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Elektronische Hausdiener auf dem Vormarsch
Die Japan AG schlägt wieder zu. Brutal und unvermittelt wie immer. Nachdem die japanischen Industriebosse ihr Ziel, den gesegneten Alltag einer nahezu jeden deutschen Familie mit solch unnützen Dingen wie Videorecorder, Walkman und CD-Player in einen einzigen freizeitlichen Rausch zu verwandeln, um dadurch althergebrachte Werte und Gepflogenheiten zu untergraben, mittlerweile fast bis zur Perfektion getrieben haben, spannen sie jetzt die durchtrainierten asiatischen Muskeln ihrer staatlich gedopten Produktionskörper an, beflügelt von Wunsch und Bewußtsein uns nun den letzten und schmerzvollsten Hieb mit der einzigartigen Wucht und Geschwindigkeit von großräumigen Frachtflugzeugen zu versetzen, um unsere Kultur endgültig zu Boden zu ringen. Seine Reinkarnation, der Elektronische Hausdiener, schickt sich an 20 Millionen treusorgende Hausfrauen und Mütter unwiederbringlich ihrer Identität, ihres Stolzes und ihres Lebensinhalts zu berauben und kein in seiner Gesinnung noch so kühner, in seinem Auftreten noch so verwegener Mensch wird sich ihm mit dem gebührenden Erfolg entgegenstellen können oder es gar wollen.
Schon allein die Erscheinungsform des archaischen Ungetüms aus Carbon und Aluminium verletzt nicht nur das ästhetische Auge des kundigen Betrachters sondern sprengt aufgrund seiner überwältigenden Ähnlichkeit mit einem ordinären 50-Liter-Bierfaß, ergänzt nur durch 3 Arme und 6 Beine, auch gleich noch jede moralische Norm des abendländischen Kulturkreises. Wer sich nun aber dazu verleitet fühlen sollte, an das kühlerfrischende Naß des edlen Gerstensaftes zu denken und einen Zapfhahn in die glattpolierten Wandungen schlüge, dem flösse im besten Falle und entgegen jeder rationalen Erwartung ein toxischalkalisches Kühlmittel in den dörren Rachen. Fürwahr, ein hinterhältiges Biest. Doch viel schlimmer und kulturverschlingender gestalten sich die smarten Eigenschaften unseres kleinen japanischen Freundes. So kann er in seiner preisgünstigen Standardversion nicht nur mit bis zu zwölf hektischen Stundenkilometern spazieren gehen, Treppen mit einem Steigungswinkel von bis zu 120 Grad besteigen und zur gleichen Zeit drei verschiedenen Personen die Hände schütteln, er kann auch zur gleichen Zeit mit drei verschiedenen Personen sprechen, ihnen zuhören und gegebenenfalls ihre Wünsche erfüllen.
Welche Wünsche tatsächlich erfüllt werden, hängt im Wesentlichen von der gerade eingespielten und freigeschalteten Software ab, die sich der ewig brummende Rollmops bei Bedarf entweder selbständig über den Äther abgreift oder von einer DVD zieht, die er ohne Weiteres auch in völliger Eigenständig im nächsten Elektronikfachgeschäft ersteht. Dabei ist ihm fast kein Weg zu weit. Der Polymerakku der Standardversion speichert genügend Energie, um dem mobilen Bierfaß das Zurücklegen von bis zu 24 Kilometern im Powerwalk zu ermöglichen. Das ist mehr als bei so manchem Marathonläufer. Geschickt nutzt die umtriebige Konservendose dabei den Energieerhaltungssatz, indem sie ihre Bewegungsenergie zwischen den federnden Beinen hin und her fließen lässt, wobei die Federhärte natürlich fortwährend individuell abgestimmt und angepaßt wird. Die Zuladung wird mit 20 Kilogramm angegeben und in der Tat hat der flinke Gnom aus glänzendem Edelstahl keine Probleme damit, sich in einem belebten Supermarkt einer vollen Kiste Bier zu bemächtigen, sie sich über den nichtvorhandenen Kopf zu hieven und schnurstracks in Richtung Haus und Hof zu marschieren. Da kann der deutsche Schäferhund, der einem sonst Pantoffeln, Stöckchen und die Zeitung holt nur laut aufjaulen, mithalten jedoch kann das bedauernswerte Geschöpf Gottes nicht. Welch eine Schmach für ein hochangesehenes Kulturvolk.
