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Quark schrieb am 19.8. 2002 um 22:14:46 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Der Bund Deutscher Schriftsteller BDS wurde 1997 mit Sitz in Dietzenbach (nahe Frankfurt a.M.) gegründet, weil vor allem neue Autoren, die ihr erstes Manuskript veröffentlichen wollen, unter einem Defizit an Informationen leiden. Noch nicht etablierte Autoren kennen in aller Regel weder die Besonderheiten des Verlagswesens noch die Möglichkeiten und Risiken, die eine Veröffentlichung mit sich bringen kann.
Die großen Autorenverbände wie der P.E.N. stehen den bekannten Autoren bei. Neue Autoren finden dagegen kaum Ansprechpartner, die sie beraten können - was zum Beispiel die Suche eines Verlags oder den Abschluß eines Verlagsvertrages betrifft.
Die Aufgaben des Bundes Deutscher Schriftsteller BDS konzentrieren sich besonders auf die Bedürfnisse dieser neuen Autoren:
*Die kostenfreie telefonische Beratung etwa wird jährlich von 4.000 Autoren aus aller Welt genutzt.
* Das »Register unveröffentlichter Werke« verzeichnet mehrere Tausend unveröffentlichter Manuskripte und steht Verlagen für Anfragen offen, wenn spezielle Themen (z.B. ein historischer Roman zum 16. Jahrhundert) oder Anregungen gesucht werden.
* Der BDS ist Teilnehmer an den Buchmessen in Frankfurt a.M. und Leipzig und stellt dort unveröffentlichte Manuskripte aus, um sie bei Lektoren, Verlegern etc. ins Gespräch zu bringen.
* Das Schriftstellerlexikon verzeichnet neben arrivierten Schriftstellern auch noch unbekannte oder wenig bekannte Autoren, die erst eine einzige Buchveröffentlichung vorweisen können.
Die derzeitige Präsidentin ist Renate Stahl. Ihr liegt die Förderung der neuen Autoren auch deshalb besonders am Herzen, weil die Buchproduktionen der Verlagskonzerne eine kulturell schädliche Uniformität mit sich bringen und weil die literarische Vielfalt gerade durch neue Autoren gewährleistet werden kann.
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Der BDS ist gemeinnützig tätig und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.
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wuming schrieb am 22.12. 2008 um 03:21:08 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
David Foster Wallace
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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David Foster WallaceDavid Foster Wallace (* 21. Februar 1962 in Ithaca, New York; † 12. September 2008 in Claremont, Kalifornien [1]) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der vor allem ironische Romane, Essays und Kurzgeschichten veröffentlichte.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
1.1 Familie
1.2 Wirken
1.3 Krankheit und Tod
2 Schreiben
3 Werke
3.1 Fiktion
3.2 Sonstiges
4 Literatur
4.1 Übersichten
4.2 Studien
4.3 Interviews
5 Weblinks
6 Einzelnachweise
Leben [Bearbeiten]
Familie [Bearbeiten]
David Foster Wallace wurde 1962 in Ithaca, New York, als einziger Sohn von James Donald und Sally Foster Wallace geboren, kurz nachdem James Wallace sein Philosophie-Studium an der Cornell University im Herbst 1962 beendet hatte. Später lebte die Familie in einem kleinen Ort namens Philo südlich von Urbana, Illinois. Zu dieser Zeit arbeiteten die Eltern als Lehrkräfte an der Universität in Champaign-Urbana.
Das Dorfleben verarbeitete Foster Wallace in zahlreichen Essays und Kurzgeschichten, vor allem in A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again. Bald zog die Familie nach Urbana. Sally Foster Wallace lehrte englische Literatur am Parkland College in Champaign. Foster Wallace hatte eine jüngere Schwester, Amy Wallace, die seit 2004 als Rechtsanwältin in Arizona praktiziert. Seit 2004 war Foster Wallace mit Karen Green verheiratet.
Wirken [Bearbeiten]
Bevor Foster Wallace sich ernsthaft den Geisteswissenschaften zuwandte, verfolgte er zunächst eine Karriere als Tennisprofi. Der jugendliche David schaffte es als Profi bis auf Platz 17 der amerikanischen Rangliste. Im Studium, das er auf der gleichen Alma Mater begann, die auch sein Vater bereits besucht hatte, legte er den Schwerpunkt auf Logik und Mathematik. Die modallogische These, die er in seiner Abschlussarbeit in diesem Fach entwickelte, brachte ihm den Gail Kennedy Memorial Prize ein. Außerdem studierte Foster Wallace Literatur und Philosophie. Aus seiner Abschlussarbeit in englischer Literatur wurde später sein erster Roman Der Besen im System.
1985 schloss er in beiden Fächern mit summa cum laude ab. Seit 2002 lehrte er am Pomona College in Claremont kreatives Schreiben.[2]
Krankheit und Tod [Bearbeiten]
Am 12. September 2008 erhängte sich Wallace laut Medienberichten in seinem Haus in Claremont. Er wurde von seiner Frau Karen Green tot aufgefunden, als diese vom Einkaufen zurück kam. Sein Vater erklärte der Presse, dass sein Sohn seit 20 Jahren an Depressionen gelitten habe und nur mit Medikamenten lebens- und schreibfähig gewesen wäre. Wegen der auftretenden Nebenwirkungen hatte er diese jedoch zuletzt abgesetzt, worauf sich die Depressionen wieder massiv einstellt hatten. Im Sommer 2008 war er deswegen zweimal in einem Krankenhaus behandelt worden und u.a. auch mit Elektroschocks, was aber offenbar keine Besserung bewirkte. Sein Vater vermutete, dass sein Sohn seinen Zustand zuletzt einfach nicht mehr ausgehalten habe. [3][4]
Schreiben [Bearbeiten]
Mit dem postmodernen Roman Infinite Jest gelang Wallace 1996 der Durchbruch als angesehener Roman-Autor. Das Buch wurde aufgrund seiner hohen Komplexität bisher noch nicht in deutscher Sprache veröffentlicht. Der Übersetzer Ulrich Blumenbach sagte bereits 2004 in einem Spiegel-Interview, er werde neun bis zehn Monate pro Jahr an dem Werk arbeiten. Die Übersetzungsarbeit soll im Dezember 2008 beendet sein und der Roman unter dem Titel Unendlicher Spaß im Herbst 2009 erscheinen.[5]
Auch wenn er zunächst durch Romane bekannt wurde und stets als Romancier galt, wandte Foster Wallace sich bereits geraume Zeit vor seinem Tod von dieser Literaturform ab. So erschien 2003 als eines seiner letzten Bücher eine Biographie (über den deutschen Mathematiker Georg Cantor). Zuletzt blieben kurze Erzählformen seine Art des literarischen Ausdrucks: Er veröffentlichte einen Band mit Erzählungen (Oblivion, 2004; in Deutschland 2006 der erste Band mit dem Titel In alter Vertrautheit und der zweite Band 2008 mit dem Titel Vergessenheit erschienen) sowie ein Band mit Essays (Consider the Lobster and Other Essays, 2005), bevor er – drei Jahre vor seinem Tod – literarisch verstummte.
Wallaces Texte fallen durch ihre Wortmächtigkeit wie durch ihre komplexen, langen und verschachtelten Sätze auf. Seine radikale ironische und absurde Schreibweise wurde häufig mit der von James Joyce und Thomas Pynchon verglichen. Foster Wallaces Thema war die Identitätssuche des modernen Menschen, der Wunsch des Individuums nach Kommunikation, Zugehörigkeit und Lebensinhalt. Dabei zeigte er ein Gespür für den Jargon des Alltags. Es gelang ihm, das tägliche verbale Dauerfeuer aus Informationen und Soundbites, das aus diversen Medien auf den Menschen niederprasselt, literarisch zu verarbeiten, indem er es in seiner Bedeutungslosigkeit darstellte.[6]
Zudem brachte er die Fußnote, bis dato vornehmlich in wissenschaftlichen Texten zu finden, als literarisches Stilmittel in die Belletristik zurück. 1997 erhielt er den „Genius Award“ der MacArthur Foundation, was der Grund neben seinen vielfältigen Begabungen (Literatur, Mathematik, Tennis) dafür sein mag, dass er nicht selten als Genie bezeichnet wird. Er gilt als eines der größten Talente der amerikanischen Literatur.
Werke [Bearbeiten]
Fiktion [Bearbeiten]
1987 The Broom of the System
Der Besen im System, dt. von Marcus Ingendaay; Köln: Kiepenheuer und Witsch 2004, ISBN 3-462-03407-3
1990 Girl with Curious Hair (Stories)
Kleines Mädchen mit komischen Haaren - Stories, dt. von Marcus Ingendaay; Köln: Kiepenheuer und Witsch 2001, ISBN 3-462-02975-4
1996 Infinite Jest
deutsch voraussichtlich 2009
1999 Brief Interviews with Hideous Men (Stories)
Kurze Interviews mit fiesen Männern, dt. von Marcus Ingendaay; Köln: Kiepenheuer und Witsch 2002, ISBN 3-462-03079-5
2004 Oblivion (Stories)
1. Teil: In alter Vertrautheit, dt. von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingendaay; Köln: Kiepenheuer und Witsch 2006, ISBN 3-462-03727-7
2. Teil: Vergessenheit, dt. von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingendaay; Köln: Kiepenheuer und Witsch 2008, ISBN 3-462-03974-1
Sonstiges [Bearbeiten]
1990 Signifying Rappers: Rap and Race In the Urban Present (mit Mark Costello)
1997 Shipping Out - A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again
Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich, dt. von Marcus Ingendaay; Hamburg: Marebuch, ISBN 3-936384-00-2 (TB-Ausgabe: München 2008, ISBN 978-3-442-54229-1)
2003 Everything and More: A Compact History of Infinity
Georg Cantor. Der Jahrhundertmathematiker und die Entdeckung des Unendlichen, dt. von Helmut Reuter und Thorsten Schmidt; München: Piper 2007, ISBN 3-492-04826-9
2005 Consider the Lobster and Other Essays
Literatur [Bearbeiten]
Übersichten [Bearbeiten]
James Rother, „Reading and Riding the Post-Scientific Wave. The Shorter Fiction of David Foster Wallace.“ Review of Contemporary Fiction 13.2 (1993), 216-234, ISBN 1564781232
Marshall Boswell, Understanding David Foster Wallace. Columbia: University of South Carolina Press, 2003, ISBN 1570035172
Iannis Goerlandt und Luc Herman, „David Foster Wallace.“ Post-war Literatures in English: A Lexicon of Contemporary Authors 56 (2004), 1-16; A1-2, B1-2.
