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wuming schrieb am 7.7. 2010 um 21:36:06 Uhr über

Teufel



Fritz Teufel (* 17. Juni 1943 in Ludwigsburg; † 6. Juli 2010 in Berlin) wurde als West-Berliner Spaß-Revoluzzer während der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre der breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Literatur
3 Belege
4 Weblinks


Leben [Bearbeiten]
Fritz Teufel kam 1963 nach West-Berlin und begann ein Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Mit Dieter Kunzelmann und Rainer Langhans war er einer der Begründer der Kommune I, die Mutter aller Kommunen, die vor allem durch ihre bewusst provokanten und gegen die herrschenden Gesellschaftsbedingungen gerichteten Aktionen bundesweite Aufmerksamkeit erregte.[1]

Teufel und andere wurden Anfang 1967 festgenommen, als sie beim Werfen von Tüten beobachtet wurden. Die Polizei und die Presse bezeichneten dies als Attentat auf den damaligen US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey. Die weltweite Blamage war groß, als sich die Wurfgeschosse als Pudding- und Mehlbomben entpuppten („Pudding-Attentat“). Am Tag nach dem Besuch Humphreys wurden die vermeintlichen Attentäter wieder freigelassen.

Am 2. Juni 1967 wurde Fritz Teufel wegen eines angeblichen Steinwurfs während der Demonstration gegen den Schah Reza Pahlavi verhaftet und saß bis zum Verhandlungsbeginn im November in Untersuchungshaft. Während der Verhandlungen fiel Fritz Teufel vor allem durchaus Sicht der Staatsanwaltschaft – respektloses Verhalten auf. Als er eine längere Stellungnahme abgeben wollte, wurde er vom Richter ermahnt, er möge nur Tatsachen vorbringen, die der Wahrheitsfindung dienen. Etwas später kam er dann der Aufforderung des Richters, sich zu erheben, mit der BemerkungWenn's der Wahrheitsfindung dientnach. Am 22. Dezember 1967 wurde Teufel freigesprochen.

Mit der Zeit bewegte sich Fritz Teufel immer mehr in Richtung des bewaffneten Kampfes und der Stadtguerilla. Zwei Jahre Gefängnis brachte ihm das Herstellen von Brandsätzen ein, die in einem Münchner Gericht gefunden worden waren. Die Presse sprach von einem Fehlurteil, da keine Beweise für eine Beteiligung Teufels vorlagen.

Am 13. Oktober 1980 wurde Fritz Teufel angeklagt, als führendes Mitglied der Bewegung 2. Juni an der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz mitgewirkt zu haben. Erst nach den Plädoyers der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft, die 15 Jahre Haft gefordert hatte, legte Teufel ein Alibi vor, mit dem er nachweisen konnte, dass er zur Tatzeit in einer Essener Fabrik (Pagette) unter falschem Namen gearbeitet hatte. Er wurde daraufhin umgehend aus der Haft entlassen. Die späte Präsentation des Alibis begründete Teufel damit, er habe auf die tendenziöse Berichterstattung und pauschalen Vorverurteilungen bei Gerichtsprozessen (gegen politisch Linke) seitens der westdeutschen Presse aufmerksam machen wollen.

Am 19. Februar 1982 erregte er in der Fernsehsendung 3 nach 9 Aufsehen, in der er unter anderen mit dem damaligen Bundesminister für Finanzen Hans Matthöfer (SPD) über gutes Benehmen diskutierte. Im Gespräch mit dem Moderator zog er eine Wasserpistole und spritzte den Minister mit Zaubertinte nass. Matthöfer reagierte, indem er Teufel ein Glas Wein übergoss.[2]

Später arbeitete Teufel als freier Mitarbeiter bei der taz und als Fahrradkurier in Berlin. Weil er an Parkinson erkrankt war, musste er diese Tätigkeit aber aufgeben.[3] Zuletzt lebte er zurückgezogen mit seiner Lebensgefährtin und Freunden in Berlin-Wedding.

Literatur [Bearbeiten]
Marco Carini: Fritz Teufel, Konkret Literatur Verlag 2003, ISBN 3894582243
Rainer Langhans, Fritz Teufel: Klau mich, Edition Voltaire 1968, ISBN 3-88167-022-X
Martin Klimke/Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Ein Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Stuttgart 2007: Metzler. ISBN 3476020665
Belege [Bearbeiten]
zum Tod von Fritz Teufel - Artikel auf news.de
Ausschnitt aus der 3nach9 Sendung vom 19. Februar 1982 im ARD - YouTube Channel [Anmerkung: das angegebene Jahr 1986 ist falsch]
Lorenz Jäger, Zum Tod von Fritz Teufel. Die Späße, die ihr kennt., faz.net, 7. Juli 2010.
Weblinks [Bearbeiten]
Wikiquote: Fritz TeufelZitate
Literatur von und über Fritz Teufel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Fritz Teufel • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
Biografie Fritz Teufels auf whoswho.de
Meine Aufgabe war, im Knast zu sitzen“, taz-Artikel zu Fritz Teufels 60. Geburtstag
Ansichten eines Politclowns“ Artikel der Wochenzeitung Die Zeit (15. Januar 2004) von Gottfried Oy über Fritz Teufel unter Bezugnahme auf die Teufel-Biografie von Marco Carini
Fotografie der Festnahme Fritz Teufels in Berlin bei einer Demonstration während des Berliner Juristenballs am 6. Januar 1967, auf den Seiten des Deutschen Historischen Museums, dhm.de/lemo
Ich war am anfälligsten für die Liebe“ – Interview mit dem Tagesspiegel vom 25. Januar 2010
Event für einen Bürgerschreck“ Text einer Sendung des Deutschlandfunks mit Porträt Teufels und Auflistung einiger seiner zur Legende gewordenen Zitate.
Nachruf Fritz Teufel. Der Humorist der 68er ist tot, die tageszeitung, 7. Juli 2010
Normdaten: PND: 118621440 – weitere Informationen | LCCN: n2004091524 | VIAF: 62341638
Personendaten
NAME Teufel, Fritz
KURZBESCHREIBUNG deutscherSpaß-Revoluzzerwährend der Studentenbewegung in Berlin
GEBURTSDATUM 17. Juni 1943
GEBURTSORT Ludwigsburg
STERBEDATUM 6. Juli 2010
STERBEORT Berlin

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Teufel“
Kategorien: 68er-Bewegung | SDS-Mitglied | Person (Ludwigsburg) | Deutscher | Geboren 1943 | Gestorben 2010 | Mann


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