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In der Bar des Hotels »Fortschritt« erklärte mir Jewgenij, mein Dolmetscher, daß jetzt, im November, nur wenig los wäre. Wir waren auch die einzigen Gäste in der Bar, tranken den obligaten gigantischen »sto-gramm«-Wodka und dazu eine Art von wässrigem, süssen Melonensaft. Der Barkeeper sprach sogar ein paar Brocken Deutsch - hatte er an der »Trasse« gelernt, wo es viele Deutsche gegeben hatte. Jewgenij verabschiedte sich nach dem zweiten Wodka, wünschte mir eine gute Erholung von der langen Reise, und kündigte an, mich am Montag um neun Uhr abzuholen. Ich blieb mit dem deutschfreundlichen Barmann zurück, bestellte noch so einen Wodka und diesen Melonensaft, und fragte nach dem Restaurant. »Restaurant ? Nix Restaurant ! Hotel ! Restaurant in Stadt gut !« Wie bitte ? Und wie komme ich in die Stadt ? Taxi ? Natürlich - der Barmann telefonierte recht ausführlich, und fragte mich dann, daß ich in 3-4 Stunden ein Taxi bekommen könnte, könnte aber auch länger dauern. Weil im November nix los in Nowosibirsk. »Du erstes Mal in Nowosibirsk?« Erstes Mal in Russland überhaupt. Nix Russland - Sibirien ! Ja gut, Sibirien - aber Hunger hatte ich trotzdem. Der Barmann gab mir einen Wodka aus. Er hieß Alexej und hieß mich offiziell in Nowosibirsk willkommen. Ich hatte jetzt 300 g Wodka im Bauch, und der Hunger war mir egal geworden. Ich entschuldigte mich bei Alexej, und wankte in mein Zimmer. Es gab Farbfernsehn mit Fernbedienung. Nur einheimische Kanäle. Russisch halt. Ich schlief bei laufendem Fernsehn ein.
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