Studien [Bearbeiten]
Tom LeClair, „The Prodigious Fiction of Richard Powers, William Vollmann, and David Foster Wallace“. Critique: Studies in Contemporary Fiction 38.1 (1996), 12-37.
Frank Louis Coffi, „An Anguish Becomes Thing: Narrative as Performance in David Foster Wallace’s Infinite Jest.“ Narrative 8.2 (2000), 161-181.
Catherine Nichols, „Dialogizing Postmodern Carnival: David Foster Wallace’s Infinite Jest.“ Critique: Studies in Contemporary Fiction 43.1 (2001), 3-16.
Stephen Burn, „Generational Succession and a Source for the Title of David Foster Wallace’s The Broom of the System“. Notes on Contemporary Literature 33.2 (2003), 9-11.
Stephen Burn, „David Foster Wallace’s Infinite Jest: A Reader’s Guide“. New York, London: Continuum, 2003 (= Continuum Contemporaries) ISBN 082641477X
Michael Harris, „A Sometimes Funny Book Supposedly about Infinity: A Review of Everything and More.“ Notices of the AMS 51.6 (2004), 632-638. (pdf-Volltext)
Interviews [Bearbeiten]
Larry McCaffery, „An Interview with David Foster Wallace.“ Review of Contemporary Fiction 13.2 (1993), 127-150, ISBN 1564781232
Laura Miller, „The Salon Interview: David Foster Wallace“. Salon 9 (1996). [2]
„The Usage Wars.“ Radiointerview mit David Foster Wallace und Brian Garner. The Connection (30 March 2001).
Michael Goldfarb, „David Foster Wallace.“ Radiointerview für The Connection (25 June 2004). (full audio interview)
Weblinks [Bearbeiten]
Literatur von und über David Foster Wallace im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu David Foster Wallace • PICA-Datensatz) • Einträge im Musikarchiv
David Foster Wallace in der Internet Movie Database (deutsch)
Biografie in der NNDB (englisch)
Infinite Jest. Reviews, Artikel und Sonstiges
THE HOWLING FANTODS! - David Foster Wallace: Neuigkeiten, Info, Links
“Postmodern Writer Is Found Dead at Home”, NYT, 14. September 2008
„Kult-Schriftsteller: David Foster Wallace tot aufgefunden“, Spiegel Online, 14. September 2008
Suizid als Zeichen, Die tageszeitung, 16. September 2008
http://www.salon.com/books/feature/2008/09/26/david_foster_wallace/index.html
Einzelnachweise [Bearbeiten]
↑ Novelist David Foster Wallace found dead
↑ Spiegel-Online: David Foster Wallace tot aufgefunden
↑ [1]
↑ The New York Times, Bruce Weber, September 14, 2008.
↑ Süddeutsche Zeitung, 19. September 2008.
↑ Spiegel-Online: David Foster Wallace tot aufgefunden
Personendaten
NAME Wallace, David Foster
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 21. Februar 1962
GEBURTSORT Ithaca (New York), New York (Bundesstaat)
STERBEDATUM 12. September 2008
STERBEORT Claremont (Kalifornien), Kalifornien
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/David_Foster_Wallace“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (21. Jahrhundert) | Literatur (Englisch) | Literatur (Vereinigte Staaten) | Roman, Epik | Kurzgeschichte | Essay | Hochschullehrer (Vereinigte Staaten) | US-Amerikaner | Geboren 1962 | Gestorben 2008 | Mann
wuming schrieb am 30.5. 2010 um 12:34:49 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Stendhal (* 23. Januar 1783 in Grenoble; † 23. März 1842 in Paris; eigentlich Marie-Henri Beyle) war ein französischer Schriftsteller.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben und Schaffen
1.1 Jugend
1.2 Militärzeit
1.3 Mailand
1.4 Paris
1.5 Auf Reisen
2 Werke
3 Literatur
4 Weblinks
5 Einzelnachweise
Leben und Schaffen [Bearbeiten]
Jugend [Bearbeiten]
Stendhal war das älteste von drei Kindern eines bürgerlichen, aber Adelsambitionen hegenden Anwalts am Obersten Gerichtshof (Parlement) der Provinz Dauphiné. Mit sechs verlor er seine Mutter bei der Geburt der jüngsten Schwester, was ihn traumatisierte, und er verargte es seinem Vater zutiefst, als der sich mit der Schwester der Mutter liierte und ihn der „Tyrannei“ eines ungeliebten Hauslehrers aussetzte, eines ehemaligen Geistlichen. Er wurde jedoch sehr gefördert von seinem Großvater mütterlicherseits, dem schöngeistig interessierten Arzt und Voltaire-Verehrer Gagnon, sowie dessen unverheiratet gebliebener Schwester. Während der Zeit der Schreckensherrschaft (Terreur) 1793/94 sympathisierte er aus Trotz gegen seinen royalistisch eingestellten Vater mit den revolutionären Jakobinern und freute sich geradezu, als jener verhaftet wurde und Gefahr lief, guillotiniert zu werden.
1796-99 besuchte er die nach einer Schulreform neu eingerichtete Grenobler École centrale (wo er in Mathematik brillierte) und ging dann aus der ihm verhassten engen Provinzstadt nach Paris, um an der neuen École Polytechnique zu studieren. Er meldete sich aber nicht zur Aufnahmeprüfung (concours), sondern fing an, Theaterstücke und anderes zu schreiben. Bald danach erkrankte er in seinem kargen und kalten möblierten Zimmer und wurde daraufhin von entfernten Cousins, den etwas älteren Brüdern Daru, in ihr Haus aufgenommen.
Militärzeit [Bearbeiten]
Die Darus gehörten zur näheren Umgebung Napoleon Bonapartes und partizipierten an dessen fulminantem Aufstieg zum Herrscher von ganz Mitteleuropa. Als ihr Verwandter und Protégé profitierte auch Stendhal. Er nahm zunächst als blutjunger Offizier 1800 an Napoleons siegreichem Italienfeldzug teil, wobei er als Adjutant eines Generals das Land, insbesondere die Stadt Mailand, von der besten Seite kennenlernte und sich zum Liebhaber italienischer Kunst, Musik und Lebensart entwickelte. Allerdings infizierte er sich zugleich in einem Bordell mit Syphilis, deren akutes Stadium ihn 1802 zum Quittieren des Militärdienstes zwang.
Vorübergehend halbwegs gesundet, verbrachte er einige Jahre mit viel fruchtbarer Lektüre sowie allerlei fruchtlosen literarischen, geschäftlichen und amourösen Experimenten in Grenoble, Marseille und Paris. 1806, inzwischen war wieder Krieg, schloss er sich erneut den Darus an und avancierte zum Kaiserlichen Kriegskommissar und anschließend zum Verwalter der kaiserlichen Domänen im Département Oker des 1807 gegründeten Königreichs Westfalen, eines kurzlebigen französischen Satellitenstaates, der von Napoleons jüngerem Bruder Jérôme Bonaparte regiert wurde. In seinen Zeugnissen aus und über Braunschweig (1806-1808), das Briefe, Tagebücher und Reisebeschreibungen enthält, lieferte er eine amüsante Beschreibung der Braunschweiger Gesellschaft [1] 1810/11 setzte er seine Karriere in Paris fort und wurde für kurze Zeit Chef der Verwaltung der kaiserlichen Liegenschaften (vor allem der Schlösser samt ihren Kunstschätzen). 1812 nahm er teil an Napoleons Russlandfeldzug und kam mit der „Grande Armée“ im September bis Moskau. Den anschließenden, äußerst verlustreichen Rückzug überstand er unbeschadet. 1813 war er kurz Kaiserlicher Intendant in Schlesien.
Danach wurde er ein nächstes Mal von der Syphilis eingeholt und nahm 1813/14 einen längeren Urlaub, den er zum Teil in Italien, vor allem in Mailand, verbrachte, also der Stadt, die er als jugendlicher Offizier lieben gelernt hatte. Den Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreichs erlebte er in Grenoble. Ob tatsächlich sein Adelsbrief fertig zur Unterschrift auf Napoleons Schreibtisch lag, als jener 1814 besiegt wurde und abdankte, ist eher fraglich. Immerhin schmückte er später sein meistgebrauchtes und bekanntestes Pseudonym, „Stendhal“, mit einem adeligen „de“.
Mailand [Bearbeiten]
Wie so viele hohe napoleonische Beamte fand auch Stendhal 1814 keinen Platz in der naturgemäß stark verkleinerten Beamtenschaft des „Restaurationsregimes“ von König Ludwig XVIII. und wurde daraufhin Napoleon-Nostalgiker und Liberaler, d.h. Oppositioneller. Er ging einmal mehr nach Mailand und wurde hier endgültig zum Literaten mit Biografien, kunsthistorischen Werken und Reisebüchern, die er zunächst unter wechselnden Pseudonymen und schließlich unter dem dauerhaft werdenden Namen „M[onsieur]. de Stendhal“ publizierte. So erschienen 1815 die Lettres écrites de Vienne en Autriche sur le célèbre compositeur Joseph Haydn, suivies d'une vie de Mozart et de considerations sur Métastase, et l'état présent de la musique en Italie (1817 neu aufgelegt als Vies de Haydn, Mozart et Métastase). 1817 kamen die Histoire de la peinture en Italie heraus sowie Promenades dans Rome, Naples et Florence en 1817. Eine Vie de Napoléon, an der er 1817/18 arbeitete, blieb Fragment (und wurde erst postum 1929 gedruckt).
1818 begegnete Stendhal in Mailand seiner großen, unerfüllten Liebe Metilda Dembowski, Gattin eines österreichischen Generals (die Lombardei war damals österreichische Provinz), was ihn sehr absorbierte und zu dem essayistischen Werk De l'amour inspirierte (erschienen 1822). 1819 erlebte er eine andere Enttäuschung, als er beim Tod seines vermeintlich wohlhabenden Vaters feststellte, dass dieser fast nur Schulden hinterließ.
