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Liquidationsdefensive schrieb am 22.10. 2002 um 20:02:08 Uhr über

Hausmeister

Das gefährliche und respekteinflößende Instrument unseres ehemaligen Schulhausmeisters, optisch eine verblüffende Mischung aus Samuel Beckett und Rudi Carell, war sein eigener Zeigefinger. Mit diesem allein und der Macht des schlechten Gewissens, das er in den Schülern zu erwecken wusste, führte er seine Schlacht gegen die Unsauberkeit und das Rabaukentum. Kam man im ungünstigen Moment in die kleine Eingangshalle der Schule, die immer wieder gern als minimaler Fussballplatz mit Banden genutzt wurde, und er stand zufällig dort herum und sah einen, schaute er einen wortlos streng an und, ohne seinen Blick abzuwenden, wies er mit seinem Finger auf eine Wand, so dass man unweigerlich dieser Linie folgen und das Auge am Ende den Ort des Schmutzes, diesen Beweis der Fahrlässigkeit und der hausmeisterlichen Sittenwidrigkeit, erreichen musste: den unzweifelhaften abscheulich grauen Abdruck eines Tennisballs an der schönen hellen Wand. Die Chance zu einer Stellungnahme raubte er einem jedoch schnell, denn sobald er bemerkte, dass man den elenden Fleck wahrgenommen hatte, senkte er seinen Finger, drehte sich ab und ging davon. So musste man nun allein und in Reue mit sich selbst wieder ins Reine kommen. Mir ist nie wirklich klar geworden, ob diese Haltung strenger und erdrückender Moralität nicht tatsächlich nur Ausdruck seinens Leidens an unserer Schlechtigkeit war. Irgendwie hatte er es jedenfalls schwer.


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