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kingkong schrieb am 10.2. 2012 um 15:22:02 Uhr über

Kotzen

Es ist einer dieser unglaublichen Tage, an denen alles gelingen will. Es spielt heute keine Rolle, ob du es vermagst zu beeinflussen oder nicht.
Die Sonne scheint über diese Landschaft aus verwitterten Dächern mit den unzähligen Parabolspiegeln, oft verrostet und längst nicht alle erfüllen noch ihre Funktion. Der Blick endet an den kostspieligen und herausragenden Neubauten, die wegen ihrer Proportionen schon nicht in dieses Bild passen wollen. Alles was du siehst verhindert jedes ästhetische Empfinden. Es ist der schönste Ausblick den du kennst. Vielleicht weil du weiß, dass sich hinter diesen städtebaulichen Irrglauben und Unterlassungen der Hafen und damit der Grund, weshalb du dich in diese Stadt verliebt hast, befindet. Zum ersten Mal wird dir schlecht.
Du gehst diesen schmalen Pfad entlang, der dich aus der Stadt führt. Vorbei an weitläufigen Wiesen und durch kleine Wäldchen und dann eine Anhöhe hinauf. Fast oben angekommen, wird das Gras immer länger und schließlich stehst du an einer Steilküste und unter dir erstreckt sich die weite, aufgepeitschte See. Der Wind weht dir salzig in das Gesicht und du musst die Augen etwas schließen. Du atmest tief ein, spürst in diesem Moment die Leichtigkeit in dir aufsteigen, hörst nur noch die Brandung und das Rauschen des Windes. Es ist, als hättest du diesen Moment ersehnt, ohne es geahnt zu haben. Du saugst jeden Moment einer Sekunde in dir auf. Es ist dieses unbeschreibliche Schön, das dir den Atem raubt und nicht zulässt es zu übergehen und einfach weiter zu machen. Dir wird übel.
Du gehst ganz unvermittelt durch die Gegend und plötzlich ist es da, dieses perfekte Bild. Das Licht stimmt und die Komposition scheint perfekt. Alles hat seinen Platz, als wäre es immer so gewesen, als müsste es so sein. Nur so in genau dieser Kombination aus Licht und Schatten und Farbe, in dieser Sekunde ist es perfekt. Es bietet sich die unglaubliche Möglichkeit diesen Moment mit einem leichten Druck auf den Auslöser für die Ewigkeit festzuhalten. Die Schönheit des Augenblicks kann so überwältigend sein. Wieder überkommt dich das Gefühl der Übelkeit.
Deine Freundschaften gehören zu den besten der Welt und du liebst die wenigen Momente mit ihnen, die noch geblieben sind, abgöttisch. Nichts in der Welt könnte wichtiger sein, als dieses alles erleuchtende Gefühl. Und auch jetzt könntest du kotzen vor Freude.Wenn du an die Nachrichten von gestern denkst, dann fällt dir nicht mehr viel dazu ein. Du hast vor dem Fernseher gesessen, dich informiert und dich dabei auch gut gefühlt. Immerhin bist du interessiert und weißt, was in der Welt passiert, hältst dich für einen gebildeten Menschen. Ein ähnliches Gefühl hast du auch, wenn du morgens in der Bahn sitzt und kurz zuvor noch eine Tageszeitung gekauft hastnatürlich eine überregionale. Mit den Nachrichten bekommst du das Elend der Welt in Schlagzeiten serviert. Du schluckst sie, aber dir wird nicht übel.


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