Paris [Bearbeiten]
1821 wurde Stendhal wegen seiner Kontakte mit oppositionellen Intellektuellen wie Silvio Pellico oder Alessandro Manzoni von der österreichischen Polizei als Verschwörer verdächtigt. Er verließ Mailand und verlebte einige unstete Jahre in Paris, London und wieder Italien, bis er sich 1824 in Paris niederließ, wo er sich als Journalist über Wasser hielt (z. B. als Kunst- und Musikkritiker). Daneben bewegte er sich in den Kreisen der „Ideologen“ um ihren Vordenker Destutt de Tracy, aber auch der Romantiker, an deren Kampf gegen den noch vorherrschenden Klassizismus er mit der Streitschrift Racine et Shakespeare (1823) teilnahm. Ebenfalls 1823 erschien seine Vie de Rossini. 1825 mischte er sich auf Seiten der oppositionellen Saint-Simoniens in politische Diskussionen ein mit der Schrift Nouveau complot contre les industriels.
Stendhal, La Chartreuse de Parme. Titelblatt der Erstausgabe, 18461827 publizierte Stendhal seinen ersten Roman, Armance, die zarte, um 1820 in Paris spielende Liebesgeschichte der armen jungen Adeligen Armance und des reicheren, aber offenbar impotenten Octave, der sich nach ihrer Heirat auf einem Schiff in Richtung Griechenland das Leben nimmt.
Hiernach ließ Stendhal ein neues Reisebuch folgen (Promenades dans Rome, 1829) und versuchte sich, wie sein jüngerer Freund Prosper Mérimée und andere Autoren, in der neuen Modegattung Novelle, mit Vanina Vanini (1829), Le Coffre et le revenant und Le Philtre (beide 1830). Im Oktober 29 hatte er, während einer Reise, in Marseille die Idee zu dem Roman, der sein Meisterwerk werden sollte: Le Rouge et le Noir, das er sofort begann.
Nach der Julirevolution von 1830 schöpfte er wieder Hoffnung auf einen höheren Posten im Staatsdienst, z. B. als Präfekt. Allerdings erhielt er nur den eines Konsuls im damals österreichischen Triest, wo man ihn jedoch bei seiner Ankunft Ende des Jahres als einstigen Verschwörer einstufte und ihm die Zulassung verweigerte. 1831 wurde er schließlich nur Konsul in der kleinen Hafenstadt Civitavecchia im Kirchenstaat.
Ende 1830, einige Monate nach der Juli-Revolution und durch sie eigentlich obsolet geworden, kam Le Rouge et Le Noir (Rot und Schwarz) heraus. Es ist die tragische Geschichte des tüchtigen und ehrgeizigen jungen Kleinbürgers und Provinzlers Julien Sorel, der im (wie der Erzähler es sieht) von reaktionären Adeligen, intriganten Geistlichen und opportunistischen Bourgeois beherrschten Restaurationsregime trotz seiner Talente und Meriten und trotz beachtlicher Zwischenerfolge letztlich weder General (= rot) noch Bischof (= schwarz) zu werden schafft, sondern es nur zum Geliebten einer älteren und danach zum Verlobten einer jüngeren adeligen Frau bringt und schließlich einen heroisch akzeptierten Tod auf dem Schafott erleidet.
Nach einigen weiteren Erzählungen verfasste Stendhal 1832 die autobiografischen Souvenirs d'égotisme (erst postum publiziert) und begann 1834 den Roman Lucien Leuwen, der, obwohl weit fortgeschritten, unvollendet blieb. Er erzählt die Geschichte eines Pariser Bankierssohns, der gewissermaßen die Julien Sorel nicht mögliche Offizierskarriere verwirklichen sollte, unter der Hand jedoch ganz unzeitgemäße Sympathien für den nach 1830 entmachteten Adel entwickelt, sich in eine adelige junge Witwe verliebt, sie aber verlässt, als er sich betrogen glaubt, und danach in Paris als Adlatus eines Ministers die Politik von ihrer schmutzigen Innenseite kennenlernt – wonach er seinem Autor quasi entgleitet.
Auf Reisen [Bearbeiten]
Stendhals Grabstein auf dem Montmartre-Friedhof mit dem Grabspruch »Scrisse-Amo-Visse«Hierauf nahm Stendhal erneut sich selbst ins Visier und schrieb 1835/36 an einer wiederum unvollendet gebliebenen Geschichte seiner Jugend (Vie de Henry Brulard). Eine insgesamt dreijährige Beurlaubung nutzte er zu Reisen, aber auch zu ausgiebigen Aufenthalten in Paris, wo er 1835 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde. Im selben Zeitraum verfasste er eine Serie von historischen Novellen, deren Handlung er in die italienische Renaissance verlegte, wo seiner Meinung nach die Menschen noch Leidenschaft und Energie besaßen (Chroniques italiennes, 1837–39).
Im November/Dezember 1838 diktierte er in nur 53 Tagen in Civitavecchia den Roman La Chartreuse de Parme, die spannende Geschichte des jungen lombardischen Adeligen Fabrice del Dongo, der dem 'Napoleon der hundert Tage' zu Hilfe zu eilen versucht und es nach diesem kapitalen Fehler im reaktionären Oberitalien der Restauration lediglich – und auch das nur dank der Intrigen seiner schönen und energischen jungen Tante – bis zum Bischof bringt und zugleich allerdings zum Geliebten seines Jugendschwarms, der schönen Generalstochter Clélia Conti. Der Roman wurde von Balzac begeistert in der Revue Parisienne besprochen (1840) und war der einzige Bucherfolg Stendhals zu seinen Lebzeiten.
Ende 1839 arbeitete er an einem neuen Roman, Lamiel, der aber Fragment blieb. Nach einem ersten Schlaganfall im März 1841 starb er bei einer zweiten Attacke ein Jahr später in Paris während einer längeren Beurlaubung.
Beyles Pseudonym Stendhal leitet sich nach allgemeiner Auffassung von Stendal im heutigen Sachsen-Anhalt her, der Heimatstadt von Johann Joachim Winckelmann. Umstritten ist, wie der Autor selbst diesen Namen aussprach, ob (was heute die meisten gebildeten Franzosen tun) mit e-Nasal (so, als würde er Stindal oder Steindal geschrieben) oder mit a-Nasal (wie Standal), was einige Kenner für richtiger halten.
Werke [Bearbeiten]
Zu Lebzeiten veröffentlichte Werke
Histoire de la Peinture en Italie. Paris 1817.
Rome, Naples et Florence. Angoulême 1817.
De l'Amour. Paris 1822.
Racine et Shakespeare. Paris 1823.
Vie de Rossini. Paris 1823.
Racine et Shakespeare. II. Paris 1825.
D'un nouveau complot contre les industriels. Paris 1825.
Armance. Quelques scènes d'un salon de Paris en 1827. Paris 1827.
Promenades dans Rome. Paris 1829.
Le Rouge et le Noir. (Rot und Schwarz). Paris 1830.
Mémoires d'un touriste. Paris 1838.
La Chartreuse de Parme (Die Kartause von Parma). Paris 1839. Verfilmt als La Certosa di Parma 1982.
Chroniques Italiennes. L'Abbesse de Castro (plus Vittoria Accoramboni et Les Cenci). Paris 1839.
Idées italiennes sur quelques tableaux célèbres. Paris 1840.
Postum erschienene Werke
Correspondance. 1855. (2 Bände)
Journal. 1801-1823.
Filosofia nova.
Théâtre.
Molière, Shakespeare, la Comédie et le Rire.
Écoles italiennes de peinture.
Pages d'Italie.
Mélanges de politique et d'histoire.
Courrier anglais.
Mélanges d'art. 1867.
Romans et nouvelles.
Souvenirs d'égotisme. (Erinnerungen eines Egotisten). 1892.
Lucien Leuwen. 1894.
Vie de Henri Brulard, 1890 (Autobiographie).
Voyage dans le Midi de la France.
Lamiel. Unvollendeter Roman.
Mélanges intimes et Marginalia.
Le Rose et le Vert. 1937
Fragmente
Vie de Napoléon. 1875.
Chroniques italiennes. 1885 (L'Abesse de Castro, Les Cenci, Vittoria Accoramboni, Vanina Vanini und La Duchesse de Palliano, teilweise auch separat erschienen)
Nouvelles indites. 1855.
Lettres intimes. 1892.
Souvenirs d'égotisme. 1892.
Werkausgaben
Œuvres complètes. ed. de Victor Del Litto, Genève 1.1966 - 50.1954.
Œuvres romanesques complètes. Édition établie par Yves Ansel et Philippe Berthier. Bibliothèque de la Pléiade. Paris: Gallimard 2005. 3 Bände, Bände 1 und 2 erschienen.
Neuübersetzungen
Rot und Schwarz. Chronik aus dem 19. Jahrhundert. Herausgegeben und übersetzt von Elisabeth Edl. München: Carl Hanser Verlag 2004.
Die Kartause von Parma. Herausgegeben und übersetzt von Elisabeth Edl. München: Carl Hanser Verlag 2007.
Literatur [Bearbeiten]
Robert Alter: Stendhal. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek 1992. ISBN 3-499-13024-6
Michel Crouzet: Stendhal ou Monsieur moi-même. Flammarion, Paris 1990. ISBN 2-08-067923-6
Béatrice Didier: Stendhal autobiographe. PUF, Paris 1983. ISBN 2-13-038064-6
Paul Hazard: Stendhal, wie er lebte, schrieb und liebte. Hoffmann & Campe, Hamburg 1950.
Heinrich Mann: Stendhal. In: Geist und Tat. Franzosen von 1780 bis 1930. Essays, Berlin 1931. Ausgabe: Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M. 1997, ISBN 3596128609
Michael Nerlich: Stendhal. Rowohlt, Reinbek 1993. ISBN 3-499-50525-8
Johannes Willms: Stendhal. Hanser Verlag, München 2010. ISBN 978-3446234192
Stefan Zweig: Drei Dichter ihres Lebens. Casanova – Stendhal – Tolstoi. Insel, Leipzig 1928
Weblinks [Bearbeiten]
Wikiquote: Stendhal – Zitate
Commons: Stendhal – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikisource: Stendhal – Quellen und Volltexte (Französisch)
Wikisource: Stendhal – Quellen und Volltexte
Werke von Stendhal als Online-Texte. In: Project Gutenberg.
