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ingo schrieb am 19.4. 2003 um 23:44:26 Uhr über

Hotel

wir kuessen die realitaet mit geschichten
aus den wolken, sind zuhause unterwegs
und bezahlen mit dem leben.

jeder macht das so, netzliteraten und
andere alliteraten, was sollten wir anderes tun.
»die zeit: es ist zwoelf uhr, die nachrichten«
eingebettete Journalisten stehen der bombenflut
aus den wolken im weg, sie sind zu dicht dran
an der geschichte die die welt veraendert.
fast literatur ist wie fast sex eingefasste
journale vertrauen auf den sieg der uebermacht.

"uns wird es an nichts mangeln, unser streben
nach massenunterichtungsmitteln darf nicht der
Zensur der Schere im Kopf zum opfer fallen."
so oder so aehnlich klingt die eschichtsschreibung
aus dem radio die hoerer mit den ohren am anschlag
gaehnen ein wenig ob der massiv aufgetretenen nach
richten flut, richten ihre naehte nach den richtungen aus denen der wind gerade weht und der leicht bittere beigeschmack von wein und drogen wuerzt ihre kuesse in der langen nacht.

es ist nacht im hotel california, geschichten gehen andere wege und das haemmernde geraeusch der kolben unter der motorhaube besingt die preise,
es ist eine lange nacht mit viel zu viel raum fuer
unerzaehlte geschichten. literaten, eingehuellt in
loechrige netze haben »roof tops« gebucht, mit wasser aus den wolken. die mauern des hotel california erzitten unter den einschlaegen der stummen geschichten, halten stand und schuetzen weiterhin die rosa schleifchen um die lieblichen pekineserhuendchen in den armbeugen der teuren gaeste. es ist eine lange nacht und auf den schirmen der vernetzten tauchen geplonte systemmeldungen aus den tagen zuvor
und den naechten darauf die wirklichkeit in
zwielichtige farben.

er ist gegangen, fort vom hoteldach California,
in diesen Tagen fort von diesem Krieg. es ist
nacht im Hotel California, diesem schoenen Place, diesem lovely place.

dreihundertfuenfundsechzig jahre nach ende vom dreissigjaehrigen krieg und zweieinhalb stunden nach einer fahrt mit den nadeln am anschlag fallen nachts um 23:45 Uhr drei gaeste und eine Bardame vom hocker. die bombe ist gefallen, alea jacarta est. der Luftraum ueberm hotel california liegt wie ein mantel aus schweigen ueber den redaktionssystemen der literaten, sie haben
sie umsonst, aber sie haben sie. wollten wir wirklich, was wir uns immer wuenschten? im Rockcafe gibt es eine neue geschichte, das system reagiert wie erwartet. welcome to the hotel california, it is a lovely place,
such an lovely place.

abgerissene briefkaesten, in den ecken stapeln sich alte zeitschriften, im eingang spinnengewebe. hier sind die ausgeschlagenen Scheiben zeichen abgerissener kommunikate genug geredet sie warten auf taten.

Aus dem restmuell der geschichten tauchen marlboroman und starke pferde mit wiehernden hufen durch die gaenge der reaktion und mitten im schlachthof steht ein coca cola automat. sie koennen warten und wissen um den applaus
der geschichtenverbreiter, kennen den klang der durchclicenden ratten und spielen gitarre ohne glauben an irgendeine zukunft. die baeume rund ums hotel california bleiben nicht ausgerissen und die muskeln der literaten spielen nur. es ist nacht im hotel california, diesem schoenen place, diesem lovely place.


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