Die Entwertung des deutschen Schäferhunds stellt aber nur eine Lappalie dar verglichen mit der Entwertung des Gebrauchswerts der deutschen Hausundehefrau. Der Haushalt stellt das Hauptwirkungsfeld des im 3-Gigahertz-Takt vibrierenden Arbeitssklaven. In Sekundenschnelle schnellt das dreigliedrige Schulterblatt teleskopartig in eine Höhe von bis zu 3 Metern über Grund in der nur unwesentlich kostspieligeren Altbauversion, erhältlich ab dem zweiten Quartal des nächsten Jahres. Dann werden die Fenster geputzt, Spinnweben aus den Ecken gesaugt oder die Decke neu gestrichen. Tapezieren kann das „Haushaltswunder aus Yokohama“ natürlich ebenso behände wie Vorhänge aufhängen. Auch das Anbringen von Lichtspendern stellt das vollautomatische Wunderding vor keine unüberwindbaren Hindernisse, selbst dann wenn granitharter Beton zu durchbohren ist. Der gewiefte Werkzeugspezialist lässt sich dann allerdings einiges mehr an Zeit, da bei zu großen Anforderungen an das Widerlager die Statik einfach nicht mitspielen würde. Damit ist der geschickte Japaner ein sympathischer Freund und Helfer für den gestandenen Haushaltsvorstand. Doch Vorsicht, der kleine Teufel kann noch mehr. Zum Beispiel kochen, Geschirr spülen, den Tisch decken, Essensreste vom Boden aufwischen, schmutzige Wäsche waschen, zum Trocknen aufhängen, bügeln und mit der Sorgfalt einer erfahrenen Hausfrau in Schrank oder Koffer einräumen, Betten beziehen und Kloputzen. Es ist zum Haareraufen. Wie notwendig und unersetzlich ist doch die Pflicht der Gattin zur ständigen Sorge und Pflege um ihren großzügigen und gelassenen Beschützer. Alles, wofür die Frauen einmal erschaffen worden sind, soll ihnen genommen werden. Vollkommen überflüssige Freiräume entstehen aus dem Nichts und stürzen das mit den Spielarten des Hedonismus gänzlich unerfahrene Weib in eine bodenlose Leere und alle Emotionen verschluckende Inhaltlosigkeit. Treudumm, leichtverführbar und fortschrittsgläubig, wie das pralle Weib von jeher ist, fällt es rettungslos dem schleichenden sittlichen Verfall anheim und endet auf dem Müllhaufen der Technologischen Revolution in der realen Ausprägungsform einer geschlossenen Anstalt, wobei es auf dem steilabschüssigen Weg dorthin vielleicht noch in esoterischen Selbstfindungskursen oder bei schwarzhäutigen dominikanischen Gigolos Halt machen werden wird. Vielleicht aber auch nicht.
Vergegenwärtigen wir uns, so lange wir der Veranlassung hierzu noch nicht beraubt sind, der köstlichen Freude, die die tägliche Reinigung der ehelichen Bettwäsche der liebenden Gemahlin bereitet und ihr das vereinende Band zu ihrem Prachtkerl erst so richtig verdeutlicht und sie ihn ihrer instinktiven Zuneigung bestärkt. Vergessen wir auch nicht die subtile Wirkungsweise des Schleppens von schweren Einkaufstüten auf die weibliche Vorstellungswelt, die das Maß der Selbstbestätigung direktproportional zu deren Gewicht ansteigen lässt. Welch ein bedrohlich animalisches Potential kompensiert doch nicht auch das tägliche Putzen von Treppe, Flur und Küchenboden und vermag es in eine unendliche Wonne der Verzückung zu transformieren, welch eine grandios verschätzte Bedeutung besitzt doch das allwöchentliche Säubern der häuslichen Toilettenschüssel für die sittliche Erbauung eines liebreizenden Weibes. Ach, verloren sind nun in Bälde schon diese wesentlichen Elemente eines stilvollen Miteinander von Mann und Frau, von Mann und Frau als heiliger Symbiose, von Mann und Frau als einzigem wahren Ursprungsort des immerwährenden, ewigen Glückes. Verloren. Für immer. Es ist ein Skandal der in seiner Dramatik und Umfänglichkeit alle gewohnten Ausmaße überschreitet.
Eine „Adult Version“ befände sich bereits auch schon in der ersten Erprobungsphase, so der nonstop grinsende Marketingchef von SONY auf der Cebit und zwar auch für die spezifischen Wünsche und ergonomischen Voraussetzungen der Frau, wie auf Nachfrage seitens einer unbotmäßig vorlaut gewordenen Sensationsjournalistin zu erfahren war. Mir graust's. Der Verkauf der Standardversion soll in Deutschland vor Ende des dritten Quartals anlaufen.
Pure Evil
Wenn das mal keine Erfindung ist ....
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