Literatur von und über Stendhal im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Stendhal • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
Werke von Stendhal. In: Zeno.org.
Artikel Stendhal in »Namen, Titel und Daten der französischen Literatur« (Hauptquelle für den Abschnitt »Leben und Schaffen«)
Les manuscrits de Stendhal
Einzelnachweise [Bearbeiten]
↑ Stendhal: Zeugnisse aus und über Braunschweig (1806-1808), herausgegeben von Hans von Mattauch, Verlag für Regionalgeschichte, 1999, ISBN 978-3-89534-283-7
Normdaten: PND: 118617648 – weitere Informationen | LCCN: n78095494 | VIAF: 17823
Personendaten
NAME Stendhal
ALTERNATIVNAMEN Beyle, Marie Henri (bürgerlicher Name)
KURZBESCHREIBUNG französischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 23. Januar 1783
GEBURTSORT Grenoble
STERBEDATUM 23. März 1842
STERBEORT Paris
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Stendhal“
Kategorien: Mitglied der Ehrenlegion | Freimaurer (19. Jahrhundert) | Französischer Freimaurer | Literatur (19. Jahrhundert) | Literatur (Französisch) | Roman, Epik | Person (Stendal) | Autor | Geboren 1783 | Gestorben 1842 | Mann
wuming schrieb am 20.7. 2009 um 16:21:58 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Detail der Skulptur Uwe Johnsons vor dem John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow, geschaffen von Wieland Förster
Uwe Johnson (* 20. Juli 1934 in Cammin, Pommern; † vermutlich in der Nacht vom 23. Februar auf den 24. Februar 1984 in Sheerness on Sea, England) war ein deutscher Schriftsteller. Er gehörte der Gruppe 47 an.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]
* 1 Leben
* 2 Literaturhaus
* 3 Auszeichnungen
* 4 Werke
* 5 Literatur
* 6 Weblinks
* 7 Einzelnachweise
Leben [Bearbeiten]
Gedenktafel am Haus Niedstraße 14 in Berlin-Friedenau
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs floh Uwe Johnsons Familie von Anklam nach Recknitz bei Güstrow. Sein Vater wurde verhaftet, im sowjetischen Speziallager Fünfeichen gefangen gehalten und schließlich in die Sowjetunion deportiert, wo er 1946 starb. Die Mutter zog mit Uwe und dessen jüngerer Schwester Elke später nach Güstrow, wo Johnson 1952 die Reifeprüfung an der John-Brinckman-Oberschule ablegte.
Von 1952 bis 1956 studierte Uwe Johnson Germanistik in Rostock und Leipzig mit dem offiziellen Ziel, Verlagslektor zu werden. Im Mai 1953 kam es zwischen Johnson und der FDJ- bzw. SED-Leitung der Universität Rostock zu heftigen Auseinandersetzungen, da sich Johnson auf einer sogenannten „Protestversammlung“ der Philosophischen Fakultät öffentlich für die Junge Gemeinde und für die in der Verfassung der DDR garantierten Rechte auf Meinungs- und Religionsfreiheit einsetzte. Zudem prangerte er die Praktiken des Ministeriums für Staatssicherheit an den Oberschulen an. Johnson wurde daraufhin die Relegation angedroht, zu der es jedoch nicht kam. Im Herbst 1954 wechselte Johnson an die Universität Leipzig, weil er bei Theodor Frings und Hans Mayer studieren wollte. 1956 schloss Johnson sein Studium als Diplom-Germanist mit einer Arbeit über Ernst Barlachs Romanfragment Der gestohlene Mond ab.
Nach der Flucht seiner Mutter 1956 nach West-Berlin blieb Johnson zunächst in der DDR, zog aber 1959 nach West-Berlin, nachdem sein Buch Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953 in der DDR von mehreren Verlagen abgelehnt worden und sein Debütroman Mutmassungen über Jakob im Suhrkamp Verlag erschienen war.
1962 hielt er sich Uwe Johnson dank eines Villa-Massimo-Stipendiums in Rom auf. Im selben Jahr heiratete er seine nach dem Mauerbau aus der DDR geflüchtete Freundin Elisabeth Schmidt, mit der er wenig später eine Tochter bekam.[1] Von 1966 bis 1967 hatte er eine Stelle als Schulbuchlektor beim Verlag Harcourt, Brace & World in New York inne. Anschließend blieb er ein weiteres Jahr mit Unterstützung der Rockefeller Foundation in New York und arbeitete an dem vierbändigen Roman Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. Von 1967 bis zu ihrem Tod 1975 verband ihn eine freundschaftliche Beziehung mit der politischen Philosophin Hannah Arendt. Die Romanfigur „Gräfin Seydlitz“ trägt Züge Arendts. Arendt war mit dieser Namensgebung nicht einverstanden, da ihre jüdische Identität nicht deutlich werde. [2]
Am 19. Februar 1967 zogen Mitglieder der zum Jahresanfang gegründeten Kommune I in seine Berliner Atelier- und Arbeitswohnung ein, die er neben seiner eigentlichen Wohnung in der Stierstr. 3 unterhielt und während seines Auslandsaufenthaltes an Ulrich Enzensberger untervermietet hatte. Er erfuhr davon erst aus der Zeitung.
Ab 1969 war Johnson Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und der Akademie der Künste in West-Berlin, deren Vizepräsident er 1972 wurde. 1970 erschien Band 1 der Jahrestage, das Hauptwerk Johnsons, an dem er bis ein Jahr vor seinem Tod arbeitete. In den darauffolgenden Jahren erschienen Band 2 (1971) und Band 3 (1973), Band 4 kündigte Johnson für das folgende Jahr an, doch litt er fast zehn Jahre lang an einer Schreibblockade. 1971 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Johnson lebte ab 1974 in Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in Kent, England. 1977 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1978 trennte sich Elisabeth Johnson von ihrem Ehemann, der eine frühe Liebesbeziehung, die sie noch zu Anfang der Ehe unterhielt, nicht verwinden konnte. 1979 war er der Dozent im Rahmen der Frankfurter Poetik-Vorlesungen; der Text seiner Vorlesung wurde 1986 unter dem Titel Begleitumstände veröffentlicht.
Im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um den Schriftsteller Franz Xaver Kroetz trat Johnson 1983 aus dem Verband deutscher Schriftsteller aus. Im selben Jahr erschien Band 4 der Jahrestage. 1984 starb Uwe Johnson in Sheerness an Herzversagen. Nach seinem Tod gab es einen Rechtsstreit über sein Erbe - darunter der literarische Nachlass - zwischen seiner Witwe und Tochter und dem Suhrkampverleger Siegfried Unseld, der zugunsten Unselds entschieden wurde.[3]
Zu Ehren Uwe Johnsons wird in Neubrandenburg der Uwe-Johnson-Preis verliehen.
Literaturhaus [Bearbeiten]
Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz
In der Kleinstadt Klütz im Kreis Nordwestmecklenburg wurde am 7. April 2006 das Uwe-Johnson-Literaturhaus eröffnet. Es befindet sich in einem vierstöckigen früheren Bohnen- und Getreidespeicher aus dem Jahr 1890, der aufwändig saniert wurde. Zwei Stockwerke beherbergen eine Dauerausstellung zu Johnson, außerdem werden Lesungen veranstaltet. Leiterin ist die Germanistin Anja-Franziska Scharsich. Die Sanierungskosten in Höhe von 1,24 Millionen Euro wurden zur Hälfte vom Bund übernommen, dazu kamen Fördermittel der EU und Mittel der Städtebauförderung. Die Stadt Klütz trug 280.000 Euro.
In Klütz ist Johnson selbst vermutlich nie gewesen, doch sind Experten der Auffassung, dabei handele es sich um den in seinen Büchern vorkommenden Ort Jerichow. Ein Abschnitt aus den Jahrestagen wird als Beleg angeführt: Darin heißt es: „Jerichow würde zum Zonengrenzbezirk Lübeck gehören. […] Der Flugplatz Jerichow-Nord wäre der Flugplatz Mariengabe, für nichts zugelassen als privates Gerät, Konkurrenz für Lübeck-Blankensee. Manchmal, und immer öfter benähmen sich die Jerichower als seien sie Klützer“.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Uwe Johnson (Mitte) bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises 1960
* 1960 Theodor-Fontane-Preis (Berliner Kunstpreis für Literatur) für Mutmassungen über Jakob
* 1962 Prix International de la Littérature
* 1967 Ernennung zum Knight of Mark Twain durch den Mark Twain Circle of America
* 1971 Georg-Büchner-Preis
* 1975 Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig
* 1978 Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck
* 1983 Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln.
