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mcnep schrieb am 6.1. 2004 um 22:44:47 Uhr über

Faustfick

»Ich habe mir mein Leder noch nicht verdient, Sir«, so ein Codesatz der homomaskulinen Szene. Gut, ich habe gedacht, nach all dem, was so in den letzten Jahren rund um mich herum abgegangen ist, habe ich mir mein Leder verdient, und mir so eine Art Kurzmantel oder Langjacke aus angemessen steifem Leder gekauft, wenngleich bei Peek & Cloppenburg, was die Erotik des ganzen zugegebenermaßen ein wenig mindert. Dort auch in gleicher Farbe eine sehr figurbetonte Levis erworben, einen gleichermaßen schwarzen Unterziehrolli, ein Kleidungsstück, das ich bislang stets als eher peinlich und überflüssig betrachtet hätte, daß aber in der Tat trefflich zu dem Versace- oder Armanipullover in dunkelgrau und schwarz gestreift passte. Aber mir war all dies des Leders nicht genug, die Elternaustreibung bei der kommenden Beisetzung erschien mir noch nicht abgerundet genug, und so ging ich dann noch wie bereits angekündigt in jenen rätselvollen Bootsshop, um mir dort mein erstes Paar langschäftiger Stiefel zu kaufen, die, zunächst von mir mit Unbehagen, dann jedoch mit affirmierendem Gusto für die Pikanterie des ganzen zur Kenntnis genommen, mit einer cockringartigen Applikations im Bereich des Fußettes ausgestattet sind. »Seien sie aber vorsichtig!« riet mir die Verkäuferin noch beim Herausgehen, auf die ausgesprochene Glätte des hochwertigen Ledersohlenmaterials reflektierend. Ich murmelte Belangloses, das meine Unerfahrenheit wie meinen Besitzerstolz gleichermaßen zu kaschieren trachtete und schritt hinaus. In meiner vollständig neuen Gewandung war ich ein anderer Mensch, und ich wußte: Von diesem Tag an werden Leder, Levis und Stiefel meine ständigen Begleiter sein. So gespornt schritt ich ins Schlonz, wo ich mir ein Bier mitsamt Aquavit bestellte, letzteren als Geschenk des Hauses gestellt bekam, vorgeblich aufgrund der unzureichenden Füllmenge (Flasche leer), wie ich mir jedoch einredete, weil meine neugewonnene Maskulinität jedweder Altstadtkneipe an diesem Tag zur Zierde gereicht hätte. So saß ich dort für eine gute Viertelstunde, ein stockschwuler man in black bei seinen ersten Gehversuchen auf dem freudenund gefahrenreichen Weg in die Homomaskulinität, und kaum hatte ich, mit einem großzügigen, den spendierten Aquavit durchaus ausgleichenden Trinkgeld für die Kellnerin, den entsprechenden Laden verlassen, als ich auch schon, mitten auf der Ratinger Straße, auf meinem Weg ins goldene Einhorn, lang auf die Fresse schlug.


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