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Hans*im*Glück schrieb am 10.6. 2005 um 01:19:26 Uhr über

schutzlos

Achtung, es folgt eine langweilige semantische Betrachtung! (Lieber gleich weiterklicken?)

Also: obwohl die Nuance nicht sehr groß ist und die meisten Leute sich daran gewöhnt haben, dass schutzlos im Sprachgebrauch oft nicht richtig benutzt wird (oder das selber machen), fällt es mir immer wieder wie ein Stich, manchmal auch als eine Verharmlosung auf.

Schutzlos wird oft mit ungeschützt verwechselt bzw. an dessen Stelle gebraucht, hat aber viel mehr mit vogelfrei zu tun.
Es ist ein eher existenzieller Begriff, außerdem dem Sprachgefühl nach eher adverbial, auch wenn formal die Benutzung als Adjektiv manchmal möglich ist.

Fast immer ist ungeschützt die richtige oder bessere Alternative an Stelle von schutzlos; als Beispiel:
~ 888 x steht im Blaster der Satz »mein blanker Hintern war schutzlos dem Rohrstock ausgeliefert«.

Nicht richtig, aber sprachlich richtig wäre:
»mein Hintern war ungeschützt dem Rohrstock ausgeliefert« (nämlich ohne den relativen 'Schutz' einer Hose usw., was die Verfasser mit 'schutzlos' ausdrücken wollen);
während es andererseits richtig wäre, darüber zu sagen:

Ich war schutzlos der Gewalt meines Vaters ausgeliefert.

Beim Bild »ungeschützt Sex haben« wird hingegen der richtige Begriff gebraucht; d.h.: nicht ungeschützt rumzuficken, um danach nicht schutzlos z.B. HIV ausgeliefert zu sein.

Was ich sagen wollte: ungeschützt hat den konkreten, den Detail - Bezug; schutzlos hingegen ist der »große«, der umfassende(re), auch abstraktere Begriff.

Wen das alles nicht interessiert, der kann ja einfach das Wort (möglichst sensibel, wenn er schon bis hierher gelesen hat?) gebrauchen.

Denn schutzlos ist längst ziemlich abgenutzt und seine existenzielle Bedeutung im Sinne von vogelfrei wird kaum noch wahrgenommen; sicher ist dafür aber auch die massenhafte Schutzlos-Machung von Menschen weltweit und unsere hilflose Verleugnung dieses Geschehens verantwortlich.

Schutzlos wörtlich bedeutet ja: ich bin dem drohenden Tod ausgesetzt.




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