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wuming schrieb am 5.2. 2009 um 15:28:31 Uhr über

Schriftsteller


Wilhelm Genazino (* 22. Januar 1943 in Mannheim) ist ein deutscher Schriftsteller, der 2004 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet wurde.


AutogrammInhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Werkbeschreibung
3 Werke
3.1 Romane
3.2 Weitere Veröffentlichungen
3.3 Übersetzungen
3.4 Herausgeberschaft
4 Auszeichnungen
5 Literatur
6 Weblinks



Leben [Bearbeiten]
Wilhelm Genazino wuchs in einfachen Verhältnissen in Mannheim auf. Nach dem Abitur und einem Volontariat bei der Rhein-Neckar-Zeitung studierte Genazino Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach Abschluss arbeitete er als freier Journalist und Redakteur. Er war bis 1971 Redakteur bei der Frankfurter Satire-Zeitschrift Pardon und von 1980 bis 1986 Mitherausgeber der Zeitschrift Lesezeichen. Seit Anfang der 1970er Jahre erwirbt er seinen Lebensunterhalt als freiberuflicher Schriftsteller.

Von 1970 bis 1998 lebte er in Frankfurt am Main. 1997/98 hatte Genazino eine poetologische Gastdozentur an der Universität Paderborn inne. Seit 1998 lebte er in Heidelberg. Er erhielt 1990 für seinen Roman Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz den Literaturpreis der Stadt Bremen, 1995 den Solothurner Literaturpreis, 1996 den Berliner Literaturpreis und den Stadtschreiber-Preis von Bergen, 1998 den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2001 den Kranichsteiner Literaturpreis für sein Gesamtwerk und 2003 den Kunstpreis Berlin. 2004 erhielt er den bedeutendsten deutschen Literaturpreis, den mit 40.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, in der er seit 1990 Mitglied ist. Im Wintersemester 2005/06 hielt er an der Frankfurter Universität die Frankfurter Poetik-Vorlesungen unter dem TitelDie Belebung der toten Winkel“.

Genazino wurde in den späten 1970er Jahren bekannt durch seine Abschaffel-Trilogie über das Innenleben eines isoliert lebenden kleinen Angestellten. In seinen Romanen und Essays greift er einzelne Bilder aus dem unscheinbaren Alltag heraus und beschreibt sie minutiös. Seine Beschreibungen resultieren aus einer zeitlich gedehnten Betrachtung von konkreten Einzelheiten. Auf diese intensive Art der Wahrnehmung bezieht sich der Titel seines Essays Der gedehnte Blick. Neben seinen Romanen und Essays hat er auch zahlreiche Hörspiele verfasst.


Werkbeschreibung [Bearbeiten]
Das dichterische Werk Genazinos ist vom Gehalt her der resignativen Literaturrichtung zuzurechnen. Der resignative Grundzug wird allerdings durch den offenen Schluss eines jeden Werkes abgemildert.

Im Mittelpunkt seiner Prosa steht stets meist eine labile, leicht verletzliche Person, fast durchgehend männlich, in etwas fortgeschrittenem Alter, ohne geregelte Arbeit oder zumindest beruflich stark desinteressiert, den gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüber feindlich gesinnt.

Nachdem sie obendrein den Glauben an erfüllende Partnerschaften verloren oder diese nie besessen haben, sind sie stark auf sich selbst zurückgeworfen, versuchen aber, sich auf Streifzügen durch die Stadt in positive Stimmung zu bringen.

Seltsamerweise sind ihnen alte Bekannte bei zufälligen Zusammentreffen immer wohlgesinnt, so dass es durchaus auch zu gelegentlichen, lockeren Beziehungen kommen kann. Kontakte mit Frauen schließen dabei sexuelle Begegnungen durchaus mit ein, was aber nie zu einer echten Beglückung führt.

Am auffälligsten ist aber die hochdifferenzierte Beobachtungsgabe dieser Personen, die immer wieder zu sehr detaillierten Beschreibungen scheinbarer Banalitäten führt, die dann aber in eigenwillige, teils hochskurrile Einsichten münden.

Diese inhaltlichen Tendenzen bei Genazino wirken sich auf die Struktur seiner Prosa aus.

