hung gewisser demokratischer Organisationsformen und Abmil-
Reichtum in der derungen des arm-reich-Verhä@isses in den kapitalistischen
bisherigen Zentren, die aber darauf beschränkt blieben. Diese ansatzweise
Demokratie Demokratie in den Zentren des Reichtums und der Macht (Westeuropa, Nordamerika und neuerdings, wenn auch in noch beschränkterem Maße, Japan) existierte und existiert gleichzeitig und eng verbunden mit diktatorischen und asozialen Organisationsformen in den abhängigen und auf vielfältige Weise verbundenen Grenzgebieten."
... am Beispiel Die Einführung der Demokratie etwa in England und Frank-
England reich wurde scheinbar widerspruchslos begleitet von der Aufrechterhaltung oder gar neuen Einführung diktatorischer Verhältnisse in den Grenzgebieten, insbesondere den Kolonien. Das sich zumindest mit einer Teildemolcratie schmeckende England plünderte nüt brutalsten Mitteln, die mit Demokratie nicht einmal dem Anspruch nach etwas zu tun hatten, z. B. den ganzen indischen Subkontinent, das ehemals reichste Land der Welt, gnadenlos aus und lieferte es einer bis heute andauernden Unterentwicktung nüt Massenarmut aus. Gleichzeitig ließ sich England als Mutterland der Demokratie feiern.
... am Beispiel Besonders aufschlussreich ist die französische Revolution, Frankreich weit in dieser geschichtlichen Phase die Abschaffung der Feudalherrschaft, die Einführung der Demokratie und die Entrechtling und Verarmung der Kolonien in engstem zeitlichem Zusammenhang stattfänden. Die allgemeine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte setzte alte Menschen gleich. Die Skla-

38 1 Das wurde bereits ausführlich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert, vgl. Wladimir I. Lenin, Rezension über das Buch von K. Kautsky, in: Werke, Bd. 4, Berlin 1975, S. 196, und Rosa Luxemburg, Die Akkumutation des Kapitats, in: Gesammelte Werke, Bd. 5, Berlin 1960, S. 736

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verei wurde abgeschafft - aber nur in Frankreich, während sie in den Kolonien beibehalten wurde. Dort wurde zudem die weiße Hautfarbe zur Voraussetzung der Staatsbürgerschaft erklärt. Auch im Mutterland vollzog sich die Demokratisierung ungleich. Arbeiter und insbesondere die Frauen wurden von wichtigen Freiheiten ferngehalten. »Ihr müsst das Eigentum der Reichen garantieren. [ 1 Die staatsbürgerliche Gleichheit, das ist alles, was ein vemünftiger Mensch verlangen kann. [ ] Die absolute Gleichheit ist ein HimgespinSt«39 , hieß es ab 1795 in der >Republik der Eigentümer<. In den verbundenen Gebieten etwa Italiens half der französische Eigentümerstaat seinen dortigen Statthattem, die Demokraten zu unterdrücken und den Arbeitem die Koaütionsfreiheit zu verbieten.'o
Unschwer lässt sich an diesem Muster auch das spätere und das heutige Verhalten der westlichen Demokratien, insbesondere der USA, und der von dort aus operierenden multinationaten Konzerne erkennen: Im Mutterland werden Demokratie, Rechtsstaat und hohe Arbeitslöhne als Systemvorzüge beschworen, während gleichzeitig dieselben Akteure in zahlreichen Entwicklungsländem eine bevorzugte Zusammenarbeit mit diktatorischen Regimes praktizieren, korrupte Bereicherungsclans alimentieren, wachsende Gruppen von working poor weithin rechtlos und zu Hungerlöhnen beschäftigen. Wer erkannt hat, dass diesem Verhalten in den Mutterländern einerseits und den Entwicklungsländern andererseits theoretisch derselbe Begriff von Armut und Reichtum zugrunde liegt, wird sich über die scheinbare Doppelmorat nicht wundem.
Ähnlich verhält es sich beim Geheimnis um den Reichtum. Die Bezieher hoher Einkommen und die Eigentümer großer Vermögen fordern die Diskretion und das Bankgeheimnis, während sie die Einkonunen der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger gnadenlos und nünutiös vor der Öffentlichkeit ausbreiten (lassen), nach der Berechtigung jedes Euros gezahlter Sozialleistungen fragen und tatsächliche ebenso wie vermutete Missbräuche mit dem Furor der >Null-Toleranz( anprangern. Dagegen können die Reichen selbst bei hunderttausendfach nachgewiesenen Missbräuchen - etwa bei der Hinterziehung der

39 1 Walter Markov/ALbert SobouL: 1789. Die Große Revolution der Franzosen, Köln 1976, 5. 400
40 1 Vgl. ebd., S. 138 ff.

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