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wuming schrieb am 21.3. 2010 um 01:06:54 Uhr über

Schriftsteller


Hans Joachim Schädlich (* 8. Oktober 1935 in Reichenbach im Vogtland) ist ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Auszeichnungen
3 Werke
4 Herausgeberschaft
5 Übersetzungen
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise


Leben [Bearbeiten]
Hans Joachim Schädlich ist der Sohn eines Kaufmanns. Er besuchte die Volksschule in Reichenbach und höhere Schulen in Bad Saarow und Templin. Von 1954 bis 1959 studierte er Germanistik und Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Leipzig. 1960 wurde er in Leipzig mit einer sprachwissenschaftlichen Arbeit promoviert. Von 1959 bis 1976 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR in Ost-Berlin.

Schädlich begann Ende der Sechzigerjahre mit dem Verfassen von Texten, deren hohe literarische Qualität zwar von Lektoren durchaus gewürdigt wurde, deren Veröffentlichung jedoch wegen der unverhohlenen Kritik, die Schädlich in seinen Arbeiten an den Zuständen in seinem Land übte, von der DDR-Zensur verhindert wurde. Nachdem er im Dezember 1976 den Protest von DDR-Autoren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns mit unterzeichnet hatte, wurde Schädlich seines Postens bei der Ost-Berliner Akademie enthoben; er war zudem zunehmenden Schikanen durch staatliche Stellen ausgesetzt. Seinen Lebensunterhalt konnte er sich nur noch als freiberuflicher Übersetzer verdienen.

Im August 1977 erschienen Schädlichs regimekritische Texte im westdeutschen Rowohlt Verlag unter dem Titel Versuchte Nähe; der Band wurde von der westdeutschen Literaturkritik begeistert aufgenommen und begründete Schädlichs hohes Ansehen als Autor. In der DDR wurde der Druck auf ihn noch stärker; von Seiten des Schriftstellerverbandes der DDR wurde ihm „staatsfeindliche Hetzeund eine „Herabwürdigung“ der DDR vorgeworfen. Im Dezember 1977 wurde Schädlichs Ausreiseantrag stattgegeben, und er konnte mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Dort lebte er zuerst in Hamburg und in Dahlenburg; seit 1979 ist er in West-Berlin ansässig.

Hans Joachim Schädlich ist Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Eine von ihnen ist die Schriftstellerin Susanne Schädlich.[1]

In den frühen 90er Jahren erfuhr Schädlich aus der Lektüre der Stasi-Unterlagen, dass sein älterer Bruder Karlheinz Schädlich (alias IM »Schäfer«) über ihn und u.a. auch über Günter Grass für das Ministerium für Staatssicherheit berichtete. Dazu erschien 1992 der Text Die Sache mit B.

Hans Joachim Schädlich ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt; aus dem P.E.N.-Zentrum Deutschland trat er 1996 aus.

