Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 151, davon 139 (92,05%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 99 positiv bewertete (65,56%)
Durchschnittliche Textlänge 829 Zeichen
Durchschnittliche Bewertung 3,656 Punkte, 21 Texte unbewertet.
Siehe auch:
positiv bewertete Texte
Der erste Text am 2.10. 2002 um 23:23:20 Uhr schrieb
Dortessa über Bezirk
Der neuste Text am 17.12. 2025 um 04:45:26 Uhr schrieb
Gerhard über Bezirk
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 21)

am 26.9. 2014 um 10:14:00 Uhr schrieb
sx über Bezirk

am 26.9. 2014 um 10:21:17 Uhr schrieb
sx über Bezirk

am 25.11. 2014 um 20:17:39 Uhr schrieb
sx/xs/sx über Bezirk

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Bezirk«

sx schrieb am 26.11. 2014 um 10:25:00 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 22 Punkt(e)

Meine nächste Verwandte ist die Menschenfresserin, welche der unvergleichliche Erlbruch dargestellt hat nach der Geschichte einer gewissen Valerie Dayre. Dieses mein Lieblingsbuch habe ich der Thilda, Alexanders Großmutter leihweise versprochen indes ich will es nicht hergeben. Diese Person welche die Leibspeise mit immer vergeblicherer Mühe finden will bis hin zu mörderischer Verzweiflung wird sogar fast mitleidig geduldet von einer Bevölkerung welche ihre Kinder sorgsam unterrichtet und anleitet und bei Annäherung der Unperson behutsam versteckt. Es wird ihr gar ansehnlicher Ersatz geboten welchen sie als gänzlich unähnlich und unannehmbar zurückweisen muss. So irrt sie durch eine ganz und gar von Phantomen und Schatten nur halb noch belebte Welt indem auch der Himmel nichts ist als ein von kaum atembaren Schwaden verhülltes Weltall voll trauriger Monde. Gibt es nicht am Rand jedes von Menschen bevölkerten Bezirks diesen Abhang, wohin menschlicher Abfall wandert und sich sammelt, wo nachts die Hunde heulen, deren Gesang das hoffnungslose Wimmern der dort kauernden Fresserin übertönt, eben dort, wo der Wüstenwind der allgegenwärtigen Traurigkeit und des gnädigen Vergessens im Lauf der Jahre seine wandernden Dünen anhäuft.


sx schrieb am 9.12. 2014 um 17:14:34 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 19 Punkt(e)

Im Gedränge des Weihnachtsmarkts verlor ich Alexander immer wieder. Eine kleine Ablenkung: der Stand mit Spieluhren etwa, es klimpert die Internationale; im Gedränge weitergeschoben, Alexander schon wieder verloren. Genau wie einst, wenn ich hinter einem reizvollen Buben her war und mir eine Aus- und Anrede zurechtlegte, „junger Mann, ich suche den Stephansdom, er ist ganz nah ich weiß, mir fehlt die Orientierung momentan“. Dass eben dieser Schöne, ich sehe ihn wieder, mir angehört, das muss ein Traum sein, ein Traum weil, jetzt ist er schon wieder verloren, und zwar für immer. Macht der Dunst von Schmalzgebackenem mir eine Atemnot? Das Herz schlägt wild, ein Schwindel auch, mittendrin im Trubel muss ich stehen, stehen und nicht weitergehen und die Augen schließen. Ich hörte noch einen Vater den entlaufenen und soeben wiedergefundenen Sohn schelten, dann höre ich nichts mehr sondern fühle den Sog der Ohnmacht.
Indes, es packt mich eine Hand am Arm, der Alexander führt mich. Mag er mich führen. Wie schön ist es geführt zu werden! dabei vor aller Welt die Augen zu verschließen!

sx schrieb am 9.12. 2014 um 10:16:06 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 20 Punkt(e)

