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Natürlich ist das Gegenteil von unnatürlich. Am satzanfang wird Natürlich gross geschrieben, was uns natürlich beweist, dass unsere Sprache völlig unnatürlich ist.
Natürlich nennen wir auch das, was für uns normal ist, was wir gewohnt sind.
Wenn jemand zum Beispiel andere Klamotten trägt oder einen anderen Geschmackt hat, dann wird er als unnatürlich bezeichnet. Natürlich sind all die Menschen, die das tun, was alle tun.
Alle gucken zum Beispiel die Tagesschau, lesen Zeitung, hören einen bestimmten Musiksender und feiern Weihnachten.
Wenn jemand jetzt kein Weihnachten feiert, keine Zeitung liest und einen völlig anderen Musikgeschmackt hat, dann wird er von den normalen Menschen geächtet, auf ihn wird mit dem Finger gezeigt, er ist der Letzte Dreck.
Die Menschen tun ihm ohne Skrupel weh und sie fühlen sich nicht dafür schuldig, weil derjenige, dem sie es antun anders ist, unnatürlich.
Wenn jemand in der Schule anders ist, »unnatürlich« dann wird er von den anderen gemobbt, meist völlig ohne Skrupel.
Sie ziehen über ihn her, lästern, lachen ihn aus, verbreiten Lügen oder treten und schlagen ihn, nur weil er unnatürlich ist aus ihrer Sicht.
Sie sind alle natürlich und in ihrer Gruppe fühlen sie sich wohl, weil dort alle natürlich sind. Unnatürliche Wesen sind dort nicht willkommen und werden ausgestossen. Dabei kann man gar nicht sagen, dass derjenige unnatürlich ist, er ist nur anders und vor anderen hat die Gruppe Angst, weil sie dann ihre eignenen Schwächen sehen könnten, das wollen sie nicht und deshalb verstecken sie ihre Schwächen indem sie über den Unnatürlichen herziehen. Sie haben Angst vor dem Fremden, sie fühlen sich unsicher... meistens sind aber gerade die Menschen die nettesten, die von der menge als unnatürlich abgestempelt werden, weil sie anders sind. Sie unterscheiden sich von der Menge, heben sich von der grauen Schafherde ab. Meistens können sie sich aber nicht entfalten und entwickeln, weil die menge versucht sie zu einem der Ihren zu machen, sie normal zu machen, zu dem zu machen, was sie als normal empfinden. Die Menge versucht sie zu assimilieren, leistet das Opfer Wiederstand, so wird es fertig gemacht und wenn das Individuum erstmal am Boden liegt, dann trampelt die Menge auch noch auf ihm herum, die Normalen kämpfen gegen eine Minderheit an, gegen die, die sich unterscheiden, gegen die wirklich interessanten menschen.
Sie bezeichnen sich und das was sie tun als »Normal« weil sie es nicht anders kennen, weil sie es gewohnt sind.
hamsta1@gmx.de
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