Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 202, davon 198 (98,02%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 84 positiv bewertete (41,58%)
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Siehe auch:
positiv bewertete Texte
Der erste Text am 8.5. 1999 um 00:34:04 Uhr schrieb
Dragan über Fernsehen
Der neuste Text am 10.1. 2010 um 14:51:09 Uhr schrieb
Die Leiche über Fernsehen
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 83)

am 21.10. 2001 um 21:57:16 Uhr schrieb
basti2@t-online.de über Fernsehen

am 13.10. 2005 um 22:42:25 Uhr schrieb
mimi über Fernsehen

am 21.5. 2009 um 01:34:06 Uhr schrieb
heini über Fernsehen

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Fernsehen«

Heynz Hyrnrysz schrieb am 26.5. 1999 um 15:55:20 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 13 Punkt(e)

Ich habe *zap* beim Fernsehen *zap* immer einen *zap* äußerst nervösen *zap* Zeigefinger *zap* Ständig bin ich *zap* auf der Flucht *zap* vor blöder Werbung *zapzap*, vor Dr. Best *zapzapzap* und vor allem vor Ulrich Meyer *ZAPZAPZAP* den lässig und cool aus dem Handgelenk wegzuzappen macht manchmal richtig Freude. Die Harald Schmidt Show ist mitunter sehenswert, Simpsons, was war sonst noch?

*Z A P*

00 schrieb am 4.11. 1999 um 15:40:57 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 6 Punkt(e)

Fernsehen ist ein kleines rotes Plastikkästchen, welches mir graue Bilder zeigt. Es hält mich davon ab, zu schlafen, zu lesen, aufzustehen, zu essen. Fernsehen ist ein Hörspiel, daß meine Wände beleuchtet. Es zeigt ein schönes Wellenbild, wenn ich ausschalte.
Fernsehen sind Sendungen, aber: was soll ein Mann in Philadelphia schon einem in Maine zu sagen haben?

Höflich schrieb am 28.6. 2004 um 15:31:00 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 3 Punkt(e)

Ich , höchstselbst, habe es zum Beispiel nie verstehen können, warum Eltern den Fernsehkonsum ihrer Kinder auf ein unerträgliches Minimum zu beschränken suchen. Mein Neffe etwa, in der zweiten oder dritten Klasse, darf sich am Tag zwei oder drei Kindersendungen ansehen, und das wars dann. Mein Beitrag, diese Gesellschaft ein wenig menschlicher zu gestalten, besteht im übrigen darin, ihm, in den seltenen Fällen mir auferlegter Hütepflicht (zu den Zeiten da ich in den Ferien Uralub im Hause meiner Mutter absitze) MTV anzuschalten, und nach dem auf-den-Tisch-knallen der Fernbedienung das Zimmer mit den Worten »Schau was du magst, oidazu verlassen.
Nun bin ich niemand, dem Ehrerbietung oder Symapthieerweisung von jung und alt wichtig wäre, aber wenn ich dann hinter mir sein Lobgeschrei höre, dann ziehen sich meine beiden Mundwinkel doch nach oben, denn dan weiß ich: ich bin ein Wohltäter, ein benefactor, Retter der Jugend.
Denn wenn wir es mal realistisch sehen: Was kann einem Kind schon großartig vor dem Fernseher passieren?
Oder anders gefragt: was kann einem Kind in der freien Natur, beim Herumtollen, beim unnützen herumspielen, beim Wandern, im Straßenverkehr denn passieren? Die Antwort ist: alles! Alles erdenklich schlechte, Unfälle, Stürze, Zeckenbisse, Hirnhautentzündungen, Päderasten, Diebstahl, Terroranschläge, Sturm und Wind und mehr!
Auch das Lesen ist bei weitem für Kinder keine so erquickliche Angelegenheit, hier ist Vorsicht geboten! Das heranwachsende Auge, nun, weiß man ob es gut ist für das Augenlicht, wenn ein siebenjähriger allezeit liest? Wieviele eifrige Jungleser sind schon als Brillenschlangen hinter dem Schalter einer Sparkassenniederlassung, oder gar als Attac-Kreisvorsitzende geendet?! Außerdem ist ein lesendes Kind eine Unnatürlichkeit, zumal es für die Zielgruppe nun ja auch nur allerhand Schrott gibt, von den fünf Freunden über das kleine Gespenst bis hin zu Millionen anderer, Jugendliteratur eben. Da sieht man wirklich besser fern!
Mein Freund!
Ich bin ein großer Pädagoge!
Wird Zeit daß ich meiner Umwelt mit praktischem Ratschlag zur Seite stehe!!!