Auch in den entlegensten Bezirken stelle ich fest, daß, indem Alexander selbst ein feiner, schlanker, mannbarer Bub ist, auch dort alle Glieder ohne Zweifel die Glieder eines feinen, schlanken Buben sind. Untersuche ich die Fünfermannschaften genauer, so ist jeder Einzelne ein feiner Bub, vom kleinsten angefangen, dessen Nachbarsbuben, über die mittleren Buben bis hin zum Großen durchweg und ebenso die andere Mannschaft, in umgekehrter Aufstellung natürlich. Wie bei untereinander Nahestehenden üblich ist das Interesse füreinander nicht groß, aber alle verbindet eine große Erwartung. Nicht des immer wiederkehrenden Beschneidungsfestes.
Wenn der große Alexander sich huldvoll herabbeugt und je vier seiner langen und schlanken Finger zwischen je zwei der kleinen Untertanen steckt und diese nachdenklich reibt; ein Freudenfest, das unmittelbar Erinnerungen ans eigentliche Freudenfest weckt.
Wenn alle zehn sich in Morast drücken dürfen, der eben dort, wo jetzt die gar nicht so arroganten Cousins aus dem hohen Norden verweilen, lustvoll hindurchquellen muss.
Wenn allerklarstes kaltes Wasser allen Schlamm wieder fortspült.
Wenn die ach so selten zu erblickende Sonne jeden Einzelnen bis zur Seligkeit wieder trocknet und wärmt.

sx schrieb am 15.12. 2014 um 11:07:21 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 13 Punkt(e)

Ein schöner Abend im Bezirk Alsergrund, in der Porzellangasse, im Gasthaus Wickerl: Thilda und ihr Enkel Alexander und ich. Indem wir auf das Essen warten ist Zeit zum Reden.
Thilda, die uns alle an Liberalität übertrifft, ist jetzt doch verwundert ein bisserl.
Stimmt das, Nana (so nennt sie den Alexander), dass du in der Schule erzählt hast, du hast einen Lover ?!

Jetzt muß ein linguistischer Exkurs eingeblendet werden indem der Wiener das Englische um ein weniges verfälscht oder auch verbessert, je nachdem.
Zum Abschied hört der nicht Eingeweihte immer wieder verblüfft einbah bah“, was einfachbye byebedeutet. Mich erinnert das immer an einen wegen Flüchtigkeit etwas verrutschten Abschiedskuss.
Ganz anders Lover! Die erste Silbe wird nicht wie im Original kurz nur und flüchtig betont, sondern etwas in die Länge gezogen. Eine Geringfügigkeit mag man denken.
Es ist wie beim Dreivierteltaktdem hier gebürtigen Musikstudenten wird die sozusagen angeborene Art und Weise ausgetrieben, in welcher gern immer das erste der Viertelchen, drei sind es, zu sehr betont wird.
Danach wird es dem Fortschrittenen wieder anerzogen, und das Wort Lover, indem es der Wiener ausspricht, verliert seine Flüchtigkeit, indes, allzu große Bedeutung wird nicht beigemessen.


Auch andere haben einen Lover! Was er aber manchmal bezweifeln will.

Aber lieber Alexander, andere auch? Und bezweifeln?

Er hat da eine Methode indem er einfach fragt: was für ein Auto fährt er denn dein Lover. Einen BMW 5er zum Beispiel ist eine Antwort. Und nach ein paar Tagen fragt er wieder. Wenn es dann ein 7er ist dann hat er einen Zweifel.
Wie schön, dass du kein Auto fährst, sagt Thilda zu mir.
Sei nett zu ihm, sagt Alexander, er ist ein echter Lover.

sx schrieb am 4.10. 2014 um 15:50:12 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 24 Punkt(e)

Einen Bezirk ganz für sich allein will doch jeder haben wo er ganz und gar geschützt ist. Paradoxerweise will er eben dort von aller Welt gefunden werden und bewertet, ermuntert oder auch gewarnt.
Magister Federer welcher auch Theologie studiert hat mehrere Semester behauptet sogar wir wollen dass das Internet wie Gott sei welchem nichts verborgen bleibt, dem wir trotz alledem vertrauen, der uns sogar leiten soll und verzeihen sogar strafen.

sx schrieb am 1.12. 2014 um 21:57:36 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 20 Punkt(e)

