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Hallo zusammen,
ich habe jetzt schon einige Wochen hier im Blaster mitgelesen, aber ich will euch auch mal mitteilen, wie mein Coming-Out bis jetzt verlaufen ist:
Vorgeschichte
Zunächst mal ein paar kleine Hintergrund Informationen: dass ich auf Jungs stehe weiß ich schon mein ganzes Leben lang. Aber als Kind kann man mit dem Begriff „schwul“ natürlich noch nix anfangen. Irgendwann kamen dann Jungs in mein Leben, bei denen ich mir dachte, mal was mit ihnen anfangen zu können, also sexuell..
Später kamen dann wieder andere Jungs, bei denen ich mir gedacht habe, mit ihnen (bzw. logischerweise immer nur mit einem) eine Beziehung eingehen zu wollen.
Und dann nochmal später hab ich irgendwann angefangen mir einzugestehen, dass ich wirklich schwul bin. Als das dann geschafft war, gings mir seit langem mal wieder psychisch relativ gut.
Erstes Coming-Out bei meinem besten Freund
Zu meinem besten Freund habe ich eine ganz spezielle Beziehung. Da ich in meiner Kindheit jetzt nicht unbedingt viele Freunde hatte (lange, für mich unschöne Geschichte), ist mir diese Freundschaft ganz extrem wichtig.
Mit meinem besten Freund kann ich über alles reden und ich weiß, er behälts für sich. Und selbst wenn er mal mit ner Entscheidung oder Einstellung von mir nicht klarkommen würde, würde er immer hinter mir stehen.
Eben aufgrund dieser extrem wichtigen Freundschaft wars natürlich richtig schwer für mich, ihm zu sagen, dass ich schwul bin. Man weiß ja nie, wie jemand drauf reagiert und ich wollte (und will) ihn nicht als Freund verlieren.
Wir gehen ab und zu unter der Woche bei uns in der Stadt einen trinken. Das haben wir auch wieder am 25.2. dieses Jahr (das Datum werde ich nie vergessen) gemacht.
Ich hatte mir schon fest vorgenommen es ihm an diesem Tag zu sagen.
Als wir dann nach dem Besuch der Kneipe auf dem Weg zu Bahn waren gings dann folgendermaßen:
Ich: „Du, ich glaub ich muss dir was sagen.“
Er: „Was denn?“
Ich: „Warte mal bis die Frau (die gerade hinter uns lief) vorbei ist. Muss nicht jeder hören.“
Als die dann vorbei war:
Ich: „Du bist der erste überhaupt, dem ich das jetzt sage. Und das mache ich weil ich dir 100% vertraue. Aber bitte sags noch niemandem.“
Er: „Ok.“
Ich: „Ich bin schwul.“
Ich hab am ganzen Körper gezittert. Es war echt pure Angst. Er hat mich dann zuerst ungläubig angeschaut - mir kams wie ewig vor, aber es waren wahrscheinlich nur 2-3 Sekunden – und hat dann einfach mit den Achseln gezuckt. Er hatte kein Problem damit. Ich wäre echt fast zusammengebrochen. Wir haben dann noch auf dem Weg nach Hause drüber geredet und haben jetzt, so empfinde ichs wenigstens, eine deutlich bessere Beziehung als vorher.
Nach diesem Tag gings mir dann so gut wie nie. Und das mein ich ernst. Innerlich war ich richtig erleichtert und hab seit langem mal wieder ne positive Zukunft für mich gesehen.
Coming-Out bei meinem Zwillingsbruder
Das zweite Coming-Out lief eigentlich relativ unspektakulär: ich stand gerade unter der Dusche und hatte dann irgendwie das Gefühl, jetzt meinem Zwillingsbruder die Wahrheit zu sagen.
Ich hab dann fertig geduscht, mich angezogen und bin zu ihm ins Zimmer.
Ich hab ihn gefragt, ob er ein bisschen Zeit für mich hat. Auch ihm hab ich dann gesagt, dass er das, was ich ihm jetzt sage, noch für sich behalten soll. Und dann hab ich einfach gesagt, dass ich schwul bin. Ganz direkt raus.
Er hat zuerst gedacht, dass ich ihn verarschen will (man merkt mich überhaupt nicht an, dass ich schwul bin. Wirklich.). Aber auch er hats super aufgenommen. Wir haben dann auch noch drüber geredet und alles war toll.
Jetzt zieht er mich immer ein bisschen damit auf, aber das ist ok. Ich mach ja auch Witze über mich selber.
Coming-Out bei vier guten Freunden
Das bis jetzt letzte Coming-Out war jetzt erst am 13.4. Zwei Freunde von mir spielen in einer Band und an dem Tag hatten sie einen Auftritt in Ravensburg, also ca. 2 Stunden mit dem Auto weg.
Die beiden Freunde, deren Freundinnen und ich sind mit einem Auto hingefahren.
In Ravensburg sind wir dann erst was essen gegangen und dann noch ein bisschen rumgelaufen. Da war ich dann relativ ruhig, weil ich mir überlegt hab, wie ichs ihnen am besten sage. Das ist einem Freund von mir aufgefallen und er hat gefragt, was mit mir los sei. Ich hab ihm dann gesagt, dass ichs ihm nachher sagen würde, wenn wir wieder alleine sind. Die anderen von der Band waren eben noch dabei. Kurz vor dem Auftritt hat er mich dann nochmal gefragt, ich hab aber genau das gleiche geantwortet.
Auf der Rückfahrt dann hat er mich wieder gefragt:
Ich: „Versprich mir aber, dass du gerade aus weiter fährst.“
Er: „Ok.“
Ich: „Und dann müsst ihr mir versprechen, es noch niemandem weiter zu sagen.“
Anderer Freund: „Was denn?“
Ich: „Dass ich schwul bin.“
Dann wars erst mal ruhig im Auto. Auch sie haben nicht geahnt, dass ich schwul sein könnte. Aber die hatten auch gar kein Problem damit. Sie haben dann viele Fragen gestellt. Es war toll, mal so lange (ca. 1,5 Stunden) mit jemandem drüber zu reden.
Nur eine Freundin, die auch dabei war, hat geschlafen, als ichs gesagt hab. Dann hab ich mich halt wiederholt, aber bei ihr wars auch kein Problem.
Ja, das wars soweit. Als nächstes, wenn mein Bruder sein Abi hat, werd ichs noch meinen Eltern und meinem anderen Bruder sagen. Da ist mir aber irgendwie egal, was die dazu sagen. Zu denen hab ich nicht das beste Verhältnis.
Is jetzt doch irgendwie ziemlich lang geworden. Aber es tut auch richtig gut, drüber zu schreiben.
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