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Max van der Moritz schrieb am 5.8. 2002 um 13:38:11 Uhr über

Freigeld

5) Gedanken über das Leben auf dieser Welt und warum uns der Zins noch nicht aufgefressen hat.

Jeder, der einmal eine Zins und Zinseszinsberechnung wie den sogenannten Josephspfennig gemacht hat, muß stutzig werden und sich die Frage stellen, warum wir noch immer leben und die Weltbevölkerung sogar zunimmt. Wenn man dann bedenkt, daß jeder Wirtschaftstreibende handelsübliche Zinsen für alle seine Investitionen berechnen muß, selbst wenn es sich dabei um Eigenkapital handelt, wird sie Sache immer dunkler. Er wäre doch sonst besser dran ohne Arbeit dafür Zinsen von einer Bank zu beziehen. Falls er mit Fremdkapital arbeitet, ist die Sache sowieso klar. Er muß die Zinsen dafür an seine Geldgeber abliefern, gleichgültig ob er einen Gewinn erzielt oder nicht.

Daß sich bei nur 3.6 % Zinsen Geldkapital in zwanzig Jahren verdoppelt, ist auch bekannt und bei viel realistischeren 7.2 % sind es sogar nur 10 Jahre. Irgend jemand bezieht doch diese Zinsen und irgend jemand muß sie zahlen. Es ist auch klar, daß bei größeren Geldvermögen die Rolle des Verbrauches des Zinseinkommens kaum eine Rolle spielt.Von einem Verbrauchsverzicht und eine dadurch implizierte Rechtfertigung des Zinses als arbeitslosen Einkommen, kann keine Rede sein. Der größte Teil dieser Vermögen wird immer wieder zinsbringend angelegt und der Verdoppelungseffekt bleibt. Warum haben wir dennoch keinen allmächtigen Beherrscher der Welt und sind alle seine Sklaven? Oder sind wir`s und wissen es nur nicht?

Das ist kaum zu glauben und es müssen deshalb schon noch andere Gegenkräfte wirksam sein, aber welche? Dazu müssen wir einen kurzen Rückblick in die Geschichte tun und können dabei feststellen, daß früher die Kapitalakkumulation mit Gold oder Silber als Tauschmittel jeweils Grenzen erreichte und die Anhäufung von Kapital ( meistens in der Form von Gold) in wenigen Händen einen Mangel daran in der Gesamtwirtschaft verursachte und damit oft jahrhundertelange Stagnationsperioden bewirkte. Deshalb blieb auch die Weltbevölkerung relativ stabil. Das änderte sich erst mit der Neuzeit und der Kolonisation der ganzen Welt durch die europäischen Länder.

Da waren auf einmal drei dünnbesiedelte Kontinente für den Bevölkerungsüberschuß in Europa da.. Die dort herrschende Naturaltauschwirtschaft hatte mangels einer über primitivste Landwirtschaft und Nomadentum hinausgehende Bewirtschaftung einfach nicht genug Lebensmöglichkeiten für mehr Menschen geboten. Die beiden bevölkerungsmäßig dichter besiedelten Länder China und Indien stagnierten unter Feudalherrschaft mit periodischen Hungersnöten und erlebten eine Bevölkerungsexplosion erst unter europäischen wirtschaftlichen und medizinischen Einfluß. Auch Afrika und der Großteil von Asien waren alles andere als entwickelt.

Der Goldzufluß aus den eroberten Ländern brachte eine nur manchmal kurzfristig unterbrochene Wirtschaftsblüte hervor, weil zu dem Zeitalter der Goldwährungen Goldzufluß mit Geldzufluß gleichzusetzen war.

Als dann aber Gold doch wieder knapp wurde, erfand man zuerst die staatliche Falschmünzerei und das Papiergeld. Damit konnte man Kapitalvernichtung durch Inflation betreiben und als das auch noch nicht genug war, machte man Kriege am laufenden Band kulminierend in den beiden Weltkriegen . So wurde eine relative Realkapitalknappheit bis zum heutigen Tag erhalten und damit der ZINS.

Der Ausbau der Staaten mit unproduktiver Bureaukratie trug auch das seine dazu bei, damit das Realkapital nicht zu schnell gebildet werden konnte. So blieb die Funktionsfähigkeit der Tauschmittel einigermaßen erhalten und zu den Zeiten, wo es in einzelnen Ländern kaum mehr funktionsfähig war, sorgte der schwarze und graue Markt für das Überleben des Großteils der Bevölkerung. Das Ausmaß dieses Marktes wird von den Ökonomen in den Elfenbeintürmen völlig unterschätzt, denn es gehören dazu auch unbezahlte Frauen und Kinderarbeit, Gartenbau, Schwarzarbeit und alle Tauschgeschäfte.

