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Mit kalkweißem Gesicht raffte die Königin ihre Röcke und rauschte außer sich vor
unterdrücktem Zorn davon.
Hah, fiel ihr da ein.
........FAUST ZITAT : Hab ich nicht ach studiert .............
Ein zufriedenes Grinsen überzog ihr Gesicht. Sie eilte die schmale Wendeltreppe in die
unterirdischen Keller des Schlosses hinunter, wo sich hinter einer Geheimtür ihre
Magierwerkstatt befand. Tja, wenn man das nötige Know How besaß, war nichts
unmöglich.
Fieberhaft überlegte sie, öffnete so manche Schublade, den einen oder anderen
verstaubten Kasten, wälzte Folianten deren Deckel altersgrau und mürbe waren. Plötzlich
fiel ihr eine kleine Flasche in die Hand. Es sah seltsam aus, das Glas war undurchsichtig,
wechselte aber, abhängig davon, wie sie es hielt, die Farbe, mal grün, mal eher ins violette
changierend.
Es war verkorkt und mit rotem Wachs versiegelt. Ja, jetzt erinnerte sie sich. Gundula
Gaukeley hatte es ihr beim letzten Kränzchen mit einem maliziösen Lächeln überreicht.
Oder war es Wanda Witch gewesen, beim Klassentreffen? Na egal, nur mal dran
schnuppern. Ja Neugier war eine ihrer hervorstechenden Eigenschaften. Vorsichtig
öffnete sie es, fächelte sich mit der Hand das Aroma zu und..........ein Wirbel umfing sie, ihr
wurde ganz schummerig, so merkwürdig blümerant, alles um sie herum verschwand in
diesem kaleidoskopartigen Wirbel, immer enger wurde ihr Gesichtskreis. Ihre letzten
Gedanken waren
„Wenn ich dich erwische Gundel....."
plonk*
<Traumsequenz
Sie hatte noch sein kreischen und wimmern im Ohr. Das schlachten und zerteilen war eine
mühselige Plackerei gewesen, hatte längere Zeit gedauert, als sie geplant hatte. Aber es
hatte sich gelohnt, schönes schieres Bratenfleisch, fettes Suppenfleisch, ein praller
saftiger Schinken und ein paar Krüge abgeschöpftes Fett füllten die Regale in der
Vorratskammer. Sie hatte alles sorgfältig gepökelt, Würde einiges räuchern, hatte die
Reste im Sumpf, hinter dem Haus versenkt und wieder alles blitzblank geputzt. Nun hatte
sie sich ihren Feierabend verdient.
Die Sonne Würde bald untergehen, und Gretel Würde dann auch kommen. Gerade
rechtzeitig zum Abendessen. Ein saftiges, fettes Stück aus der Keule hatte sie am
Grillspiess befestigt und briet es. Ein verführerischer Bratenduft durchzog das Haus, sie
war gerade noch rechtzeitig fertig geworden. Das dicke Stück Fleisch brutzelte über der
Feuerstelle, die Schwarte war dunkelbraun und knusprig, ab und an prasselte es, das
Feuer loderte hell auf, wenn immer wieder dicke Tropfen Fett ins Feuer fielen, und die
Suppe köchelte im Kessel vor sich hin. Der Rabe und die Katze hatten schon ihren Teil
bekommen und schlummerten vollgefressen, satt und träge. Der Alten knurrte der Magen.
Ende Traumsequenz>
„Oh Gott, was ist mir schlecht! Ich glaub, ich muß gleich mal........."
jammerte sie zum Gotterbarmen.
„Wenn ich dieses Miststück, die Gundel erwische bringe ich sie um, ganz langsam und
genüßlich."
Dann hielt sie inne, schnupperte, was war das für ein köstlicher Duft, überlegte sie.
„Wo zum Teufel bin ich eigentlich"
Nicht mehr im Schloß, das stand fest. Sie schaute sich um, irgendeine alte Kate, dürftige
Einrichtung, abgewetzte Bezüge auf den Möbeln. Da müßte Personal dringend mal
Ordnung schaffen. Und , iiigitt, auf ihrem Schoß schlummerte eine dicke, etwas räudige
Katze, wo sie doch eine Katzenallergie hatte.
Plötzlich stockte ihr der Atem. In was für einem Fummel steckte sie denn da? Ein
fadenscheiniges, wadenlanges Kleid in einem verschossenen Farbton. Eine Schürze
darüber, voller Flecken, roten Flecken, die so seltsam süßlich rochen. Und wieso juckte ihr
plötzlich die Nase. Ihre Hand fuhr hoch, entsetzt fühlte sie eine dicke Warze, ihre Haut
war such so komisch. Komisch? Waaaas, Falten, irgend etwas war da sehr merkwürdig.
Da mußte unbedingt ein Spiegel her, wo zum Teufel war ein Spiegel, sie stolperte hoch und
wäre bald aus ihren Pantoffeln gestürzt, ein paar abscheulich blaue Plüschpantoffeln. Das
war ein Alptraum, warum hörte der denn nicht endlich auf. Da, auf diesem windschiefen
Möbel lag ein verschmierter Handspiegel. Sie wischte mit dem Ärmel darauf herum,
schaute herein, schaute noch mal und kippte bald aus den Latschen. Ein häßliches, graues,
faltiges Gesicht hatte ihr entgegengeblickt.
„Gundel, das wirst du mir büßen!" brachte sie mit ersterbender Stimme hervor.
Die Katze war durch ihr plötzliches aufspringen auf den Boden geplumpst und miaute
kläglich, dann rieb sie sich wieder an ihren Beinen.
„Was riecht da eigentlich so köstlich?" bemerkte sie plötzlich wieder. Über der
Feuerstelle brutzelte ein großes Stück Fleisch. Es wurde schon langsam etwas
dunkelbraun, immer wieder spritzen Fetttropfen prasselnd ins Feuer.
Jetzt wurde ihr auch ihr knurrender Magen bewußt. Sie nahm sich ein daliegendes langes
scharfes Messer und säbelte sich eine ordentliche Portion herunter. Der Saft tropfte aus
ihren Mundwinkeln, als sie sich gierig darüber hermachte.
Plötzlich ein energisches Hämmern an der Tür und schon flog sie auf. Draußen standen mit
erhobener Flinte der Jäger, neben ihm ein halbwüchsiges verheultes Mädchen. Das
Mädchen stürzte auf sie zu, schlug mit ihren kleinen Fäusten auf sie ein und kreischte mit
ueberkippender Stimme:
„Was habt ihr mit meinem Bruder gemacht, wo ist Hänsel? Habt ihr ihn etwa schon...?"
und kippte in Ohnmacht, als sie die Alte noch kauend mit dem Stück Fleisch in der Hand
sah.
„Na, das ist wohl der Beweis. Endlich erwische ich dich mal auf frischer Tat. Ich hab schon
immer den Verdacht gehabt, das die verschwundenen Burschen in deinem Magen gelandet
sind."
Er packte sie, zerrte sie nach draußen, und
die Flinte knallte.
Ihr letzter Gedanke war
„Da ist ja wohl was verdammt schief gelaufen."
Wobei sie sich immer noch keinen Reim machen konnte, was eigentlich los war.
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