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In wir:
“81 Jahre nach dem Ende des Holocaust bin ich froh, dass jüdisches Leben wieder in Berlin existiert. Dieses jüdische Leben muss geschützt und sichtbar gemacht werden, die Bedarfe von jüdischen Menschen in der Stadt müssen ernst genommen werden.”
Dann wechselt Frau Eralp vom Singular zum Plural und ist nicht nur froh, sondern auch dankbar, dass ein vielfältiges Leben in Berlin existiert.
„Wir sind froh und dankbar, dass 80 Jahre nach dem Holocaust und der systematischen Ermordung, Vernichtung, Vertreibung und Entrechtung von Jüdinnen und Juden, wieder vielfältiges jüdisches Leben in Berlin existiert.
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Es gilt, diese Präsenz zu schützen und die gleichberechtigte Teilhabe von Jüdinnen und Juden zu gewährleisten – sichtbar und wirksam im Alltag unserer Stadt, nicht bloß im Ausnahmezustand.“
Worauf man in diesem Zusammenhang achten muss, ist das Wort sichtbar, das in dem 5-Punkte-Plan etwa ein Dutzendmal vorkommt.
Als Linke Berlin stehen wir unmissverständlich an der Seite von Jüdinnen und Juden sowie ihren Communities und setzen uns dafür ein, dass jüdisches Leben in unserer Stadt sicher, sichtbar und selbstbestimmt gelebt werden kann.
Sicher, sichtbar und selbstbestimmt. Damit kommen wir zum Punkt 1. Und der lautet: Jüdisches Leben fördern
Jüdische Initiativen, Räume und Geschäfte in Berlin müssen erlebbar und sicher zugänglich sein.
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Unser Ziel ist Sicherheit, ohne jüdisches Leben zu isolieren oder unsichtbar zu machen.
Zentral für Sichtbarkeit und Teilhabe sind die Berücksichtigung jüdischer arbeitsfreier Feiertage in öffentlichen Einrichtungen, etwa flexible Regelungen bei Prüfungen in Schulen, Hochschulen und Verwaltung.
Wir wollen im Herzen Berlins jüdische Feste feiern und auch mit entsprechenden Symbolen und Beleuchtung im Stadtbild sichtbar machen, denn Rosch ha-Schana gehört genauso zu Berlin wie Weihnachten und das Zuckerfest.
Da hat sich Frau Eralp eine Menge vorgenommen. Grundsätzlich sind wir auch dafür, jüdische Feste im Herzen von Berlin zu feiern, am besten am Herrmann-Platz oder auf der Sonnenallee, wo die Akzeptanz jüdischer Bräuche und Feste besonders stark entwickelt ist.
Auf Punkt 1. folgt Punkt 2. Jüdische Vielfalt unterstützen und Bedarfe ernst nehmen.
Viele ältere jüdische Menschen sind von Altersarmut betroffen, gerade auch diejenigen, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks migriert sind. Unser Engagement gegen Altersarmut auf Bundes- und Landesebene ist daher auch ein Beitrag zur Stärkung jüdischen Lebens. Das trifft auch auf die Frage der bezahlbaren Mieten und der Bekämpfung von Wohnungsnot und Verdrängung aus dem eigenen Kiez zu, die auch unsere jüdischen Nachbar*innen treffen, insbesondere diejenigen, die an Schabbat nicht das Auto oder Bus und Bahn nutzen.
Neben Lösungen für hinreichende Pflegestrukturen und dem Abbau möglicher Sprachbarrieren muss gewährleistet werden, dass das Pflegepersonal jüdische Kultur und Perspektiven kennt und antisemitismussensibel handelt. Hierfür bedarf es des Ausbaus sensibilisierender Schulungen sowie strukturentwickelnder Maßnahmen und der stärkeren Förderung in diesem Feld bestehender Initiativen. Dabei müssen auch strukturelle Diskriminierung und institutionelle Barrieren berücksichtigt werden.
Außerdem wollen wir die Strukturen und Angebote stärken, die sich für und mit jüdischen Menschen mit Behinderung in Berlin einsetzen.
Es braucht Räume und spezialisierte Beratungsangebote für jüdische queere Personen, die antisemitismuskritisch und diskriminierungs-sensibel gestaltet sind.
Diskriminierung jüdischer queerer Menschen auch innerhalb der Communities muss benannt und ihr entgegengewirkt werden…Durch Anlaufstellen, Orte und Programme für jüdisch-queere Sichtbarkeit garantieren wir einen sicheren und selbstverständlichen Platz in Berlin.
…die Sichtbarkeit jüdischen Lebens schaffen und die Vielfalt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Dialog in unserer Stadt stärken.
So sollen auch Rabbinerseminare in unsere Stadt geholt und dauerhaft abgesichert werden.
