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Ich habe mich schon des Öfteren gefragt, was bei mir schief gelaufen ist. Gestern hatten der Magister und ich wieder dieses seltsame Thema.
Ich lebe in einer Erfahrungswelt, die er nicht betreten kann. Mir fehlt Urvertrauen und ich habe meiner Ansicht nach zu wenig Mitgefühl. Mein Einfühlungsvermögen ist dagegen enorm: es fällt mir unheimlich leicht, Menschen für mich einzunehmen und sie nach meinem Gusto zu manipulieren.
Diese Fähigkeit habe ich mit Serienmördern gemein. Unheimlich. Ich benutze sie, um Zurückweisung zu vermeiden. Es ist schier unmöglich, sich mit mir zu streiten, weil ich keine Ichgrenzen habe und sofort mit meinem jeweiligen Gegenüber verschmelze.
Selbst in der Therapie ist mir aufgefallen, dass ich mich dem Therapeuten anpasse und die Dinge ein Wenig verdrehe, um ja keinen Zorn heraufzubeschwören.
Mein ganzes Trachten und Streben ist darauf ausgerichtet, Schmerzen und die Gefahr der Vernichtung durch Menschen zu vermeiden. Ich bin traumatisiert, mag sein, aber... wann habe ich die Grenze überschritten und bin ein Monstrum geworden, dass zielsicher den Geruch einer seelischen Wunde aufzuspüren vermag, um seine Zähne hineinzuschlagen und mit Wonne zu saugen, zu saugen und immer weiter zu saugen?
Ich bin kein echter Mensch. Ich sehe so aus wie sie, werde aber nie zu ihnen gehören, weil ich schon lange in einer anderen Welt lebe. In dieser Welt ist Vertrauen ein unverzeihlicher Fehler, der hart bestraft wird.
Die anderen vertrauen einfach. Sie vertrauen und rennen wie Lemmige in ihr Verderben.
Wenn ich kein Mensch bin, was bin ich dann? Ich bin das, was ich bin. Spielt es eine Rolle, ob ich dazugehöre oder nicht? Ich sonne mich weiter in ihrer unschuldigen Gesellschaft und versuche, ihnen nicht weh zu tun. Gleichzeitig fürchte ich ihren Zorn und verbiege mich und die Wirklichkeit. Bin ich Täter? Bin ich Opfer? Ich bin unendlich stark geworden und unglaublich verletzlich geblieben.
Ich bin der, der ich BIN.
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