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gats schrieb am 28.5. 2003 um 03:16:13 Uhr über

Spiel


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Bericht vom Kongress »Spiel ohne Grenzen« Part III

von Kai L. Riemen - 27.05.2003 22:23

Nachdem ich bereits in Part I ( http://www.de.indymedia.org/2003/05/52396.shtml) und Part II
( http://www.de.indymedia.org/2003/05/52477.shtml) über die benannte Veranstaltung berichtet habe, geht es
nun in Runde Drei. Wir erinnern uns...nach einer kurzen Nacht und 2 Kaffee am Morgen erlebte ich ein
anregendes Podium, wobei mir dort selbst schon vieles von dem dort referierten bekannt war...

Samstag 24.5.2003 12:00 Uhr

Die Referate von Rainer Trampert und Thomas Ebermann sind ja irgendwie immer ein Genuss. Obwohl - wie
man munkelt - die beiden es nicht so gerne haben, als unzertrennliches Duo angesehen zu werden, kenn ich
persönlich die gar nicht mehr getrennt! Aber das konnte ich hier erstmals erleben und gleich vorneab: Auch
getrennt sind die beiden ein Genuss.

Trampert referierte also um die Mittagszeit zum Thema »Globalisierung und Nationalstaaterei«. Da doch so
einige No-Globals immer wieder davon erzählen, wie ohnmächtig der Staat gegenüber den transnationalen
Konzernen auftritt, wollte sich Trampert daran machen, darzulegen, dass solcherlei Staatsidealismus bzw.
-affirmation verkennt, dass Nationalstaaten dem ganz und gar nicht ohnmächtig gegenüber stehen. Im Gegenteil:
Gerade die Nationalstaaten setzen die Bedingungen und fördern den grenzüberschreitenden Warenverkehr.

Der Staat ist ja kein von der realen Ökonomie abgetrennter Bestandteil, sondern die moderne Verwaltungsform
von nationaler Kapitalvergesellschaftung. Beides, also Kapital und Nation, bedingt sich gegenseitig und nimmt
wechselseitig Einfluss aufeinander (nicht in Form von regelmäßigen Treffen o.ä. Verschwörungswahn, sondern
faktisch).

Trampert kritisierte weiterhin den Begriff der »Globalisierung«. Denn so richtig käme gar nicht herüber, was
dieser denn bedeutet. Bedeutet er, dass Warenverkehr grenzüberschreitend ist? Das gibts seit 150 Jahren schon
bei der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx. Bedeutet er, dass militärisch oder mit Gewalt im
Allgemeinen diese warenförimige Gesellschaft durchgesetzt wird? Das ist auch 100 Jahre alt und spitzte sich im
1.Weltkrieg zu, in den Zeiten, in denen Lenins »Imperialismustheorie« entstand. Geht es nur um die
Liberalisierung staatlicher Verantwortungen? Das Schwanken innerhalb nationalstaatlicher Verwaltung der
Kapitalvergesellschaftung zwischen eher Verstaatlichung und Liberalisierung sind zwei Seiten einer Medaille
des Kapitalismus und auch nichts Neues. Globalisierung scheint eher nur ein Modebegriff zu sein, mit dem man
zwar tun kann, als wüsste man bescheid, aber zur Klärung von Kapitalvergesellschaftung trägt das nicht bei!

Um den grenzüberschreitenden Warenverkehr abzusichern, wird nationalstaatliches Militär benötigt, aber auch
Diplomaten, welche in aller Welt für jeden Nationalstaat die jeweiligen Interessen klarmachen. Starkes Militär
hilft bei der Interessendurchsetzung ziemlich gut...also braucht solch Warenverkehr eher einen starken Staat. :-))

