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am 2.10. 2002 um 23:23:20 Uhr schrieb Dortessa
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am 13.6. 2026 um 06:22:06 Uhr schrieb Gerhard
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am 16.11. 2014 um 11:56:08 Uhr schrieb sx über Bezirk
am 17.9. 2014 um 11:34:16 Uhr schrieb sx über Bezirk
am 26.9. 2014 um 10:14:00 Uhr schrieb sx über Bezirk
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Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Bezirk«
Mag. Federer (Mitteilung von Dr. Mögglingen) schrieb am 20.1. 2015 um 16:39:16 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Die Gedenkstunde für Hans X. fand auf meine Anregung hin in einem Probesaal der Staatsoper statt. Ben Tiber hatte seinen Aufenthalt in Wien verlängert, nutzte seine aus den USA mitgebrachten Geräte und besorgte zusammen mit seinem Freund und Assistenten eine diskrete Darbietung von Richard Straussens Metamorphosen, einer Lieblingsmusik des Verstorbenen.
Ich musste meinen Chef und Intendanten bewundern, erstens weil er überhaupt Zeit fand für eine Visite, und zweitens, dass er es sogleich verstand, auf diejenigen zuzugehen, die, wenn sie dem Hans auch nicht besonders nahestanden, ihn immerhin am besten gekannt hatten.
Dominique Meyer begrüßte flüchtig den Mag. Federer und mich, auch war ihm Johns Vater als Bühneningenieur bekannt.
Dann aber wandte er sich sofort einem geistlichen Herrn zu – Hansens Beichtvater – der ganz ins Gespräch mit Frau Regine vertieft war, die ein Zimmer ihrer Wohnung an Hans vermietet hatte. Diese Person war die am heftigsten Trauernde, indes, wie es hieß, auch alkoholisierteste.
Es befand sich in Saal nur ein Tisch, auf welchem Sekt und Orangensaft angeboten wurde, überhaupt war der Saal nur von reichlich auf diesem Tisch aufgestellten Kerzen beleuchtet. Diese beschienen auch eine Schale mit sehr schönen Orangen, welche der John von Zeit zu Zeit auspresste, um eine Karaffe aufzufüllen.
Mein Chef meinte die Vermieterin wie ein Witwe fast trösten zu müssen – dann aber ging er auf Alexander zu, der ganz von seiner Großmutter Thilda und Johns Mutter, einer bildschönen Äthiopierin, in Beschlag genommen war.
Ich sah die beiden: meinen Chef und den mit einem Mal sehr erschütterten Alexander, jeder ein Glas Sekt in der Hand haltend, ins Gespräch vertieft den Tisch umrunden. Um dann auf John zuzugehen, der – vieles erfuhr ich erst später - den Ben Tiber und dessen Freund bestürmt hatte, indem er von der Musik ganz überwältigt war und zunächst Ben Tiber für den Kompositeur hielt.
Dann sah ich meinen Chef zusammen mit John und Alexander den Saal verlassen, auch war es still geworden, überhaupt sollte die Feier mit den Metamorphosen beginnen und auch enden.
sx schrieb am 22.11. 2014 um 14:02:06 Uhr zu
Bewertung: 19 Punkt(e)
Als Kummer- und Freudentränen ineinanderflossen war es mir wie ein weltweiter Allerseelen und Erlösungs - Festtag. Indes waren es nur 2 Seelen in Wien, erster Bezirk, aber der ganze restliche Tag ab ungefähr 16 Uhr 30.
Eine gewisse Eskalation der Freuden begann vier Wochen zuvor indem Alexander zu unserer ersten Verabredung am Schottentor fast pünktlich war und viele Ängste von mir abfielen. Das nächste Mal, eine Woche später, war ich in Vorfreude schon eine Stunde früher am Schottentor und siehe da, auch er! indem die letzte Schulstunde ausgefallen war. Und zuletzt war ich, infolge eines Strassenbahnunfalls, man las davon in der Tagespresse, über eine Stunde verspätet, fast ohne Hoffnung ging ich dennoch zum Schottentor und suchte den Alexander. Ich fand ihn sitzen auf einer Bank, hinter einer Säule etwas versteckt, und sah auf seinem Gesicht die Tränen fließen.
