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wuming schrieb am 16.5. 2010 um 03:58:24 Uhr über

Schriftsteller

Hans Carl Artmann (* 12. Juni 1921 in Wien-Breitensee; † 4. Dezember 2000 in Wien) war ein österreichischer Poet, Schriftsteller und Übersetzer.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Werk
3 Kollegen über Artmann
4 Auszeichnungen und Ehrungen
5 Werke (Auswahl)
6 Schallplatten
7 Einzelnachweise
8 Weblinks


Leben [Bearbeiten]
H. C. Artmann war der Sohn des Schuhmachers Johann Artmann und seiner Frau Marie, geborene Schneider. Er wuchs in Wien auf, besuchte die Volks- und Hauptschule und arbeitete drei Jahre als Büropraktikant. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kämpfte im Zweiten Weltkrieg, bis er 1941 verwundet wurde. Danach blieb er bis zum Kriegsende in einem Strafbataillon der Wehrmacht.

Der Dichter war seit 1972 mit der Schriftstellerin Rosa Pock verheiratet. Er starb am 4. Dezember 2000 an Herzversagen. Sein Ehrengrab[1] befindet sich im Urnenhain der Feuerhalle Simmering. Die Stadt Wien kaufte Artmanns literarischen Nachlass und stiftete 2004 ihm zu Ehren den H.C. Artmann-Preis. Seit 2008 vergibt die Stadt Salzburg gemeinsam mit dem Literaturhaus Salzburggelegen am H.C. Artmann-Platz und ausgestattet mit dem h.c.cafédas H.C. Artmann-Stipendium.

Werk [Bearbeiten]
Artmann veröffentlichte ab 1947 literarische Texte im Hörfunk und in der Zeitschrift Neue Wege. Seit 1952 arbeitete er mit Gerhard Rühm, Konrad Bayer, Friedrich Achleitner und Oswald Wiener zusammen in der Wiener Gruppe, von der er sich aber 1958 distanzierte. In dieses Jahr, 1958, fällt auch sein größter Publikumserfolg – der Gedichtband med ana schwoazzn dintn, mit dem er dem Genre des Dialektgedichts zum Durchbruch verhalf, das er allerdings als ein Experiment unter vielen ansah. Tatsächlich ist die Verwendung des Wienerischen nicht typisch für sein gesamtes Werk. Artmanns Romane, seine Lyrik und seine Erzählungen sind geprägt von einem spielerischen Surrealismus und einem vom Dadaismus beeinflussten Spiel mit der Sprache.

Als Theoretiker trat Artmann 1953 mit seinerAcht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes” hervor, die proklamierte, „dass man Dichter sein kann, ohne auch irgend jemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben”:

1. Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift.
2. Der poetische Act ist Dichtung um der reinen Dichtung willen. Er ist reine Dichtung und frei von aller Ambition nach Anerkennung, Lob oder Kritik.
3. Ein poetischer Act wird vielleicht nur durch Zufall der Öffentlichkeit überliefert werden. Das jedoch ist in hundert Fällen ein einziges Mal. Er darf aus Rücksicht auf seine Schönheit und Lauterkeit erst gar nicht in der Absicht geschehen, publik zu werden, denn er ist ein Act des Herzens und der heidnischen Bescheidenheit.
4. Der poetische Act wird starkbewußt extemporiert und ist alles andere als eine bloße poetische Situation, die keineswegs des Dichters bedürfte. In eine solche könnte jeder Trottel geraten, ohne es aber jemals gewahr zu werden.
5. Der poetische Act ist die Pose in ihrer edelsten Form, frei von jeder Eitelkeit und voll heiterer Demut.
6. Zu den verehrungswürdigsten Meistern des poetischen Actes zählen wir in erster Linie den satanistisch-elegischen C. D. Nero und vor allem unseren Herrn, den philosophisch-menschlichen Don Quijote.
7. Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos und birgt deshalb von vornherein nie den Bazillus der Prostitution. Seine lautere Vollbringung ist schlechthin edel.
8. Der vollzogene poetische Act, in unserer Erinnerung aufgezeichnet, ist einer der wenigen Reichtümer, die wir tatsächlich unentreißbar mit uns tragen können.[2]“

Seit 1954 unternahm Artmann ausgedehnte Reisen durch Europa, lebte 19611965 in Schweden, danach bis 1969 in Berlin und ab 1972 in Salzburg. Er war Präsident und Gründungsmitglied der Grazer Autorenversammlung, aus der er 1978 austrat. Er erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, unter anderem den Großen Österreichischen Staatspreis (1974), die Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg (1991) und den Georg-Büchner-Preis (1997).