Dass wir alle vier zu einem seligen Ineinander finden ist selten. Kleine Streitereien sind unvermeidlich und werden nicht immer beigelegt, ja ein gutwilliges Nachgeben führt manchmal zu einer noch größeren Beschwerde indes andere Beschwernisse verschwinden ohne absichtliches Zutun. Der weiche Schenkel von wem eigentlich war ein bequemes Kissen, aber er wird entzogen, dafür ist immerhin das Knie weg von dem bedrängten Auge. Ein eigentlich gar nicht zu streng duftender Schoß drängt sich plötzlich voll, aber ohne Absicht, auf dein Gesicht; und, um wieder zu Atem zu kommen genügt indes eine minimale Umbettung deiner Nase. Du willst die unerwartete Gabe schon belohnen aber da dreht dieser Schoß sich wieder weg, gar nicht um dir zu entkommen sondern wegen einer anderen Beschwernis, du hörst ein Schimpfen, jetzt weißt du, wer sich beschwert und wem der Schoß gehört indem auf dessen Gesicht eine Fußsohle gelandet war, du weißt jetzt auch den Namen des Beschuldigten, dem ein Griff durch die Schenkel hindurch so unerwartet war, daß er die Beine unwillkürlich strecken musste, am Ende warst du es selbst, dessen Arm, um nicht taub zu werden, einfach irgendwie irgendwo Platz suchte. Dann kann es sein, dass eine schöne Ruhe einkehrt indem jeder bequem liegt und sehr hofft, nicht schon wieder irgend jemandes Klage hören zu müssen. Dann hören auch diese Bedenken auf, und das nenne ich seliges Ineinander.

Mag. Federer schrieb am 12.1. 2015 um 14:56:24 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 13 Punkt(e)

Staatsoper Wien
Regieassistenz
Dr. Mögglingen
Lieber Mag. Federer,
ich erfülle eine traurige Pflicht und will meine eigene Bewegtheit ein Zeitlang hintanstellen indem ich Deiner Bitte nachkommen und nüchtern berichten will.
Wie Du schon weißt verlief die kurze Darbietung ohne Zwischenfall. Der Alexander bewältigte die paar Schritte als Tadzio zwar bleich vor Lampenfieber, blieb aber trotzdem der robuste Bengel und war kein engelsgleicher Todesbote, ganz wie es in meiner Absicht lag. Durch einen Fehler in der Beleuchtung blieb unser Hans Xaver kaum erkennbar im Schatten, die Schminkerei, zu der ich ihn habe überreden müssen, war also ganz vergeblich gewesen. Die Komposition von Brian Eno (oder Ben Tiber?) kam offenbar bei der Jury gut anich selber konnte die akustische Darbietung von der Bühne aus nicht sehr gut wahrnehmen.
Hinterher war ein kleines Büfett im Schwind-Foyer aufgebaut, ich erlebte meinen Intendanten in sehr aufgeräumter Stimmung. Der Alexander sprach ganz übermütig und auf englisch auf den Ben Tiber ein und wurde dabei, wie ich mit einer gewissen Rührung beobachtet habe, von seinem Freund John angehimmelt.
Als dann der Herr von der Bühnentechnik auftauchte und zunächst nur mir allein mitteilte, dass Hans Xaver momentan sich in der Notaufnahme des AKH befinde, indes auf dem Weg dorthin einer Herzattacke erlegen sei - mein lieber Federer, wie soll ich den Satz zu Ende bringen? Wir haben alle gefeiert und auf unseren Hans ganz vergessen ...
Lass mich hier schließen,
Dein
M.

sx schrieb am 24.11. 2014 um 13:44:31 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 11 Punkt(e)

Warum bei ihm überhaupt die Brust so empfindlich sei, wollte der Alexander wissen. Ja schau sagte ich, schon die Nippelchen deuten ja an dass uns das Weibliche gar nicht so fern ist. Und die umliegenden Bezirke der Brust sind eben auch dafür geschaffen einem kleinen Kind Schutz und Halt und Wärme zu bieten! Und wenn deine Seele überhaupt einen Ort hat, sind es deine Schenkel, oder Pobacken, so lieb sie mir sind? Nein schon immer dachten die Menschen die Seele befinde sich in der Brust wo sie auch nicht zu sehr versteckt ist im Grunde indem sie Einfluss nimmt auf dein Atmen und was mich angeht ich kann deine Seele geradezu fühlen dort an deiner Brust wenn allerdings meine Hände nicht zu kalt sind so wie vorhin!