Mag. Federer schrieb am 2.12. 2014 um 10:12:26 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Ich will mitteilen, daß Herr Hans X. auf mein Anraten an heute einen Kardiologen aufsucht. Sein Herz würde manchmal mitten in der Nacht einfach stehenbleiben.
Nur der darauffolgende Schreck, wegen dem aussetzenden Herzschlag, würde sein Herz wieder zum Weiterschlagen bewegen.
Ich habe zu einem Taxi geraten, denn die Praxis befindet sich in einem entlegenen Bezirk.
Ich selbst habe die Gelegenheit wahrgenommen, und seine Vermieterin, Frau Regine H. aufgesucht.
Ihr den angeblich von ihr bevorzugten Orangen-Likör mitgebracht. Auch, als Anlaß für den Besuch, das im Antiquariat Moser endlich gefundene Buch: „P14“ , ein seltener Titel, für den Hans.
Sie lud mich in die Wohnküche ein. „Wohnlich“: der in einer Nische stehende Fernsehapparat, der alte Sessel, die Seejungfrau auf dem Küchenkasten? Lieber gleich hinüber in sein Zimmer, wo ich das „P14“-Buch etwas, nicht zu sehr, versteckt hinlegte. Neugierig wie ich bin, schaue ich mich um.
Frau Regine: als er einzog war alles ganz anders! Vieles mußte ich fortnehmen, sogar die Seejungfrau. Aber das Bild mit dem Foto von meinen Jungen, das habe ich nicht fortnehmen dürfen! Ja, meine Jungen, längst erwachsen sind sie jetzt. Der Max, der Sepp, undankbare Menschen, sogar der Rainer, der doch ganz nahebei lebt in Payerbach, besucht mich nie. Ja, damals, auf dem Bild, wir badeten alle im Neusiedler See, wie schön war das, und auch mein Mann hat noch gelebt. Wissen Sie, mein Mann...
Ich mußte unterbrechen. Eine Ausrede ist mir nicht eingefallen. Nein, keinen Kaffee, ich danke. Wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man sich gut unterhält. Bitte, keine Ursache. Danke, nein.
Mag. Federer schrieb am 12.1. 2015 um 14:56:24 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Staatsoper Wien
Regieassistenz
Dr. Mögglingen
Lieber Mag. Federer,
ich erfülle eine traurige Pflicht und will meine eigene Bewegtheit ein Zeitlang hintanstellen indem ich Deiner Bitte nachkommen und nüchtern berichten will.
Wie Du schon weißt verlief die kurze Darbietung ohne Zwischenfall. Der Alexander bewältigte die paar Schritte als Tadzio zwar bleich vor Lampenfieber, blieb aber trotzdem der robuste Bengel und war kein engelsgleicher Todesbote, ganz wie es in meiner Absicht lag. Durch einen Fehler in der Beleuchtung blieb unser Hans Xaver kaum erkennbar im Schatten, die Schminkerei, zu der ich ihn habe überreden müssen, war also ganz vergeblich gewesen. Die Komposition von Brian Eno (oder Ben Tiber?) kam offenbar bei der Jury gut an – ich selber konnte die akustische Darbietung von der Bühne aus nicht sehr gut wahrnehmen.
Hinterher war ein kleines Büfett im Schwind-Foyer aufgebaut, ich erlebte meinen Intendanten in sehr aufgeräumter Stimmung. Der Alexander sprach ganz übermütig und auf englisch auf den Ben Tiber ein und wurde dabei, wie ich mit einer gewissen Rührung beobachtet habe, von seinem Freund John angehimmelt.