Werke [Bearbeiten]
* Mutmassungen über Jakob. Suhrkamp, Frankfurt 1959, ISBN 3-518-03338-7
* Das dritte Buch über Achim. Suhrkamp, Frankfurt 1962, ISBN 3-518-03337-9
* Karsch, und andere Prosa. Suhrkamp, Frankfurt 1964 (edition suhrkamp 59 / suhrkamp texte), ISBN 3-518-38253-5
* Zwei Ansichten. Suhrkamp, Frankfurt 1965, ISBN 3-518-03339-5
* Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. 4 Bände, Suhrkamp, Frankfurt 1970, 1971, 1973, 1983
* Eine Reise nach Klagenfurt. Suhrkamp, Frankfurt 1974, ISBN 3-518-36735-8
* Berliner Sachen. Aufsätze. Suhrkamp, Frankfurt 1975, ISBN 3-518-36749-8
* als Hrsg.: Max Frisch Stich-Worte. Suhrkamp, Frankfurt 1975
* als Hrsg. zusammen mit Hans Mayer: Das Werk von Samuel Beckett. Berliner Colloqium, 1975
* als Hrsg. gemeinsam mit Elisabeth Johnson: Verzweigungen. Eine Autobiographie. (Autobiographie der Journalistin Margret Boveri) München 1977
neu: Frankfurt am Main, Suhrkamp 1996, 438 S., ISBN 3-518-39076-7
* Ein Schiff. In: Jürgen Habermas (Hrsg.): Stichworte zur 'Geistigen Situation der Zeit (Band 1.000 der edition suhrkamp). Suhrkamp, Frankfurt 1979
* Skizze eines Verunglückten. Suhrkamp, 1982
* Ein unergründliches Schiff. In: Merkur. Band 33, 1979
* Begleitumstände. Frankfurter Vorlesungen. Suhrkamp, Frankfurt 1986, ISBN 3-518-11820-X
* Der 5. Kanal. Suhrkamp, Frankfurt 1987, ISBN 3-518-11336-4
* Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. Suhrkamp, Frankfurt 1985, ISBN 3-518-11817-X
* Von dem Fischer und syner Fru. Nach Phillip Otto Runge mit einem Nachwort und einer Nacherzählung von Uwe Johnson, Insel, 1987
* Entwöhnung von einem Arbeitsplatz - Klausuren und frühe Prosatexte, mit einem philologisch-biographischen Essay hrsg. von Bernd Neumann, Schriften des Uwe Johnson-Archivs Band 3, Suhrkamp, Frankfurt 1992, ISBN 3-518-40337-0
* „Wo ist der Erzähler auffindbar“. Gutachten für Verlage 1956-1958 mit einem Nachwort hrsg. von Bernd Neumann, Schriften des Uwe Johnson-Archivs Band 4, Suhrkamp, Frankfurt 1992, ISBN 3-518-40336-2
* Heute Neunzig Jahr. Aus dem Nachlass hrsg. von Norbert Mecklenburg. Suhrkamp, Frankfurt 1996, ISBN 3-518-40759-7
* Hannah Arendt - Uwe Johnson, Der Briefwechsel 1967 – 1975, hrsg. von Eberhard Fahlke und Thomas Wild. Suhrkamp, Frankfurt 2004, ISBN 3-518-41595-6, Rez. [1] M.L. Knott
* Inselgeschichten. Briefe des Schriftstellers aus Sheerness. Herausgegeben von Eberhard Fahlke, Suhrkamp, 1995, ISBN 3-518-40523-3
* Leaving Leipsic next week. Briefwechsel zwischen Jochen Ziem und Uwe Johnson. Transit, 2002, ISBN 3-88747-175-X
* Hermann Melville: Israel Potter, übersetzt von Uwe Johnson, Insel, 2002, ISBN 3-458-34536-1
* Mecklenburg - Zwei Ansichten. Mit Fotografien von Heinz Lehmbäcker und Texten v. Uwe Johnson. Insel, 2004
* Uwe Johnson und Walter Kempowski: Kaum beweisbare Ähnlichkeiten. Der Briefwechsel. Transit
* Sofort einsetzendes geselliges Beisammensein. Rechenschaft über zwei Reisen. Transit, 2005, ISBN 3-88747-198-9
* Liebes Fritzchen, lieber Groß-Uwe. Briefwechsel zwischen Fritz J. Raddatz und Uwe Johnson. Suhrkamp. 2006
* Das Nibelungenlied. In Prosa übertragen von Uwe Johnson und Manfred Bierwisch. Insel, 2006, ISBN 3-458-34833-6
Literatur [Bearbeiten]
* Peter Guttkuhn (Hrsg.): „Lübeck habe ich ständig beobachtet“. Rede zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises der Hansestadt Lübeck am 25. März 1979. In: Vaterstädtische Blätter. 30. Jahrgang, Lübeck 1979, S. 26–28.
* Kleines Adreßbuch für Jerichow und New York. Ein Register zu Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“ Angelegt mit Namen, Orten, Zitaten und Verweisen von Rolf Michaelis. Suhrkamp, Frankfurt 1983, ISBN 3-518-04530-X
* Michael Bengel (Hrsg.) Johnsons „Jahrestage“. Suhrkamp Taschenbuch Materialien, Suhrkamp, Frankfurt 1985, ISBN 3-518-38557-7
* Tilman Jens: Unterwegs an den Ort, wo die Toten sind - Auf der Suche nach Uwe Johnson in Sheerness. Piper Verlag, München/Zürich 1984, ISBN 3-492-00690-6
* „Ich überlege mir die Geschichte…“ Uwe Johnson im Gespräch herausgegeben von Eberhard Falke. Suhrkamp, 1988, ISBN 3-518-11440-9
* Siegfried Unseld und Eberhard Fahlke: Uwe Johnson: „Für wenn ich tot bin“ Schriften des Uwe Johnson-Archivs Band 1, Suhrkamp, Frankfurt 1991, ISBN 3-518-40301-X
* Peter Nöldechen: Bilderbuch von Johnsons Jerichow und Umgebung - Spurensuche im Mecklenburg der Cresspahls Schriften des Uwe Johnson-Archivs Band 2, Suhrkamp, Frankfurt 1991, ISBN 3-518-40302-8
* Roland Berbig und Erdmut Wizisla (Hrsg.): „Wo ich her bin…“. Uwe Johnson in der D.D.R. Berlin 1993, ISBN 3-86161-008-6
* Die Katze Erinnerung. Uwe Johnson - Eine Chronik in Briefen und Bildern zusammengestellt von Eberhard Fahlke, Suhrkamp, Frankfurt 1994, ISBN 3-518-40672-8
* Bernd Neumann: Uwe Johnson mit 12 Porträts von Diether Ritzert, Hamburg 1994, ISBN 3-434-50051-0
* Wohin ich in Wahrheit gehöre. Ein Johnson Lesebuch mit einem Nachwort versehen von Siegfried Unseld, Suhrkamp 1994, ISBN 3-518-40639-6
* Johann Siemon: Linientreue und Subversion. Lehrer als Erziehungsinstanzen in Uwe Johnsons Ingrid Babendererde und Jahrestage. In: Carsten Gansel und Nicolai Riedel (Hrsg.): Uwe Johnson zwischen Vormoderne und Postmoderne. Internationales Uwe-Johnson-Symposium, Walter de Gruyter 1995, Berlin - New York, S. 267–284, ISBN 3-11-014671-1
* Johann Siemon: Dear Marie, dear Mary, dorogaja Marija: Das Kind als Hoffnungsträger in Uwe Johnsons Jahrestagen. In: Ulrich Fries und Holger Helbig (Hrsg.): Johnson-Jahrbuch. Band 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996, S. 123–145, ISBN 3-525-20902-9
* Jürgen Grambow: Uwe Johnson. Rowohlts Monographie, Rowohlt, Reinbek 1997, ISBN 3-499-50445-6
* Roland Berbig: Uwe Johnsons Antwort auf die Umfrage der Zeitschrift „Westermanns Monatshefte“: Das wichtigste Buch (1961). In: Berliner Hefte zur Geschichte des literarischen Lebens. Band 2, 1998, S. 144–146. ISSN 09049-5371
* Thomas Schmidt: Uwe Johnsons Roman „Jahrestage“. Ein Beitrag zum Problem des kollektiven Gedächtnisses. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000 (Johnson-Studien 4), ISBN 3-525-20943-6
* Heinz Ludwig Arnold (Hrsg): Uwe Johnson. TEXT + KRITIK. Zeitschrift für Literatur, Heft 65/66, 2. Auflage, 2001: Neufassung. München: edition text + kritik, ISBN 3-88377-665-3
* Befreundungen. Gespräche, Dokumente, Essays - herausgeg. von Roland Berbig gemeinsam mit Thomas Herold, Gesine Treptow und Thomas Wild. Kontext Verlag, 2002, ISBN 3-931337-40-5
* Ulrich Krellner: „Was ich im Gedächtnis ertrage“. Untersuchungen zum Erinnerungskonzept von Uwe Johnsons Erzählwerk. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2433-8
* Heinz Ludwig Arnold: Beschreibung eines Beschreibers - Über Uwe Johnson. In: Heinz Ludwig Arnold: Von Unvollendeten - Literarische Porträts. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-866-3
Weblinks [Bearbeiten]
* Literatur von und über Uwe Johnson im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Uwe Johnson • PICA-Datensatz • Einträge im Musikarchiv)
* Literatur über Uwe Johnson in der Landesbibliographie M-V
* Kommentierte Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
* Germanistik Uni Erlangen
* Johnson Jahrbuch
* Uwe Johnson-Archiv (sic!)
* Literaturhaus Uwe Johnson
* Suhrkamp Verlag: Um Uwe Johnson tobt seit Jahren ein erbitterter Rechtsstreit, Die Zeit, 1996, Nr. 50
* Uwe Johnson. Befreundungen. Gespräche Dokumente Essays
* Uwe Johnson in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
Einzelnachweise [Bearbeiten]
1. ↑ Eine andere Moral als die anderer Leute Jost Nolte. Die Welt. 9. Dezember 1996
2. ↑ Arendt an Johnson, 6. Juli 1970
3. ↑ Suhrkamp Verlag: Um Uwe Johnson tobt seit Jahren ein erbitterter Rechtsstreit, Die Zeit, 1996, Nr. 50 und Eine andere Moral als die anderer Leute Jost Nolte. Die Welt. 9. Dezember 1996
Personendaten
NAME Johnson, Uwe
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller
GEBURTSDATUM 20. Juli 1934
GEBURTSORT Cammin, heute Kamień Pomorski, Polen
STERBEDATUM um 24. Februar 1984
STERBEORT Sheerness, England
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Johnson“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Erzählung | Essay | Herausgeber | Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung | Deutscher | Geboren 1934 | Gestorben 1984 | Mann
wuming schrieb am 19.6. 2010 um 00:17:32 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
José Saramago (* 16. November 1922 als José de Sousa Saramago in Azinhaga, Portugal, † 18. Juni 2010 auf Lanzarote) war ein portugiesischer Romancier, Lyriker, Essayist, Erzähler, Dramatiker und Tagebuchautor. 1998 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Stil und Themenwahl
3 Werke
3.1 Lyrik
3.2 Zeitgeschichte
3.3 Tagebücher
3.4 Reisebeschreibungen
3.5 Dramen
3.6 Romane und Novellen
4 Verfilmungen
5 Einzelnachweise
6 Weblinks
Leben [Bearbeiten]
1922 wurde Saramago in dem kleinen Dorf Azinhaga im Kreis Golegã in der späteren portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Seine Eltern José de Sousa und Maria da Piedade und deren Familien waren Landarbeiterfamilien in den Latifundien der Großgrundbesitzer. José de Sousa, wie sein Vater, wäre heute sein Name, hätte nicht der Standesbeamte auf eigene Initiative das Cognomen Saramago, durch den die Familie seines Vaters im Dorf bekannt war, seinem Namen hinzugefügt. Saramago ist der Ackerrettich, eine wilde Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler, und diente den Armen in Portugal als Nahrung, ähnlich der wilden Rauke in früheren Zeiten in Deutschland. Erst als Saramago sieben Jahre alt war und in der Grundschule einen Ausweis vorlegen musste, bemerkte die Familie, dass sein voller Name José de Sousa Saramago lautete.
