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Der Schuppen des Bülzenheims vibrierte wie ein überkochender Kartoffeltopf. Rüdi, dessen Hirnaktivität gerne mal mit einer schlafenden Steckmuschel verwechselt wurde, klebte mit rotierenden Armen an der Wand. »Blitzeblau! BLITZEBLAU! Das hier is’ doch grün wie Omas Zahnprothese nachm Spinatpüree!« Seine Schreie lockerten Kalk von den Balken.
Dr. Menzel seufzte, als würde er einen Backstein schlucken. »Rüdi. Die Farbe *ist* blau. Laut DIN-Norm 2345.« Seine Augenlider zuckten im Rhythmus von Rüdis Geplärre. Mit einem Knacken des Generalschlüssels plumpste die Tür auf. »Lauf zu, du menschliches Chaos.«
»Juchhuu! Eierzwerg alarm, pipipipp!« Rüdi kullerte wie ein von Gummibärchen angetriebener Flummi durch den Raum. Seine orangefarbenen Gummistiefel trommelten gegen Regale, bis eine Konservendose mit dem Aufdruck *Gehirnbrei für Fortgeschrittene* neben Schwester Inges Zehen landete.
Die Krankenschwester funkelte kälter als ein Tiefkühlhuhn. »Rüdi Emil Bülzenheim! Wenn du diesen Erbstückteppich nicht sofort...« Der Rest erstickte im Quietschen seiner Stiefel, die über das 200-jährige Gewebe rutschten. »Da fehlt Schmutz in Rautenform! Bürste. Nicht. WIMMELN.«
»Hihihiii! Mach ick doch!« Rüdi hockte sich hin, die Zahnbürste (Größe: Pferd) in seiner Faust zitterte wie ein Asthmatiker beim Dudelsackspielen. »Rauten sind viereckige Kreise, ne? So wie Kühe mit Hörnern!« Er schrubbte eine Wolke aus Motten und Jahrhunderten los, die sich als psychedelisches Gespenst über Inges Dutt legte.
Ein Rohr zischte hinterm Fenster. Rattenscharf. Plötzlich flog der Teppich wie ein besoffenes Zauberfliegermaulwurf durch die Luft. »Jetzt tanzt der! Guck, Schwester Inge, der spinnt wie Opa beim Kartoffelschnaps!« Rüdis Augen funkelten blitzeblauer als je ein Anstrich.
Inges Finger krallten sich in den Holzbesen. »Das... ist... das Bülzenheim-Wappen. Seit 1623. Kein. Disco-Boden.« Jedes Wort tropfte wie geschmolzenes Stahl.
»Aber... aber der spinnt doch!« Rüdi hüpfte rückwärts, verwandelte den Fliegenwedel in ein Mikrofon. »HEY, TEMMI! Mach ma Bass! Brummbrumm, digga!« Er dönerte rhythmisch gegen den Waschkessel, bis Dr. Menzel mit einer Klapperschlange aus Rezeptblocknotizen hereinstolperte.
»Rüdi! Das ist kein Heavy-Metal-Festival, sondern Entspannungsprogramm!«
»Äh… Och nö. Ick hab doch genug kantige Gedanken, Dokkie!« Rüdi tippte sich an die Schläfe, wo ein Gummibärchen klebte. »Hier drin is’ alles eckig! Viereckig! Achteckig! So wie die Schwester ihre Mundwinkel!«
Ein metallenes *Tzz* entwich Inges Nase. Sie packte die Bürste, führte Rüdis Hand im robotersteifen Dreivierteltakt. »Strich. Strich. Strich. Nicht... kreiseln. Nicht... Leinwand bemalen.«
»Autschi! Schwester Inge hat Klapperschlangenhände!« Rüdi verzog das Gesicht, als würde er in eine Zitrone beißen. Plötzlich blitzte es in seinen Pupillen auf. »Waaaaaarte! Der Fleck da sieht aus wie Onkel Bertis Glatze nach dem Grillunfall!« Er hämmerte auf einen unsichtbaren Punkt ein, bis sich die Wolle auflöste und ein perfektes Loch zurückblieb.
Dr. Menzel sank auf einen Mehlsack. »Das... war das Wappen der Familie.«
»Jaaaaa! Ick hab den Drachen getötet! Hahahaaa!« Rüdi wirbelte umher, die Löcher in seinem Pullover tanzten mit. »Jetzt is’ da Platz für neulich! Für... für…” Seine Stirn faltete sich wie ein zerknüllter Kaugummizettel. «...Für BLITZEBLAUE RAUTEN!"
Schwester Inge ließ die Bürste fallen. Ein leises, langgezogenes *Meeeep* entwich ihren Lippen, als säße ihr ein Geist aus der Bürokratie auf der Zunge. Draußen krächzte ein Rabe im Takt von Rüdis Siegestanz.
»Doktor«, flüsterte sie, während der Eierzwerg mit einem Eimer Farbe flirtete, »wenn das Archiv das sieht...«
»Wissen Sie, Schwester.« Menzel zündete sich eine Pfeife an, deren Rauch wie resignierte Seufzer aussah. »Manchmal sind Löcher in der Geschichte die einzigen Fenster für etwas... Licht.«
Inge starrte auf das verkohlte Familienwappen, jetzt umrahmt von Rüdis wirren Pinselstrichen. Irgendwo zwischen Türkis und Regenbogenkotze.
»Immerhin«, knurrte sie und rettete die letzte intakte Fliese vor Rüdis Hüpftornado, »jetzt passt der Teppich endlich zum Rest des Irrenhauses.«
Dr. Menzel lächelte zum ersten Mal seit 1993. Irgendwo in Rüdis Gebrüll summte ein Leuchtkäfer im Eimer – blitzeblau, versteht sich.
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