Aber das alles verblasst hinter der Tatsache, daß viel Sachkapital einfach keine Zinsen abwirft. Das Haus in dem man wohnt trägt keine Zinsen und der Grund der brach liegt bringt keine Grundrente. Die unmoderne Fabrik erwirtschaftet keine Zinsen mehr und das unverkäufliche Warenlager des Kaufmannes auch nicht. In den letzteren Fällen sieht der Geldgeber nicht nur keine Zinsen - er sieht wahrscheinlich sein Geld auch nicht wieder.

Doch selbst das sind Kleinigkeiten, wenn man die Kapitalvernichtung durch den Staat betrachtet. Da hat schon der alte Pharaoh mit den volkswirtschaftlich völlig unsinnigen Pyramidenbauten angefangen und unsere Tintenburgen sind auch nicht viel besser. Rüstungsausgaben und Zahlungen an Despoten in den Ländern der dritten Welt und unsinnige Straßenbauten in entlegene Gegenden, nur weil dort ein staatlicher Funktionär ein Wochenendhaus hat, kommen einen in den Sinn.

Aber selbst das ist bedeutungslos gegen die Kapitalbildung , die verhindert wird, weil der Staat den produktiven Menschen das Geld wegnimmt und es den unproduktiven gibt. So entstehen immer mehr unproduktive Berufe, wie Steuerbeamte, Juristen, Verwalter und Verteilungsbeamte, die alle wieder produktionshemmende Vorschriften erlassen und damit den produktiven Menschen sogar die Zeit stehlen, in der er produktiv sein könnte und erzwingen wieder eine andere Berufsgruppe - den Steuerberater. Die Staatswirtschaft mit den verstaatlichten Betrieben ist auch nur sehr selten produktiv und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig und ihre legendären Fehlinvestitionen sind auch eine Art der Kapitalvernichtung. Wenn sie auf Kosten der Steuerzahler dann wieder einmal saniert werden müssen, ruiniert der wachsende Steuerdruck wieder einige an sich gesunde Betriebe.

Die Kühe, die man melken kann, werden so aber immer weniger und in einem Land, wo Profit ein Schimpfwort ist, werden die Arbeitgeber auch immer weniger und neben den freiwillig Arbeitslosen auch die unfreiwillig Arbeitlosen immer mehr. Deren Produktion fehlt dann noch zusätzlich und anstelle Steuern zu zahlen, werden sie zu Unterstützungsempfängern.

Aber ist es auch Irrsinn, so hat es doch Methode. Es verhindert die unbeschränkte Kapitalbildung, die sonst bis zur Kapitalschwemme möglich wäre und ermöglicht so anderem bestehenden Sachkapital eine bescheidene Rendite und das Spiel der Kapitalisten ihr Geldkapital zeitweise in Realkapital anzulegen, wenn Inflation es unratsam erscheinen läßt, anstelle es als Geld zu halten, kann weitergehen..

Und man braucht nicht zum letzten Mittel - der Kapitalzerstörung durch einen Krieg - greifen.

Leider werden diese Methoden der Kapitalvernichtung aber auf dem Rücken des Mittelstandes ausgetragen. Er besitzt meistens die unrentablen Produktionsstätten und die unverkäuflichen Warenlager. Er ist es, der in den Konkurs getrieben wird und dessen Arbeitnehmer die Ränge der Arbeitslosen auffüllen.

Und am Ende, um das Unrecht voll zu machen, darf er dann noch für die Sünden der wirklich Verantwortlichen büßen, wenn die Entrechteten revolutionieren. Die Nutznießer des Systems haben sich dann meistens schon mit ihren Vermögen irgendwo in der Welt auf einen sicheren Platz abgesetzt.

Gerade ist der Lösungsversuch eines allumfassenden Staatsmonopols zusammen gebrochen aber leider scheint man nur wieder zu dem System zurückzukehren, das die Ursache dafür war - dem Kapitalismus. Die Hinterlassenschaft des marxistischen Großexperiments hätte aber durchaus auch einige positive Aspekte. Der feudale Großgrundbesitz ist verschwunden und damit ist einer der beiden Hauptpfeiler der Zinswirtschaft vorerst einmal unschädlich gemacht worden und man bräuchte nur mehr den zweiten Pfeiler, das herkömmliche Geld, reformieren. Marktwirtschaft ohne Kapitalismus und privatwirtschaftliche Nutzung des Bodens könnte aus Russland wieder die Kornkammer der Welt machen. Ohne den Irrsinn der Rüstung könnte der ehemalige Ostblock eine ähnliche Aufwärtsentwicklung wie Japan nach dem Krieg oder wie Westdeutschland erleben.

Soros sieht diese Möglichkeit anscheinend auch, sonst würde er dort nicht so aktiv sein. Der Kapitalbedarf in der ehemaligen Sovjetunion ist riesengroß und so hat ungewollt der Marxismus wieder als rote Garde vor Mammons Thron gewirkt.








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