Geisterhand schrieb am 5.12. 2014 um 14:02:22 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 14 Punkt(e)

Geisterhand vergibt einen seiner sagenhaft umwobenen Geister(+)Punkte an sx Text über den Schwanze, der am Hals traf. Lustiges texte, überraschende Konstruktion, das Auge liest weit offen den Satz bereitwillig bis zum Ende, ohne an Kaffee, an schnell was zum essen holen, zu denken- Man ist ganz bei. Der sx Text, denkt man sich, geht noch rein, so wie auch die letzten 250 Milliliter Inhalt aus der Rotweinflasche von gestern abend. Kippjahaa.

sx schrieb am 5.12. 2014 um 11:16:12 Uhr über Bezirk

Wir waren übereingekommen, dass ich dieses Mal nur der Zuschauer bin indem ich jede Aufregung vermeiden muss. Den Spiegel hat Alexander von seinem Bett weggeräumt. Du musst jetzt alles sehen und alles sagen! (Ich glaube, er liebt meine Worte und Formulierungen ... „so habe ich das noch nie gehört“ ... „wie das klingt wenn du es sagst“ ...). Ja, sage ich alles will ich sehen und alles sagen.
Er sucht sich im zu kurzen Bett eine bequeme Position indem auch das Publikum den schönsten Einblick haben will. Das Publikum hat mit einigem Bedauern festgestellt, dass er das Hemd nicht ausgezogen hat weil die Wohnung nur schwach geheizt ist. Wir bitten dies zu entschuldigen, auch hat er schon Hand angelegt um seinen Großbaum auszumessen.
Kannst du nicht einfach Schwanz sagen?
Zwei Handbreit ist der Schwanz lang und die Hand misst die Handbreiten ab, misst hin, misst her.


Die Hand stößt jetzt gegen die Hoden weil die andere Hand diese nach vorne gedrückt hat was einen nicht unangenehmen Schmerz in den Hoden bewirkt, einen ziehenden Schmerz ist es nicht so? da wandert die Hodenhand fort um in den heute ganz vereinsamten hinteren Bezirk zu gelangen, nein, der ganze Körper muss herumgeworfen werden weil der nördliche Zugang der weitere indes bequemere Weg ist.

Ich muss meinen Bericht unterbrechen wegen T s u n a m iA l a r m . Ein Tsunami scheint sich zu nähern wenn nicht alle Anzeichen trügen von der umwerfensten Art. Mach langsam!! rufe ich vielleicht kannst du ihn aufhalten, ein wenig wenigstens, wenn auch nicht verhindern!
Der Tsunami ist da, mit dem letzten Rest von Selbstkontrolle wird der Schwanz auf mich gerichtet und da trieft es von meinem Kinn, auch mein Hals ist getroffen.


sx schrieb am 31.12. 2014 um 12:13:09 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 9 Punkt(e)

Das Relativieren und ob es der schönste, zugleich letzte Tag des Jahrs war oder der schönste meines Lebens, das kommt später.
Alexander und John haben mich in die Oper eingeladen. Erst war ein Treffen auf einer Probebühne, dann sind alle, Ballettschüler und Schülerinnen, hinüber zur Hauptbühne. Und drehen die Musik auf!

Endlich das so lange Vermiedene indem allzu Passende: Wiener Walzer!
Habe ich je Schöneres gesehen als John und Alexander tanzen? Auf seine rabiate Art muß der John dem Alexander in kürzester Zeit den weiblichen Part beigebracht haben.
Während ich noch überlege, wie das eigentlich geht, rückwärts statt vorwärts, aber nicht gleich am Anfang? - steht schon der John da: er will jetzt mit mir. Ich lasse alles Überlegen sein und drehe und wiege mich schon und bin Johns Partnerin!

Höre ich da nicht einen Beifall aus dem Zuschauerraum, ist es Putzpersonal, sind es Techniker, Elektriker, Beleuchter, die gerade herschauen?

Er macht es kurz mit mir indem er mich nicht strapazieren will und gleich an Alexander weiterreichen.