1924 zog die Familie nach Lissabon um, wo der Vater als Polizist arbeitete.
Trotz exzellenter Zeugnisse konnte Saramagos Familie sich den Besuch eines Gymnasiums für ihn nicht leisten. Als einzige Möglichkeit blieb ihm, auf eine technische Fachschule zu gehen, er wurde Mechaniker und arbeitete 2 Jahre in einer KFZ-Werkstatt. Während des Besuches der technischen Fachschule kam er zum ersten Mal in Kontakt mit der portugiesischen Literatur. In den nächsten Jahren wurde Saramago ein eifriger Besucher der öffentlichen Bibliothek Lissabons, seine autodidaktischen Studien ermöglichten es ihm bald, in Verlagen und für Zeitungen zu arbeiten, bevor er 1976 freier Schriftsteller wurde.
Zum Zeitpunkt seiner Heirat mit Ilda Reis (1944) war Saramago Angestellter bei der previdência social, der portugiesischen Sozialwohlfahrt.
1947 wurde sowohl sein einziges Kind Violante geboren als auch seine erste Novelle unter dem Titel Terra do Pecado veröffentlicht. Er schrieb noch eine weitere (unveröffentlichte) Novelle. Beim Versuch, Weiteres zu schreiben, kam er zu dem Schluss „… dass ich nicht Lohnendes zu sagen habe“. Bis 1966 veröffentlichte er daraufhin nichts mehr.
1949 wurde Saramago aus politischen Gründen entlassen. Ende der 1950er begann er, als Produzent für einen Verlag zu arbeiten, so dass er viele wichtige portugiesische Schriftsteller kennen lernte und sich mit einigen befreundete.
Ab 1955 arbeitete er auch Teilzeit als Übersetzer.
1966 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Os Poemas Possíveis, 1970 seinen zweiten Provavelmente Alegria.
1967/1968 arbeitete er zusätzlich als Literaturkritiker; die gesammelten Kritiken wurden dann auch 1971 (Deste Mundo e do Outro) und 1973 (A Bagagem do Viajante: crónicas) als Bücher publiziert.
Im Jahre 1969 schloss er sich der damals verbotenen Kommunistischen Partei Portugals an, in der er indessen immer eine kritische Haltung einnahm.
Nach der Scheidung von seiner Frau (1970) ging er eine Beziehung mit der portugiesischen Schriftstellerin Isabel da Nóbrega ein, die bis 1986 andauern sollte.
Nach der Nelkenrevolution 1974 schien Portugal eine kurze Zeit zum Kommunismus zu tendieren. Von April bis November 1975 arbeitete Saramago als stellvertretender Leiter der Tageszeitung Diário de Notícias. Nach einer gescheiterten Rebellion kommunistischer Truppenteile ging das bürgerliche Lager als Sieger aus der Revolution hervor; Saramago verlor seinen Posten; ohne Hoffnung auf eine Anstellung entschied er sich, sich ganz der Literatur zu widmen.
1980 hatte er seinen nationalen Durchbruch mit dem Roman „Hoffnung im Alentejo“ (port. Levantado do Chão, 1980). Darin beschreibt er die Geschichte der Landarbeiter des Alentejo, ihr entbehrungsreiches und eintöniges Leben, wie sie aufbegehren gegen feudale Herrschaftsstrukturen, die sich über 500 Jahre hinweg kaum verändert hatten. Die Besetzungen der Latifundien durch die Landarbeiter nach der Nelkenrevolution bilden den hoffnungsvollen Schlusspunkt der klerikalfaschistischen Diktatur: von nun an besteht die Hoffnung nicht mehr geknechtet, sondern tatsächlich „vom Boden erhoben“ (levantado do chão) zu leben.
1982 erzielte er seinen internationalen Durchbruch mit dem blasphemisch-humoristischen Liebesroman „Das Memorial“ (Memorial do Convento, 1982), der im Portugal des achtzehnten Jahrhunderts spielt und den Bau des Klosters von Mafra aus der Sicht des kleinen Mannes beschreibt. Es ist ein bitter-ironischer, facettenreicher und vieldeutiger Text, der gleichzeitig eine historische, soziale und individuelle Perspektive enthält. Das Buch inspirierte den italienischen Komponisten Azio Corghi zur Oper Blimunda, die 1990 in der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Der große Erfolg dieser beiden Romane bei den Lesern ermöglichte ihm die finanzielle Unabhängigkeit als Schriftsteller.
In der Folge erschienen verschiedene Gedichte, Novellen, Romane und Dramen.
Saramago sprach sich 1986 gegen den Beitritt Spaniens und Portugals zur EU aus.
1988 heiratete Saramago die spanische Journalistin Pilar del Río.
1991 veröffentlichte Saramago das Buch Das Evangelium nach Jesus Christus. Die katholische Kirche erklärte den Roman für blasphemisch. Als der damalige Kulturstaatssekretär der konservativen Regierung, Pedro Santana Lopes, 1992 den Namen Saramagos von der Liste der Kandidaten für den Europäischen Literaturpreis strich und so seinem neuen Roman die Teilnahme verweigerte, verlegten Saramago und seine Frau als Protest ihren Wohnsitz auf die kanarische Insel Lanzarote.
Saramago kandidierte bei den Europawahlen 2004 für die Kommunistische Partei Portugals, allerdings auf einem aussichtslosen Listenplatz.
Saramago erhielt viele portugiesische und internationale Literaturpreise, so 1995 den Prémio Camões und 1998 den Nobelpreis für Literatur. Er besaß Ehrendoktortitel der Universitäten von Turin (Italien), Universität Sevilla und Polytechnische Universität Valencia (Spanien), Universität Manchester (Großbritannien) und Universität Coimbra (Portugal).
Nach ihm benannt ist der seit 1999 verliehene, bedeutende portugiesische Literaturpreis Prémio José Saramago.[1]
Stil und Themenwahl [Bearbeiten]
Seine Romane spielen in verschiedenen historischen Epochen Portugals, wobei es sich aber nicht um historische Romane im eigentlichen Sinne handelt. Im Mittelpunkt steht meist das Verhalten und Bemühen einzelner Personen oder Gruppen (meist Angehöriger der unteren Schichten), mit einer für sie feindlichen Umwelt bzw. Gesellschaft zurechtzukommen.
Saramago erzählt kraftvoll in einer klaren, detailreichen Form.
Seine Romane haben teilweise surrealistische und märchenhafte Züge, beispielsweise wenn in Die Stadt der Blinden nach und nach alle Einwohner einer Stadt von Blindheit geschlagen werden. Diese Situation bildet den Hintergrund für eine von großer psychologischen und soziologischen Kenntnis zeugenden Schilderung von allgemein-menschlichen Verhaltensweisen. So sind seine Protagonisten gleichzeitig individuelle Personen, die einen Entwicklungsprozess durchlaufen, als auch Charaktermasken, die für bestimmte Personengruppen stehen.
Saramago war bekennender Atheist und Kommunist; sein Roman Das Evangelium nach Jesus Christus wurde von der katholischen Kirche als blasphemisch eingestuft und führte dazu, dass die portugiesische Regierung die Nominierung für den Europäischen Kulturpreis zurückzog.
Obwohl sich Saramago als Pessimist bezeichnete und trotz mancher an Kafka erinnernden Situationen in seinen Romanen, sind in seinen Texten immer auch Hoffnung, tief wurzelnder Glaube an das Gute im Menschen und in der Welt sowie Appelle an die Humanität zu finden.