Als dann der Herr von der Bühnentechnik auftauchte und zunächst nur mir allein mitteilte, dass Hans Xaver momentan sich in der Notaufnahme des AKH befinde, indes auf dem Weg dorthin einer Herzattacke erlegen sei - mein lieber Federer, wie soll ich den Satz zu Ende bringen? Wir haben alle gefeiert und auf unseren Hans ganz vergessen ...
Lass mich hier schließen,
Dein
M.
sx schrieb am 9.12. 2014 um 17:14:34 Uhr zu
Bewertung: 20 Punkt(e)
Im Gedränge des Weihnachtsmarkts verlor ich Alexander immer wieder. Eine kleine Ablenkung: der Stand mit Spieluhren etwa, es klimpert die Internationale; im Gedränge weitergeschoben, Alexander schon wieder verloren. Genau wie einst, wenn ich hinter einem reizvollen Buben her war und mir eine Aus- und Anrede zurechtlegte, „junger Mann, ich suche den Stephansdom, er ist ganz nah ich weiß, mir fehlt die Orientierung momentan“. Dass eben dieser Schöne, ich sehe ihn wieder, mir angehört, das muss ein Traum sein, ein Traum weil, jetzt ist er schon wieder verloren, und zwar für immer. Macht der Dunst von Schmalzgebackenem mir eine Atemnot? Das Herz schlägt wild, ein Schwindel auch, mittendrin im Trubel muss ich stehen, stehen und nicht weitergehen und die Augen schließen. Ich hörte noch einen Vater den entlaufenen und soeben wiedergefundenen Sohn schelten, dann höre ich nichts mehr sondern fühle den Sog der Ohnmacht.
Indes, es packt mich eine Hand am Arm, der Alexander führt mich. Mag er mich führen. Wie schön ist es geführt zu werden! dabei vor aller Welt die Augen zu verschließen!
sx schrieb am 23.12. 2014 um 20:57:21 Uhr zu
Bewertung: 9 Punkt(e)
Etwas klopfenden Herzen bin ich gerade noch rechtzeitig angekommen, in der Kantine der Staatsoper, Dr. Mögglingen hat mich angerufen, den Alexander soll ich auch mitbringen.
Ich werde mit Herrn Ben Tiber bekanntgemacht; ihm bin ihm zuvor schon flüchtig begegnet anlässlich einer Probe zur Britten-Oper. Er freut sich über mein Interesse an seiner Klang-Installation, die den Ausklang der Oper bilden soll.
Es wird eine venezianische Lido-Atmosphäre erzeugt wird durch rollende Wellen und Geräusche und eine ferne Strandmusik.
Der Ami aus Baltimore will indes von mir mehr über Wien erfahren. Um an den „Tod in Venedig“ anzuknüpfen, sage ich, leicht übertreibend, aber auf Englisch fällt mir das leichter, behaupte ich also, dass jeder kultivierte Wiener wenigstens einmal im Leben eine Affäre mit einem der hier so lebhaften, sinnlichen und oft so schönen Buben gehabt habe. Diese Tatsache sei dem Wiener nie unverständlich gewesen im Grunde, weder damals noch heute.
Darauf gibt es eine kurze Unterbrechung, indem Alexander eingetroffen ist, etwas außer Atem durch die Eile, um ihn ist noch eine frische Luft von draußen: feucht und kühl, er lehnt auch den Kopf gegen meinen und küsst mich flüchtig, reicht dann Mr. Tiber die Hand und sagt ganz gekonnt ein hello, nice to meet you.
Wir erfahren, dass Mr. Tiber Verkehrsgeräusche vom Opernring aufgenommen hat. Es sollen am Ende der Oper alle Türen durch das Garderobenpersonal geöffnet werden, es soll das Lidogeräusch durch Verkehrslärm immer lauter übertönt werden, indem in allen Foyers der Oper Lautsprecher installiert sind.
Mögglingen ergänzt: es werden Sirenen einer Ambulanz näherkommen, und zwei Schauspieler werden, als italienische Sanitäter, sich eilends durchs Publikum vor den schon fast schon geschlossenen Vorhang begeben und rufen: dove è il malato !?
