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Ich haeb mich in jungen Jahren für die Wissenschaft der Psychologie und, ich gestehe es, Psychiatrie interessiert und einige Bücher dazu gelesen. Psychiatrie käme aber für mich nicht in Frage, weil, ähm, Numerus Cl... Arzt... aus ethischen Gründen, ich schwörs!
Jedenfalls lese ich mir ohnehin gern irgendwelches »Wissen« oder Pseudowissen an, ohne je auf den Nutzwert zu achten.
Wer mir schmeicheln will, wird das als Zeichen aristokratischer Gesinnung betrachten. Und wir wollen ja nicht uncharmant sein, oder?
Die Darstellung der Psychiatrie als eine Art moderne Folterkammer halte ich für, pardon, Schwachsinn. Korrekt ist dagegen, dass die Psychiatrie in einigen politischen Systemen als Waffe eingesetzt wurde, namentlich in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Es gibt richtig Geschichten von russischen Oligarchen, die in den »midlife Crisis« kommen und sich eine jüngere Gebliebte holen und ihre alten Ehefrauen -- um den Scheidungskrieg und die Alimente zu umgehen -- umgehend in die Psychiatrie schicken. Die Ärzte geben nur zu gern Gefälligkeitsgutachten, vor allen Dingen bei Reichen und Einflussreichen Männern. Rein Strategisch gesehen ist das ja ein Druckmittel, dass man behält.
Ich persönlich finde das Abstoßend. Es offenbart den Charakterzug, einen Menschen nicht nur zu konsumieren, sondern direkt »verbrauchen« zu wollen.
Nun, damals hätte ich so eine Geschichte wie diese im »freien Westen« nicht für möglich gehalten. Russland, klar, da war die Sache mit dem fairen Prozess und so noch nicht in Tradition übergegangen wie im Vereinigten Königreich.
Leider wurde ich durch eine TV-Dokumentation eines besser belehrt. Da ich rechtliche Konsequenzen fürchte, werde ich hier nicht näher ins Detail gehen -- im »freien« Deutschland hat bekanntlich die Kunst grenzen zu achten. Seltsam, wo doch Grenzen regierungsoffiziell nichts nützen.
Literaturtips werden aber noch erlaubt seyn:
A. Osang, 'Der Fluch der Teppiche. Wie der Münchner Kunsthändler Eberhardt Herrmann in seinem neuen Leben beweisen will, dass er in seinem alten nicht verrückt war' (ISBN 978-3-86153-571-3)
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