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Testosteron
Testosteron, als wichtigstes testikuläres Hormon, und seine Substitution ist in den letzten Jahren immer
mehr in das Blickfeld der klinischen Forschung getreten, insbesondere in der Therapie der
altersassoziierten Andropenie. Die Symptomatik eines Androgenmangels ist abhängig vom Zeitpunkt des
Auftretens. Während der Fetalzeit resultiert eine Intersexualität (Pseudohermaphrodismus masculinus),
bei ausbleibender Testosteron-Produktion zur Pubertät das Bild des Eunuchoidismus und bei Eintreten
der endokrinen Insuffizienz im Erwachsenenalter ist oft nachlassende sexuelle Appetenz das erste
klinische Zeichen. Weitere Hinweise für einen Androgenmangel beim erwachsenen Mann sind
nachlassende körperliche Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und depressive Stimmungslage. Aber
auch Knochenschmerzen und Frakturen aufgrund einer Osteopenie/Osteoporose sollten an einen
Testosteronmangel denken lassen. Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Testosteronproduktion um
durchschnittlich ein Prozent pro Jahr ab, was letztlich zu oben beschriebener Symptomatik mit
entsprechendem Leidensdruck führen kann. Neben einer nachlassenden Produktion von Testosteron führt
aber auch eine erhöhte Bindungskapazität des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) zum Bild des
Hormonmangels. Vor Beginn der Substitutionstherapie eines männlichen Hypogonadismus ist die
Unterscheidung zwischen einem primären (hypergonadotropen) und einem sekundären
(hypogonadotropen) Hypogonadismus durch Bestimmung des Gesamttestosterons und der
Gonadotropine zu treffen. Die Indikation zur Hormonersatztherapie beim altersbedingten Androgendefizit
ergibt sich dann, wenn die entsprechende Symptomatik oder Befindlichkeitsstörung bei gleichzeitigem
Hormonmangel nachgewiesen werden kann. Günstige Auswirkungen hat die Therapie auf den
Knochenstoffwechsel, wobei eine statistisch signifikante Reduktion der Frakturrate i. R. einer
androgenmangelbedingten Osteoporose bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Auch die
Androgenmangelanämie und die Sexualfunktion werden günstig beeinflußt, der Nachweis einer
Besserung der erektilen Dysfunktion steht aber noch aus. Unterschiedliche Wirkungen finden sich
hinsichtlich des Fettstoffwechsels. Während bei jüngeren Männern eine Suppression des
HDL-Cholesterins beschrieben wird, bleibt dieses bei älteren Männern unbeeinflußt bei gleichzeitig
leichter Reduktion von Gesamt- und LDL-Cholesterin, ohne dass dafür bisher eine Erklärung geboten
werden kann. Mögliche nachteilige Effekte hat die Hormonersatztherapie bei vorbestehender benigner
Prostatahypertrophie und beim Prostata-Karzinom, welche auch als Kontraindikation angeführt werden.
Als weitere Kontraindikationen gelten derzeit ein Schlafapnoe-Syndrom, sowie eine Polyglobulie.
Durchgeführt wird die Therapie am günstigsten mittels intramuskulärer Depot-Gabe von
Testostosteron-Enanthat (z.B. 250 mg alle 3-4 Wochen), auch wenn daraus eher unphysiologische
Serumspiegel resultieren (anfangs zu hoch, gegen Ende erniedrigt). Alternativ kommt die transdermale
(skrotale und nicht-skrotale) Applikation mit einem Testosteronpflaster in Frage. Nachteilig sind hierbei
die erheblich höheren Therapiekosten, sowie die bei skrotal appliziertem Pflaster erhöhten Serumspiegel
an Dihydrotestosteron (als möglicher Induktor für eine Prostatahypertrophie), so dass diese Therapieform
gegenwärtig eher bei Kontraindikationen gegen i.m.-Injektionen in Frage kommt. Die orale Gabe von
Testosteronundecanoat hat die geringsten therapeutischen Effekte aufgrund stark schwankender
Serum-Testosteronspiegel. Außerdem muß die Einnahme alle 8 Stunden erfolgen wegen der kurzen
Halbwertszeit (z.B. 3 x 40mg). Mit Vorsicht zu handhaben ist die subkutane Implantation von
Testosteron-Pellets. Trotz rel. gleichmäßiger Testosteronspiegel und den damit günstigen Auswirkungen
auf die Sexualfunktion wird der Einsatz dieser Therapieform kontrovers diskutiert, da sie sich im Falle
möglicher Nebenwirkungen (insbesondere einer Prostatahypertrophie) nicht sofort beenden lässt. An
unerwünschten Wirkungen einer Testosteronersatztherapie finden sich neben dem möglichen
ungünstigen Einfluss auf das Prostatawachstum in selteneren Fällen eine Gynäkomastie, das Auftreten
einer Akne, eine leichte Gewichtszunahme durch Wasser- und Natriumretention, Induktion einer
Polyglobulie , sowie das Auftreten einer Schlafapnoe bei vorbestehender chronisch-obstruktiver
Lungenerkrankung. Unter Therapie sollten regelmäßige Kontrollen des Prostata-spezifischen Antigens,
des Blutbildes und der Blutfette stattfinden, ebenso wie die Endosonographie der Prostata.
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