Dann versuchte Trampert eigene Thesen vorzustellen. Seiner Ansicht nach, leben wir nach Zusammenbruch des
Ostblocks in einer Art Regression des Imperialismus, eine Art Mischung zwischen dem kolonialen und
postkolonialen Imperialismus. Ersterer hatte eher raubökonomischen Touch, letzterer konnte auch ohne
Besetzung von Ländern auskommen, in dem mit der Vor-Ort-Regierung kooperiert wurde. Nun würde es bei
Kriegen wieder vermehrt zu Protektoraten kommen und die Konkurrenz auf der Welt neu gemischt werden.
Dabei würde - laut Henry Kissinger - die USA wohl ziemlich aufzupassen haben, denn man schätzt dort, dass
Deutschland in 20 Jahren, aber auch China, ordentlich am Start sein würden und mitmischen werden. In
deutschen Blättern und Politikerkreisen wird auch schon heftig diskutiert wie man sich gegen die USA
profilieren sollte und eine Deutsch-Westasiatische Achse kommt in diesen Diskussionen desöfteren vor. Die
Kanzlerbesuche in China sind da nicht so unwichtig, wie man vielleicht denkt.

Kritik: Das Referat, besonders der Schluss, haben mir zu denken gegeben. Allerdings finde ich Tramperts Zäsur
hinsichtlich einer »neuen Epoche« des Imperialismus nicht so einschlägig, das kann mit dem alten
Handwerkszeug zur Kritik der politischen Ökonomie auch unproblematisch begründen, ohne neue Begriffe etc.
zu finden. Aber vielleicht will Trampert auch bescheidwissen. ;-))

Da das schon mittlerweile drei Tage her ist, würde ich mich über Ergänzungen freuen. Aber ich glaube, das war
grob, was Trampert gesagt hat. Die erfrischende Polemik kann ich hier leider nicht so beschreiben, stellt Euch
das vor oder geht mal zu einer Veranstaltung, das ist echt wie bei Harald Schmidt und noch besser.

Fortsetzung folgt

Verpassen Sie nicht:

- das baldige Ankommen der Gruppe Demontage in der Zivilgesellschaft

- die Kritikresistenz und den Geschichtsrevisionismus von Stefan Grigat und das langweilige argumentlose
Referat von Andrea Wöldike

- »Globalisierung und Ideologie« von Thomas Ebermann

- die grottenschlechte Abschlussveranstaltung


Homepage: http://www.spiel-ohne-grenzen.org




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ERGÆNZUNGEN



Danke für den Überblick
Von: ... 27.05.2003 23:30

Ich finde die Texte ganz informativ bei der Bewertung des Treffens, der nicht ganz zu unrecht als "Brückenschlag
zwischen Stalinisten und »Anti«deutschen" bezeichnet wird.

Der Kongress selbst war in seiner Ausrichtung von der autoritären Linken (Stalinisten und sog. »Anti«deutschen)
getragen. Pauschal wurde schon in den Aufrufen zum Kongress eine globale Bewegung abgedisst, mit der sich
die Veranstalter scheinbar nicht wirklich befasst hatten.
Sämtliche Referenten waren weisse, bessergestellte Männer - also quasi Gewinner der jetzigen Weltordnung.
Das abzurteilende Subjekt war eine globale Bewegung, die im Trikont entstand. Also quasi von Verlierern der
jetzigen Weltordnung. Aus dieser Position heraus fand dieser Kongress statt. Vertreter der "Bewegung der
Bewegungen" waren nicht als referenten geladen. Teilweise kann man auch den Eindruck bekommen, daß einer
Hauptgründe für die Ablehnung der »Bewegung der Bewegungen« deren libertärer Charakter ist. Grassroots und
»fragend gehen« sind zentrale Elemente. Also genau das Gegenteil von dem, was uns die dogmatisch-autoritären
Zusammenhänge schönreden wollen.
Es gäbe sicherliche viel zu kritisieren. Etwa die Dominanz reformistischer NGOs und Parteien, die eher
systemstablisierend wirken. Oder teilweise Undifferenziertheit. Hier habe ich Hoffnung auf den demnächste
stattfindenen BUKO. Dort werden wieder Vertreter aller möglichen linken Strömungen anzutreffen sein.
Vielleicht sind dort fruchtbare Diskussionen und Kritiken möglich.



grassroots
27.05.2003 23:34

nur weil's hier schon öfter kam:
wat sind, bzw. ist denn eine grassrootsbewegung?



