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Bis in das 18. Jahrhundert war im deutschen Sprachraum der Ausdruck „Mohr“ (von lat. maurus, für Mauren) gängig, der sich jedoch nicht auf die Hautfarbe, sondern auf die Herkunft bezog. Im Unterschied zum Begriff „Neger“ umfasste die Bezeichnung „Mohr“ zwar ebenfalls eine Vielzahl von Stereotypen, diese waren allerdings sowohl positiv als auch negativ: So wurden dunkelhäutige Heilige und Helden aus Legenden verehrt und besungen (z. B. Feirefîz in Wolfram von Eschenbachs „Parzivâl“, Kaspar und Balthasar, Mauritius oder Bilkis, die Königin von Saba). Zur Konstruktion einer Identität über die Pigmentierung wurden ethnozentristisch, rein willkürlich, Grenzen im Hautfarbenspektrum gezogen. Diese Konstruktion weiß/schwarz ignoriert sowohl die Tatsache, dass weder in Afrika noch in Europa eine Gleichheit im Hautfarbton herrscht, als auch, dass „weiße“ Europäer z.T. eine dunklere Hautfarbe haben als „schwarze“ Afrikaner. Sie ist deshalb unhaltbar.
Mit dem Aufkommen der Rassentheorien wurde eine Verbindung der Hautfarbe mit anderen äußeren Merkmalen konstruiert, wie anhand von Wortbildungen wie „Negerkrause“ und „Negerlippen“ zu sehen. Damit hat der Begriff seine etymologisch ursprünglich wertfreie[16] Bedeutung verloren.
Mit dem Rassismus prägte sich ein herablassender Blick auf Menschen dunkler Hautfarbe, den schon Kant, der den Rassebegriff in die deutsche Sprache einführte, in seinen Vorlesungen 1790–1791 skizzierte: Sie seien wie Kinder und benötigten Erziehung, zudem hätten „die Neger von Afrika [...] von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege.“ Gleichzeitig gab es besonders seit der massenhaften Versklavung von Afrikanern rassistische Stereotype wie etwa Faulheit, Feigheit oder Grausamkeit. Europäische Intellektuelle sprachen Menschen dunkler Hautfarbe die Fähigkeit zu Kultur und Vernunft ab und entmenschlichten sie bis zur Herabstufung zu Affen.
Eine weitere ethnozentristische Zuschreibung ist die der Triebhaftigkeit. In Zeiten zwanghafter Sexualrepression wurden „exotische“ Menschen als sexuell aufgeladen gesehen (vgl. Exotismus). In den Kolonien kam es zunehmend zu Vergewaltigungen durch die Besatzungstruppen, was ein weiterer Anlass für die antikolonialen Aufstände wurde (vgl. Herero, Nama).
Bei der Berliner Kongokonferenz von 1884/85 wurden die afrikanischen Kolonien als „Schutzgebiete“ bezeichnet, um mit dem „Schutz“ der „Neger“ die Versklavung durch arabische oder französische Sklavenhändler zu verhindern sowie ihre „Verfleißigung“ im Sinne der deutschen „Herren“ zu erreichen. Allerdings waren in den so genannten Schutzgebieten „Haussklaven“, also rechtlose Diener, – nicht aber Plantagensklaven – erlaubt. Die übrige Bevölkerung sollte durch Steuern und Strafmaßnahmen zu „Fleiß“ erzogen werden. Jeder Widerstand wurde als ein Beweis der angeborenen „Faulheit“ und damit der Notwendigkeit weiterer Gewalt gewertet. In deutschen Kinos hatten Kolonialfilme Hochkonjunktur, in denen dunkelhäutige Darsteller den eurozentrischen Blick befriedigen sollten: Sie wurden als dumme Diener gezeichnet, die auf den Schutz und Rat der weißen deutschen Helden angewiesen waren. Einer von wenigen schwarzen Schauspielern, die auch größere Nebenrollen angeboten bekamen, war Louis Brody (1892 – 1951). In ähnlich verzerrender, oft bewusst grotesker Form griff die Werbeindustrie der Zwischenkriegszeit den rassistischen Stereotyp des „Negers“ auf und verwendete ihn für vielfältige Produkte, insbesondere aus dem Bereich der Tabak- und Kolonialwaren.
Die Ausstellung „Entartete Musik“ der Nationalsozialisten warb 1938 mit einer Broschüre, deren Titelcover einen Jazzmusiker mit verzerrtem Gesicht zeigte. Im Knopfloch trug die Karrikatur statt einer Nelke einen „Judenstern“: „Für die Nazis schien diese fiktive Figur der Inbegriff der „Entartung“ zu sein: ein jüdischer Neger, der in europäischer Festkleidung Jazz spielt, der – so sollte die Assoziationsreihe weitergehen – die Primitivität des Urwalds mit dem Abendländischen unverschämt vermischt und verquickt.“ (Albrecht Dümling)[17]
Arndt und Hornscheidt weisen 2004 daraufhin, dass »das N-Wort« zur »Diskriminierung von Juden und Jüdinnen und zur Abwertung des Jazz instrumentalisiert« wurde, »weil es rassistisch konnotiert ist«. [18]
Von der weißen US-amerikanischen Gesellschaft wurde das Wort „Neger“ (Negro) in das Wort „Nigger“ (zuerst 1834) abgewandelt, mit dem aus Afrika entführte Menschen bezeichnet wurden, die zumal in den US-Südstaaten bis zur gesetzlichen Aufhebung der Sklaverei in den USA (1865) Sklavendienste für Weiße zu leisten hatten. Der enge Zusammenhang des Begriffes Neger/Nigger in Assoziation mit Sklavenarbeit, dadurch mit sozialer Degradierung und hierarchischer Herabstufung, zeigt sich auch in der Anwendung des Begriffes Neger auf Weiße, wie dies beispielsweise in dem Kultfilm Pulp Fiction[19] aus dem Jahr 1994 zum Ausdruck gebracht wird. Der US-Senator Robert Byrd hält es für selbstverständlich, von »white niggers« zu reden und löste 2001 mit der Aussage There are white niggers. I've seen a lot of white niggers in my time. I'm going to use that word (übersetzt: „Es gibt weiße Nigger, Ich habe in meinem Leben eine Menge weißer Nigger gesehen. Ich habe vor, dieses Wort zu verwenden“ - letzte Teilaussage sinngemäß: ...bin nicht bereit, mir die Verwendung dieses Wortes verbieten zu lassen) Diskussionen aus.[20] Auch im deutschsprachigen Raum wird dieser Zusammenhang bisweilen deutlich, wenn vor allem unter Jugendlichen die Aussage „Ich bin doch nicht dein Neger“ [21] benutzt wird, um sich von der Anforderung einer als Ausnutzung verstandenen Hilfe-/Dienstleistung abzugrenzen bzw. diese zu verweigern.
Heute noch sind rassistische Stereotype und Vorstellungen von vermeintlicher Primitivität und Unterlegenheit von Afrikanern weit verbreitet, wie die Bezeichnung als „Wilde“ oder „Eingeborene“ zeigt. Afrikanische Religionen werden mit Wörtern wie „Naturreligion“, „Animismus“ oder „Fetischismus“ als ungleichwertig und primitiv gekennzeichnet.
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