Artmann arbeitete auch als Übersetzer, unter anderem aus dem Englischen für so unterschiedliche Schriftsteller wie H. P. Lovecraft oder Cyril Tourneur. Er legte eine sehr freie Übertragung der Gedichte François Villons ins Wienerische vor, die von Helmut Qualtinger auf Schallplatte aufgenommen wurde. 1999 erschien Asterix oes Legionäa, ein Asterix-Band auf Wienerisch.

Kollegen über Artmann [Bearbeiten]
Ist die Sonne der Poesie untergegangen, dann gehen ihre Monde auf: Gestirne, deren Widerschein sich einer unsichtbaren Lichtquelle verdankt; H.C.Artmanns Poesie ist eine solche indirekte Poesie geborgten Lichts, eine Poesie nach ihrem Untergang. [...] Artmanns Poesie ist keineswegs spät oder gar zu spät gekommen; im Gegenteil ist sie eines der zahlreichen zeitgemässen Zeugnisse einer in der Moderne stark wirksamen, ja seit ihren Anfängen epochemachenden Erfahrung: Was einst als poetisch gelten konnte, ob nun unter dem Gesichtspunkt vorbestimmter Vokabularien, poetischer Techniken oder Verfahren, poesiegeeigneter Motive oder Gegenstände, besass für die Dichtung des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr ohne weiteres Gültigkeit. Franz Josef Czernin[3]

das werk h.c.s ist die gesammelte rettung der poesie, die weite der sprache reicht hin in alle moeglichen welten der phantasie. sie schafft sich diese welten und erzaehlt ihre vielfalt - die sogenannte wirklichkeit auf ihre aufblitzenden moeglichkeiten hin uebersteigend. was freiheit des schreibens, des erfindens, des verzauberns ist, fand ich in seinem werk - dem freundlichsten anarchismus, den man sich vorstellen kann. Alfred Kolleritsch[4]

er hat wasserblaue augen immer noch, kann schoen fabulieren, sitzt vor seiner lesung in der hotelhalle, schluerft kamillentee, wird von ehrfuerchtigen juengern umringt, faehrt moped (meist ueberland), will den knochenschmerz nicht wahrnehmen. ist der juengste von uns allen geblieben, die wir damals in den fernen fuenfzigerjahren begonnen hatten, die neue poesie fuer uns und die welt wiederzuentdecken. ohne ende seine stolze feuerkunst moege verzaubern. Friederike Mayröcker[4]