Werke [Bearbeiten]
Lyrik [Bearbeiten]
Os Poemas Possíveis. Portugália Ed. 1966, Ed. Caminho, 1982
Provavelmente Alegria. Livros Horizonte 1970, Ed. Caminho, 1985
O Ano de 1993. Ed. Futura 1975, Ed. Caminho, 1987
Zeitgeschichte [Bearbeiten]
Deste Mundo e do Outro. Ed Arcádia 1971, Ed Caminho, 1985
A Bagagem do Viajante: crónicas. Ed. Futura 1973, Ed. Caminho, 1986
As Opiniões que o DL teve. Seara NovaEd. Futura, 1974
Os Apontamentos: crónicas política. Seara Nova, 1976, Ed. Caminho, 1990
Tagebücher [Bearbeiten]
Cadernos de Lanzarote I. 1994
Cadernos de Lanzarote II. 1995
Cadernos de Lanzarote III. 1996
Cadernos de Lanzarote IV. 1997
Cadernos de Lanzarote V. 1998
Reisebeschreibungen [Bearbeiten]
Viagem a Portugal. Círculo de Leitores 1981, Ed. Caminho, 1984
(deutsch: Die portugiesische Reise. ISBN 3-498-06350-2)
Dramen [Bearbeiten]
A Noite. Ed. Caminho, 1979
(deutsch: Die Nacht. ISBN 978-3-940627-00-1)
Que Farei Com Este Livro?. Ed. Caminho, 1980
A Segunda Vida de Francisco de Assis. Ed. Caminho, 1987
In Nomine Dei. Ed. Caminho, 1993
Don Giovanni ou o Dissoluto Absolvido. Ed. Caminho, 2005
Romane und Novellen [Bearbeiten]
Terra do Pecado. Minverva, 1947
Manual de Pintura e Caligrafia. Moraes Ed. 1977, Ed. Caminho, 1984
(deutsch: Handbuch der Malerei und Kalligraphie. ISBN 3-499-22304-X)
Objecto Quase. Moraes Ed.1978, Ed. Caminho, 1984
(deutsch: Der Stuhl und andere Dinge. ISBN 3-499-22301-5)
Poética dos Cinco Sentidos - O Ouvido. 1979
Levantado do Chão. Ed. Caminho, 1980
(deutsch: Hoffnung im Alentejo. ISBN 3-499-22302-3)
Memorial do Convento. Ed. Caminho, 1982, Círculo de Leitores, 1984
(deutsch: Das Memorial. ISBN 3-499-22303-1)
O Ano da Morte de Ricardo Reis. Ed. Caminho, 1984
(deutsch: Das Todesjahr des Ricardo Reis. ISBN 3-499-22308-2)
A Jangada de Pedra. Ed. Caminho 1986, Círculo de Leitores, 1987
(deutsch: Das steinerne Floß. ISBN 3-499-22305-8)
História do Cerco de Lisboa. Ed. Caminho, 1989
(deutsch: Geschichte der Belagerung von Lissabon. ISBN 3-499-22307-4)
O Evangelho Segundo Jesus Cristo. Ed. Caminho, 1991
(deutsch: Das Evangelium nach Jesus Christus. ISBN 3-499-22306-6)
Ensaio sobre a Cegueira. Ed. Caminho, 1995
(deutsch: Die Stadt der Blinden. ISBN 3-499-23181-6, ISBN 3-499-22467-4, ISBN 3-498-06318-9)
Todos os Nomes. Ed. Caminho, 1997
(deutsch: Alle Namen. ISBN 3-499-23382-7, ISBN 3-499-22921-8, ISBN 3-498-06332-4)
O Conto da Ilha Desconhecida. Assírio&Alvim, 1997
(deutsch: Die Geschichte von der unbekannten Insel. ISBN 3-498-06335-9, zweisprachige Ausgabe ISBN 3-925203-98-2)
A Caverna. Ed. Caminho, 2000
(deutsch: Das Zentrum. ISBN 3-499-23330-4, ISBN 3-498-06351-0)
O Homem Duplicado. Ed. Caminho, 2002
(deutsch: Der Doppelgänger. ISBN 3-498-06373-1, ISBN 3-499-23598-6)
Ensaio sobre a lucidez. Ed. Caminho, 2004
(deutsch: Die Stadt der Sehenden. ISBN 3-498-06384-7, ISBN 3-499-24082-3)
As intermitências da morte. Ed. Caminho, 2005
(deutsch: Eine Zeit ohne Tod. ISBN 3-498-06389-8)
As Pequenas Memórias. Ed. Caminho, 2006 ISBN 972-21-1831-5
(deutsch:Kleine Erinnerungen. ISBN 978-3-498-06399-3)
A viagem do elefante. Ed. Caminho, 2008 ISBN 978-972-21-2017-3
Caim. Ed. Caminho, 2009 ISBN 978-972-21-2076-0
Verfilmungen [Bearbeiten]
2008: Die Stadt der Blinden
Einzelnachweise [Bearbeiten]
↑ Prémio José Saramago
Weblinks [Bearbeiten]
Commons: José Saramago – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur von und über José Saramago im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu José Saramago • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
José Saramago in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1998 an José Saramago (englisch) und Pressemitteilung (deutsch)
Eintrag am Instituto Camões
Normdaten: PND: 118964038 – weitere Informationen | LCCN: n85130797 | VIAF: 19691836
Personendaten
NAME Saramago, José
ALTERNATIVNAMEN Saramago, José de Sousa
KURZBESCHREIBUNG portugiesischer Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur
GEBURTSDATUM 16. November 1922
GEBURTSORT Azinhaga, Portugal
STERBEDATUM 18. Juni 2010
STERBEORT Lanzarote
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Saramago“
Kategorien: Nobelpreisträger für Literatur | Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (21. Jahrhundert) | Literatur (Portugiesisch) | Roman, Epik | Drama | Essay | Lyrik | Tagebuch | Literaturkritik | Übersetzung (Literatur) | Vertreter des Atheismus | Portugiese | Geboren 1922 | Gestorben 2010 | Mann
wuming schrieb am 4.8. 2010 um 22:29:51 Uhr zu
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Jack Kerouac (* 12. März 1922 in Lowell, Massachusetts; † 21. Oktober 1969 in Saint Petersburg; eigentlich Jean Louis Lebris de Kerouac) war ein US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen Wurzeln und einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Kerouacs Erben
3 Film
4 Werke
4.1 Theater
4.2 Bücher
5 Galerie
6 Weblinks
7 Einzelnachweise
Leben [Bearbeiten]
Gedenkstein in Lowell, Mass. (USA)Kerouac wurde in eine franko-kanadische Familie geboren, wo er den französischen Dialekt Joual sprach und erst mit seiner Einschulung Englisch lernte. Der frühe Tod seines älteren Bruders Gerard war für den jungen Jack ein tragisches Ereignis, das er in Visions of Gerard zu verarbeiten versuchte.
Seine sportlichen Erfolge brachten ihm 1940 bis 1941 ein Stipendium an der Columbia University in New York City ein, wo er zusammen mit Kommilitonen wie Allen Ginsberg und William S. Burroughs den Ursprung der Beat Generation bildete. Die Beatniks gelten als erste Vertreter des Genres der Popliteratur.
Nach einem Beinbruch verließ Kerouac die Universität und trat der United States Merchant Marine, der US-amerikanischen Handelsmarine, bei, nachdem er bei der US-amerikanischen Kriegsmarine, der United States Navy, zurückgewiesen worden war. 1943 konnte er dann doch noch zur United States Navy wechseln, wurde aber im Jahr darauf als paranoid-schizophren[1] eingestuft und aufgrund dieser psychiatrischen Diagnose entlassen. Hinweise auf seine Zeit auf See findet man in The Sea is my Brother.
Zwischen seinen Seereisen blieb Kerouac bei seinen Studienfreunden in New York City. Er traf sich mit Allen Ginsberg, Neal Cassady, Lucien Carr und William S. Burroughs, die ihn beeinflussten und sein autobiografisch gefärbtes Werk prägten.
Es waren die wildesten Jahre von Jack Kerouac: mit Wein, Drogen, sexuellen Abenteuern, und Reisen durch die USA, Mexiko, Nordafrika und Europa. Diese Reisen legten den Grund für seine Romane, die in einem von Drogen und rhythmischer Umgangssprache geprägten Stil geschrieben sind. Auch die Musik des Bebop und der Zen-Buddhismus begeistern ihn; Kerouac bezeichnete in einem Nachruf den Jazzmusiker Charlie Parker als „Buddha“.
Im Jahre 1944 ehelichte er Edie Parker. Diese erste von insgesamt drei Ehen hielt nur zwei Monate. Von 1946 bis 1948 schrieb er den Roman The Town and the City, der 1950 erschien. Dieser erste veröffentlichte Roman erhielt gute Kritiken, verschaffte seinem Autor aber kaum Ruhm.
Zwischen 1947 und 1950 reiste Kerouac mit dem oft als irre bezeichneten (auf jeden Fall galt das für seine Fahrkunst) Neal Cassady kreuz und quer durchs Land. Cassady war für Kerouac die Verkörperung eines romantischen Ideals von Amerika: rastlos, abenteuerlustig, sexuell überaktiv – ein Cowboy, der das Pferd gegen ein Auto getauscht hat. Kerouac hat selbst nie am Steuer gesessen, er ist immer Beifahrer und Beobachter geblieben.
Kerouac fand zunächst keine Sprache für das Erlebte, die wilden Partys, die Rastlosigkeit und künstlerischen Visionen seiner Freunde, das Leben aus Gelegenheitsjobs und Kunst. Erst der frische und ekstatische Stil, in dem Neal Cassady ihm Briefe schrieb, erschien Kerouac als der richtige Zugang zu dem Lebensgefühl, und so entstand 1951 der Roman On the Road (deutsch: Unterwegs), der aber erst 1957 veröffentlicht wurde. Das Manuskript tippte er innerhalb von drei Wochen auf eine lange, aus zurechtgeschnittenen Bögen Zeichenpapier zusammengeklebte Rolle[2] – und nicht, wie es die landläufige Legende wissen will, auf eine Rolle Fernschreiberpapier. So musste er sich während des Schreibflusses nicht mehr um den Papierwechsel kümmern; in einem Brief an Neal Cassady assoziierte Kerouac die lange Papierbahn außerdem mit der titelgebenden Landstraße.[3] Die Rolle wurde am 22. Mai 2001 von dem Multimillionär Jim Irsay bei Christie’s für 2.426.000 Dollar ersteigert,[4] mehr Geld, als Kerouac je mit seinen Büchern verdient hat. Sie wird manchmal öffentlich ausgestellt.
On The Road war Kerouacs Durchbruch und Höhepunkt seiner Karriere. Damit wurde er zur Zentralfigur der Beat Generation und auch für die Verleger interessant. Für eine Weile konnte Kerouac von seinem Schreiben leben, wenn auch nicht üppig.
Mit dem Ruhm begann auch Kerouacs Niedergang: Von der Kritik ignoriert, zerrissen und verlacht, von Fans verfolgt, die ständig mit ihm trinken und herumfahren wollten, seine Freunde Ginsberg und Burroughs irgendwo unterwegs, versank er zunehmend im Alkohol und flüchtete sich immer öfter in das Haus seiner Mutter. Die Rolle als King of the Beats, die ihm aufgedrängt wurde, stieß ihn immer mehr ab, weil seine Vorstellungen von Literatur und einer unverfälschten, spontanen Schreibweise (spontaneous prose) nicht verstanden wurden. Die Medien sahen nur junge Männer und Frauen, die ein Rumtreiberleben führten, Drogen nahmen und seltsamen Ideen von der Freiheit Amerikas anhingen. Bald schon war die Karikatur der Beats, der bongospielende Rumhänger und Kiffer im Ringelshirt mit Ziegenbart, in Filmen und Fernsehserien zu sehen. Man konnte für Partys „Beatniks“ buchen und dergleichen mehr. Die Kommerzialisierung dieser literarischen Jugendbewegung nahm überhand. Kerouac wurde immer verbitterter.
In den folgenden Jahren konnte Kerouac zwar bereits früher geschriebene Romane wie The Dharma Bums veröffentlichen, schrieb aber kaum Neues. Vor allem beachtete ihn die Literaturkritik weiterhin kaum oder tat seine Bücher als „Geschreibsel“ (Truman Capote) ab. Kerouac litt weiter ständig Geldnot und zog mit seiner Mutter mehrfach von Florida an die Ostküste und wieder zurück. Er trank die ganze Zeit und baute körperlich sichtlich ab.