Mäggi schrieb am 26.5. 2002 um 13:33:45 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 3 Punkt(e)

samstag abend, gratis-konzert. wie, kostet doch eintritt? mein date is auch nich da. ans handy geht er auch nicht. na gut dann wieder nach hause. fernseher in die party-wohnung geschleppt, da steht ja noch das sofa. verkabelung und beleuchtung gesichert, und los geht's. leider nur 6 programme. und echt gruselig , das programm. grand brie in tallinn, mit 70er jahre ost-optik. in zwei programmen haben die bewegten wix-vorlagen in super-schlecht aninmierten hintergründen schon angefangen. blonde silikontitten erzählen was über ihre aufwallenden gefühle beim hometrainer-radeln. ein in leder noch halb gewandeter adonis streichelt sich verkrampft, ohne steif zu werden - das darf man wahrscheinlich im deutschen fernsehen immer noch nicht zeigen. vielleicht doch der western mit john wayne? ein satz von dem wuseligen kleinen hispano, dann ist das auch gesorben. doch grand prix party? ein wabbelnder käpt'n horn in feinripp-unterwäsche schwitzt dem publikum was vor und präsentiert unrasierte achselhöhlen. warum dürfen so eklige menschen öffentlich auftreten? nach einem umweg über den neuesten landwirtschaftsskandal in brandenburg aktuell endlich eine musikladen-wiederholung von 79 oder so. hey, aber da waren alle echt häßlich. total daneben, kostüme, frisuren, schminke, playback, choreographie... heutzutage können die girlgroups wenigstens tanzen und wedeln nicht nur unkoordiniert mit den händen. erinnert mich daran, die fotos von mir aus der zeit zu verbrennen. dann klappert's auch im ganzen haus, und das licht geht dauernd aus. warum nur das licht und nicht der fernseher? echt unheimlich. wochenend-trauma. das gibt wieder alpträume für wochen.

mcnep schrieb am 10.4. 2005 um 21:59:35 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 3 Punkt(e)

Alle Menschen, die sich darüber aufregen, daß anläßlich von Ereignissen wie Olympiaden, Papstverschiednissen, Geiselbefreiungen oder Fürstenhochzeiten das Programm in einseitiger Weise geändert wird, weise ich auf die vollkommene Freiwilligkeit allen menschlichen Fernsehens hin und möchte, noch einmal auf die aktuelle Berichterstattung zurückkommend, das Beispiel einflechten, daß sich der Halter einer Hündin auch klar sein muß, daß das Tier etliche Male im Leben läufig werden wird. Entweder er lernt, damit zu leben, oder er kastriert die Bitch, oder er schaut weg, wenn sie sich scheuert, oder er schafft sich gar nicht erst eine an.

Dragan schrieb am 13.5. 1999 um 02:58:04 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 6 Punkt(e)

Der Fernseher ist das Medium für zwischendurch. Eine CD Brennt, ein Programm quält sich auf den Server: Gute Gelegenheit zum Fernsehen. Nie länger als 15 Minuten am Stück, und in dieser Zeit mindestens 10 mal umschalten. So ist das. Vor dem Fernsehen hat einfach niemand mehr Respekt. Keiner guckt sich was bis zu Ende an. Schließlich wird sowieso alles ständig unterbrochen. Und das was zwischen den Unterbrechungen kommt ist so kurz, daß mans garnicht anschauen muß, schon garnicht auf dem kleinen Bildschirm.

