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voice recorder schrieb am 3.1. 2003 um 05:46:55 Uhr über

Rückständigkeit

ie amerikanische Prosa setzt der junge Essayist Richard Kostelanetz wierigkeiten begannen erst.' Und es ist bezeichnend für die arrivierünfziger Jahre, daß sie trotz großer Publikurnserfolge die Wende it ierten, fünften Romanen und Erzählungsbänden nicht schafften. Ihre sehr an vorgeprägte Klassifikationen und fordern geradezu eine g heraus, obwohl häufig genug die theoretische Einsicht vorhanden @Radikalisierung privat-persönlicher »Macken' aufzulösen zu größerischen« Komplexen ... und wie weit sich Literatur auflösen läßt, rry Fagins zwischen Prosa und Lyrik schwebende Stücke, die wie n Witzen wirken, ist das nur ein Extrem? Bisher gängige Kategorien üht, werden - dasselbe gilt für die abrupt in Wirrwarr übergehende arry Mathews, die weder inhaltlich (thematisch) noch von der veririgt und erklärbar ist: auch bei Mathews steht das Witzige vorne, chen' und so - ein Stückchen Freiheit realisieren, was den älteren tisch im Bewußtsein ist, ohne daß sie es jedoch noch wagte, und der Art der Becirbeitung eines Themas auszufahren. Saul Bellow Narr sein, um einer Revolution ihre ungünstige Auswirkung auf die s ist eine Geste der Anerkennung, die Bellow ehrt, wiewohl seine zu bemerkenden Veränderung - eben jene »ungünstige Auswirkung hzeitig auch seine eigne beschränkte Perspektive vorweist - wieso , läufig «ungünstig» zu sein? Von den jüngeren Autoren in den USA sehen, denn so kann es nur gesehen werden von jemandem, der im gerichtet hat, nur diesen Käfig und dieses Käfig-Gefühl kennt ... : «Gelegenheiten (und er setzt diesen Ausdruck kursiv) - das war iel für die ältere amerikanische Literatur, die gegenüber dem theoAutors zurückbleibt, ist der Roman »The Benefactor« (1963) von er offiziellen Kritik als »neu« »begrüßt' wurde (die Literaturkritik en zurückgezogen zu haben!). Der Unterschied liegt mithin weniger r Bearbeitung eines Themas, und hier erschlafft das genormte Vernd ganz vereinzelt lassen die Verlagsapparate die us «Gelegenprodukte durch, auch in den USA. So schreibt Kostelanetz (in: The i0r1): .. - - nearly all of the best fction written since then (1959/60) e-known writers,' - womit man auf jenen voroffziellen, unregulierin dem sich die neuen Trends heranbilden, jene Vorstöße, das ein bereits erwähnten Bereich der kleinen Magazine, der kleinen initiative der Autoren entstehen und die - im Gegensatz zu den keineswegs mit den Groß-Verlagen konkurrieren w,lle» indem sie ierten Autoren machen oder Oberhaupt nur «sch,5ne- Bücher. In ert cius dem Mcrktbereich, es ist kein Regulativ wirksam, alles ist selbst erlaubt. Zusammengenommen ist es "eine einzige große arlos Williams bereits früh definierte): zerlegte Einzelteile einer uch von Bellow spricht in der vorgelegten Anfertigung, die nicht Ausdruck artistischer, spezifisch literarischer Empfindlichkeit sein e, ausgeprägte literarische Struktur im Leser an, weil sie zu sehr und vom Schrott und vom Zufälligen im Lauf der Anfertigung

