|
Heute war Alexander pünktlich, wir trafen uns im Museumsladen des Kunsthistorischen Museums. Wir werden noch einmal den bogenschnitzenden Amor von Parmigianino betrachten, der uns beiden am Weihnachtsabend erschienen war, zu unserer anfänglichen Verblüffung, aber gleich darauf folgenden Seligkeit.
Ich habe dem Alexander gleich am nächsten Tag das Original gezeigt. Wie musste ich es bedauern, keine Kamera zur Hand zu haben! Unübersehbar: Knutschflecke an Amors fetten Hüften! Links und rechts!
Wir holten die Aufsichtsichtsperson, eine freundliche, bebrillte ältere Dame: da, sehen Sie! Etwas kopfschüttelnd musste sie gestehen, dieses Detail noch nie beachtet zu haben. Und gerade dann musste ein Alarm ertönen, indem ein Besucher sich vor einem Bild zu sehr vorgewagt hatte.
Heute war von Knutschflecken nichts zu bemerken. Alexander meinte, die würden naturgemäß auch schnell verschwinden, bei ihm jedenfalls sei es so.
Etwas ratlos saßen wir danach in Museumscafé. Wir sprachen über die Macht der Imagination. Wenn er sich vorstelle, sagt Alexander, dass er bald in der Oper vor einem erlesenen Publikum den Tadzio spielen solle, da werde ihm ganz übel.
Aber du musst doch nur ein paar Schritte gehen! Im übrigen wird John dabeisein und beim geringsten Unwohlsein für dich einspringen, er ist ja Ballettschüler und nicht du.
|