Mit anderen Worten: Fernsehen ist nur noch zum Flimmern zu gebrauchen. Es muß nichtmal mehr der Kanal richtig eingestellt sein.

Im Bahnhof ist das anders. Da ham die riesige Fernsehschirme, umschalten geht auch nicht, wodurch man wieder ein wenig Respekt vor dem Medium bekommt. Manchmal unterhalten sich die auf dem Bahnhof herumstehenden Leute sogar über das was im Risen-Fernseher kommt oder geben mehr für sich selbst Stellungnahmen ab. Das zeigt eindeutig, daß sie aufmerksam zugesehen haben. Wären sie zu Hause gewesen, hätten sie in der Zeit bestimmt zehn Mal umgeschaltet.

Knallerbs schrieb am 21.8. 2000 um 13:06:01 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 5 Punkt(e)

Fernsehen in Deutschland (eigentlich ganz egal wo) kommt mir vor wie die Austrittsöffnung einer Kanalisation, aus der kontinuierlich eine grün-bräunliche Menge stinkender, undefinierbarer Substanzen herauskommt und über die Zuseher ausgekippt wird. Es ist zweifellos höchst bemerkenswert, wieviel Dreck der Mensch ertragen kann, ohne daß es ihm lästig wird, ihm auch nur auffällt. Unsere Gesellschaft reißt sich geradezu danach, sich diesen grandiosen Unsinn zu leisten und ihn immer noch unsinniger zu machen.

mcnep schrieb am 4.12. 2002 um 23:21:41 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 2 Punkt(e)

Ich erwähnte unlängst, daß es mich nur noch selten zum Fernsehen zieht, und das möchte ich eigentlich auch künftiglich so halten aber: als K. mich mit den Worten 'Komm mal schnell, da ist was für dichvor die Kiste zitierte, fand ich seine Vermutung mit Blick auf Akay Boro, jüngster Sproß der Schwarzwaldhof-Familie tatsächlich bestätigt. Als nun im Rahmen der didaktischen Aufbereitung dieser Big BauerDokumentation auch die vergleichsweise archaisch anmutenden hygienischen Verrichtungen wie Wäschewaschen und eine Schermesserrasur des gleichfalls nicht unattraktiven Vaters gezeigt wurden, äußerte K. den ironisch–lüsternen Wunsch, es mögen doch auch einmal die Badegewohnheiten der Jahrhundertwende am Beispiele Akays demonstriert werden. Und wie ich schon anderswo aus Alexander Kluges feinem Film 'Die Patriotin' mit der großen Hannelore Hoger zitierte: «Wenn man sich etwas ganz fest wünscht, geht es in Erfüllung." Gegen Viertel nach zehn hat die ARD zwei alte Wüstlinge in verzücktes Amüsement versetzt, denn just da saß jener Knabe in der Badetube, ja, stand sogar aus dieser auf, rückenansichtig, wobei ich feststellen konnte, daß wenngleich er zweifelsohne bei einer ärztlichen Fettfaltenmessung doktorales Brauenrunzeln ernten würde, sein Podex doch von einer erfrischenden Knackigkeit geblieben war.

boje schrieb am 3.8. 2003 um 02:38:58 Uhr zu

Fernsehen

Bewertung: 1 Punkt(e)


32
01.08.2003



Michael Schneider

Big Brother









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USADie »Gedankenpolizei« im Lande der
unbegrenzten Möglichkeiten

George Orwells berühmter Roman 1984 zeichnet das
Schreckensbild eines totalitären Staates, der zur völligen
Überwachung des Individuums und schließlich zu dessen
Auslöschung führt. Bislang waren wir gewohnt, Orwells
düstere Geschichte und das Schicksal seiner Hauptfigur
Winston Smith, der einer systematischen Gehirnwäsche
unterzogen wird, als Abrechnung mit dem stalinistischen
Totalitarismus zu lesen, zumal der »Große Bruder«
unverkennbare Züge des sowjetischen Diktators trug.

