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Der Elefant schrieb am 3.5. 2014 um 17:31:07 Uhr über

Erziehung

Wie fast alle aus der Karlsschule hervorgegangenen Künstler suchte S. seine nächste Förderung in Paris. Er trat im J. 1798 dort in das Atelier von J. L. David ein, der schon der Lehrer seines Lehrers Hetsch gewesen war. Auch dieses jungen Schwaben nahm sich der französische Meister mit großer Liebenswürdigkeit an (vgl. Nr. 25 der gen. Briefe an Benedict). Seine Schule verläugnet sich, obwohl S. in Italien bald wenig genug bei den Franzosen gelernt haben wollte, in keinem von dessen späteren Werken ganz, wenn auch ihre Einwirkung nicht mehr so deutlich zu Tage tritt, wie in zwei Oelgemälden aus der Pariser Zeit: „Eva im Garten Eden an dem Saume eines klaren Wassers“ (seit 1861 im Kölner Museum) undDie Abgesandten Agamemnons vor Achilleus“ (in Stuttg. Privatbesitz). Nach Stuttgart im J. 1802 zurückgekehrt, kam S., vermuthlich durch Dannecker’s Schwager Heinrich Rapp (s. A. D. B. XXVIII, 290 ff.), in nähere Beziehung zu dessen Freund, dem Buchhändler J. F. Cotta. Er malte das Bildniß von dessen Gattin (im Besitze der Familie) und schloß mit ihm einen Vertrag über Lieferung von Zeichnungen für Taschenbücher. Hierdurch, sowie durch den Ertrag eines kleinen von den Eltern ererbten Vermögens und durch ein Jahrgeld seines Herzogs, des späteren Kurfürsten und Königs Friedrich, gewann S. die Mittel, um noch im September desselben Jahres nach Rom zu gehen. Wie ein aufgeschlagenes Buch liegt das ganze römische Leben und Schaffen des Künstlers vor uns in den zahlreichen Briefen, welche er aus Italien an seine Geschwister und an Dannecker schrieb. Nachdem sie schon ungedruckt von Fr. Eggers (Deutsches Kunstblatt Jg. 1858 S. 129 ff.) und von D. Fr. Strauß (Allgem. Zeitung Jg. 1854 Beil. S. 1149 ff., auch: Kleine Schriften S. 361 ff. u. Ges. Schriften Bd. 2 S. 305 ff.) benützt worden waren, wurden sienur leider nicht ganz getreu und vollständigzum Gemeingut der deutschen Nation gemacht von Adolf Haakh in seinen Beiträgen aus Württemberg zur neueren deutschen Kunstgeschichte, Stuttg. 1863. Als Führer in den römischen Kirchen und Museen dienten dem Neuangekommenen sein Lehrer Hetsch, der sich damals in Italien aufhielt, und sein ehemaliger Mitschüler in der Karlsschule, der Landschaftsmaler Jos. Ant. Koch, Tiroler von Geburt, eine bizarre Persönlichkeit, aber ein Mann, von dem in der Kunst viel zu lernen war. Zu seinem ersten Bilde, daß er im November 1802 begann, wählte S. nicht einen antiken Stoff, wie man von dem Schüler Dannecker’s erwarten mochte, sondern einen biblischen: „David vor Saul die Harfe spielend“. Schon während der Arbeit machte das Gemälde großes Aufsehen unter den römischen Kunstfreunden, welche bald in S. auch den geist- und gemüthvollen Menschen zu schätzen wußten. Wilhelm v. Humboldt, der im November 1802 als preußischer Gesandter nach Rom gekommen war, und seine Gattin Karoline, geb. v. Dachröden, nahmen den ihnen schon von Paris her bekannten jungen Mann unter ihre intimsten Hausfreunde auf (vgl. die herzlichen Briefe von Karoline an den kranken S. bei Haakh und was G. Schlesier in seinen Erinnerungen an W. v. Humboldt Bd. 2 S. 102 ff. über Schicks Verhältniß zu der Familie und die in Schloß Tegel vereinigten Gemälde desselben berichtet). In dem humboldtischen Kreise lernte der schüchterne Schwabe eine Reihe der gebildetsten Männer und Frauen aus allen Nationen kennen und erweiterte mit Eifer in ihrem Umgange seine eigene Bildung. Bald wimmelt es in den Briefen desehrlichen Gottlieb“, wie er sich zu unterschreiben liebte, von Geburts- und Geistesaristokraten, mit denen er, wie selbst mit dem Erbprinzen von Mecklenburg-Strelitz, dem Bruder der Königin Luise von Preußen, der sich von ihm malen ließ, auf den vertrautesten Fuß kam. An ihrer Seite sah er auf diefaden deutschen Malersknechte“ in Rom hoch herab, eine Ueberhebung, die er später hart genug büßen sollte. Nach Jahresfrist war sein David vollendet. Mehr als durch neue Formen und Farben mochte das Werk des siebenundzwanzigjährigen Künstlers der damaligen römischen Gesellschaft als etwas Ungewöhnliches erscheinen durch die klare Ausprägung des scharf gespannten dramatischen Momentes. Man sieht sofort und ganz sicher, daß der finstere König im nächsten Augenblick den krampfhaft gefaßten Speer nach dem nichts ahnenden Jünglinge schleudern wird. Eine solche Energie der Phantasie, so viel Vertiefung des Gemüthes leuchtete den Beschauern nicht aus den Bildern der Mengs’schen und David’schen Schule entgegen, wo man sich ängstlich an Studienbücher, Gliederpuppen und müde Modelle hielt. S. hatte einst nicht umsonst seinen Shakespeare gelesen und, wie schon sein ganz moderner, ungewöhnlich flüssiger Briefstil beweist, sicher auch seinen Lessing, Schiller, Goethe u. A.


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