Dominique Meyer persönlich wird hervortreten und bestürzt, aber gefasst sagen:
è morto! Va subito a casa! Tutti! Tutte!
sx schrieb am 26.11. 2014 um 12:40:21 Uhr zu
Bewertung: 10 Punkt(e)
Nicht zur meiner näheren Verwandtschaft, aber immerhin Bekanntschaft gehört ein gewisser Herr von dem eine gewisse Anekdote in Umlauf ist. Dieser Herr hat wegen einem seelischen Unwohlsein, das akut zu werden drohte, bei einem professionellen Seelsorger Hilfe gesucht. War es die Berggasse in Wien? Die Begebenheit passt sowohl in eine prä- als auch postpsychoanalytische Ära. Die Diagnose war wohl schwer, eine Therapie schien aber leicht, gastierte doch an genau demselben Tag ein berühmter Zirkus mit einem noch berühmteren Clown im zweiten Bezirk, den Praterauen, es mag auch ganz anderswo gewesen sein, im New Yorker Central Park eventuell.
Verehrter Herr, es muss eine gründliche Analyse ihrer Situation erfolgen, welche weder von heute auf morgen, auch nicht von heuer auf nächstes Jahr erfolgen kann unter Umständen. Hier nehmen Sie, bitte, nehmen Sie nur meine Visitkarte. Aber für einen schnellen Erfolg empfehle ich Ihnen – und dieses Rezept gebe ich ganz unentgeltlich – besuchen Sie noch heute abend diesen Zirkus und erleben Sie diesen Clown der bislang noch jeden aus jeglichem seelischen Tief emporzuwirbeln vermochte!
O da danke ich sehr, mein lieber Herr Professor. Dieser Clown bin ich selbst. Ich darf ich mich bitte jetzt empfehlen, indem ich bis heute abend noch so einiges einzuüben und einzustudieren habe.
sx schrieb am 4.12. 2014 um 16:05:59 Uhr zu
Bewertung: 8 Punkt(e)
Warum er mir das nie gesagt hat. Jede Woche geht er in die Wohnung seiner Eltern im der Altmütterstrasse, 10. Bezirk. Um die Blumen zu gießen. Indem seine Eltern, Vater aus Turin, Mutter Wienerin, beide Restauratoren im Kunsthistorischen Museum, woselbst sie sich kennenlernten, es den Vater es aber bald wieder nach Turin zog und die Mutter zum Vater, drei Jahre ist das her, und der Alexander bei seiner Großmutter verblieb - es war und blieb diese Wohnung bis zum heutigen Tag ungenutzt!
Wir fahren zusammen hin, indem ich mein Herz beruhige welchem bald einen Herzschrittmacher eingefügt werden muss. Wir steigen in einen dieser Aufzüge, welche Außen- und Innenflügel haben, im Innern getäfelt und mit Spiegeln versehen sind. Alexander ist er fremd indem er die 3 Stockwerke sonst immer hochspringt. Alexander selbst scheint beunruhigt indem er den Schlüssel immer wieder vergeblich ins Schloss steckt. Wie war mir aber dann gleich wie in meiner eignenen elterlichen Wohnung damals vor zuletzt fast 40 Jahren. Der Geruch vor allem. Der Geruch! Und genau der halbrunde Tisch an der Wand mit dem Telefon und eine leere Stelle darüber mit dem Tapeten-Negativ eines ovalen Spiegels vermutlich. Ich musste mich einen Augenblick auf den Stuhl setzten, auch dieser gepolsterte Stuhl wie der in meinen Elternhaus. Schwindel, der mich auch jetzt beim Schreiben immer wieder befällt.
