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Yadgar schrieb am 11.11. 2009 um 14:49:05 Uhr über

Erkrankung

Politisch korrekt für »Krankheit« - aus Kranken wurden »Erkrankte«, demnächst wahrscheinlich »Menschen mit Erkrankung«... bis dann irgendwann der Begriff ganz verboten wird, schließlich könnte irgendjemand in seinem Selbstwertgefühl beeinträchtigt werden!

Meine Güte, wenn ich eine Grippe habe, leide ich an den Symptomen, aber doch nicht daran, dass mich jemand als »krank« bezeichnet! Auch mit der Diagnose »Bluthochdruck« kann ich leben, selbst in dem Bewusstsein, dass ich in den Augen der mich untersuchenden Ärzte krank bin, solange das Messgerät über 140/90 anzeigt...

Andererseits gibt es allerdings das berühmt-berüchtigte »disease mongering« der Pharmaindustrie - immer neue körperliche und seelische Zustände, die bislang als gesund oder normal im Sinne von »nicht behandlungsbedürftig« galten, werden plötzlich, flankiert von massiven Public-Relations-Kampagnen, zu Krankheiten erklärt. 2008 gab es z. B. eine Werbekampagne mit Plakaten, die großformatig unbekleidet schmusende heterosexuelle Paare deutlich jenseits des 40. Lebensjahres zeigte, mit unüberlesbaren Hinweisen, dass »Erektionsstörungen die Liebe töten« (oder so ähnlich).

Sorry, aber ich halte es für ziemlich normal und unvermeidbar, dass man(n) ab etwa 40 nicht mehr der allzeit bereite Turbohengst ist... demnächst, wenn die passenden Pillen vermarktungsreif sind, kommt wahrscheinlich eine Kampagne gegen »krankhaften Haarpigmentverlust«! Trotzdem hoffe ich weiterhin, demnächst wie Gandalf aussehen zu dürfen (beim Bart fängt es auch schon an)...

Was gilt mittlerweile nicht alles als behandelbar und folglich behandlungsbedürftig, also krankhaft: ein Body-Mass-Index von 26 (meiner ist zur Zeit 37,5 - ich wundere mich, dass ich überhaupt noch frei herumlaufen darf!), gelegentliche Konzentrationsstörungen, Pubertät sowieso (dagegen hilft bekanntlich Ritalin), Glatzenbildung mit 30, Körpergrößen über 1,90 und unter 1,70 m, Intelligenzquotienten unter 100 und über 130, Nonkonformismus aller Art (es sei denn, er erweist sich als börsentauglich)... da kann ich die PC-Sprache als Gegenreflex schon nachvollziehen!

Nur nützt es einem Blinden nichts, wenn er als »anderssichtig« gelabelt wird, und den Horror einer akuten Psychose, schweren Depression oder Zwangsstörung mildert keine Glorifizierung als »individualistische Persönlichkeitsstruktur«. Krankheiten, sofern es wirklich Krankheiten sind und keine Artefakte von Medienpropaganda, will heißen, sofern die Betroffenen wirklich an konkreten Symptomen und nicht bloß an öffentlichem Meinungsdruck leiden, sollten behandelt und nach Möglichkeit geheilt, aber nicht mit Schönsprech wegetikettiert werden!



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