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Mafiosi schrieb am 15.10. 2001 um 22:10:36 Uhr über

Sonnenbrille

Licht- und Sonnenschutzbrillen
Kleine Abhandlung über deren Entwicklung


Erste Bestrebungen

Seit langer Zeit ist bekannt, daß das grelle Sonnenlicht für das Auge unangenehm ist und sogar schaden
kann. Der natürliche Schutz des Menschen - die Verengung der Pupille mittels der Iris - und das Blinzeln
war besonders bei Naturvölkern nicht immer ausreichend. Besonders jene Kulturen, die im Eis und
Schnee leben, sind durch die durch Reflexion hervorgerufene intensive Lichteinwirkung gefährdet. Sie
halfen sich schon früh durch »Schneebrillen« aus Knochen oder anderen Materialien, die das Licht nur
durch einen engen Schlitz hindurch ließ.

Foto: Zeiss

Sehr früh erkannte man, daß farbiges Glas vor grellem Sonnenlicht schützen kann. Gajus Plinius
berichtet, daß Kaiser Nero (37-68) die Kämpfe der Gladiatoren durch einen Smaragd betrachtete. Dies
bestärkt die Ansicht, daß Nero sich zum Schutz gegen das starke Sonnenlicht des Smaragdes bediente.
Hierfür spricht auch noch die Tatsache, daß die Arena nur mangelhaft bedeckt war.

Der Araber Ibn al-Haitham (965-1039, im Mittelalter auch Alhazen genannt) berichtete: "Wenn das Auge
in extrem grelles Licht schaut, so leidet es unter diesem und wird verletzt, denn wenn ein Beobachter in
die Sonne schaut, so kann er sie nicht gut erblicken, da dem Auge wegen des Sonnenlichtes Qualen
wiederfahren."

Frühe Lichtschutzbrillen

Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden Brillen zum Schutz gegen die blendenden
Sonnenstrahlen mit farbigen Brillengläsern versehen. Der Dresdner Brillenforscher Albert von Pflugk
kam zu Auffassung, daß zumeist grüne Gläser seltener auch blaue Gläser zur Anwendung kamen.
Die Sonnenschutzbrille erfreute sich seit dem 18. Jahrhundert immer stärkerer Beliebtheit. Zahlreiche
Originalbrillen der verschiedensten Ausführungen mit grünen, blauen, gelben und roten Gläsern sind uns
erhalten geblieben. Vor allem in China scheint die Lichtschutzbrille in dieser Periode an Geltung zu
gewinnen.

Foto: Wayenborgh

Man findet sie dort als Fadenbrille und Schläfenbrille. In Europa wurden sogar Eingläser, Scherenbrillen,
Zwicker und Monokel mit Sonnenschutzgläsern bestückt.

Foto: Wayenborgh

Brillenmaterialien wie Stoff und Leder schirmten das Licht zusätzlich von der Seite ab. 1797 erfand der
Engländer Richardson eine Doppelbrille, bei der sich seitlich ein grünes Glas vor die eigentlichen
Brillengläser vorklappen ließ. Diese Brillenart erfreute sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts größerer
Beliebtheit.


Foto: Wayenborgh

Sonnenschutzbrillen blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts immer noch
Einzelanfertigungen. Man hatte die schädliche Wirkung der UV-Strahlung noch nicht erkannt.

Erste Verbesserungen im 19. Jahrhundert

Man erkannte, daß sich bei Gläsern mit starker Wirkung keine Färbung der Glasmasse empfiehlt, da die
Dickenunterschiede zu verschieden starker Tönung führt. Deshalb begann man eine dünne gefärbte
Glasschicht an die Brillengläser anzukitten. Der Augenoptiker Simon Plössl (1794-1868) nennt im Jahr
1829 Gläser mit gleicher Färbung über die ganze Glasfläche isochromatisch.

