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lesbar schrieb am 17.4. 2010 um 22:31:58 Uhr über

geschafft

Mitteilung von Höflich (7.4.2010 20:27:21):
>>>>>>>>>>>>>>Auf all die die es nicht geschafft haben

Kenne ich oberflächlich von meinem stationären Alk-Entzug. Das Umfeld war, gelinde gesagt, etwas deprimierend. Ich hab ja sonst einen ziemlich ausgeprägten Sozialneids- und Mißgunstskomplex gegen Ärzte laufen (vielleicht auch, weil ich selber aus einer Arztfamilie komme, hähä). Aber mit einem Stationsarzt auf irgend einer Psychostation möchte ich sicherlich nicht tauschen. Obwohl es auf der Suchtiwarte noch ging (naja, bis das man halt überall tierisch auf seine sieben Sachen aufpassen musste, und gehofft hat, dass der Neuzugang im leer gewordenen Nebenbett eben kein tätowierter Schläger sein wird) – geschlossene Stelle ich mir als Alptraum in 3d und Farbe vor. Das man in der Sparte, sei es als Arzt oder als Pflegepersonal, schneller und gründlicher zum zynischen Sack wird, kann ich mir schon recht gründlich vorstellen, kam mir dann auch letzten Endes so vor. Naja, es sind Menschen und machen ihren Job, mehr als ein Programm abspielen können sie nunmal nicht. Wobei man sagen muss, dass manche schon ein wenig... naja, ich sage mal, bei den Gruppensitzungen, die es dort gab, ich habe innerlich immer nur (naja, oft) die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Was aber auch sicherlich mit der problematischen Natur von psychischen und oder Substanzproblemen zusammenhängt. Wenn der Karren erst einmal im Dreck steckt, hat man oft verschissen. Oder sagen wir besser, man ist auf einer strategisch ungünstigen Position. Das sich die Psychologie in unseren Breiten dieser Leute annimmt, ist eine schöne Einrichtung, allerdingsund das war meine Lehre, die ich damals aus dem 10-tägigen Aufenthalt in einer stationären Entzugseinrichtung gezogen habeschützt eine Ausbildung als Psychologe oder Sozialarbeiter wohl nicht vor profunder Weltfremdheit.
Schön (naja, nicht in eigentlichem Sinne schön, äh...) fand ichdas zur Illustrationdiesen Fall neulich, wo irgendwo in Passau oder Straubing ein verurteilter sexualstraftäter (dazu 2facher Mörder) von seiner Sozialbetreuerin oder Psychologin dazu angehalten wurde, über Anzeigen in der örtlichen Zeitung Kontaktanzeigen aufzugeben, um sich einen Bekanntenkreis für die Zeit nach der Haft aufzubauen, seine Isolation aufzubrechen, wasauchimmer. Die entsprechenden Frauen, die überhaupt auf diese Zeitungsanzeigen geantwortet hatten (wer macht das heute schon noch?) waren natürlich wenig begeistert, als sie herausbekommen haben, dass sie da mit einem zweifachen Frauenmörder korrespondieren. Das heißt, bis auf eine, die kam aber der Sozialarbeiterin wiederum, die das ganze überwacht hat, »gestört« vor (naja, wenn man als Frau wissentlich eine Knastbeziehung zu einem Verurteilten Frauenmörder und Sexualstraftäter aufbauen will, kann schon sein, dass da was...ah naja...), deshalb hat sie Kontakte der beiden Unterbunden. Naja. Was macht der Mann? Er geht erst mal in ihr Büro um sie, sozusagen aus Rache, tüchtig durchzuficken. Doppel-Lol. (Hat ihm Sicherungsverwahrung nach Ende der Haft eingebracht, im übrigen)
Die ganze Geschichte ist für mich ein passendes Symbol, eine kleine lustige Allegorie, wenn man so will, hinsichtlich der inhärenten Problematik aller psychologischen Seelsorge. Zum einen wird wohl oftmals die Macht des faktischen schlicht ausgeblendet (einem mehrfachen Frauenmörder den Rat zu geben, wieder den Kontakt zu Frauen zu suchen. Die Erfolgschancen waren wohl gering), andererseits kommen die Leute, gerade im therapeutisch-praktischen Bereich, gerne auf extrem idiotische Ideen (in dem Fall das erzwungene Abbrechen dieser unwahrscheinlichen Beziehung aus dem Knast heraus). Das Prinzip zog sich auch wie ein roter Faden durch meinen Aufenthalt in dieser Entzugsklinik. Leuten, die da saßen, und in eine gewiße, gerade für Drogies recht typische soziale Isolation geraten sind, wurde geraten, doch einfach mal in den Park zu gehen, Leute ansprechen. LOL! Dealer oder was? »Ach da kommt wieder dieser heruntergekommene Junk ohne Perspektive und sucht Freunde im Park...«. Man fasst sich an den Kopf! Naja, ich seh schon, ich rede viel heute, aber ich habe mich mit dem Thema in letzter Zeit des öfteren beschäftigen müssen, weil immer mal wieder im Raum stand, ob ich nicht doch besser mal eine dieser Entwöhnungstherapien machen sollte. Da hat vor allem die Familie gedrängt, klar, aber ich war selbst auch paar mal soweit, als es mich wieder mal besonders heftig erwischt hatte. Ja meine Eltern und Schwestern haben tatsächlich eine regelrechte »Intervention« gemacht, wie das bei den Amis üblich ist, wo dann alle zusammen auf einen einreden. Übel, kann ich nur sagen. Ich habe mich dann trotz allem und zugegeben auch trotz meiner besseren Erfahrung dagegen entschieden, eben nicht zuletzt wegen meiner Befürchtungen hinsichtlich der therapeutischen Praxis, die in solchen Einrichtungen betrieben wird (eine kurze Internetrecherche in dieser Sache hat meine Befürchtungen noch übertroffen!). Außerdem hatte ich natürlich keinen Bock, fast drei Monate lang mit lauter fetten Mitsechzigern eingesperrt zu sein. So.




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