1966 heiratete er ein drittes Mal, und zwar die Schwester eines Jugendfreundes: Stella Sampas. Mit ihr und seiner Mutter zog er erst in seine Heimatstadt Lowell und dann nach Saint Petersburg in Florida, wo er von Alkohol und anderen Drogen zerstört am 21. Oktober 1969 starb. Kerouacs Beerdigung wohnte unter anderen Bob Dylan bei, sein Grab liegt auf dem Edson Cemetery in Lowell.
Kerouacs Erben [Bearbeiten]
Literaturgeschichtlich war Jack Kerouac Wegbereiter einer neuen Generation von Autoren und Journalisten. Ihr New Journalism greift die Sprunghaftigkeit, Subjektivität und spontane Emotionalität Kerouacs auf, treibt sie weiter oder leitet sie in geregelte Bahnen. Beispiele dafür sind Hunter S. Thompson mit seinen Gonzo-Reportagen in den USA, Jörg Fauser in Deutschland und Marie Luise Kaltenegger in Österreich. In dieser Art war Kerouac ein Erneuerer des literarischen Ausdrucks, der – ähnlich wie John Dos Passos – mehr als einmal dem literarischen Stil frisches Blut gab.
Wie sehr sein Werk andere anregte und belebte, lässt sich erkennen an der Vielzahl von Künstlern unterschiedlicher Stilrichtungen und Kunstformen, die sich ausdrücklich auf Kerouacs Romane bzw. seinen Ruf beziehen:
Die Artrock-Gruppe King Crimson zollte Kerouac und seinen Werken Tribut auf ihrem Album Beat, das Lieder wie Neal and Jack and me oder Satori in Tangier enthält.
Das japanisch-französische Nu Jazz Ensemble United Future Organization vertonte auf seinem 1993er CD Debütalbum das Kerouac-Poem Poetry and all that Jazz.
Die britische Jazzfunk Band Incognito verwendet auf ihrem Album Life, stranger than fiction einen Auszug einer Tonbandaufnahme, in der Kerouac selbst aus On the road liest.
Der Schriftsteller Thomas Pynchon nennt Kerouacs Buch On the Road in dem Vorwort zu seinem Buch Spätzünder eine Offenbarung.
Der Schauspieler Johnny Depp bezeichnet On the Road als seinen Koran, der sein Leben verändert habe.
Die Münchner Rockband Sportfreunde Stiller widmete ihm das Lied Unterwegs.
Clutching at Straws (1987), das vierte Studio-Album der britischen Rock- und Prog-Rock-Formation Marillion, ist fast durchgängig von Leben und Werk Kerouacs inspiriert. So zitiert beispielsweise der Torch Song fast wörtlich aus den ersten Seiten des Klassikers On The Road.
T. C. Boyle schrieb eine Kurzgeschichte, in der zwei jugendliche Ausreißer Kerouac Weihnachten im Haus seiner Mutter besuchen und mit ihm eine „echte“ Beatnacht zelebrieren.
Die Kölner Rockband BAP veröffentlichte 2008 auf dem Album Radio Pandora das Lied: Wat für e Booch! als Hommage an seinen Roman On the Road
Für den amerikanischen Singer/Songwriter Bob Dylan gehört On the Road zu den wichtigsten literarischen Einflüssen (siehe die Dokumentation No Direction Home von Martin Scorsese). Die Philosophie des Song and Dance Man Dylan ist stark geprägt durch den Gedanken des Life on the Road (How does it feel, To be on your own, With no direction home, Like a complete unknown, aus Like a Rolling Stone, 1965)
Die franco-amerikanische Band Moriarty führt ihren Namen auf Dean Moriarty aus On The Road zurück.
Die australische Band The Go-Betweens schrieb 1987 The House Jack Kerouac built, einen kleinen Hit innerhalb der Independent-Szene.
Der 1971 von Charles Plymell erschienene Roman The Last of the Moccasins, wo er das kurze, wilde Leben seiner Schwester erzählt, hat als Grundlage Kerouacs Roman On the Road.
Zudem gibt es – 1974 von Allen Ginsberg und Anne Waldman gegründet – die Jack Kerouac School of Disembodied Poetics, an der schöpferisches Schreiben gelehrt und geübt wird, als Teil der Naropa University, einer privaten buddhistischen Lehrstätte in Boulder.[5]
Film [Bearbeiten]
Kerouac ist gemeinsam mit Allen Ginsberg, Peter Orlovski, Gregory Corso und anderen Darstellern in Andy Warhols Underground-Film Couch vom Juli 1964 zu sehen.
Werke [Bearbeiten]
Theater [Bearbeiten]
Kerouac hat ein einziges Theaterstück, Beat Generation, geschrieben, dessen Niederschrift im Jahr 2005 auf einem Speicher in New Jersey wiederentdeckt wurde. Im Dezember 2007 fand die deutsche Uraufführung nach einer Übersetzung von Andreas Marber im Schauspiel Köln statt. Der 3. Akt von Beat Generation wurde 1959 von Robert Frank und Alfred Leslie in dem mehrfach preisgekrönten Streifen Pull My Daisy verfilmt.
Bücher [Bearbeiten]
The Town and the City. 1950
dt. Ausgabe (gekürzt): The town and the city. Rowohlt, Reinbek 1984, ISBN 3-499-14971-0
Wake Up. 1955
On The Road. 1957
dt. Ausgabe: Unterwegs. Roman. Rowohlt, Hamburg 1959; Rowohlt, Reinbek 1998 (Neuübersetzung), ISBN 3-499-22225-6
The Subterraneans. 1958
dt. Ausgabe: Bebop, Bars und weißes Pulver. Rowohlt, Reinbek 1979, ISBN 3-499-14415-8
The Dharma Bums. 1958
dt. Ausgabe: Gammler, Zen und hohe Berge. Rowohlt, Reinbek 1963; ebendort 1971, ISBN 3-499-11417-8
Doctor Sax. 1959
dt. Ausgabe: Doctor Sax. Beat-Roman. Heyne, München 1987, ISBN 3-453-35088-X
Mexico City Blues: 242 Choruses. 1959
dt. Ausgabe: Blues. [kurze Auswahl] Wendepunkt, Bickenbach 1985, keine ISBN
Maggie Cassidy. 1959
dt. Ausgabe: Maggie Cassidy. Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-14561-8
Tristessa. 1960
dt. Ausgabe Tristessa Rowohlt, Reinbek 1965, ISBN 3-499-10725-2
Lonesome Traveller. 1960
dt. Ausgabe: Lonesome Traveller. Rowohlt, Reinbek 1981, ISBN 3-499-14809-9
The Scripture of the Golden Eternity. 1960
dt. Ausgabe: Die Schrift der goldenen Ewigkeit. Sadhana-Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-922610-02-1
Book of Dreams. 1961
dt. Ausgabe: Traum-Tagebuch. Maroverlag, Augsburg 1978, ISBN 3-87512-037-X; Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1981, ISBN 3-596-25136-2
Big Sur. 1962
dt. Ausgabe: Big Sur. Heyne, München 1984, ISBN 3-453-35042-1
Visions of Gerard. 1963
Desolation Angels. 1965
dt. Ausgabe: Engel, Kif und neue Länder. Roman. Melzer, Darmstadt 1967; Rowohlt, Reinbek 1971, ISBN 3-499-11391-0
Satori in Paris. 1966
dt. Ausgabe: Satori in Paris. Melzer, Darmstadt 1968; dtv, München 1971, ISBN 3-423-00750-8
Scattered Poems. 1971
dt. Ausgabe: Der Mond hatte einen Katzenschnurrbart. [kurze Auswahl] Stadtlichter Presse, Berlin 2001, keine ISBN (limitierte Auflage: 100 Exemplare)
dt. Ausgabe: Verstreute Gedichte. Stadtlichter Presse, Berlin 2004, ISBN 3-936271-20-8
Vanity of Duluoz. 1968
dt. Ausgabe: Die Verblendung des Duluoz. Eine abenteuerliche Erziehung, 1935 - 1946. Melzer, Darmstadt 1969; Rowohlt, Reinbek 1975, ISBN 3-499-11839-4
Visions of Cody. 1973
Galerie [Bearbeiten]
Rückseite des Gedenksteines
Weblinks [Bearbeiten]
Commons: Jack Kerouac – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Literatur von und über Jack Kerouac im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Jack Kerouac • PICA-Datensatz • Apper-Personensuche)
Ausführliche Biographie
Offizielle Website der Familie Kirouac (englisch/französisch)
DHARMA beat – Website zu Leben, Werk und Wirkung (englisch)
Das Theaterstück „Beat Generation“ im Schauspiel Köln
Einzelnachweise [Bearbeiten]
1.↑ Frederik Hetmann: Bis ans Ende aller Straßen. Die Lebensgeschichte des Jack Kerouac. Beltz und Gelberg, Weinheim/Basel 1989, ISBN 3-407-80689-2, S. 104
2.↑ Howard Cunnell: Fast This Time. Jack Kerouc and the Writing of On the Road. In: Jack Kerouac: On the Road. The Original Scroll. London 2007, ISBN 978-1-84614-020-4, S. 24
3.↑ ebd. S. 1
4.↑ Manuskriptrolle von On the Road bei Christie’s
5.↑ The Jack Kerouac School of Disembodied Poetics, Website der Jack Kerouac School of Disembodied Poetics
Normdaten: PND: 118561561 | LCCN: n80036674 | VIAF: 27066713 | WP-Personeninfo
Personendaten
NAME Kerouac, Jack
ALTERNATIVNAMEN Kerouac, Jean Louis Lebris de; Kerouac, John L. (Grabesaufschrift)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Schriftsteller und Beatnik
GEBURTSDATUM 12. März 1922
GEBURTSORT Lowell (Massachusetts)
STERBEDATUM 21. Oktober 1969
STERBEORT Saint Petersburg
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Kerouac“
Kategorien: Autor | Beat Generation | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Englisch) | Roman, Epik | US-Amerikaner | Geboren 1922 | Gestorben 1969 | Mann
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