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Höflich schrieb am 8.2. 2010 um 01:55:49 Uhr über

Romantik

Im Grunde ziehe ich die englische Romantik der deutschen vor: Keats, Shelley und vor allem Coleridge in erster Linie (Byrons Balladen sind mir ein wenig zu blasiert, auch geht es da ja immer nur um Krieg irgendwie, naja. Wordsworth kann auch nett sein, ist mir aber irgendwie zu aufgeräumt und pastoral). Was ich an den deutschen, insbesondere den Frühromantikern Schlegel und Novalis etwas enervierend finde, ist ihre vollkommene Wirrköpfigkeit. Die haben beide als gerade mal um die 20-jährige fleißig die zeitgenössische Schulphilosophie, Fichte vor allem, in sich aufgesogen, sich einen Reim darauf gemacht und sich dann daraus eine in alle Richtungen määndernde Weltanschauung und Kunstprogrammatik gegossen, für welche sie heutzutage wahrscheinlich zumindest mal zur Beobachtung in die Geschlossene einfahren würden. Das hat sich dann natürlich nicht nur in vielen Hundert Seiten wahnhaften philosophischen Reflektierens und dem Anfertigen unzähliger »Fragmente« niedergeschlagen0 ist der Pol. 1 ist die All-einheit. Der kommende Gott reitet auf den Schwingen der Fabel zurück ins güldene Zeitalter. Jeder Selbsterschaffung geht die Selbstvernichtung voraus« - so etwa sinngemäß), wie es uns heute durch die emsige Arbeit der Philologen in den jeweiligen Werksausgaben überliefert ist. Nein, auch ihre literarische Produktion »läßt Fragen offen«. Ich denke vor allem an Novalis Heinrich von Ofterdingen (Klingsormärchen!) und an Schlegels einziges Kunstprodukt (er hat ansonsten ja nur seine wahnwitzigen Essays und Fragmente geschrieben), die »Lucinde«. Wen ich gelten lasse, das ist Hölderlin, aber der ist ja im Grunde nur mit einem halben Fuß im romantischen Kanon, so sagt es uns zumindest die deutsche Literaturwissenschaft.

Nein, was mich an den Engländern dagegen anrührt, ist vor allem ihre anthropologische Perspektive, die im großen und ganzen in einen Fluchtpunkt aus Verzweiflung und einem Gefühl einer tiefen Trauer mündet, also im Grunde ihre realistische Sicht der Welt. Die deutschen Romantiker sind, könnte man sagen, durch und durch mit dem fröhlichen Gedanken an Unendlichkeit und Ewigkeit durchtränkt, während die englischen gerade an der Vergänglichkeit irre werden.
Drogensüchtig scheinen sie allerdings, Engländer wie Deutsche, alle gewesen zu sein - Coleridge hat mit »The Pains of Sleep« mit einiger Sicherheit das erste Gedicht über die Unerfreulichkeiten des Opiumentzuges verfasst. Aber man sieht wieder: es kommt nur darauf an, was man daraus macht!



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