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prediger schrieb am 3.1. 2007 um 12:16:40 Uhr über

Mussolini

Benito Amilcare Andrea Mussolini (* 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio bei Forlì in der Region Emilia-Romagna; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra bei Dongo am Comer See) war von 1922 bis 1943 faschistischer Diktator Italiens. Mussolini war während der gesamten Zeit Ministerpräsident und Capo del Governo, außerdem zeitweise u.a. auch Außen- und Innenminister. Als Führer der faschistischen Bewegung bzw. des faschistischen Regimes führte er den Titel Duce del Fascismo
Kindheit, Jugend und politische Anfänge [Bearbeiten]Mussolini wurde als Sohn des gelernten Schmiedes Alessandro Mussolini und dessen Frau Rosa (geb. Maltoni) geboren. Mussolinis Vater war ein politisch linksgerichteter Journalist in der italienischen Romagna, der seinem Sohn bewusst den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juárez gab. Entsprechend entwickelte sich Mussolini, der von Beruf Volksschullehrer war. Zunächst engagierte er sich ab 1901 bei der sozialistischen Partito Socialista Italiano (PSI), wo er ein Vertreter des syndikalistischen Flügels war. 1912 stieg er in das Exekutiv-Komitee der PSI auf. Er wurde Chefredakteur der linksgerichteten Tageszeitung „Avanti“ (deutsch: „Vorwärts“). Wegen Desertion, Aufrufen zu Generalstreiks (z.B. gegen den italienischen Einmarsch in das damals osmanische (türkische) Libyen - vgl. auch Italienisch-Türkischer Krieg von 1911/12) und ähnlicher Aktionen verbüßte Mussolini mehrere kurze Haftstrafen.

Obwohl Mussolini 1914 das Anti-Kriegsmanifest des PSI unterzeichnete, gründete er kurz darauf die Fasci d'Azione Rivoluzionaria (FAR - Bünde der revolutionären Aktion), die für den Kriegseintritt Italiens eintrat. Zusammen mit anderen rechtsgerichteten nationalistischen Gruppen wie beispielsweise der 1910 gegründeten Associazione Nazionalista Italiana vertrat Mussolini mit seiner Organisation das Ziel, auch die sog. »terre irredente« (unerlöste Gebiete - vgl. auch Irredentismus)), die damals noch zu Österreich-Ungarn gehörenden italienischsprachigen Regionen (Trentino, Triest) Italien anzugliedern. Daraufhin wurde er aus dem PSI ausgeschlossen.

Mussolini, der auch Vorlesungen besuchte, las in seiner Jugend Schriften zahlreicher Philosophen und Theoretiker, darunter Karl Marx, Louis-Auguste Blanqui, Georges Sorel und Max Stirner. Aus ihren Schriften destillierte er eine eigene politische Ideologie, die anfänglich noch dem Marxismus nahestand. Den nachhaltigsten Einfluss auf ihn übte Friedrich Nietzsche aus, dessen Konzept des „Übermenschen“ Mussolini begeistert übernahm. Vor allem unter dem Einfluss Nietzsches und protofaschistischer Ideologen wandte er sich mehr und mehr nationalistischen und rechtsextremen Positionen zu. Bekannt war Mussolini auch für seinen militanten Atheismus und seine scharfe antireligiöse Polemik. So ließ er etwa verlauten, Christi Moral führezu Vertierung, Feigheit“. Später hielt er sich in religiösen Fragen rhetorisch zurück, ohne seine Weltanschauung grundsätzlich zu ändern.

Obwohl Mussolinis Geliebte Ida Dalser 1915 einen Sohn zur Welt brachte, heiratete er im selben Jahr Rachele Guidi (11. April 1890 - 30. Oktober 1979). Die Hochzeit fand am 17. Dezember 1915 statt. Rachele gebar fünf Kinder:

Edda Mussolini (1. September 1910 - 8. April 1995, Ehefrau des italienischen Außenministers Galeazzo Graf Ciano)
Vittorio Mussolini (21. September 1916 - 12. Juni 1997, Filmproduzent)
Bruno Mussolini (22. April 1918 - 7. August 1941, Pilot)
Romano Mussolini (26. September 1927 - 3. Februar 2006, Jazzmusiker)
Anna Maria Mussolini (1929 - 1968)
Rachele Mussolini duldete über die Jahre hinweg die Seitensprünge und Liebschaften ihres Mannes, Scheidungen waren im damaligen Italien nicht möglich.