befreit worden ist. Für die Produkte, die im vor-offiziellen Bereich kursieren, gilt: daß die offensichtlichen Fehler und das nach tradierten Maßstäben Mißlungene relevanter sind als das Gelungene' . . . »Stochern Sie einfach im Gerümpel herum, vielleicht finden Sie da die Antwort«, heißt es bei Mary Beach. Das ist programmatisch zu verstehen für die nicht etablierte neue Prosa und Lyrik. Es ist intendiert, daß Schreiben heute größere sinnliche und bewußtseinsmäßige Einheiten im Leser anzusprechen hat. Angestrebt wird das von den jüngeren Autoren durch eine Kombination aus profanisierten Stilisierungen und der Hereinnahme eines Materials, dcis zu der verwendeten Stilisierung nicht paßt, aber dadurch gerade »paßt': Zufälligkeiten, Kombinationen aus dem Augenblick, Abfall, Gelegenheiten - im Rhythmus des vierzehntägigen Haarschnitts oder im Zyklus des vierwöchigen Kopfwaschens' - das elektrische gleichmäßige Summen: permanente Mutation. In einem größeren Umfang und also deutlich außen sichtbar begann das tatsächlich erst seit Beginn der sechziger Jahre, als ein Durchbruch zum persönlichen Lebensstil stattfand, wie Seymour Krim ausführt. «Die Welt hat sich geändert, also muß sich auch ihr Diagramm ändern.» (S. Krim, Die Zeitung als Literatur) - Die gängigen, längst schon nicht mehr eindeutig zu erkennenden Alternativen, aus denen das Schreiben so lange kritische Impulse bezog - hier Zivilisation, da Natur (und Natürlichkeit) - fielen einfach fort: Nehmen Sie die Rock-Musik! (Durch Handhabung hochtechnischer Geräte provoziertes sinnliches Erleben: die Erschließung neuer Gefühlsqualitäten im Menschen.) ... erinnern Sie sich? Kunst verteidigte immerzu «Natur', das Natürliche, das Ursprüngliche und spielte es gegen die bestehende Zivilisation aus: da gab es die »Bäume', den Blatterfoll, Spuren im Schnee, Hagebutten und die graue nordische Flechte - aus dem dcirauf programmierten Bewußtsein resultierte für den Schriftsteller das schlechte Gewissen' ... weil das Reden über Apfelbäume und Ahnliches ein Schweigen über gesellschaftliche Mißstände einschloß, HA!): wirkt sich nicht darin haltlos gewordene, verdrängte Innerlichkeit real aus? Das gleiche schlechte Gewissen' läßt sich bei den Schriftstellern der BRD heute angesichts der Apo-Aktivität wieder feststellen: was weniger symptomatisch ist für die proklamierte Rückständigkeit des Bereichs Literatur als vielmehr für das Veralten eines bestimmten Bewußtseinszustandes, das sich hierzulande darin zeigt ... dieses schlechte Gewissen äßt sich bei den jungen amerikanischen Autoren nicht feststellen. Kein: weißer Schnee deckt alles sanft zu, und von irgendwoher kommt die Musik Chopins - eine Reklame für Whisky am Abend - der Tag geht, und Johnny Walker kommt ... das nochdrückliche Ausspielen von «Naturprodukten' gegen die Produkte der »Zivilisation' wird nicht mehr verstanden ... (von den orthodoxen Hippies und ihren verschleppten Rousseauismen ist hier nicht die Rede) ... genommen wird, was da ist: «die Absurdität der Gesellschaft, die eigene Verrücktheit' (Kostelanetz). Nehmen Sie die Geschichte Kenward Elmslies vom »Heimischen Eingeweide« und fragen Sie sich, was Ihnen da genaugenommen erzählt wird - oder wie steht es mit den Readymades des Lyrikers John Giorno? Die Funktion, die sich in derartigen Arbeiten erkennen läßt, verweigert sich eindeutiger Interpretation, das ist ihr »Mehr' gegenüber den Arbeiten, die ausschließlich als Literatur' funktionieren - selbst bei offensichtlichem «Engagement' wie auch bei der Verweigerung eines Engagements und somit totalem Rückzug auf Wörter, Sprache, gemeinhin: auf den Kunstcharakter. Giornos GedichtRose«) besitzt sowohl das, was noch herkömmlichem Begreifen als Inhalt gilt, als auch eine »leere Form' in der direkten Hereinnahme von Anzeigen - was Geschichtslosigkeit anstrebt: also etwas, das Inhalt' eliminiert hat. Es hat einen hohen Bildgehalt, dennoch können Sie sich als Leser nichts davon abschneiden - das Gedicht ist nicht «zu gebrauchen', es hat Sie bereits verwertet, ohne daß es dadurch verlorengegcingen wäre im Abstrakten einer reinen Sprachtheorie: die Schlinge, die sich zuzieht. Vor allem aber ist es keine Synthese! Es ist synthetisch! ... dadurch,daß es sich in allen seinen einzelnen synthetischenteilen erklärt,wird derorigina-

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