Alexander kehrte in den Flur zurück und schaute mich voll Sorge an. Wer hat mich früher auch so voll Sorge angesehen? Alexander hatte etwas ganz anderes auf dem Herzen indem er sagte: wenn du jetzt gleich mein Kinderzimmer siehst, versprich mir, dass du dich nicht verwundern tust. Versprich es mir! Und so atmete ich zuerst Alexanders Kinderzimmerduft ein, ist es eine gewisse Seife oder ein Waschmittel welches schon lange nicht mehr erhältlich ist? Und etwas wie Socken die auf Wäsche warten? Ich drücke ihn an mich und wundere mich immer wieder aufs Neue, wie groß und wie schmal er ist. Ich sehe jetzt sein Bett welches heute zu kurz für ihn sein dürfte, eine schöne rote, rosa-weiß gestreifte Matratze mit einem zerknüllten hellgrünen Handtuch und den ovalen Spiegel an die Wand gelehnt. Wieder muss ich mich setzen.
Ich kann mich an nicht ein Wort erinnern das ich an Alexander gerichtet habe, aber das hätte ich getan: in der einsamen Wohnung im Selbstgenuß mich nackt im Spiegel betrachtet und aufs genaueste jede meiner Bewegungen und meine Bewegtheit in Augenschein genommen. Glaube mir mein Lieber, so war es bei mir. Und wie ich jetzt alles erinnere. So bewegt war ich dass ich mich im Moment nicht erinnere, wie Alexander meine Worte aufnahm. Wir gingen noch umher in der Wohnung, alle Pflanzen waren tot. Er komme nur deswegen, genau wie ich es gesagt habe, hierher, jede Woche, so Alexander.
sx schrieb am 4.10. 2014 um 14:45:17 Uhr zu
Bewertung: 8 Punkt(e)
Am Schottenring mein Cafe, die Fensternische wo ich mich unbeobachtet glaubte drehte ich den goldenen Taler zwischen meinen geübten Fingern der linken Hand hin und her, als da wären insbesondere der mittlere, der Ringfinger, der Zeigefinger, diese Reihenfolge. Fingerer ist auch ein schöner Name, Dr. Hans Xaver Fingerer. Einlösen wollte ich ihn aber die Dame von meinem Bankhaus, Privatbank übrigens wo ich gewiss der einzige Kunde bin mit weder Vermögen noch Einkünften, meine Dame also sagte, das ist ein altes und seltenes Stück das gerade jemand wie ich für Notzeiten bereit halten sollte, die übrigens heute, Freitag wars also erst gestern, unmittelbar bevorstünden eventuell.
Ich rieche den gewissen Duft der Finger, die ich übrigens im Fall dass sie kalt sind immer vorher anwärme, der Duft der ihnen auch nach der Wäsche noch lange anhaftet, und drehe den Taler zwischen den Fingern um und um.
sx schrieb am 20.12. 2014 um 15:37:00 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Wir haben uns in der Sechsschimmelgasse schon verabschiedet, bis zur Straßenbahn wollte ich nicht mehr mitkommen. In unserer Umarmung fühlte ich Liebe, Vertrauen, auch Unruhe etwas und eine Verwunderung.
Der Mensch vom Internetcafe gibt mir unwillig eins dieser Brieferl aus Metallfolie mit dem Reinigungstuch für Bildschirm und Tastatur.
Der Schwarze Tsunami ist bald da, eine Stunde ist hier noch geöffnet, ich bin der einzige im Laden.
Im verwaisten Ehebett seiner Eltern lagen wir also, indem Alexander auf meinen Anruf hin sich gleich auf den Weg in die Altmüttergasse gemacht hat. Aus reiner Gewohnheit haben wir uns ausgezogen. Als wir umarmt liegen, sage ich es gleich: John liebt dich. So sehr dass ich es kaum begreife.
Erzähl, sagt Alexander. Da ist noch etwas. Heute ist alles anders irgendwie.
Hätte vom Schwarzen Tsunami lieber nichts gesagt, der auf dem (zwar noch sonnenhellen) Meer wie eine Nacht am fernen Horizont näherrückt. Warum nur? Sein steifer, mein halbsteifer Schwanz, da ist Druck und Gegendruck, den geliebtesten Menschen halte in meinen Armen, warum nur?
Hör zu. Ich wollte also den John in der Oper abfangen, gleich am Ende der Ballettstunde, um ihm zu sagen: dass, und wie sehr du ihn liebst.