Beginn des politischen Wirkens: „Kampfbünde“ [Bearbeiten]Nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrte (am linken Oberschenkel), beteiligte sich Mussolini im März 1919 in Mailand an der Gründung der Fasci di Combattimenti („Kampfbünde“ - Squadristen), die eine autoritäre Ordnung und die Revision der Versailler Verträge zugunsten Italiens forderten, zumal Frankreich und Großbritannien einige ihrer bei der Londoner Geheimkonferenz von 1915 gemachten Zusagen, die Italien zum Verlassen des Dreibunds mit Österreich-Ungarn und Deutschland und zum Kriegseintritt gegen Österreich bewogen hatten, nicht mehr einhalten wollten, und so die Legende des „verstümmelten Sieges“ (Vittoria mutilata) landesweit die Runde machte. (Tatsächlich hatte Italien Südtirol, das Trentino und Istrien vom zerfallenen Kaiserreich Österreich-Ungarn erhalten, weit mehr als italienische Truppen im Laufe des Krieges hatten einnehmen können, aber weniger als die irredentistischen Träume beinhalteten. Die Squadri, die paramilitärischen Verbände der Fasci, übten unter Mussolinis Oberbefehl jahrelang Terror gegen Gewerkschafter, linke Parteien und unliebsame Politiker in Nord- und Mittelitalien aus.


Einzug ins Parlament [Bearbeiten]Zwei Jahre später zogen die Faschisten unter Mussolinis Führung mit 34 Abgeordneten in das italienische Parlament ein. Mussolini wandelte die Fasci im November 1921 in die Nationale Faschistische Partei (PNF) um.


Eine faschistische SquadraWährend der sich zuspitzenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise nach dem Ersten Weltkrieg ging Mussolini mit faschistischen Milizen, den Squadristen, in Straßenkämpfen, vor allem aber in sogenannten „Strafexpeditionen“ in ländlichen Gebieten und mit Fabrikbesetzungen, gegen die Gewerkschaften, die Sozialisten und die gemäßigten Parteien vor. Die Squadren finanzierten sich u.a. durch Werkschutz-Aufträge der Industrie. Der italienische Staat ließ aus Furcht vor einer proletarischen Revolution nach russischem Vorbild die mehrheitlich aus mittelständischen Verhältnissen stammenden, aber auch aus vielen Studenten und ehemaligen Soldaten bestehenden Fasci gewähren. Die Mitgliederzahlen der Fasci stiegen von 20.000 im Jahr 1920 auf nahezu 200.000 im Jahr 1921. Aufgrund der Unruhen traten in kurzer Folge mehrere Regierungen zurück.


Marsch auf Rom“ [Bearbeiten]Daraufhin organisierte Mussolini 1922 mit 26.000 Faschisten einen Sternmarsch (später aus Propagandagründen Marcia su Roma - Marsch auf Rom genannt, so auch der Titel des Tagebuches von Italo Balbo), der am 28. Oktober nach zwei Tagen vor der Hauptstadt eintraf. Mussolini selbst reiste später im Schlafwagen von Mailand aus an. Wohl aus Angst um seinen Thron weigerte sich König Viktor Emanuel III., den Belagerungszustand auszurufen, und ernannte Mussolini zum Ministerpräsidenten.

Die ersten zwei Jahre regierte Mussolini noch im parlamentarischen Rahmen, begann dann aber die Opposition herauszufordern und zu versuchen seine eigene Macht zu erweitern, was ihm in der nächsten Zeit mit einer Reihe von Sondergesetzen und mit Hilfe oder zumindest der stillschweigenden Billigung des Königs Viktor Emanuel III. auch gelang.