Es gibt heute allen Grund, die negative Utopie des George Orwell
auch auf die einzig verbliebene Supermacht - das Amerika des
George W. Bush - zu beziehen. Dies gilt nicht zuletzt für jene
schizophrene Form geistiger Schulung namens »Zwiedenken«,
die im Roman die Mitglieder der »inneren Partei« durchlaufen. Sie
ermöglicht es, zwei sich widersprechende Wahrheiten zu glauben
und im Bewusstsein zu integrieren. »Zwiedenken« manifestiert
sich in den drei paradoxen Parteislogans »Krieg ist Frieden«,
»Freiheit ist Sklaverei« und »Unwissenheit ist Stärke«. Dasselbe
Prinzip liegt den Bezeichnungen der drei Superministerien
zugrunde, die in Orwells Ozeanien alles beherrschen. Das
»Ministerium für Friede« führt permanent Krieg - wie das
US-Verteidigungsministerium mit seinem zeitlich und räumlich
unbegrenzten »Krieg gegen den Terror«. Gemäß der Logik des
»Zwiedenkens« nennt das Pentagon die Eroberung des Irak und
das neokoloniale Besatzungsregime eine "demokratische
Befreiungsaktion». Orwells «Ministerium für Wahrheit" verbreitet
systematisch Lügen - wie die US-Propagandaabteilungen, von
denen die amerikanische und die Weltöffentlichkeit mit gezielten
Desinformationen über die angebliche Verbindung des Irak mit al
Qaida und über mutmaßliche irakische
Massenvernichtungswaffen getäuscht wurden. Das "Ministerium
für Liebe" schließlich überwacht die Bürger, forscht ihre
Intimsphäre aus und setzt sie willkürlich in Haft - wie derzeit das
US-Justizministerium unter John Ashcroft, der das Kernstück der
amerikanischen Justiz, die anwaltliche Schweigepflicht, per
Dekret abgeschafft hat. Seither kann die Kommunikation
zwischen Anwälten und ihren Klienten abgehört und bis hin zu
Telefonaten und E-Mails überwacht werden.

Schon höre ich den Einspruch: In der ältesten und stabilsten
Demokratie der Welt mit ihrer freiheitlichen Verfassung und ihrem
berühmten »check and balance«-System, das den Machtausgleich
zwischen den konstituierten Gewalten fest institutionalisiert hat,
wird ein Orwell´sches Szenario niemals möglich sein, zumal die
US-Gesellschaft ihre Fähigkeit zur demokratischen
Selbstkorrektur stets bewiesen hat. Siehe Watergate! Können wir
dessen wirklich so sicher sein?

Neue Geschäfte und Gesichter

Der sogenannte Souverän, das amerikanische Volk, hat auf die
Entscheidungen des Weißen Hauses oder des Pentagon nicht
den geringsten Einfluss, ganz abgesehen davon, dass die Hälfte
der wahlberechtigten Bürger chronische Wahlenthaltung übt.
"Wenn man in diesem Land ein wirklich demokratisches
politisches System aufbauen will", erklärte Noam Chomsky
unlängst im Freitag-Interview, "müsste man ganz von vorn
anfangen."

Der Militärisch-Industrielle Komplex mit dem Pentagon als
organisierendem Zentrum, das zirka 30.000 Firmen mit Aufträgen
versieht, führt seit langem ein kaum mehr kontrolliertes
Eigenleben. Das Pentagon mit seinen knapp 40 Geheimdiensten
ist zu einem Staat im Staate geworden. Leslie Wayne beschrieb
in der New York Times (14. Oktober 2002), wie mit dem Krieg
gegen den Terror im Pentagon eine uralte Kriegspraxis
wiederauferstand: das Anheuern von Söldnern. Nur heißen sie
heute: »private military contractors«. Einige dieser Söldnerfirmen
sind Subunternehmen von Konzernen aus der Liste der fortune
500 (der 500 größten Vermögen). Leslie Wayne: "Das Pentagon
kann ohne sie keinen Krieg führen ... Private militärische
Vertragspartner sind das neue geschäftliche Gesicht des
Krieges." Diese Agenturen haben ihre Leute in Bosnien, Nigeria,
Mazedonien, Kolumbien und anderswo. MPRI, einer der
Branchenführer, brüstet sich, "mehr Generäle per Quadratfuß als
das Pentagon zu haben". In Friedenszeiten können sie unter
Ausschluss der Öffentlichkeit geheime Missionen übernehmen.
Sie stehen in keiner Befehlskette und sind nur ihrem
Auftraggeber, dem Pentagon oder State Department, aber nicht
dem US-Kongress rechenschaftspflichtig.

