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solarschule schrieb am 23.2. 2003 um 18:08:02 Uhr über

KeinMenschIstIllegal

sche Senator, kann sich ohne die stille Arbeit des Magens bewegen. kein Bauch kann ohne die Tätigkeit der Gliedmaßen den Körper am Leben erhalten.
Ich glaube nun, daß es eine AnsaMMlung und Verdichtung mehrerer Momente ist, die diese berühmte Legende von einem kritischen und krisenhaften Augenblick in der Geschichte Roms zu einem so dauerhaften und krisenfesten Gleichnis der Politik werden ließ. Erstens geht es hier um die Frage des Orts und der Ortlosigkeit als grundlegendes Problem der Politik - die Frage der plebejischen Sezession, einer Ortsverschiebung, die einen riskanten Atopos des Staatswesen markiert, oder besser: das Staatswesen selbst entortet hat; die bloße Menge einerseits und die tagende Institution andererseits haben sich voneinander entfernt und lösen eine heftige Deliberation, eine heftige Verhandlung aus. Zweitens geht es um eine Rede, die in zweifacher Weise bestimmend wird, nämlich durch ein Gleichnis, das einerseits den TOPOs vom Politischen Körper prägt und andererseits den Politischen Körper wiederherstellt, eine Rede also, die das Gemeinsame aussagt und erzeugt und damit ein Sprechen des und ein Sprechen vom Gemeinsamen ist; eine repräsentative Rede, die dort, wo sie die Stimme erhebt, ein Sprechen für alle und mit allen beansprucht. Und drittens schließlich: es wird hier ein Augenblick der Krise vorgeführt, der durch ein Auseinandertreten und durch eine IGuft zwischen Politik und der Politischen Sache gekennzeichnet ist - eine Verschiebung, in der die Politische Frage in der Entortung, Politik aber in der Zusammenfügung, in der Lokalisierung oder Relokalisierung besteht. Das Heraustreten der Menge aus der politischen Ordnung ist ein Herausnehmen, eine Ausnahme, die von der Politik selbst wiederum ein- und hereingenommen wird; und die Politik wäre demnach die konsequente ZurÜckholung und das ko nsequente Verorten dessen, was nicht immer auf dem Platz ist, auf den es gehört. Sie haben vielleicht bemerkt, worauf ich hier hinaus will: ich will eine grundlegende Unterscheidung zwischeu dem Politischen und der Politik festhalten, eine Unterscheidung, die das Politische an Prozesse der Entortung und Ortsverschiebung knüpft, die Politik aber als Herstellung und

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Repräsentation der gemeinen Plätze und orte der Gemein-

samkeit begreifen läßt.
Wenn es nun ein politisches Denken und ein Denken des Politischen gibt, so scheint mir dessen neuere Geschichte auf unterschiedliche Weise von dieser elementaren Spannung geprägt, von der Spannung zwischen dem Verfahren der Politik und der politischen Sache, von der Spannung zwischen den Prozeduren der Verortung und den Prozessen der Entortung dessen, worin sich ein soziales Band herstellt. Dabei lassen sich nicht nur verschiedene Techniken und Methoden zur Lokalisierung und Festsetzung des Politischen erkennen, es scheint mir vielmehr und das ist hier meine These -, daß sich das politische, von dem sich so leichthin sprechen läßt, im Diskurs der Politik vor allem als schwer oder nicht Repräsentierbares ausdrückt, daß esr sich als schwer oder nicht Verfügbares artikuliert. Oder genaue : Das politische hat im Diskurs der Politik immer wieder auf je unterschiedliche Weise die Form einer politischen Antinomie angenornmen, eine Form also, in der seine Verortung zugleich zum Ort widerstreitender Gesetze wird und gerade darin ein Insistieren des Politischen anzeigt. Lassen Sie mich diese eher abstrakt formulierte These nun an einigen Beispielen genauer erklären

und erläutern.

Die Anfinemie der Gründung
Das erste Beispiel und die erste Antinomie dieser Art mochte ich Antinomie der Gründung nennen, und ich rekurriere dabei auf allzu bekannte und geradezu klassische Konzepte und Texte. Es geht hier um eine Frage, die seit dem 17. Jahrhundert so fundamental geworden ist und eine politische Theorie regelrecht begründet hat, um die Frage nach dem Anfang, dem Entstehungsort und nach dem Usprung eines dauerhaften, geordneten und funktionierenden Gemeinwesens. Ich will mich hier nicht weiter auf die notorischen Debatten um das Verhältnis zwischen Naturzustand und Gesellschaftszustand einlassen, die das politische Denken des 17. und 18. Jahrhunderts so sehr durchdrungen, geteilt und sortiert haben; es geht mir vielmehr um den Augenblick der Gründung selbst, um jenen Augenblick und Ort,

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