Ein Handlungsstrang ist in seinen frühen Werken noch vorhanden, in späteren Werken aber weitgehend eliminiert. Die Handlung ist durch Schilderung, Kulturkritik und Selbstreflexion ersetzt. Die in den früheren Büchern vorliegenden Dialoge gehen zunehmend in den reinen Monolog über.

Genazino benutzt eine charakteristische Sprache. Er verzichtet auf artifizielles, effektheischendes Formulieren. Wo er neue Wörter schafft, bildet er meist nur neue Zusammensetzungen. Genazino bescheidet sich im Wortschatz, hat aber trotzdem die wohl gründlichsten und originellsten Beschreibungen und Schilderungen der neueren Literatur geschaffen.

Aus dem Klappentext von Text und Kritik, Nr.162 (das Heft ist Genazino gewidmet und enthält auch den bis dahin unveröffentlichten Text Aus dem Tagebuch der Vergangenheit) sei zitiert: „Genazino wurde vor allem mit der Romantrilogie um den Büroangestellten Abschaffel bekannt, einer minutiösen Analyse des 'Alltagsirrsinns' und des in einer durch Entfremdung gekennzeichneten Arbeitswelt vereinsamten Individuums. Abschaffels Neurosen und Idiosynkrasien kennzeichnen auch die Protagonisten der folgenden Texte [des Heftes] doch zersplitterte Genazinos Erzählen zunehmend in Fragmente und Prosaminiaturen. Aus den am ökonomischen Leben teilhabenden Figuren wurden Flaneure und Beobachter - Genazino konzentrierte sich auf ihre Innenwelt und ihre kritische Betrachtung der modernen Gesellschaft. Mit den Romanen der letzten Jahre erhielt das, gleichwohl reflexiv bleibende, Erzählen wieder mehr Gewicht und Genazinos Versuche, seinen Lesern 'Schauplätze ihrer möglichen Individuation' zu erschließen, fanden großen Anklang.“


Werke [Bearbeiten]

Romane [Bearbeiten]
Laslinstrasse, Köln 1965
Abschaffel-Trilogie:
Abschaffel, Reinbek bei Hamburg 1977
Die Vernichtung der Sorgen, Reinbek bei Hamburg 1978
Falsche Jahre, Reinbek bei Hamburg 1979
Die Ausschweifung, Reinbek bei Hamburg 1981
Fremde Kämpfe, Reinbek bei Hamburg 1984
Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz, Reinbek bei Hamburg 1989
Die Liebe zur Einfalt, Reinbek bei Hamburg 1990
Leise singende Frauen, Reinbek bei Hamburg 1992
Die Obdachlosigkeit der Fische, Reinbek bei Hamburg 1994
Das Licht brennt ein Loch in den Tag, Reinbek bei Hamburg 1996
Die Kassiererinnen, Reinbek bei Hamburg 1998
Ein Regenschirm für diesen Tag, München u. a. 2001
Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman, München u. a. 2003
Die Liebesblödigkeit, München 2005
Mittelmäßiges Heimweh, München 2007
Das Glück in glücksfernen Zeiten, München 2009

Weitere Veröffentlichungen [Bearbeiten]
Vom Ufer aus, Göttingen 1990
Aus der Ferne. Texte und Postkarten, Reinbek bei Hamburg 1993
Das Bild des Autors ist der Roman des Lesers, Münster 1994
Mitteilungen an die Freunde, zum Preis der LiteraTour Nord, Frankfurt am Main 1996
Achtung Baustelle, Essay-Sammlung, Frankfurt am Main 1998
Über das Komische: der außengeleitete Humor, Paderborner Universitätsreden, Paderborn 1998
Der gedehnte Blick, Essay-Sammlung, Frankfurt am Main 1999
Fühlen Sie sich alarmiert, Abiturreden, München 1999
Auf der Kippe, Texte zu Postkarten und Fotos, Reinbek bei Hamburg 2000
Karnickel und Fliederbüsche, violett, Kiel 2001
Aus dem Tagebuch der Vergangenheit, in: Text und Kritik 162, München 2004
Lieber Gott mach mich blind (Uraufführung Staatstheater Darmstadt, Oktober 2005), Frankfurt 2003, München 2006 und Der Hausschrat, München 2006, Mülheim 2007, Theaterstücke
Die Belebung der toten Winkel, Publikation zur Frankfurter Poetik-Dozentur, München 2006

