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Novizin schrieb am 2.7. 2013 um 19:16:19 Uhr über

Nachbarin

Ich bin in dem Fall die Nachbarin. Der Nachbarsjunge drückt sich immer an der Fensterscheibe die Nase platt, wenn ich freizügig gekleidet im Garten arbeite.

Die heutige Nacht soll er niemals vergessen. Es ist warm draußen und es scheint der Vollmond (klar, sonst sieht man nix). Ich seile mich nackt aus dem ersten Stock ab, steige über den Gartenzaum in den nahe gelegenen Wald und warte erst einmal.

Es klappt, er stellt mir neugierig nach. Ich streife also durch den finsteren Wald, und er erhascht im Mondschein hin und wieder einen Blick von mir.

In einer einsamen Hütte habe ich einige Schminke, eine Flasche Ketchup und ein paar Fellreste versteckt. Ich verwandle mich in eine Wolfs-Frau mit Kratzern auf der Haut, aufgeklebten Fellstücken und Blut, das mir aus dem Mund tropft.

Er bekommt einen riesigen Schrecken als ich ihm unerwartet mit wirrem Blick entgegentrete. Er flüchtet, rennt tiefer in den Wald hinein und verirrt sich hoffnungslos.

Ich trete in die Lichtung: »Nun Max, komm mit mit mir«. Er zittert wie Espenlaub. Ich fasse ihn an einen Arm und schiebe ihn vor mir her. Mitten durch das Dickicht, das ihn ins Gesicht peitscht. Für ihn vermeintlich noch tiefer in den Wald hinein. In Wirklichkeit sind wir auf dem Heimweg.

Hinter der nächsten Biegung wird er den Weg erkennen. Ich lasse ihn los und verschwinde geräuschlos im Gebüsch. Wie vom Teufel verfolgt rennt er nach Hause.

Bis heute weiß er nicht, ob er geträumt hat oder ob es Wirklichkeit war.


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