Einen Moment halten wir uns, wiegen uns hin und her. Dann übernimmt der Alexander.
Was steht ihr denn alle und schaut - - ? - - - Tanzen denn wir nur, nur wir?!
Es gelingt mir, den Alexander zum Vorhang hin zu bewegen, ja in der Vorhang ein wickeln wir uns, und, fallen, nicht, um.

sx schrieb am 20.12. 2014 um 15:37:00 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 11 Punkt(e)

Wir haben uns in der Sechsschimmelgasse schon verabschiedet, bis zur Straßenbahn wollte ich nicht mehr mitkommen. In unserer Umarmung fühlte ich Liebe, Vertrauen, auch Unruhe etwas und eine Verwunderung.

Der Mensch vom Internetcafe gibt mir unwillig eins dieser Brieferl aus Metallfolie mit dem Reinigungstuch für Bildschirm und Tastatur.

Der Schwarze Tsunami ist bald da, eine Stunde ist hier noch geöffnet, ich bin der einzige im Laden.

Im verwaisten Ehebett seiner Eltern lagen wir also, indem Alexander auf meinen Anruf hin sich gleich auf den Weg in die Altmüttergasse gemacht hat. Aus reiner Gewohnheit haben wir uns ausgezogen. Als wir umarmt liegen, sage ich es gleich: John liebt dich. So sehr dass ich es kaum begreife.

Erzähl, sagt Alexander. Da ist noch etwas. Heute ist alles anders irgendwie.

Hätte vom Schwarzen Tsunami lieber nichts gesagt, der auf dem (zwar noch sonnenhellen) Meer wie eine Nacht am fernen Horizont näherrückt. Warum nur? Sein steifer, mein halbsteifer Schwanz, da ist Druck und Gegendruck, den geliebtesten Menschen halte in meinen Armen, warum nur?

Hör zu. Ich wollte also den John in der Oper abfangen, gleich am Ende der Ballettstunde, um ihm zu sagen: dass, und wie sehr du ihn liebst.

So wolltest du es doch?

Ich finde denLocker Room“ - die Leute vom Ballett kommen ja von überall her. Den John kann ich nicht sehen, aber von den Ballettschülern welche haben mich erkannt, ich höre so Bemerkungen wie: John, dein Lover ist hier! dein Aschenbach!
Und da kommt er, noch im schwarzen Trikot, dazu grüne Legwarmers. Er lacht ein wenig, was er eigentlich immer tut.

Immer muss er lachen, findest du nicht?

Aber dem Lachen ist etwas beigemischt; ich ahnte doch nichts. Ob ich mit ihm kommen wolle? Wir gehen zur Bühne, es ist überall die Notbeleuchtung, es war ja Feierabend schon. Wenn ich einem Schönen hinterhergehe setzt mein Verstand aus, glaubte ich doch tatsächlich er will mich verführen, will mir ein Liebesnest zeigen. Wir zwängen uns in einen Aufzug und fahren in den Rollenboden hoch. Er riecht nach Schweiß, etwas harzig wie Fichtenholz finde ich.

Kennst du das? Wirst du kennenlernen.

Dort oben hast du eine unglaubliche Aussicht. Du stehst auf einer Plattform, siehst auf Schienen und Schnüre, an denen Kulissen hängen, schaust tief hinab ins Dunkel der Bühne, wo Lichter sind wie gefallene Sterne.

Vorsichtig beuge ich mich über eine gespannte Kette, halte mich fest an einem Metallrahmen, auch der John will mich halten.
Da will er mich hinunterstoßen!

Ich kann mich festklammern, er aber stößt immer wieder und ruft: „ICH liebe ihn! ICH liebe ihn! ICH! ICH! ICH! ICH!“

Hat seine Kraft nachgelassen? Er hätte es geschafft. Wurde auch seine Stimme leiser? Ich muss ohnmächtig auf den Boden der Plattform gesunken sein.

Alexander schüttelt mich: schwöre! dass du dir das nicht ausgedacht hast!

Eine halbe Stunde mag ich gelegen haben. Werde dann wach - und fühle mich richtig erholt. Das Herz schlägt ruhig. Langsam erinnere ich mich: wer da hockt, mit dem Rücken zur Wand, das ist der John und schaut mich an, er hat gezittert, richtig gezittert.
Jetzt war die Gelegenheit, zu erzählen. Alles von dir zu erzählen.

