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SuperUser schrieb am 29.3. 2011 um 14:13:59 Uhr über

Gummistiefel

Sind Gummistiefel ein Trend oder unverzichtbarer Sortimentsbaustein? Beides!

Es ist wie bei Coca Coladie exakten Zutaten werden nicht verraten. Zumindest einige der Gummistiefel-Hersteller lassen sich nicht in die Karten gucken. Wollen über Jahrzehnte erprobte Rezepturen nicht preisgeben. Denn das Geschäft mit Gummistiefeln, manche nennen sie PVC-Stiefel, Wellingtons oder Rubber-Boots, ist nicht nur ein modisches. Es ist auch ein traditionelles. Und genau das macht diese Stiefel auch für Herbst/Winter 2011/12 weiter spannend.

Alte Fabriken

Wie viele Mode-Klassiker, Trenchcoat und Cowboy-Stiefel beispielsweise, haben auch Gummistiefel eine langen, steinigen Weg hinter sich, bevor sie es in stylische, handverlesene Sortimente schafften. Es ging durch Schützengräben zweier Weltkriege, über Äcker und Felder, durch Sandkisten und Wälder. Wichtigste Voraussetzung dafür, dass Bauern ihre unbequemen Holzpantinen und Soldaten ihre oftmals feuchten Lederschuhe in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegen Gummistiefel eintauschten, war die Erfindung der Vulkanisierung im Jahr 1840 von Charles Goodyear. Denn erst dadurch wurde aus klebrigem Gummi wasserfestes, elastisches, formbeständiges Material. Überall in Europa entstanden Fabriken, die neben Gasmasken und Gummibändern auch Gummistiefel fertigten. Manche Firmen, deren Gummistiefel heute in On- und Offline-Sortimenten weltweit verkauft werden wie beispielsweise Hunter, gibt es bereits seit weit über 100 Jahren.

Wie aber schafften diese Stiefel den Weg in die Gegenwart?

Eine Gegenwart, in der es Gore-Tex und Co. längst gibt? An der Tatsache, dass diese Stiefel seit Jahrhunderten in den Schuhschränken der britischen Königsfamilie stehen, und Prince Charles seine heißgeliebten Wellingtons (benannt nach Arthur Wellington, der als einer der ersten von seinem Schuhmacher Gummistiefel forderte) nur ungern auszieht, liegt es nicht. Das hat diesen Allroundern den Weg in die Top-Sortimente nicht geebnet. Dafür hat Top-Model Kate Moss Anfang 2000 gesorgt, als sie auf dem Glastonbury-Festival in England in Hot-Pants und Gummistiefeln herumsprang. Auch andere Promis, Julia Roberts, Gwyneth Paltrow und Madonna beispielsweise, wurden immer wieder in Gummistiefeln gesehen. Und das reicht aus, um einen eher schnöden, praktischen Artikel mit Glamour und Sex-Appeal aufzuladen. Überlagern dann die Bilder aus dem Promi-Alltag die Kindheitserinnerungen an die Nordsee, ist diesen Stiefeln ein fester Platz in modischen Schuhschränken sicher.

Der Gummistiefel ist catchy und erweckt durch zusätzliche Details viel Aufmerksamkeit“, heißt es bei Philipp Plein. „Gummistiefel sind ein absolutes Trendthema. Das sehen wir an unseren Bestellungen“, sagt Cinzia Maag von der ACM Boots GmbH und verantwortlich für den Hunter-Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das Thema wird 2011 und 2012 extrem sichtbar sein.“ Der Trend habe den Gummistiefeln die Türen zu ganz neuen Sortimenten geöffnet. Etwa in hochwertige Bekleidungs-Stores und trendige Schuhgeschäfte. „Natürlich war Kate Moss der Auslöser“, sagt Maag. Sie hat aber noch eine andere Theorie: „Die Leute wollten einfach etwas Anderes, sie hatten Lust auf etwas Neues.“ Auch bei Scholl sind Gummistiefel ein Trend-Thema: „Schon im vergangenen Winter haben wir gemerkt, dass die Verbraucher nach Gummistiefeln gefragt haben. Und dass viele Einzelhändler nachbestellt haben“, sagt Nadja Standare von Scholl. Deshalb haben die Maintaler das beliebte Modell noch einmal aufgelegt, zusätzlich in zwei neuen Farben. „Modische Gummistiefel sollten in keinem guten Schuhhaus fehlen“, sagt Karin Nederegger von Giesswein. Das zeigt: In den vergangenen Saisons haben Gummistiefel sich zu einem Lifestyle-Artikel entwickelt. DÄV beispielsweise hat das erkannt und 2008, natürlich im Herbst, wenn es so richtig aus Eimern gießt, seine Kollektion gestartet. Bereits im ersten Jahr verkaufte DÄV seine „luxury foot wear for wet days“ bei 800 Retailern. Auch bei Philipp Plein sind Gummistiefel mittlerweile fester Bestandteil der Schuh-Kollektion.

Neue Trends

Das Neueste ist ein Boyfriend-Look mit dicken Sohlen und weiten Schäften. Hunter setzt zum kommenden Winter auf Moonbootsmit dicker, rutschfester Sohle. „Das ist neu“, sagt Maag. Wichtig seien aber auch Zusatzartikel wie passende Socken. Highlights bei Giesswein sind Leoparden- und Karo-Muster. Wichtig werden aufwändige Verzierungen, Fell-Details, Schnürungen, Riegel und Schnallen sowie Matt-/Glanz-Optiken. Auf Materialmix setzen Anbieter wie Romika und Pajar. Auch wenn sich brillante Farben, Muster und Details hervorragend auf PVC et al. übertragen lassen, Farbe Nr. 1 ist Schwarz. Wie in der Bekleidung wird die Farbe Navy aber immer stärker, heißt es bei Hunter. Bei Scholl hingegen ist nach Schwarz die beste Farbe Gold. Philipp Plein zeigt zum Herbst/Winter Gummistiefel mit Nieten, Swarovski-Steinen, Schnallen und Fell. Absolutes Highlight: ein High Heel-Gummistiefel.

Im Gummistiefel steckt aber noch mehr: Er kann nämlich auch ein richtig nachhaltiges Produkt für Edel-Ökos und Lohas sein: Hunter fertigt seine Modelle ausschließlich aus Naturkautschuk. Das hat Zeitgeist. Denn immer mehr Verbraucher wollen wissen, was sie tragen. Und sie wollen es bequem, vor allem wenn es kalt und ungemütlich wirddas zeigt die andauernde Popularität von Daunenjacken, die Funktion und Fashion vortrefflich verbinden. „Bei Gummistiefeln gehen Mode und Funktion Hand in Hand. Natürlich wollen Frauen modisch sein, aber sie wollen auch einen funktionalen Stiefel“, sagt Linda Nalis von Pajar. Außerdem bleiben Gummistiefel ein Trend, weil es einen weiteren Trend gibt: Gardening. In New York, Barcelona, Hamburg und Berlin wird gesät, gesetzt, gegraben, wo und so oft es nur geht. In Frankfurt am Main ist der Schrebergarten längst ein Lifestyle-Objektmit Wartelisten. Darauf die Namen, die auch auf Isabel Marant- und Balenciaga-Wartelisten stehen.

Fazit:

Mit Gummistiefeln ist es heute so wie mit Jeans: Längst ist nicht mehr die Frage, ob Jeans im Trend sind. Vielmehr geht es darum, welche Waschungen, welche Silhouette zukünftig richtig sind. Und somit für den richtigen Twist sorgen.


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