So wolltest du es doch?
Ich finde den „Locker Room“ - die Leute vom Ballett kommen ja von überall her. Den John kann ich nicht sehen, aber von den Ballettschülern welche haben mich erkannt, ich höre so Bemerkungen wie: John, dein Lover ist hier! dein Aschenbach!
Und da kommt er, noch im schwarzen Trikot, dazu grüne Legwarmers. Er lacht ein wenig, was er eigentlich immer tut.
Immer muss er lachen, findest du nicht?
Aber dem Lachen ist etwas beigemischt; ich ahnte doch nichts. Ob ich mit ihm kommen wolle? Wir gehen zur Bühne, es ist überall die Notbeleuchtung, es war ja Feierabend schon. Wenn ich einem Schönen hinterhergehe setzt mein Verstand aus, glaubte ich doch tatsächlich er will mich verführen, will mir ein Liebesnest zeigen. Wir zwängen uns in einen Aufzug und fahren in den Rollenboden hoch. Er riecht nach Schweiß, etwas harzig wie Fichtenholz finde ich.
Kennst du das? Wirst du kennenlernen.
Dort oben hast du eine unglaubliche Aussicht. Du stehst auf einer Plattform, siehst auf Schienen und Schnüre, an denen Kulissen hängen, schaust tief hinab ins Dunkel der Bühne, wo Lichter sind wie gefallene Sterne.
Vorsichtig beuge ich mich über eine gespannte Kette, halte mich fest an einem Metallrahmen, auch der John will mich halten.
Da will er mich hinunterstoßen!
Ich kann mich festklammern, er aber stößt immer wieder und ruft: „ICH liebe ihn! ICH liebe ihn! ICH! ICH! ICH! ICH!“
Hat seine Kraft nachgelassen? Er hätte es geschafft. Wurde auch seine Stimme leiser? Ich muss ohnmächtig auf den Boden der Plattform gesunken sein.
Alexander schüttelt mich: schwöre! dass du dir das nicht ausgedacht hast!
Eine halbe Stunde mag ich gelegen haben. Werde dann wach - und fühle mich richtig erholt. Das Herz schlägt ruhig. Langsam erinnere ich mich: wer da hockt, mit dem Rücken zur Wand, das ist der John und schaut mich an, er hat gezittert, richtig gezittert.
Jetzt war die Gelegenheit, zu erzählen. Alles von dir zu erzählen.
Umbringen hat er mich gewollt! das kam mir erst hinterher.
Was hätte ich jetzt sagen sollen? Da hocke ich, da hockt er; wir sind zusammengerückt ein bisserl. Er hatte sich umgezogen in der Zwischenzeit. Hat nicht geduscht, das rieche ich. Seine Tasche steht neben ihm.
Die grüne mit dem Fußball drauf?
Ja, die.
Wenn der John einen Lover hätte, ich würde den auch umbringen!
Und wenn ich ... ?
Komisch, jeden, sofort, dich nicht.
Wir fahren im Aufzug hinunter, gehen zum Ausgang.
Willst du nicht noch duschen? Gleich geht er den anderen Weg zum Probesaal. Kann ich dort auch? Jeder von der Oper kann dort duschen, also auch Sie. Er lacht schon wieder ein wenig.
Umkleideraum, Dusche, alles fast dunkel und niemand mehr da.
Weißt du, ohne Worte ist oft besser. Als viel erklären, vorwerfen, verzeihen. Habe ihn überall berührt und geküsst. Es hat ihm gefallen, doch, es hat ihm gefallen. Ein schöner Bub, schön wie du! Ganz anders aber, er ist halt älter etwas. Eigentlich gewesen ist nichts. Haben uns angezogen. Kein Wort geredet. Oder nur: kannst mein Handtuch haben.
Ich drücke den Knopf bei der Pförtnerloge, damit wir hinaus können. Da will er nochmal zurück. Er hat beim Sanitätsbereich einen Zettel an die Tür gemacht, den will er fortnehmen.