Umbringen hat er mich gewollt! das kam mir erst hinterher.

Was hätte ich jetzt sagen sollen? Da hocke ich, da hockt er; wir sind zusammengerückt ein bisserl. Er hatte sich umgezogen in der Zwischenzeit. Hat nicht geduscht, das rieche ich. Seine Tasche steht neben ihm.

Die grüne mit dem Fußball drauf?
Ja, die.

Wenn der John einen Lover hätte, ich würde den auch umbringen!
Und wenn ich ... ?
Komisch, jeden, sofort, dich nicht.

Wir fahren im Aufzug hinunter, gehen zum Ausgang.
Willst du nicht noch duschen? Gleich geht er den anderen Weg zum Probesaal. Kann ich dort auch? Jeder von der Oper kann dort duschen, also auch Sie. Er lacht schon wieder ein wenig.
Umkleideraum, Dusche, alles fast dunkel und niemand mehr da.

Weißt du, ohne Worte ist oft besser. Als viel erklären, vorwerfen, verzeihen. Habe ihn überall berührt und geküsst. Es hat ihm gefallen, doch, es hat ihm gefallen. Ein schöner Bub, schön wie du! Ganz anders aber, er ist halt älter etwas. Eigentlich gewesen ist nichts. Haben uns angezogen. Kein Wort geredet. Oder nur: kannst mein Handtuch haben.

Ich drücke den Knopf bei der Pförtnerloge, damit wir hinaus können. Da will er nochmal zurück. Er hat beim Sanitätsbereich einen Zettel an die Tür gemacht, den will er fortnehmen.

Abschied. Gleich werde ich anrufen, sage ich ihm noch, weil, ich muss dir alles erzählen. Umarmt hat er mich auch.

Ist jetzt nicht alles gut? Meine Hände wandern den Rücken entlang zu seinem Po.

Ich hab Angst vor morgen. Wenn ich in der Schule bin. Wenn ich den John sehe.

So ging es mir früher auch! Wurde es zu perfekt, gleich war da eine Angst. Überlass alles dem John. Er ist der Ältere. Morgen, wenn du gerade gar nicht an ihn denkst, da wird er auf einmal bei dir sein.

Bitte der Herr, wir schließen!

Da ist er, der Tsunami. Wenn ich jetzt gehen werde, die Stufen hoch, hinaus, schwarz wird alles um mich sein, sechs irre Schimmel werden mich umreiten, den Alexander werde ich verlieren










sx schrieb am 23.12. 2014 um 20:57:21 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 9 Punkt(e)

Etwas klopfenden Herzen bin ich gerade noch rechtzeitig angekommen, in der Kantine der Staatsoper, Dr. Mögglingen hat mich angerufen, den Alexander soll ich auch mitbringen.
Ich werde mit Herrn Ben Tiber bekanntgemacht; ihm bin ihm zuvor schon flüchtig begegnet anlässlich einer Probe zur Britten-Oper. Er freut sich über mein Interesse an seiner Klang-Installation, die den Ausklang der Oper bilden soll.
Es wird eine venezianische Lido-Atmosphäre erzeugt wird durch rollende Wellen und Geräusche und eine ferne Strandmusik.
Der Ami aus Baltimore will indes von mir mehr über Wien erfahren. Um an denTod in Venedig“ anzuknüpfen, sage ich, leicht übertreibend, aber auf Englisch fällt mir das leichter, behaupte ich also, dass jeder kultivierte Wiener wenigstens einmal im Leben eine Affäre mit einem der hier so lebhaften, sinnlichen und oft so schönen Buben gehabt habe. Diese Tatsache sei dem Wiener nie unverständlich gewesen im Grunde, weder damals noch heute.
Darauf gibt es eine kurze Unterbrechung, indem Alexander eingetroffen ist, etwas außer Atem durch die Eile, um ihn ist noch eine frische Luft von draußen: feucht und kühl, er lehnt auch den Kopf gegen meinen und küsst mich flüchtig, reicht dann Mr. Tiber die Hand und sagt ganz gekonnt ein hello, nice to meet you.