Die Macht der Farben

Georg Bartisch beschrieb in seinem Buch »Ophthalmodouleia« (Dresden 1583) grüne Gegenstände, die
zur Kräftigung der Augen anzuschauen seien. In Christoph Scheiners "Das Auge oder die Grundlagen der
Optik" (Innsbruck 1619) findet man eine Erklärung zur Farbempfindung der Netzhaut bei Vorhalten
farbiger Gläser. Ludwig Böhm (1811-1869) empfahl für kranke Auge blaue Gläser. Er erklärte, daß
durch Kobaltoxid azurblau gefärbte Gläser am geeignetsten seien um die Lichtintensität zu schwächen.
Böhm ließ um 1840 in Rathenow plankonvexe und plankonkave Brillengläser in sechs blauen
Farbnuancen herstellen. Heinrich Magus entschied sich 1875 für sogenannte »Rauchgläser« (Beimengung
von Braunstein und Nickel). Der französiche Arzt Marie Theodore Fieuzal (1836-1888) führte aus, daß
die unsichtbaren kurzwelligen Ultraviolettstrahlen den Augen schaden und gerade die blauen Gläser diese
Strahlung (da damals noch kein UV-Blocker zur Verfügung stand) hindurchlassen. Er empfahl auf Grund
seiner Erkenntnisse gelbe Filtergläser (Beimengung von Eisen oder Kupferoxid). Der Königsberger
Optiker Christian Parschin ließ sich bereits in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts ein englisches
Patent auf Schutzgläser aus Bernstein geben. Nachdem der schwedische Augenarzt Johann Widmark
durch Tierversuche Entzündungen des äußeren Augenabschnittes nach Einwirkung von UV-Strahlen
nachwies, wurden auch weitere Forscher zu Versuchen angeregt. Erste Schutzgläser wurden unter den
Namen »Fieuzal«, »Hallauer«, »Euphos«, »Enixantos«, usw. vermarktet.


Foto: Wayenborgh

Alfred Vogt (1879-1943) weist auf die Gefahren durch das ultraviolette Licht hin

Der Schweizer Ophthalmologe Vogt veröffentlichte 1907/08 eine Studie über Beobachtungen an
Patienten. Er bemerkte, daß kurzwelliges, ultraviolettes Licht schädlicher als langwelliges, ultraviolettes
Licht ist und Entzündungen an der Bindehaut und Hornhaut verursacht. 1926 faßte er seine Erkenntnisse
zusammen und sagte unter anderem, daß "mit kurzwelligem, infraroten Licht nicht nur hochgradige
Schädigungen der Augenlinse, sondern auch schwere Dauerschäden der Aderhaut und der Netzhaut - bei
Intaktbleiben der Hornhaut - erzeugt werden können, daß auch diese Strahlen bei der sogenannten
Sonnenblendung zweifellos eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen".

Der Jenaer Physiker Hans Hartinger (1868-1951) unterteilt in 5 physiologische Gruppen

1.Das langwellige Infrarot über 1300nm schädigt nur die äußeren Teile des Auges
2.Das kurzwellige Infrarot zwischen 1300nm und 760nm schädigt bei übermäßiger Intensität die Iris,
die Augenlinse, die Netzhaut und die Aderhaut.
3.Das sichtbare Licht zwischen 760nm und 400nm kann bei starker Intensität Blendung und Rotsehen
verursachen.
4.Das langwellige UV-Licht zwischen 400nm und 314nm weist noch keine dauernden Schädigungen
vor.
5.Das kurzwellige UV-Licht unter 314nm kann dagegen Bindehaut- und Hornhautentzündungen
verursachen

