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Julia schrieb am 21.4. 2006 um 14:47:37 Uhr über

Blau

pikeur schrieb am 8.7. 2001 um 04:46:16 Uhr über

Blau
der begriff »blau machen«, heute für arbeit schwänzen gebräuchlich, hat seinen ursprung beim alten berufsbild des blaufärbers oder auch blaumachers. irgendwas passierte montags mit den stoffen, daher der begriff »blauer montag«. den genauen zusammenhang weiß ich aber auch nicht mehr so richtig.


Am »Blauen Montag« waren viele Färber »blau«


Die mittelalterliche Färberei beeinflusst die Sprache bis heute mit ihren Redensarten


Die Redewendung »Blau machen« hat ihre Wurzeln im Arbeitsalltag der Blaufärber im Mittelalter: Sie konnten dem Müßiggang frönen, während die frisch gefärbten Stoffe an der Luft trockneten und sich dabei erst langsam die blaue Farbe entwickelte. Auch der Begriff »blau« als Synonym für betrunken hat seinen Ursprung in der Indigofärberei beziehungsweise der Färberei mit der Pflanze Färberwaid.


Mit »Blau machen« bezeichneten die Blaufärber die im Laufe des komplizierten Färbeprozesses auftretenden Zwangspausen. Nachdem die Textilien über den Sonntag in der so genannten Küpe gelegen hatten, waren sie noch nicht blau, sondern hatten nur die gelbliche Farbe der unappetitlichen Brühe, die zum Färben benutzt wurde. Sie mussten nun erst noch an der Luft trocknen, damit sich das Blau in seiner vollen Pracht entfalten konnte.

Am Montag wurde daher im wahrsten Sinne des Wortes »Blau gemacht«. An diesem Tag hatten die Färber nichts zu tunaußer zu warten. Da diese Pause eben auf den Montag fiel, begann die neue Arbeitswoche eher entspannend und weniger arbeitsintensiv. So wurde auch vom »Blauen Montag« gesprochen, und diese Redensart hat sich bis heute gehalten, wenn auch ihr Ursprung in der Färberei längst vergessen ist.

Der Färberei ist wohl noch ein weiterer viel verwendeter Begriff zu verdanken: das Synonym »blau« für betrunken. Der Waid musste mit Flüssigkeit bedeckt werden, um die Gärung in Gang zu setzen. Der bei dem Gärprozess entstehende Alkohol war notwendig, damit aus dem in den Blättern enthaltenen Indicander noch farblosen Vorstufe des Indigosdas leicht gelbliche Zwischenprodukt Indoxyl gewonnen werden konnte. Das Blau entstand schließlich erst, wenn die Stoffe am Montag an der Luft trockneten und das Indoxyl mit dem Luftsauerstoff zu Indigo oxidierte.

Als Gärflüssigkeit verwendeten die Waidfärber oft ihren eigenen Urin. Bereits im Mittelalter war bekannt, dass das Blau eine ausnehmend gute Qualität erlangte, wenn viel Alkohol zugesetzt wurde. Da dieser aber zu teuer und auch zu schade für die Färberei war, wählten die Färber meist einen kleinen aber äußerst wirkungsvollen Umweg: den über den eigenen Körper. Bereits in alten Färberrezepten soll vermerkt sein, dass die Küpe besonders gut war, wenn sie mit dem Urin von Männern angesetzt wurde, die ordentlich Alkohol getrunken hattenalso blau waren. Am Blauen Montag konnten die Waidfärber dann aber wenigstens in der Sonne liegen und gegebenenfalls ihren Rausch ausschlafen.




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