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kratie-Maschine bei Kaf'ka ist nicht von der Installation kleiner Schizo-Maschinen des Hund-Werdens oder des Käfer-Werdens zu trennen. Das Wolf-Werden im Traum des Wolfsmanns ist nicht von der religiösen und militärischen Organisation seiner Obsessionen zu trennen. Ein Militär wird zum Wolf, ein Militär wird zum Hund. Das sind nicht zwei Mannigfaltigkeiten oder Maschinen, sondern das ist ein und dasselbe maschinelle Gefüge, von dem das Ganze produziert und verbreitet wird, das heißt, die Menge von Aussagen, die einem »Komplex« entsprechen. Was sagt uns die Psychoanalyse zu all dem? Ödipus, immer wieder Ödipus, denn sie hört nichts und niemandem zu. Sie löscht alles aus, Massen und Meuten, molare und molekulare Maschinen, Mannigfaltigkeiten jeder Art. So auch den zweiten Traum des Wolfsmannes in der sogenannten psychotischen Phase: in einer breiten Straße eine Mauer mit einer geschlossenen Tür, und links ein leerer Kasten; der Patient vor dem Kasten, und eine große schwerfällige Frau mit einer kleinen Narbe, die so aussieht, als ob sie gern um die Mauer herum hinter diese gehen wollte; und hinter der Mauer ein Rudel grauer Wölfe, die sich zur Tür drängen. 10 Frau Brunswick selber kann sich hier nicht täuschen: mit Leichtigkeit erkennt sie sich in der großen Frau wieder, sie sieht, daß die Wölfe diesmal Bolschewiken sind, eine revolutionäre Masse, die den Kasten ausgeräumt oder das Vermögen des Wolfsmannes konfisziert hat. In einem metastabilen Zustand sind die Wölfe auf die Seite einer großen Gesellschaftsmas(-hine übei-,gegangen. Aber die Psychoanalyse hat zu all diesen Punkten nichts zu sagen - außer dem, was Freud bereits gesagt hat: alles deutet weiterhin auf Papa (sieh mal an, er war zwar einer der Führer der liberalen Partei in Rußland, aber das hat keine Bedeutung, man braucht nur zu sagen, daß die Revolution »das Schuldgefühl des Patienten befriedigt« hat). Man könnte wahrhaftig glauben, daß die Libido mit ihren Besetzungen und Gegen-Besetzungen nichts mit der Erregung der Massen, mit den Bewegungen der Meuten, also mit kollektiven Zeichen und Wunschpartikeln zu tun hat.
Es genügt also nicht, dem Vorbewußten molare Mannigfaltigkeiten oder Massenmaschinen zuzuordnen, indem man für das Unbewußte eine andere Art von Maschinen oder Mannigfaltigkeiten reserviert. Denn zum Unbewußten gehört auf jeden Fall ein Gefüge von beiden, also die Art und Weise, in der die ersten die zweiten konditionieren und in der die zweiten die ersten vorbereiten oder ihnen aus dem Weg gehen oder zu ihnen zurückkehren: die Libido durchströmt alles. Man muß alles gleichzeitig berücksichtigen - daß eine GesellschaftsMaschine oder eine organisierte Masse ein molekulares Unbewußtes haben, das nicht nur ihre Tendenz zur Auflösung kennzeichnet, son-
10. Siehe Ruth Mack Brunswick, a.a.O., S. 24.
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dem auch die aktuellen Komponenten ihrer Wirkungswei Organisation; daß jedes Individuum, das von einer Ma wird, selber ein Meuten-Unbewußtes hat, das nicht zwan Meuten der Masse ähnelt, zu der es gehört; daß ein Indi eine Masse in ihrem Unbewußten die Massen und Meute ren Masse oder eines anderen Individuums beleben. Was jemanden zu lieben? Es bedeutet immer, ihn aus einer zugreifen, ihn aus einer vielleicht nur begrenzten Grup nehmen, zu der er durch seine Familie oder aus ande gehört; und dann muß man seine Meuten suchen, die keiten, die er in sich trägt und die vielleicht ganz anderer sind. Sie an meine anschließen, sie in meine eindringen 1 seine eindringen. Himmlische Hochzeiten, Mannigfalti Mannigfaltigkeiten. Jede Liebe ist ein Akt der Entperson dem organlosen Körper, der gebildet werden soll; und au punkt dieser Entpersonalisierung kann jemand benannt w er seinen Namen oder Vornamen, wird er durch die spo nehmung von Vielheiten, die zu ihm gehören und zu den ganz intensiv unterscheidbar. Eine Meute von Sommer einem Gesicht, eine Meute von jungen Männern, die mi einer Frau sprechen, ein Nest von jungen Mädchen im N sieur de Charlus, ein Wolfsrudel in der Kehle von irgen die Mannigfaltigkeit des Anus im Anus, Mund oder A man sich herabneigt. Jeder geht mit vielen Körpern i Albertine wird langsam aus einer Gruppe von jung herausgelöst, die eine bestimmte Anzahl, ihren Aufbau und ihre Hierarchie hat; und diese in sich geschlossene Masse wird nicht nur von einem Unbewußten durchstr Albertine hat auch ihre eigenen Mannigfaltigkeiten, die nachdem er sie isoliert hat, an ihrem Körper und in entdeckt - bis das Ende der Liebe sie ununterscheidbar
Man darf vor allem nicht glauben, daß es genügt, wen Massen und Gruppen, zu denen jemand gehört oder an d ligt ist, von inneren Formationen unterscheidet, die er in geht nicht um eine Unterscheidung von innen und Auße relativ, veränderlich und austauschbar sind, sondern u scheidung der Typen von Mannigfaltigkeiten, die koex durchdringen und ihren Platz wechseln - Maschin Motoren und Elemente, die in einem bestimmten Mome um ein Gefüge zu bilden, das eine Aussage produziert: (oder irgendwas anderes). Für Kafka wiederum ist Feli von einer bestimmten Gesellschaftsmaschine und, als R einer Firma, die solche Geräte herstellt, von Parlographe sie aus der Sicht Kafkas, der vom Handel und der Bürokr
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