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beni schrieb am 20.1. 2005 um 00:45:29 Uhr über

Erwachen

Ich sitze neben mir im Café. Dann, plötzlich, geht mir dieses penetrante Handyklingeln hinter mir auf den Geist. Ich will mich gerade umdrehen, da denke ich: »Hey, das ist Dein Wecker und Du schläfst und träumst nur gerade
Rückblende:
Einer dieser Tage.
Wenn man beim Einschlafen am Abend vorher, nicht daran denkt, dass man nach dem Aufwachen einen Tag erledigen muss, ist es meistens schon verkehrt.
Heute ist es so. Ich stehe auf und wundere mich, weil ich vergessen hatte, dass das Leben weiter geht.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Nach zwei Stunden Rumsitzen bzw. -liegen werde ich kühn und beschließe, etwas spazieren zu gehen.

Ich wandere durch die Straßen und kriege die Geräuschkulisse nur so halb mit.
Ich sehe die Leute nicht um mich herum.
Im Park betrachte ich im vorbeigehen die Bäume, die matte Schatten werfen. Die Stämme sind dick. Und die Rinde blättert ab.
Die Farben im Park sind braun, grün und grau. Die Luft überträgt den Schall nicht mehr richtig, weil es so trocken ist.
...oder so feucht.
Und ich sehe die Wirklichkeit nur noch im Augenwinkel.

Im Café bin ich es, der im Augenwinkel sitzt.
Dann klingelt der Wecker/das Telefon hinter mir.

Eine Sekunde denke (und hoffe) ich: ein Traum!
Dann zweifele ich.
Irgendwie ist es doch zu echt.
Ich hab' aber auch schon mal echter geträumt, denke ich mir.
Und wenn doch?

Es braucht gar nicht mehr so viel Mut - ich spüre die Bettdecke, die warme, doch schon durch das Café hindurch - und ich mache die Augen auf:
Es ist wirklich nur ein Traum!
Ich haue auf die Stumm-Taste des Weckers und drehe mich zur Seite, so, dass ich nur Tapete sehen kann.

Und wenn doch nicht?
Wer bin ich, dass ich nicht weiß, ob es echt ist?
Ich liege zu Hause - es sieht aus wie eh und je.

Wenn ich die Augen wieder schließe, kommt dann der Kellner wieder und kassiert?
Ich trinke aus, bezahle und ich tigere weiter, leer, durch die Stadt?

Oder kann ich jetzt nicht mehr zurück?

Ich mache die Augen wieder auf und sitze natürlich noch in dem Café.
Nur das Telefon klingelt nicht mehr.
Aber echter, finde ich, wird der Moment dadurch nicht.



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