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Zu den Stätten meiner Kindheit und Jugend gehörte das »camera« - das kommunal betriebene Programmkino der Saarländischen Landeshauptstadt mit ausschließlich schwul-lesbischer Belegschaft, Langnese-Eiskonfekt (was im Kino riesig schmeckt!) und den damals oberangesagten Kultfilmen. »2001« von Kubrick habe ich ca. 1970 mit meinem Papa dort gesehen, als Pimpf (für Linke: Pionier) von 5 Jahren, die Filme von Carpenter, Ridley Scott, Truffaut, Chabrol, Greenaway ... je nun.
Da gab es zwischen den Vorfilmen - ich glaube, heute sagt man »trailer« dazu - und dem Hauptfilm die AUTZ - Werbung ! »AUTZ-Werbung - Ihr Partner in allen Werbefragen !« Später hieß es dann »3F - Werbung zum hören und sehen!«, es war aber deutlich die gleiche Handschrift gewesen.
Diese Werbung war grottenschlecht - und darum Kult. Sie gehörte zum Kinoabend eben dazu, wie die Freiwillisch Feuerwehr, die hinnär Corneddo-Erdbär her ist. Wenn sie mal aus irgendwelchen Gründen ausfiel, gab es sogar Sprechchöre: »Autz-Werbung ! Autz-Werbung!« Dann mussten sie irgend ne alte Rolle auskramen, die Schwulen & Lesben ...
»Peugeot-Talbot-Filiale in Saarbrücken xy-Straße ! Herr Blaß und Herr Schuh erwarten Sie !« Und dazu ein unscharfes Dia von einem weißen (!) Peugeot 505 und daneben, in den offenen Türen dieses totlangweiligen Autos zwei totlangweilige Typen im Trevira-Anzug, die genauso aussahen, wie man sich »Herr Blaß und Herr Schuh« so vorstellt. Ich habe dieses unscharfe Dia heute noch vor Augen. Genauso wie das original griechische Restaurant »to steki« mit der original griechischen Atmosphäre aus Polyester-Säulen und Plastik-Weinlaub.
Bis heute frage ich mich, ob diese Werbung wirklich »bloß« grottenschlecht war, oder ob sie am Ende wirklich total raffiniert war. Denn: sie war eben so grottenschlecht, daß sie es schaffen konnte, bei den Intellektuellen Kultstatus zu erreichen. Über die neuesten Minus-Werbungen der Fa. AUTZ-Werbung wurde seinerzeit unter den Saarländischen Intellektuellen so heiß diskutiert, wie über Mutlangen und Wackersdorf !
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