Beginn der Diktatur [Bearbeiten]1924 wurde der sozialistische Oppositionspolitiker Giacomo Matteotti entführt und erschossen. Indizien deuten darauf hin, dass Mussolini wahrscheinlich selbst den Auftrag für diesen Mord gegeben hat. In der Folge zogen die Oppositionsparteien, deren Einfluss bereits im Juli 1923 durch ein neues Wahlgesetz eingeschränkt wurde, demonstrativ aus dem Parlament aus. Mussolini nutzte die Matteotti-Krise, um die Vorherrschaft des PNF weiter auszubauen. Am 3. Januar 1925 erklärte er in einer Parlamentsrede seine politische Verantwortung für das Attentat. Im Allgemeinen wird mit diesem Datum der eigentliche Beginn der faschistischen Diktatur verbunden. 1926 wurden die Oppositionsparteien verboten, zu den Wahlen 1928 traten nur noch vom PNF zugelassene Kandidaten an. Spezielle Gesetze schufen den institutionellen Rahmen, unter anderem den Gran Consiglio del Fascismo (den Faschistischen Großrat), der als gemischtes Partei- und Staatsorgan fungierte. Damit war die Umstrukturierung des italienischen Staates zu einem Einparteienstaat und somit zu einer Diktatur abgeschlossen. 1932 veröffentlichte Mussolini seine Grundsatzschrift: Der Geist des Faschismus.


Benito Mussolini und Adolf Hitler bei einem Besuch im besetzten Jugoslawien 1941
Stellung Hitler gegenüber [Bearbeiten]Anfänglich stand Mussolini Adolf Hitler sehr kritisch gegenüber. Insbesondere für Hitlers Rassentheorien hatte er als Italiener nur Spott übrig: „Wenn diese Theorien richtig wären, müssten die Lappen die höchsten Kulturträger sein!“ Außerdem fühlte er sich als Wächter der Unabhängigkeit Österreichs und ließ 1934 nach der Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß eine Division am Brennerpass aufmarschieren. Erst seine Besetzung Abessiniens und der spanische Bürgerkrieg führte ihn ab 1936 zur Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland.

Im gleichen Jahr verkündete Mussolini dieAchse Rom-Berlinund gab damit einen Bündnisvertrag mit Adolf Hitler bekannt. 1937 trat Italien aus dem Völkerbund aus und dem Antikomintern-Pakt zwischen dem Deutschen Reich und Japan bei. 1938 führte Italien auf Anregung der deutschen Regierung antisemitische Rassengesetze ein. Während der Krise um die Tschechoslowakei im Jahre 1938 bemühte er sich um Vermittlung, da er einen Krieg befürchtete.


Kriegseintritt [Bearbeiten]Im April 1939 besetzte Mussolini im Handstreich Albanien, was die Fähigkeiten seiner zum großen Teil schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Streitkräfte bereits auf das Äußerste strapazierte. Als die Deutschen durch ihren Einmarsch in Polen den Auftakt zum Zweiten Weltkrieg setzten, verhielt sich Mussolini zunächst abwartend. Erst 1940, als deutsche Truppen die Kanalküste erreichten und ihm der Sieg sicher erschien, erklärte er England und Frankreich den Krieg - allerdings blieb der italienische Vormarsch trotz mehrfacher zahlenmäßiger Überlegenheit gegenüber der dortigen französischen Streitmacht nach der Eroberung einiger Städte bereits in den Alpen stecken. Sein Einmarsch in Griechenland im Oktober desselben Jahres scheiterte kläglich an dilettantischer Planung, maßloser Selbstüberschätzung und dem entschlossenen Widerstand der Griechen. Die Briten intervenierten und leisteten Luftunterstützung, mit deren Hilfe der griechische General Papagos die Invasoren zurückschlug. Tausende italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Die Italiener wurden immer weiter nach Albanien, fast bis nach Tirana zurückgedrängt. Erst mit der deutschen Invasion gegen Griechenland konnte Mussolini einen erfolgreichen Gegenangriff starten.

Da die Briten eine Luftschlacht um ihr Land ausfechten mussten, glaubte Mussolini, dass die schwachen Kolonialgarnisonen in Afrika schnell überrannt werden und auf keine britische Unterstützung zählen könnten. Doch auch hier gelang es nach italienischen Anfangserfolgen (Besetzung von Britisch-Somaliland) den zahlmäßig weit schwächeren Streitkräften des Commonwealth, nicht nur die Invasion abzuwehren, sondern auch alle italienischen Kolonien in Ostafrika zu okkupieren. In Nordafrika starteten die Italiener von Libyen aus einen Angriff auf Ägypten. Doch obwohl sie ihre vorgeschobene Stellung zu befestigen und auszubauen versuchten, wurden sie bei der britischen Gegenoffensive zum Rückzug gezwungen und in Libyen vernichtend geschlagen.

