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Saskia Jetten schrieb am 2.10. 2005 um 13:55:24 Uhr über

Bart

Einer trägt ein Piratenkostüm. Der Nächste hat sich passend zum langen Rauschebart als Nikolaus verkleidet. Ein dritter Mann hat ein Gesicht wie ein Musketier. Zur Weltmeisterschaft der Bärte in einer Berliner Gaststätte sind am Samstag 230 Teilnehmer aus 20 Ländern angereist.
Einer zückt seinen Säbel, ein Bayer jodelt und das Publikum grölt. Es ist eine Mischung aus Oktoberfest und Kostümball. Am Abend steht fest: Deutsche Bartträger haben in 14 von 17 Kategorien gewonnen.

Die Tegeler Seeterrassen, wo normalerweise Hochzeiten und Jubiläen gefeiert werden, sind Treffpunkt für Bartliebhaber aus der ganzen Welt - wobei man wissen muss, dass es in Deutschland stolze 15 Bartclubs gibt. Ob «Schnauzbart Dali» oder «kaiserlicher Backenbart» - die Vorgaben bei der WM sind klar festgelegt.

Trends gibt es nicht, erklärt Lutz Giese, der Präsident des 1. Berliner Bart-Clubs, der die WM ausrichtet. Wer in kein Schema passt, kann in den Kategorien Schnauzbart, Kinn- und Backenbart sowie Vollbart im Freistil antreten.

Lange Gesichter gibt es am Morgen, als die Vorjury einigen Teilnehmern verkündet, dass sie nicht in der gewünschten Kategorie antreten dürfen. Giese weist den Vorwurf übermäßiger deutscher Regelungswut aber von sich. Auch beim Bart muss ein bisschen Ordnung sein. Die gute Stimmung lässt sich jedoch keiner der Teilnehmer vermiesen. Die Biergläser sind schon am Mittag leer. Es geht in erster Linie um den Spaß und darum, alte Bekannte wieder zu treffen.

Hervé Diebolt aus dem Elsass und Helmut Huck aus Bayern kennen sich seit Jahren. Weil es in Frankreich keine Bartclubs mehr gibt, hat Diebolt sich entschieden, Mitglied bei seinen Freunden im Club Ostbayern zu werden. Beide treten im Freistil an: Diebolt hat seinen schwarzen Backenbart zur Seite gekämmt und trägt eine französische Feuerwehr-Uniform. Huck hat heute seine Lederhosen aus dem Schrank geholt und seinen Bart zu Kringeln gezwirbelt. Zweieinhalb Stunden dauerte das Styling am Morgen, geholfen haben seine beiden Kinder. Im Alltag trägt er aus Zeitgründen den Bart seit 35 Jahren offen.

Der Sieger in der Kategorie «Vollbart Freistil» hat sich besonders viel Mühe gegeben: Elmar Weisser aus Baden hat sich das Brandenburger Tor mitsamt Flaggen in seinen Bart frisiert und damit die Jury, in der Experten aus dem Friseurhandwerk sitzen, überzeugt.

Die meisten Teilnehmer gibt es in der Kategorie «Kinn- und Backenbart Freistil». Die 38 Starter passen nicht einmal alle auf die Bühne. In zwei Reihen stehen sie vor der Jury. Den Titel trägt der Sigmaringer Willi Chevalier nach Hause. Seinen Bart hat er sorgfältig in vier Locken zur Seite frisiert. Er trägt wie seine Kollegen aus dem Bartclub Sigmaringen (Baden-Württemberg) Frack und Zylinder.

Als auch das letzte Barthaar bewertet ist, zeigt sich Clubpräsident Giese mit der WM zufrieden. Auch die Berliner haben gut abgeschnitten. «Man findet zwar immer ein Barthaar in der Suppe, aber alles in allem ist die Veranstaltung gut gelaufen», sagt er.


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