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Spiegel schrieb am 18.4. 2001 um 23:27:17 Uhr über

Fußball

Die wöchentliche Kolumne des Rostocker Bundesligaspielers
Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Eine gänzlich
missglückte Rückkehr ins Mannschaftstraining.

Ich hätte es eigentlich schon vorher wissen
müssen: Bei einer gefühlten Temperatur von
zwei Grad über dem Gefrierpunkt und starken
Orkanböen sollte man auf gar keinen Fall ins
Mannschaftstraining zurückkehren.

Mit Fußball nicht allzu viel gemein

Aber ich ließ mich von diesen widrigen
äußeren Bedingungen nicht beirren und
startete meinen langersehnten
Trainingsversuch. Ja, ich muss es Versuch
nennen, denn was sich in meiner ersten
Trainingseinheit nach mehrwöchiger
Verletzungspause abspielte, hatte mit
Fußballsport nicht allzu viel gemein.

Die einzige Übung, die ich an diesem kalten Morgen ohne
nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne brachte, war das
Warmmachprogramm. Und das auch nur, weil es ohne Ball stattfand.

Gesundheitsschädigende Geschosse

Eigentlich ist der Ball seit frühester Kindheit mein bester Freund und
engster Vertrauter. Doch unsere Freundschaft wurde schon beim
Flankentraining auf eine harte Probe gestellt. Als unübersehbares Ziel
postierten sich unsere Stürmer vor das Tor und erwarteten eine
meiner gefürchteten Flankenbälle. In der Tat waren diese Bälle zum
Fürchten. Allerdings nur für die Jugendmannschaft auf dem
benachbarten Ascheplatz.

Das Verhältnis zu meinem treuen Gefährten kühlte in der Folgezeit
immer mehr ab. Was vielleicht daran lag, dass er - ursprünglich als
einfach zu verarbeitender Flachpass gedacht - als
gesundheitsschädigendes Geschoss bei meinen Teamgefährten ankam
und sie zu eindeutigen Gesten gegen meine Person verleitete.

Zwischenrufe und Gelächter

Zur Strafe ignorierten mich meine Mitspieler, indem sie mir keinen Ball
mehr freiwillig zuspielten. Rollte mein einstiger Weggefährte aus
früheren Tagen zufällig doch in meine Richtung, so wurde meine
Konzentration durch Zwischenrufe und Gelächter meiner
Arbeitskollegen so erheblich gestört, dass wiederum all meine
Versuche, irgendetwas Konstruktives mit dem Leder anzufangen,
kläglich scheiterten.

Fand ich das Szenario eine Stunde lang noch ganz amüsant, so
nervte es mich nun doch erheblich, ungewollt zur Lachnummer zu
verkommen. Was sollte ich nur tun? Der mir gebührende Respekt
musste zurückgewonnen werden. Nur wie? Klar, ich musste einen
meiner Gegenspieler foulen und ihnen damit ihre Grenzen aufzeigen.
Mein Jähzorn aus Kindertagen sollte mir dabei helfen. Das Problem
war nur, dass ich bei jedem Versuch unfair zu spielen immer einen
Schritt langsamer war als der von mir Auserwählte und ich bei jeder
Grätsche alleine am Boden zurückblieb.

Bitteres Kompliment

Der Trainer hatte ein Einsehen und beendete kurz darauf meine
Schmach. Möglichst schnell und unauffällig wollte ich den Ort der
Peinlichkeit verlassen, als einer meiner Mitspieler mir wohlwollend auf
die Schulter tippte und meinte: "He Christian, hast ja schon fast
wieder deine alte FormIch erwiderte: «Ja, ja da fehlt nicht mehr
viel."



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