Auch mit anderen Kernstücken der amerikanischen Verfassung,
der Rede- Informations- und Pressefreiheit, steht es im Amerika
George W. Bushs nicht zum Besten. Längst sind die großen
US-Medien, die den Big Corporations gehören oder von diesen
gesponsert werden, auf den Kurs der Regierung eingeschwenkt,
de facto gleichgeschaltet. Kritische Sendungen gelten als
»unpatriotisch« und fallen der Selbstzensur und dem ungeheuren
Konformitätsdruck zum Opfer. Während des Irak-Krieges wurden
Jugendliche in ihren Schulen schon wegen T-Shirt-Texten wie
»Give Peace a Chance« bestraft und in Einkaufszentren mit
Hausverbot belegt.

Der Durchschnittsamerikaner ist politisch so schlecht informiert,
als habe er die Parole der Partei in Orwells Roman "Unwissenheit
ist Stärke" längst verinnerlicht. Sage und schreibe 44 Millionen
Amerikaner sind nicht imstande, Texte zu lesen und zu schreiben,
die auf dem Niveau der vierten Schulklasse liegen. Mit anderen
Worten, sie sind faktisch Analphabeten. Der Durchschnittsbürger
verbringt 99 Stunden im Jahr mit der Lektüre von Büchern und
1.460 Stunden vor dem Fernsehapparat. Nur elf Prozent der
Amerikaner lesen regelmäßig eine Tageszeitung.

Dass eine Bevölkerung, die ihr Weltbild fast nur über das
Fernsehen gewinnt, beliebig manipuliert, indoktriniert und von
Ängste gejagt werden kann, liegt auf der Hand.

Während des Aufmarsches der US-Truppen am Golf sah
Condoleezza Rice, die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, gar
einen Atompilz über New York aufgehen, wenn Saddam Hussein
nicht endlich das Handwerk gelegt werde. Unmittelbar vor Beginn
des Irakkrieges am 19. März wurden die Bürger in zahllosen
TV-und Radio-Spots des Heimatschutzministeriums aufgefordert,
ihre Wohnungen vor möglichen biologischen und chemischen
Angriffen zu schützen. Dazu sollten sich die Familien in einem
vorab festgelegten Raum des Hauses versammeln und dort
Klebebänder und schwere Plastikdecken zum Abdichten von
Türen und Fenstern bereithalten.

Im Mai fand in einem Industriegebiet von Seattle die bislang
größte Terrorschutzübung in der Geschichte der USA statt. Das
fiktive Szenario: Terroristen mit dem Namen »Glodo« zünden eine
»schmutzige Bombe«, die mit radioaktivem Material angereichert
ist. Die Bilanz: 150 Menschen werden getötet oder
lebensgefährlich verletzt. Radioaktive Wolken ziehen
kilometerweit über die Stadt. Eine zweite Autobombe wird im 65
Kilometer entfernten Tacoma gezündet, ein Terrorist dringt in die
Universitätsgebäude ein und nimmt Geiseln. Hunderte
Feuerwehrleute, Polizisten und Mitarbeiter von Rettungsdiensten
sind an der fünftägigen Übung beteiligt. Das Topoff 2 genannte
Manöver sollte möglichst realitätsnah ablaufen. Ein falsches
Nachrichtenteam ist auf der Suche nach Bildern von brennenden
Autos und Rettern mit Gasmasken. Sogar an Doubles von Bush
und Cheney wird gedacht.