Polarisation wird für den Sonnenschutz genutzt

Die Polarisationsgläser kamen erst kurz vor dem zweiten Weltkrieg in Anwendung, obwohl bereits 1808
Stefan Ludwig Malus (1775-1812) das polarisierte Licht entdeckt hatte. Nach zahlreichen Experimenten
verschiedener Forscher gelang es im Jahre 1937 dem deutschen Erfinder Erwin Käsemann einen Polfilter
herzustellen. Er lagerte lichtabsorbierende Farbstoffe in molekular geordneten Kolloidfolien ein. Nach
einer parallelen Ausrichtung der Moleküle mittels einer Streckung wurde die nun polarisierende Folie
zwischen zwei Deckgläsern verkittet. Mitte 1950 schrieb Herbert Schober in seinem Standardwerk: "Die
Polarisationsbrillen bewähren sich überall dort sehr gut, wo ein starker Blendungsanteil durch reflektiertes
oder linear polarisiertes Licht vorhanden ist, wie auf Schneeflächen oder Gletschern oder bei der
Bildbetrachtung in einer Gemäldesammlung. Auf See und im Straßenverkehr haben sie geringere Erfolge,
da wegen der Wellenbildung in der Wasserfläche oder der Unruhe des Fahrzeuges die Lage der
Polarisationsebene nicht konstant bleibt." In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts brachte die Polaroid
Corporation ihren Sonnenbrillenfilter auf den Markt. 1977 gelang Ito Optical in Tokyo nach längerer
Forschungsarbeit polarisierende Gläser aus CR39 herzustellen.

Entwicklung der Sonnenbrillen um den zweiten Weltkrieg

Weitere wissenschaftliche Arbeiten belegten nachhaltig, daß das Sonnenlicht neben den sichtbaren auch
unsichtbare Lichtstrahlen, nämlich Ultraviolettstrahlen und Infrarotstrahlen enthält. Während die Blendung
durch das sichtbare Licht sofort bemerkt wird, ist die schädigende Wirkung des ultravioletten Lichtes oft
erst (zu) spät zu bemerken. Die optische Industrie, die Augenoptiker und die Medizin wiesen nun immer
nachhaltiger darauf hin, daß eine gute Sonnenbrille nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch die
unsichtbare Strahlung dämpfen muß. Dies und die Mode bereitete den Aufstieg der Sonnenschutzgläser
zum allgemein verwendeten Schutz.

Die Industrie erkennt den großen Markt

Die Firma Schott erzeugt Anfang des 20. Jahrhunderts ein Schutzglas unter dem Namen Umbral. Es wird
in 25%, 50%, 65% und 80% angeboten. Bausch & Lomb stellte bereits 1930 das erste Sonnenschutzglas
in Serie her. 1934 bringen sie die erste »Fliegerbrille« mit diesem Glas auf den Markt. 1936 wird diese
Blendschutzbrille einem breitem Publikum vorgestellt. März 1937 wird von Bausch & Lomb der Name
Ray Ban geboren. Gleich nach Kriegsende wirbt Zeiss mit ihrer neuen »Umbral-Brille«. Andere Firmen
folgen und nehmen Anteil am rasant wachsenden Sonnenbrillenmarkt. In dem allgemeinen
Sonnenschutzbrillen-Boom der Nachkriegszeit zeichnen sich schnell zwei grundsätzliche Richtungen ab:
die billige Sonnenschutzbrille ohne optischen Qualitätsanspruch (vorwiegend von branchenfremden
Geschäftsformen vertrieben) sowie die die wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigende
Qualitäts-Sonnenschutzbrille (durch den geschulten Fachoptiker angepaßt und verkauft).

Weiterentwicklungen

Bedampfte Lichtschutzgläser sorgen im weiteren für eine gleichmäßige Tönung über die ganze Glasfläche.
Mitte 1960 werden die ersten phototropen Gläser von der amerikanischen Firma Corning Glass Works in
New York entwickelt und hergestellt. Silberhalogenoide vermindern bei UV-Strahlung die
Lichtdurchlässigkeit. 1986 schuf Rodenstock das erste verfärbende Kunststoffglas. Heute haben
hochwertige Brillengläser sogar in gänzlich weißer Ausführung einen UV-Schutz integriert.




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