Übersetzungen [Bearbeiten]
Englisch

The Shoe Tester of Frankfurt, 2006
Französisch

Un parapluie pour ce jour-là , 2002
Un appartement, une femme, un roman , 2004
Griechisch

Mia omprela gia t¯e mera: mythistor¯ema, 2005
Italienisch

Il collaudatore di scarpe, 2003, ISBN 88-8246-491-1
La stupidità dell'amore, 2006
Litauisch

Sk·etis siai dienai: romanas, 2005
Niederländisch

Liefdeskolder, 2008
Russisch

Zenscina, kvartira, roman, 2004
Zontik na ·etot den' , 2004
Slowenisch

Dežnik za ta dan, 2005
Spanisch

El amor a la simplicidad, 1993
Un paraguas para este día, 2002
Mujeres cantando suavemente, 2003
Una mujer, una casa, una novela, 2004

Herausgeberschaft [Bearbeiten]
Beruf: Künstler, Frankfurt am Main 1983

Auszeichnungen [Bearbeiten]
1986 Westermanns Literaturpreis
1990 Literaturpreis der Stadt Bremen für Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz
1996-1997 Stadtschreiber von Bergen
1998 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste für Das Licht brennt ein Loch in den Tag
2001 Kranichsteiner Literaturpreis für sein Gesamtwerk
2003 Berliner Kunstpreis („Fontane-Preisder Berliner Akademie der Künste - Literatur)
2004 Hans-Fallada-Preis
2004 Autorenpreis der deutschsprachigen Theaterverlage beim Heidelberger Stückemarkt für Lieber Gott mach mich blind
2004 Georg-Büchner-Preis
2006 Stiftungsgastdozentur Poetik an der Universität Frankfurt am Main
2007 CORINE-Belletristik Preis des ZEIT-Verlages für Mittelmäßiges Heimweh
2007 Kleist-Preis (Laudator: Ulrich Matthes)

Literatur [Bearbeiten]
Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Wilhelm Genazino. Edition Text + Kritik, München 2004, ISBN 3-88377-755-2
Jonas Fansa: Unterwegs im Monolog. Poetologische Konzeptionen in der Prosa Wilhelm Genazinos. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3744-8
Winfried Giesen (Hrsg.): Wilhelm Genazino -Die Belebung der toten Winkel“, Begleitheft zur Ausstellung 11. Januar25. Februar 2006, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. Frankfurt 2006, ISBN 3-88131-100-9
Anja Hirsch: Schwebeglück der Literatur. Der Erzähler Wilhelm Genazino. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg 2006, ISBN 3-935025-88-2
Susanne Krepold, Christian Krepold: Literarische Selbstreflexion durch Lektüre. Wilhelm Genazino als Leser von Marguerite Duras, in: Steffen Buch / Álvaro Ceballos / Christian Gerth (Hrsg.): Selbstreflexivität. Beiträge zum 23. Forum Junge Romanistik (Göttingen, 30. Mai2. Juni 2007). Romanistischer Verlag, Bonn 2008 (Forum Junge Romanistik 14), S. 107-124.
Aktualisiertes Verzeichnis der unselbstständig erschienenen Primärliteratur Wilhelm Genazinos (von 1961 bis 2008), zsgest. von Winfried Giesen, Universitätsbibliothek Frankfurt a.M., Kontakt: winfried.giesen@web.de
Wilhelm Genazino - Sekundärliteratur (von 1963 bis 2008), zsgest. von Winfried Giesen, Universitätsbibliothek Frankfurt a.M., Kontakt: winfried.giesen@web.de

Weblinks [Bearbeiten]
Wikiquote: Wilhelm Genazino – Zitate
Wilhelm Genazino bei Hanser
Literatur von und über Wilhelm Genazino im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Wilhelm Genazino • PICA-DatensatzEinträge im Musikarchiv)
Wilhelm Genazino in der Internet Movie Database (deutsch)
Wilhelm Genazino im Gespräch mit Jochen Kölsch
Personendaten
NAME Genazino, Wilhelm
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller
GEBURTSDATUM 22. Januar 1943
GEBURTSORT Mannheim, Deutschland

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Genazino“
Kategorien: Wilhelm Genazino | Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (21. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Germanist | Hörspielautor | Roman, Epik | Essay | Drama | Deutscher | Geboren 1943 | Mann


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