Sechs Geisteshaltungen, die beim Malen zu vermeiden sind Die erste nenne [ich] den Geist der Gewöhnlichkeit: Er gleicht einer Dorfschönen, die sich mit Schminke bemalt hat. Die zweite nenne [ich] den Handwerkergeist: Er bedeutet Kunstfertigkeit ohne Widerklang. Die dritte nenne [ich] den Feuer–Geist: Da führt man den Pinsel wie einen Knüppel, dessen Spitze scharf und allzu hervorstechend ist. Die vierte nenne [ich] den Geist der Flüchtigkeit: Das Grobe, Ungestüme tritt übermäßig in Erscheinung, während das Kultivierte und Vornehme zu kurz kommt. Die fünfte nenne [ich] den Geist des Boudoirs: Die Strichführung ist schwächlich, es fehlt ihr ganz und gar die Knochenkraft. Die sechste nenne [ich] den Geist des Im–Dunkeln–Tappens: Man schafft ohne [Sachkenntnis], ganz nach Willkür. [Diese Geisteshaltung] ist schlimm bis zur Unerträglichkeit. Tsou I–Kuei (1686–1772), in: Lob der Naturtreue – Das Hsiao–Shan Hua–P'u Übertragen von Günther Debon Wiesbaden 1969