Auszeichnungen und Ehrungen [Bearbeiten]
1974: Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur
1977: Literaturpreis der Stadt Wien
1981: Ehrenring der Stadt Salzburg
1981: Rauriser Bürgerpreis für Literatur
1981, 1989 und 1991: Literaturpreis der Landeshauptstadt Salzburg
1983: Literaturpreis der Salzburger Wirtschaft
1984: Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg
1984: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
1986: Manuskripte-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark
1986: Übersetzerprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
1986: Mainzer Stadtschreiber
1987: Kunstpreis bildender Künstler aus Österreich und der BRD für einen hochgeschätzten und bewunderten Kollegen
1989: Franz-Nabl-Preis
1991: Ehrenbecher des Landes Salzburg
1991: Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg
1991: Literaturpreis der Stadt Salzburg
1991: Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
1992: Franz-Grillparzer-Preis der Stiftung F.V.S. Hamburg
1994: Friedestrompreis für Dialektdichtung des Kreises Neuss
1996: Goldenes Ehrenzeichen des Landes Kärnten
1996: Ehrenring der Stadt Wien
1997: Georg-Büchner-Preis
1997: Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln
1999: Literaturpreis des Landes Steiermark
Werke (Auswahl) [Bearbeiten]
1954[?] Der Knabe mit dem Brokat. Kammeroper. Musik: Gerhard Lampersberg
1958: med ana schwoazzn dintn. gedichta r aus bradnsee
1959: hosn rosn baa (mit Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm)
1959: Von denen Husaren und anderen Seil-Tänzern
1959: das suchen nach dem gestrigen tag oder schnee auf einem heißen brotwecken
1966: verbarium
1967: Grünverschlossene Botschaft
1968: Frankenstein in Sussex, Fleiß und Industrie
1968: Baladn (nach François Villon)
1969: Mein Erbteil von Vater und Mutter
1969: Die Anfangsbuchstaben der Flagge
1969: ein lilienweißer brief aus lincolnshire. gedichte aus 21 jahren
1970: The Best of H.C. Artmann
1970: Grammatik der Rosen. Gesammelte Prosa
1971: How much, Schatzi?
1972: Der aeronautische Sindtbart oder Seltsame Luftreise von Niedercalifornien nach Crain
1972: Das im Walde verlorene Totem
1974: Unter der Bedeckung eines Hutes
1975: Aus meiner Botanisiertrommel
1978: Nachrichten aus Nord und Süd
1982: Die Sonne war ein grünes Ei
1984: Nachtwindsucher - Einundsechzig österreichische Haiku
1993: Der Schlüssel zum Paradies: Religiöse Dichtung der Kelten
1993 Das poetische Werk
2001: Ich bin Abenteurer und nicht Dichter: Aus Gesprächen mit Kurt Hofmann
2003: Sämtliche Gedichte
2005: Derr Herr Norrrdwind. Kinderoper. Musik: HK Gruber. UA 2005
Schallplatten [Bearbeiten]
Allerleirausch, Märchen und Gedichte von H.C. Artmann, gelesen von Jutta Schwarz
Aus meiner Botanisiertrommel, H.C. Artmann und die Gruppe Bärengässlin (auch als Buch, Salzburg 1975, Residenz Verlag)
Dracula Dracula, Hörspiel, vorgetragen von H.C. Artmann
Hirn mit Ei, Jazz + Lyrik, H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Hans Koller, Fritz Pauer
Kein Pfeffer für Czermak, gelesen vom H.C. Artmann
Villon übersetzt von Artmann gesprochen von Qualtinger mit Jazz von Fatty George
Will Elfes SongDer General. Nach Texten von Gisela Pfeifer und H.C. Artmann
Einzelnachweise [Bearbeiten]
Gewidmete Gräber der Stadt Wien (Abteilung 1, Ring 1, Gruppe 2, Nummer 3)
http://www.physiologus.de/akt.htm
http://ejournal.thing.at/Kritik/artmann.html
a b ueber h.c. artmann
Weblinks [Bearbeiten]
Literatur von und über H. C. Artmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu H. C. Artmann • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
Linksammlung bei der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
literaturhaus.at Umfassendes Werkverzeichnis
Nachlass von H.C.Artmann in der Wienbibliothek im Rathaus
H. C. Artmann als Lehrer an der »Schule für Dichtung« – Eine Reportage von Günter Kaindlstorfer erschienen in Die Presse 1992
H.C. Artmann-Gedächtnisparcours der Helmut-Qualtinger-Anstalt im Rahmen des Literaturprojektes der Austrokoffer
http://www.zintzen.org/zur-literatur/h-c-artmann-lexikon/ H.C.Artmann Lexikon mit Biographie, Bibliographie und Sekundärliteratur
Normdaten: PND: 118504533 – weitere Informationen
Personendaten
NAME Artmann, H. C.
ALTERNATIVNAMEN Artmann, Hans Carl
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Dichter
GEBURTSDATUM 12. Juni 1921
GEBURTSORT Wien-Breitensee
STERBEDATUM 4. Dezember 2000
STERBEORT Wien

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/H._C._Artmann“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Literatur (Österreich) | Lyrik | Libretto | Übersetzung (Literatur) | Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst | Mainzer Stadtschreiber | Person (Wien) | Österreicher | Geboren 1921 | Gestorben 2000 | Mann


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