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Karin schrieb am 3.2. 2009 um 23:44:56 Uhr über

MeineGeschichte

Ich wurde am 16. Juni 1967 in Wien geboren und wuchs ganz gewöhnlich wie alle anderen Mädels auf.
Ich hatte eigentlich nie wirklich lesbische Ambitionen, bis auf eine kleine Schwärmerei in der Schulzeit für eine Klassenkollegin, was ich aber für eine Pubertätsphase hielt.

Der Schulabschluss in der Hauptschule war heftig, denn zwei Burschen (einer von meiner Klasse und einer aus der Parallelklasse) nahmen sich mit Gewalt, was ich ihnen freiwillig nicht zu geben vermochte. Ich war danach 10 Jahre lang nicht in der Lage, jemanden zu streicheln oder irgendwelche Zärtlichkeiten zu geben.

Ich kam dann später eher schlecht als recht mit Mädels und Frauen aus. Das Hilflos-Getue und die wahnsinnig interessanten Gesprächsthemen über Klamotten, Schuhe, Schminke etc. gingen mir nur auf die Nerven. Trotzdem entwickelte ich mich sehr weiblich.

So kam es, dass ich eine Clique aus lauter Burschen hatte, mit der ich dann herumzog.

Mit 16 hatte ich dann meinen ersten Freund.

Insgesamt war ich zweimal verlobt und zweimal verheiratet.

Daraus entstanden drei Kinder, jetzt 15, 13 und 2 Jahre alt.

Voriges Jahr jedoch drehte sich mein ganzes Leben vollständig um.

Ich bekam Physiotherapie verschrieben, weil meine Lendenwirbel arbeitsbedingte Schäden aufweisen.

Bei meiner ersten Therapiestunde traf mich der Blitz, denn ich verliebte mich - in meine Therapeutin!!! Sie hieß Tina und war schlank, hatte ganz lange schwarze Haare und blaue Augen. Leider war sie hetero und fix vergeben.

Aber ich grübelte ab diesem Zeitpunkt, was ich mit dieser völlig neuen Erkenntnis anfangen sollte.

War es irgendeine vorübergehende Phase?

Was war passiert?

Spielten meine Hormone verrückt oder was zum Geier ist eigentlich los?

Ich wurde praktisch ohne Vorankündigung in etwas hineingeschubst und wusste nicht, wie es mein weiteres Leben beeinflussen würde....

Das passierte im August. Mit meinem Mann konnte ich nicht wirklich darüber reden.

Ich brauchte noch ein paar verwirrte Wochen, bis ich mich zum ersten Mal in einen Lesbenchat traute. Ich wollte nur mal sehen, wie denn da so miteinander umgegangen wird, denn wie gesagt konnte ich mit Frauen nicht so wirklich.

Es war ein Zufall, dass ich an einem Montagabend überhaupt die Zeit zum Chatten hatte, da mein PC in der Arbeit steht.

Es war ein Zufall, dass ich den Nick »Die Sizilianerin« wählte, ohne den mich P. wahrscheinlich nie angesprochen hätte, da sie selber Italienerin ist.

Es war ein Zufall, dass P. an diesem Abend Zeit hatte und sich mit ihrer Ex im Internetcafe aufhielt.

Es war ein Zufall, dass sie diesmal jede einen eigenen PC hatten statt einen miteinander.

Es gab noch ein paar andere Zufälle, die damals zusammenspielten, dass P. und ich uns da im Chat trafen.

Ich wusste nicht, ob ich da überhaupt das Richtige tat, ob ich in diesem Chat überhaupt was zu suchen hatte.

Aber P. sprach mich wegen meinem Nick an, und ich erklärte ihr, dass ich den eigentlich nur gewählt hatte, um auf mein Temperament hinzuweisen.

Jedenfalls unterhielten wir uns sofort sehr gut und hatten seltsamerweise beide das Gefühl, der anderen völlig vertrauen zu können.

Wir tauschten Adressen und bald darauf die Handynummern.

Wir begannen uns Briefe zu schreiben und Fotos zu schicken.

Sie wollte mir helfen, aber wusste nicht wie.... sie in Stuttgart und ich in Wien, und ich noch verheiratet und mit Familie.

Und dennoch traute sie sich Anfang November einen Zug zu nehmen und für ein paar Tage zu mir zu fahren. Nicht ohne weiche Knie, denn keine von uns wusste genau, was da auf uns zukommen würde....

Aber als wir uns an einem Freitagmorgen am Bahnhof gegenüberstanden, da hielt das Schicksal seine Hand über uns.

Das folgende Wochenende entschied alles. Unsere erste Nacht war wie nach Hause kommen. Diesen Unterschied hätte ich mir zuvor nie vorstellen können.

Wir wussten, dass wir zusammenbleiben wollten.

Und ich wusste, dass ich mich entscheiden musste, mich von meinem Mann trennen musste,....was ich innerlich ja schon getan hatte.

Ich brauche niemandem zu sagen, wie schlimm das ist, wenn man sich immer nur kurz sehen kann und dann wieder über 700 km auseinandergerissen wird... trotzdem fuhr sie oft nur für eine Nacht 9 Stunden lang mit der Bahn zu mir, um am nächsten Tag wieder zurückzufahren. Diese traurigen Abschiede am Bahnhof werde ich nie vergessen...

Ich fuhr auch so oft es Geschäft und Familie erlaubten mit meinem Auto zu ihr.

So kam es, dass P. ihren Job kündigte und Ende Jänner für immer zu mir zog.

Niemals werde ich diesen Schritt bereuen, denn ich habe noch nie so eine schöne, erfüllende, liebevolle, zärtliche Beziehung erfahren wie mit meiner Frau.


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