Grassroots
28.05.2003 00:36

Eigentlich ist das keine typische Bewegung, sondern mehr ein Organisations- oder Bewegungsidee-Ansatz,
welcher auf verschiedene Weise umgesetzt wird. (z.B.: Überall entstehen kleine basis- oder
konsensdemokratische Gruppen, die sich wiederum vernetzen)
Bei den Asambleas in Argentinien lief sowas, genau wie bei Stadtteil-Inis in den USA.
Die Zeitung »Grwaswurzel Revolution« hat nur mittelbar mit der Grassrootsbewegung zu tun, wie wir sie heute
kennen. Diese Zeitung bezieht sich auf Grassroots-Ansätze der 80er. Ist aber trotzdem interessant, sich mal mit
dieser Zeitung zu beschäftigen.
Ganz verkürzt kann man Grassroots einfach als »Selbstorganisation von Unten« bezeichnen. Das weltweite
Indymedia-Netzwerk ist übrigens ein Beispiel für Grassroots-Organisierung

Vielleicht findet noch jemand ein paar Links dazu?



Ich bin ehrlich gesagt froh...
Von: /Rak 28.05.2003 01:59

... dass ich auf diesem totalitären Kongress nicht anwesend war.
Und den Tip »stellt Euch das vor oder geht mal zu einer Veranstaltung« werde ich garantiert nicht beherzigen.
(Und wenn ich dann doch mal hingeh, dann nicht ohne Farbeier...SCNR)

Meiner Meinng nach sollte jeder der einen totalitären Kommunismus/Sozialismus oder eien dogmatischen
Marxismus vertritt gewzungen werden selbst mal einige Jahre unter der Herrschaft eines Stalinartigen Diktators
zu verbringen, und so eventuell merken wie beschissen wenig sich das dann vom Faschismus unter Hitler oder
Moussolini unterscheidet.

Und dass diese »Kongressler« in ihrem weltentfremdeten Dasein nicht im geringsten mit Kritik umgehen können
zeigt allein schon die Tatsache, dass sie jegliche Kritik unter »Skuriles« verbuchen...

http://www.spiel-ohne-grenzen.org/skurriles.html

kritische Reflektion? Fehlanzeige!

Ob ich gegen eine totalitäre Kommunistische Partei oder gegen eine totalitäre Faschistische Partei kämpfen muss
macht dann da auch keinen Unterschied.
Und sollten es diese totalitären Hierachiefreunde eines Tages leider doch mal an die Macht schaffen (davon
träumen sie ja schließlich...), dann werde ich selbst dafür mitkämpfen, dass auch diese Macht einmal zerbröselt.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich genügend andere "organisierte Unorganisierte (mehr oder weniger
Anarchisten)" finden, die ebenfalls so handeln würden.

R

--
Der Mensch - frei geboren!



Begrifflichkeiten
Von: Bewegungslinker 28.05.2003 02:23

Das Wort »totalitär« trifft vielleicht auf einige Stalinos zu, aber nicht auf alle Kongress-Vorbereiter/Unterstätzer.
Da trioffts einfach »dogmatisch« oder »absolutistisch« eher.
Aber was Rainer Trampert erzählt ist trotzdem recht interessant. Find ich ok. Solche Texte sollte es mehr geben.



hallo undogmatische
Von: . 28.05.2003 02:53

gerade bei so einem kongreß seid ihr sehr viel besser aufgehoben, als bei traditions- anti-imps. hier werden auf
jeden fall die interessanteren fragen gestellt. die stalin-fraktion sitzt woanders. gruß








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