Abschied. Gleich werde ich anrufen, sage ich ihm noch, weil, ich muss dir alles erzählen. Umarmt hat er mich auch.
Ist jetzt nicht alles gut? Meine Hände wandern den Rücken entlang zu seinem Po.
Ich hab Angst vor morgen. Wenn ich in der Schule bin. Wenn ich den John sehe.
So ging es mir früher auch! Wurde es zu perfekt, gleich war da eine Angst. Überlass alles dem John. Er ist der Ältere. Morgen, wenn du gerade gar nicht an ihn denkst, da wird er auf einmal bei dir sein.
Bitte der Herr, wir schließen!
Da ist er, der Tsunami. Wenn ich jetzt gehen werde, die Stufen hoch, hinaus, schwarz wird alles um mich sein, sechs irre Schimmel werden mich umreiten, den Alexander werde ich verlieren
sx schrieb am 5.12. 2014 um 19:30:58 Uhr zu
Bewertung: 7 Punkt(e)
Wir trafen uns wieder in einem gewissen Bezirk des Stephansdoms. Es ist fast zu dunkel, ich kann meine Notizen kaum entziffern, so dass ich mich immer wieder zum Improvisieren gezwungen sehe. Wir genießen die Situation indem ich flüsternd das versprochene Ganzkörperportrait abliefere des geliebten nackten Körpers indem dieser winterlich vermummt dicht neben atmet und gelegentlich kleine Töne, zustimmend, ablehnend, belustigt von sich gibt. Es ist im Grunde nur eine vorläufige Materialsammlung, sei mir nicht böse, wenn das eine oder andere noch fehlt! Soll ich das Allerschönste gleich zu Beginn bringen oder erst am Ende? Im Grunde wäre am Ende das Vernünftigste weil es jeden Wortkünstler zum Verstummen bringen müsste. Was sogar beim vermummtesten Alexander allen sichtbar bleibt, das sind die Augen.
Laß die Augen, wenn du von meinen Augen redest fangen sie an mir zu brennen irgendwie.
Bringen wir die Augen also doch lieber erst am Ende. Lass mich von deinem Gesicht ganz allgemein reden weil du ja das Gerede vom Mädchengesicht nicht magst und dann ist das ein für allemal erledigt.
Den großen Künstlern war es ja irgendwann zu lästig, Schönheit immer nur entweder fraulich den Frauen oder männlich den Männer anhängen zu müssen und wie waren sie froh, wenn ein Auftrag für einen Erzengel beispielsweise erfolgte. Wenn diese auch immer männlich auszusehen hatten letzten Endes. Und so kommt es eben, dass dein großer Mund, deine weißen Zähne, deine roten Lippen (und die großen Augen), dass alles insgesamt an einen Erzengel erinnert. Leute eben, denen Erzengel ein Begriff ist. Im übrigen ist nicht alles allzu schön geraten.
Was meinst du damit.
Da muss ich weiter ausholen! Kannst du noch zuhören?
Mach weiter.
Schau, alles an dir ist lang. Ich beginne unten. Deine Unterschenkel sind lang, deine Oberschenkel, also Beine überhaupt, und auch die Arme, ich meine Oberarme und Unterarme. Als Ganzes bist du sehr länglich und worauf du schon wartest dein Schwanz ist auch lang. Nur nicht die Nase indem sie normal lang ist also mir jedenfalls zu kurz vorkommt. Überhaupt ist dein Gesicht eher breit als länglich sonst gäbe es ein Zuviel an Länglichem.
Es zeigt sich, dass Alexander nun gehen will indem er gewiss hungrig ist wie ich und geplant war dass wir auf dem Weihnachtsmarkt draußen unserer Nase nachgehen wollten und gebratene Würste aufspüren beispielsweise. Ich muß sehr bedauern dass mein heutiger Bericht im Grunde mit einer Kritik fast abschließen musste, was nach unverzüglicher Wiedergutmachung ruft.
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