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Die Baumeister der Gegenwart haben immerhin Humor bewiesen, sie für das Europäische Parlament in kurz vorm neuen Jahrtausend einen kaum zu übersehenden Turm zu errichteten. Hier mischen seitdem in den erstaunlich kurz gehaltenen Sitzungswochen babylonisches Stimmengewirr, serviler Dilettantismus und spektakulärer Hochmut. Vermutlich so lange, bis der Wasserkopf des Kontinents irgendwann implodiert.
Dazu passend hat sich – so liest man jedenfalls – irgendwo in einer fehlenden Etage des Gebäudes die nackte Kaiserin in einer Art Grabkammer verbarrikadiert. Ein Ort, zu dem man jetzt nur noch durch schmale Schächte unter Verwendung geheimer Zahlencodes vordringt. Das ist zweckmäßig, denn dort, in den verborgenen schalldichten Gemächern, holt einen die eigene Vergangenheit ganz gewiss nicht mehr ein. Kein Versagen, kein Betrug, keine Geldwäsche. Ob es nun um Plagiatsvorwürfe geht, ein früher mal fröhlich heruntergewirtschaftetes Heer, mysteriöse Beraterverträge hier, Milliardendeals per Textnachrichten da, die immer wieder wie von Geisterhand verschwindenden Daten, bereits rechtskräftig ergangene Urteile, irgendwelche Misstrauensanträge… nichts ficht Cleopatra mehr an. Die christdemokratische Mumie kehrt zurück. Ans Regiepult. Du kannst. Dich. Drauf verlassen!
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