Wir wollen auch die Sichtbarkeit jüdischer Kulturschaffender stärken…
Das ist eine Menge Holz, das noch kleingehackt werden muss, bevor ältere jüdischen Menschen, die von Altersarmut betroffen sind, bezahlbare Wohnungen finden und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens dadurch hergestellt wird, dass Rabbiner-Seminare nach Berlin geholt und dauerhaft abgesichert werden.
Punkt 3. kündigt an, man werde die Erinnerungsarbeit von unten gemeinsam gestalten
Wir wollen jüdische Geschichten in Berlin lokal stärker verankern, sichtbar machen und partizipativ vermitteln als lebendigen Bestandteil der Stadtgesellschaft.
Aus der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ziehen wir Lehren, um Schutz, Sichtbarkeit und gleichberechtigte Teilhabe jüdischen Lebens in unserer Stadt nachhaltig zu stärken und strukturell zu verankern.
Punkt 4. fasst zusammen, was in den Punkten 1. bis 3. bereits gesagt wurde: Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen erkennen und als Gefahr für Demokratie und ein friedliches Zusammenleben ernst nehmen
Antisemitismus hat gravierende Folgen für jüdische und jüdisch gelesene Menschen. Antisemitismus schränkt ihren Alltag ein, drängt sie aus der Sichtbarkeit und kann bis zur Gefährdung ihres Lebens führen.
Der Anstieg und die seither sichtbare Radikalisierung antisemitischer Einstellungen und Gewaltdynamiken stellt eine reale Gefahr für Jüdinnen und Juden, für ein sichtbares und unbeschwertes jüdisches Leben sowie für ihre Teilhabe in unserer Stadt dar.
Ungesagt bleibt, was jüdische von jüdisch gelesenen Menschen unterscheidet. Ist es vielleicht die Lesbarkeit, eine Folge der Sichtbarkeit?
Punkt 5. ist das Grand Finale des 5-Punkte-Plans: Antisemitismus bekämpfen und antisemitismus-kritische Strukturen langfristig erhalten und stärken
Wir werden deswegen den gesellschaftlichen sowie den interreligiösen und interkulturellen Dialog stärken… Dialog- und Trialogarbeit an Schulen werden wir ausbauen – gegenwartsbezogen und sensibel für die Lebensrealitäten der Jugendlichen. Dazu gehört neben der Aufklärung über den Hitler-Faschismus und die NS-Zeit auch eine historisch fundierte Bildungsarbeit zur Geschichte Israels, Palästinas und des Konflikts zwischen beiden, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt, ohne politische Differenzierungen einzuebnen.
Uns ist wichtig, dass auch die Arbeit von Einrichtungen gestärkt wird, die intersektional und multidirektional arbeiten und antisemitismus-kritische und rassismuskritische Ansätze in ihrer Arbeit verbinden.
Wir werden die Forschung und Beratung zum strukturellen und institutionellen Antisemitismus in Berlin fördern… Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch alle öffentlichen Einrichtungen und Institutionen müssen antisemitischkritisch und antisemitismussensibel aufgestellt sein.
Als Linke Berlin wollen wir jüdische Selbstorganisation und community-basierte Projekte sowie Anlaufstellen fördern. Sie stärken jüdisches Leben nach innen, machen es nach außen sichtbar und ermöglichen Begegnung mit anderen Communities.
Unser Ziel ist eine Stadt, in der jüdisches Leben sicher, sichtbar und selbstbestimmt gelebt werden kann. Ein Berlin frei von Antisemitismus, Rassismus und jeder Form von Gewalt.
Das toppt alles. Man mag es Dummheit oder Naivität nennen, es ist eine Ahnungslosigkeit, die sich mit jedem Satz selbst überbietet. Elif Eralps 5-Punkte-Plan zum Schutz jüdischen Lebens ist eine Mogelpackung. Wer eine „Sichtbarmachung“ jüdischen Lebens für erstrebenswert hält, sollte wissen, dass es so etwas schon mal gegeben hat, als jüdische und jüdisch gelesene Menschen mit einem gelben Judenstern markiert wurden.
Der 5-Punkte-Plan war auch die Grundlage für die bis gestern Abend ausgehandelte rot-rot-grüne Antisemitismus-Vereinbarung, die Sie u.a. hier im Wortlaut finden.
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Beitragsbild: Imago
Henryk M. Broder Henryk Modest Broder, geb 1946 in Katowice/Polen, kam 1958 mit seinen Eltern über Wien nach Köln, wo er zuerst den Führerschein und dann das Abitur machte. Sein Weg führte ihn von den St. Pauli Nachrichten, konkret und pardon über die Frankfurter Rundschau, die taz, die ZEIT und den SPIEGEL zur Welt-Gruppe. Mitbegründer der Achse des Guten. In… Mehr
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