Wir erfahren, dass Mr. Tiber Verkehrsgeräusche vom Opernring aufgenommen hat. Es sollen am Ende der Oper alle Türen durch das Garderobenpersonal geöffnet werden, es soll das Lidogeräusch durch Verkehrslärm immer lauter übertönt werden, indem in allen Foyers der Oper Lautsprecher installiert sind.
Mögglingen ergänzt: es werden Sirenen einer Ambulanz näherkommen, und zwei Schauspieler werden, als italienische Sanitäter, sich eilends durchs Publikum vor den schon fast schon geschlossenen Vorhang begeben und rufen: dove è il malato !?
Dominique Meyer persönlich wird hervortreten und bestürzt, aber gefasst sagen:
è morto! Va subito a casa! Tutti! Tutte!

Mag. Federer (Mitteilung von Dr. Mögglingen) schrieb am 20.1. 2015 um 16:39:16 Uhr zu

Bezirk

Bewertung: 14 Punkt(e)

Die Gedenkstunde für Hans X. fand auf meine Anregung hin in einem Probesaal der Staatsoper statt. Ben Tiber hatte seinen Aufenthalt in Wien verlängert, nutzte seine aus den USA mitgebrachten Geräte und besorgte zusammen mit seinem Freund und Assistenten eine diskrete Darbietung von Richard Straussens Metamorphosen, einer Lieblingsmusik des Verstorbenen.
Ich musste meinen Chef und Intendanten bewundern, erstens weil er überhaupt Zeit fand für eine Visite, und zweitens, dass er es sogleich verstand, auf diejenigen zuzugehen, die, wenn sie dem Hans auch nicht besonders nahestanden, ihn immerhin am besten gekannt hatten.
Dominique Meyer begrüßte flüchtig den Mag. Federer und mich, auch war ihm Johns Vater als Bühneningenieur bekannt.
Dann aber wandte er sich sofort einem geistlichen Herrn zu – Hansens Beichtvaterder ganz ins Gespräch mit Frau Regine vertieft war, die ein Zimmer ihrer Wohnung an Hans vermietet hatte. Diese Person war die am heftigsten Trauernde, indes, wie es hieß, auch alkoholisierteste.
Es befand sich in Saal nur ein Tisch, auf welchem Sekt und Orangensaft angeboten wurde, überhaupt war der Saal nur von reichlich auf diesem Tisch aufgestellten Kerzen beleuchtet. Diese beschienen auch eine Schale mit sehr schönen Orangen, welche der John von Zeit zu Zeit auspresste, um eine Karaffe aufzufüllen.

Mein Chef meinte die Vermieterin wie ein Witwe fast trösten zu müssendann aber ging er auf Alexander zu, der ganz von seiner Großmutter Thilda und Johns Mutter, einer bildschönen Äthiopierin, in Beschlag genommen war.

Ich sah die beiden: meinen Chef und den mit einem Mal sehr erschütterten Alexander, jeder ein Glas Sekt in der Hand haltend, ins Gespräch vertieft den Tisch umrunden. Um dann auf John zuzugehen, dervieles erfuhr ich erst später - den Ben Tiber und dessen Freund bestürmt hatte, indem er von der Musik ganz überwältigt war und zunächst Ben Tiber für den Kompositeur hielt.
Dann sah ich meinen Chef zusammen mit John und Alexander den Saal verlassen, auch war es still geworden, überhaupt sollte die Feier mit den Metamorphosen beginnen und auch enden.

Einige zufällige Stichwörter

Jonas-und-Lukas-haben-Halloween2020-nackt-gefeiert
Erstellt am 2.11. 2020 um 22:19:42 Uhr von Maik, enthält 7 Texte

Hospizkasper
Erstellt am 18.9. 2007 um 17:24:50 Uhr von mcnep, enthält 15 Texte

Radau
Erstellt am 17.9. 2008 um 21:08:43 Uhr von Wurzelbrut, enthält 6 Texte

erBLASTERlass
Erstellt am 19.6. 2003 um 09:59:51 Uhr von ARD-Ratgeber, enthält 4 Texte

Ellen
Erstellt am 9.2. 2016 um 17:03:21 Uhr von Ha, enthält 18 Texte


Der Assoziations-Blaster ist ein Projekt vom Assoziations-Blaster-Team (Alvar C.H. Freude und Dragan Espenschied) | 0,0872 Sek.