Die Iris und sogar der Gang

Dass die Bush-Regierung zur Absicherung ihrer innen- und
außenpolitischen Ziele in der amerikanischen Bevölkerung
systematisch Angst und Hysterie schürt, war jüngst auch dem
»Capitol Hill Blue«- Bericht zu entnehmen, der entsprechende
Aussagen von Mitarbeitern des FBI und der CIA zitierte: Die
ständigen Warnungen vor Terroranschlägen in den USA würden
vom Weißen Haus fabriziert, ohne jeglichen Bezug auf Fakten, nur
um in der Bevölkerung das Gefühl der andauernden Bedrohung
aufrechtzuerhalten und der Politik des "starken und
entschlossenen Präsidenten" hohe Zustimmungsraten zu sichern.

Dass auch Orwells »Gedankenpolizei« im "Lande der
unbegrenzten Möglichkeiten" demnächst Einzug halten könnte,
belegt ein neues Überwachungssystem der Forschungsabteilung
des US-Verteidigungsministeriums - die Defense Advanced
Research Projects Agency (DARPA). Die ein oder andere
Anregung holte sich das Team von Ex-Admiral John Pointexter
bei George Orwell, darunter die Erkenntnis, wie wichtig eine
freundliche Namensgebung ist (bei Orwell das »Miniwahr«).
Nachdem der US-Kongress den Gesetzesentwurf für das Projekt
Total Information Awareness (zu Deutsch: totales
Informationsbewusstsein) nach massiven Protesten von
Bürgerrechtlern im Februar gestoppt hatte, startete die Regierung
Bush einen zweiten Anlauf unter der neuen unverfänglicheren
Bezeichnung Terrorist Information Awareness (TIA), zu deutsch:
Terroristenüberwachung. Für das Projekt hat das Pentagon für
dieses Jahr 9,2 Millionen Dollar bereitgestellt, doch soll die
Summe 2004 auf 20 Millionen und 2005 auf knapp 25 Millionen
Dollar steigen.

Herzstück der geplanten Big-Brother-Initiative ist eine Datenbank,
die öffentliche und private Informationen über Bürger enthalten
und die Suche nach Mustern terroristischer Umtriebe erlauben
soll. Erfasst werden sollen unter anderem der Internet-Verkehr,
kommerzielle und staatliche Datenbanken von Finanzinstituten,
Reiseunternehmen, Gesundheits- und Verkehrsbehörden. Seit
dem Patriot Act müssen auch Bibliotheken und Buchhandlungen
Daten über das Leseverhalten ihrer Kunden an die staatlichen
Ermittler weitergeben.

Doch zum Entsetzen von Bürgerrechtlern ist das nicht alles. Die
DARPA gab jetzt bekannt, auch ein Projekt namens Lifelog zu
verfolgen und damit alles über einen Menschen aufzuzeichnen,
was sich elektronisch überhaupt erfassen und auswerten lässt:
Jede E-Mail, jede angesteuerte Webseite, jedes
Telefongespräch, jede angeschaute Fernsehsendung, jede
gelesene Zeitung und jedes Buch. Dem Auge des Großen
Bruders soll nichts mehr entgehen. Zusätzlich soll die Biometrik
helfen, Menschen auf der Spur zu bleiben. Gesichtsform, die Iris
und sogar der Gang sollen jedes Individuum identifizierbar
machen. Radarstrahlen werten dabei die Bewegungen aus und
erkennen ein Muster, das so einzigartig sein soll wie ein
Fingerabdruck - ein technisch ausgeklügeltes
Schnüffelprogramm, das selbst Orwells »Gedankenpolizei« alt
aussehen ließe.

Wenn das andere, das liberale und pazifistische Amerika, das vor
dem Irak-Krieg zu Hunderttausenden auf die Straße ging, sich
nicht gegen diese Entwicklung stemmt, könnte es sich schon bald
in einem Orwell´schen Polizei- und Überwachungsstaat
wiederfinden, in dem die »innere (Unternehmer) Partei« die
manipulierten Massen in einem Dauerzustand patriotischer
Wehrhaftigkeit hält und ihre Streitkräfte gegen immer neue
Phantomfeinde in den Krieg schickt.


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