Bereits im Laufe des Jahres 1941 verlor Mussolini den Großteil seiner Kolonialgebiete. Schon Ende 1940 versenkten britische Flugzeuge einen großen Teil der italienischen Mittelmeerflotte und brachen so die italienische Seeherrschaft. Mussolinis Konzept eines „Parallelkriegs“ war damit gescheitert. Die deshalb zwangsläufig immer enger werdende Bindung an Deutschland, die Teilnahme am Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und die Kriegserklärung an die USA im Dezember besiegelten die militärische Niederlage Italiens und auch das politische Schicksal desDuce“.


Absetzung Mussolinis [Bearbeiten]Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien setzte der Faschistische Großrat Mussolini am 25. Juli 1943 mit einfachem Mehrheitsbeschluss ab. Mussolini wurde, als er seine Demission vom Amt des Ministerpräsidenten einreichen wollte, auf Befehl von König Viktor Emanuel III. verhaftet und an wechselnden Orten interniert. Inzwischen verhandelte Marschall Pietro Badoglio mit den US-Amerikanern und schloss mit ihnen einen Waffenstillstand, der am 8. September 1943 öffentlich gemacht wurde. Deutsche Truppen besetzten daraufhin Italien („Fall Achse“), befreiten Mussolini in einer spektakulären Aktion vom Gran Sasso in den Abruzzen („Unternehmen Eiche“) und installierten unter seiner Führung das Marionettenregime der radikalfaschistischen Italienischen Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana, auch: Republik von Salò). Das letzte Mal traf er Hitler am 20. Juli 1944 nach dem gescheiterten Attentat.


Der aufgehängte Leichnam Mussolinis (2.v.l.), rechts neben ihm Clara Petacci.
Erschießung Mussolinis [Bearbeiten]Im Frühjahr 1945 wurde die Lage Deutschlands und seiner Verbündeten aussichtslos. Nach gescheiterten Verhandlungen mit den Partisanen bezüglich einer Gesamtkapitulation seiner Regierung (siehe auch: Resistenza) versuchte Mussolini über das Valtellin in die Schweiz zu gelangen. Er wurde jedoch in Dongo am Comer See am 27. April 1945 von kommunistischen Partisanen erkannt und gefangen genommen und ohne Gerichtsverfahren zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci am 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra bei Dongo erschossen. Die Leichen von Mussolini, seiner Geliebten und anderen faschistischen Potentaten wurden danach am Piazzale Loreto in Mailand zur Schau gestellt.

Mussolini wurde kurze Zeit später beerdigt, sein Leichnam wurde jedoch von Faschisten entführt und erst 1957 im Beisein seiner Witwe, Rachele Mussolini, in Predappio unter dem Liktorenbündel, dem Symbol seiner Machtperiode und des Faschismus, beigesetzt.


Nach dem Tod [Bearbeiten]
Mussolini und Hitler unter den Peinigern Christi (rechts oben), Glasmalerei, Stadtpfarrkirche GrazNoch heute wird der »Duce« von Nostalgikern verehrt. Ihre bekannteste Vertreterin ist die Enkelin des Duce, die ehemalige Schauspielerin und Politikerin Alessandra Mussolini.


Literatur [Bearbeiten]Richard J. B. Bosworth: The Italian dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and fascism, Arnold, London 1998, ISBN 0-340-67728-7
Richard J. B. Bosworth: Mussolini, Arnold, London 2002, ISBN 0-340-73144-3
Giovanni DeLuna: Benito Mussolini. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten., 1978, ISBN 3-499-50270-4
Renzo De Felice: Mussolini. Edizinone multimediale in 4 CD-ROM, Einaudi, Turin 2001, ISBN 88-0616-106-7
Brunello Mantelli: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Wagenbach, Berlin 1999, ISBN 3-8031-2300-3
Pierre Milza : Mussolini, Fayard, Paris, 1999. ISBN 2213604479
Romano Mussolini, Mein Vater, der Duce.
Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Die action francaise, der italienische Faschismus, der Nationalsozialismus, Piper, München 2000, ISBN 3-492-20365-5




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