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Peter K. schrieb am 29.12. 2005 um 22:56:50 Uhr über

Gedanken-eines-Hundes

Meine Hündin hat mindestens 5 Jahre in Spanien als Strassenhund gelebt, Mülltonnen durchwühlt, geklaut, geschnorrt. Sie war immer nett und freundlich zu den Menschen, und hat auch mal mit ihnen geschmust, wenn sie das zugelassen haben. So hat sie überlebt. Einsam und voller Sehnsucht nach Menschen. Dann kam sie über eine Auffangstation in ein bayrisches Tierheim, wo sie meist eingesperrt war. Aber wenigstens gab es immer genug zu fressen. Aber man kastrierte sie - sie weiß, daß ihr Leben nutzlos geworden ist: sie kann kein Leben mehr spenden, sie fühlt sich minderwertig, und sucht noch mehr die Anerkennung und ihren Menschen, den sie braucht, um Hund zu sein. Dann kam sie zu uns. Drei Menschen auf einmal. Sie hatte furchtbar Angst zuerst, die sich erst nach Tagen legte, aber sie merkte, wir mögen sie, und nehmen sie auf zu uns. Und sie war nie mehr alleine. Ich nahm sie mit ins Büro, auf meine Fahrten hinten im Kombi. Aber sie hatte immer noch Angst, weil sie keine richtige Aufgabe hatte. Erst nach der Hundeschule - Einzelunterricht bei einem Profi - als sie bei Fuß gehen lernte, und »ablegen«, und ich mich immer mit ihr beschäftigte, wenn wir zusammen draussen waren, da merkte sie: sie hat eine Aufgabe, sie wird ernst genommen. Sie »arbeitet« für mich, für meine Frau und - weniger gerne - für deren Tochter. Seither hat sie viel von ihrer Angst verloren, kann auch mal einen Tag alleine zuhause bleiben - wenn sie dann auch beleidigt ist. Aber abends darf sie dann immer mit ins Bett, kringelt sich am Fußende zusammen, nach ein paar Schmuse-Einheiten, und wacht morgens mit mir auf. Sie ist jetzt endlich angekommen - dort wonach sie sich ihr Leben lang sehnte. Sie kann es immer noch nicht recht glauben, und manchmal packt sie immer wieder die Angst, sie würde wieder verstoßen werden. Aber das wird sie niemals werden - manchmal könnte ich sie auf den Mond schiessen in ihrer Anhänglichkeit und ihrem traurig-vorwurfsvollen Blick, wenn ich zuwenig Zeit für sie habe. Aber ich habe ihr versprochen, ich bleibe bei ihr, auch in ihrer letzten Stunde. Sie wird in meinen Armen sterben dürfen - auch wenn es furchtbar für uns beide sein wird, aber auch das sterben wird ihr leichter fallen mit mir.


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