Auszeichnungen [Bearbeiten]
1977 Rauriser Literaturpreis
1979 Förderpreis zum Andreas-Gryphius-Preis
1986 Marburger Literaturpreis
1989 Thomas-Dehler-Preis
1992 Johannes-Bobrowski-Medaille
1992 Heinrich-Böll-Preis
1995 Hans-Sahl-Preis
1996 Kleist-Preis
1998 Schiller-Gedächtnispreis
2003 Lessing-Preis des Freistaates Sachsen
2004 Hoffmann-von-Fallersleben-Preis
2005 Samuel-Bogumil-Linde-Preis
2007 Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2007 Preis der SWR-Bestenliste
2007 Literaturpreis der Stadt Bremen
Werke [Bearbeiten]
Untersuchungen über die deutsche Satzintonation, Berlin 1964 (zusammen mit Aleksander V. Isacenko)
Phonologie des Ostvogtländischen, Berlin 1966
Zur phonetischen und phonologischen Untersuchung prosodischer Merkmale, Berlin 1969 (zusammen mit Heinrich Eras und John Pheby)
Phonologische Studien zur Sprachschichtung, Berlin 1973
Versuchte Nähe, Reinbek bei Hamburg 1977. ISBN 3-498-06125-9
Der Sprachabschneider, Reinbek bei Hamburg 1980 (zusammen mit Amelie Glienke) ISBN 3-498-06139-9
Irgend etwas irgendwie, Assenheim 1984
Mechanik, Assenheim 1985
Tallhover, Reinbek bei Hamburg 1986. ISBN 3-498-06172-0
Ostwestberlin, Reinbek bei Hamburg 1987. ISBN 3-498-06218-2
Deutsche im deutschen Exil?, Kassel 1988. ISBN 3-88122-449-1
Kriminalmärchen und andere Geschichten, Weilheim 1991
Schott, Reinbek bei Hamburg 1992. ISBN 3-498-06234-4
Über Dreck, Politik und Literatur, Berlin 1992. ISBN 3-627-80007-9
Die Sache mit B., Kursbuch Heft 109, 9/1992, S. 81-89
Mal hören, was noch kommt. Jetzt, wo alles zu spät ist, Reinbek bei Hamburg 1995. ISBN 3-498-06302-2
Der Kuckuck und die Nachtigall, Göttingen 1996. ISBN 3-89244-218-5
Vertrauen und Verrat, Göttingen 1997. ISBN 3-89244-247-9
Trivialroman, Reinbek bei Hamburg 1998. ISBN 3-498-06326-X
Zwei Studien und ein Gespräch, Bremen 1998 (zusammen mit Wolfgang Müller)
Gib ihm Sprache, Reinbek bei Hamburg 1999. ISBN 3-498-06339-1
Zwischen Schauplatz und Elfenbeinturm, Göttingen 2001. ISBN 3-89244-492-7
Anders, Reinbek bei Hamburg 2003. ISBN 3-498-06354-5
Der andere Blick. Aufsätze, Reden, Gespräche,Hans Georg Hepe (Hrsg.), Reinbek bei Hamburg 2005
Vorbei. Drei Erzählungen, Reinbek 2007. ISBN 978-3-498-06379-5
Kokoschkins Reise, Reinbek 2010
Herausgeberschaft [Bearbeiten]
Gedichte aus Belgien und den Niederlanden, Berlin 1977
Dichter predigen in Schleswig-Holstein, Stuttgart 1991. ISBN 3-87173-822-0
Protokoll eines Tribunals, Reinbek bei Hamburg 1991 (zusammen mit Joachim Walther, Wolf Biermann, Günter de Bruyn, Jürgen Fuchs, Christoph Hein und Christa Wolf)
Aktenkundig, Berlin 1992. ISBN 3-87134-057-X
Übersetzungen [Bearbeiten]
Paul Biegel: Die Gärten von Dorr, Berlin 1973
Marc Braet: Mein endlos beflaggtes Schiff, Berlin 1980
Jaap ter Haar: Behalt das Leben lieb, München 1980
Jaap ter Haar: Ich spür die Sonne auf meinem Gesicht, Berlin 1977
Literatur [Bearbeiten]
Marie-Hélène Quéval,Ein weites Feld de Günter Grass, Lectures d’une œuvre, coordinatrice, avec un texte inédit de H. J. Schädlich : « Tallhover – Ein weites Feld », Paris éd. du Temps Nov. 2001
Wulf Segebrecht (Hrsg.): Auskünfte von und über Hans Joachim Schädlich, Bamberg 1995
Hans Joachim Schädlich, München 1995 (Edition text+kritik 125) ISBN 3-88377-490-1
Nachtrag zur literarischen Staatssicherheit. Anmerkungen zum Tod von Karlheinz Schädlich (dem Bruder von Hans Joachim Schädlich), Berliner Zeitung 19. Dezember 2007
Susanne Schädlich: Immer wieder Dezember. Droemer, 2009, ISBN 978-3-426-27463-7.
Weblinks [Bearbeiten]
Literatur von und über Hans Joachim Schädlich im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Hans Joachim Schädlich • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
Kommentierende Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
Einzelnachweise [Bearbeiten]
Interview mit Susanne Schädlich bei Deutschlandradio Kultur
Normdaten: Personennamendatei (PND): 119223104 | Library of Congress Control Number (LCCN): n 79083993 | Virtual International Authority File (VIAF): 71397429
Personendaten
NAME Schädlich, Hans Joachim
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller
GEBURTSDATUM 8. Oktober 1935
GEBURTSORT Reichenbach im Vogtland

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Joachim_Sch%C3%A4dlich“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (21. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Erzählung | Essay | Politische Literatur | Kurzgeschichte | Herausgeber | Übersetzung (Literatur) | DDR-Literatur | Deutscher | Geboren 1935 | Mann


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