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Höflichkeitsliga schrieb am 25.3. 2003 um 13:42:36 Uhr über

Irak

Eigentlich ist doch überall und jeden Tag ein Krieg, überall, nicht daß mir uns falsch verstehen, Herr Gesangsverein, das tut natürlich schon einen Unterschied machen ob jetzt jemand mit abgeschossenem Kiefer und in seinem Blut neben einem Nachtschattengewächs auf dem Boden liegt, oder ob derjenige Selbe zuhause auf der Couch sitzt, und ich will, mir wollen, ja auch nicht allzusehr verallgemeinern, aber wenn ich zum Beispiel auf die Straße gehe, dann ist da ja irgendwie auch ein kleiner Krieg, wenn ich sehe wie einem die ganze Zeit ein Hass ins Gesicht springt, und wie man sieht wie den anderen Menschen auch die ganze Zeit ein Hass ins Gesicht springt, und wenn du dann (jetzt Musik: dadada da daaaa da dadada da daaa da daaaaaa)»einmal ganz unten bist, und in der Nacht bist du wach und am Tag bist du müde, und dein Herz hast du ver-loren in irgend-einer Diskothek, oder an irgend einem Hauptbahnhof in irgendeiner Stadt in der Bun-des-re-pu-blik. Und dann fällt dir wieder ein, wie das war, als du immer nur gedacht hast:...«, und wenn du dann siehst, also du weißt, wenn du dann dir vorstellst, also dir die Menschen so ansiehst, und dir vorstellst du würdest ihnen ohne Auflagen ein Gewehr in die hand drücken, dann sollte man aber besser kucken daß man Land gewinnt, der Krieg wartet sozusagen nur darauf daß er lustig entfesselt wird, er will entfesselt werden, er muss es, weil die Buben und Mädchen das so wollen, da ist nun wahrscheinlich nicht die conditio humana schuld, vielleicht eher die conditio societatis, aber wenn ich zum Beispiel daran denke wie diese Frau mich in dieser dümmlichen Bar voll Haß mit Erdnüssen beworfen hat als ich mich besoffen und unerlaubterweise ans Klavier gesetzt habe um mit großer Geste und äußerst schmetternd mir noch erinnerliche Teile aus Beethovens zweiter Symphonie mit unqualifizierter Begleitung aus dem Finanzsektor in Gestalt eines ausgelernten Banklehrlings, mithin also vierhändig, durch den Alkoholwolf zu drehen, wenn ich mich also daran erinnere, und mir vorstelle jene Dame wäre eine gefreite der Bundeswehr, dann führt das recht eigentlich zu gar nichts, war aber letzten Endes doch eine lustige Geschichte. Letztlich: Gibt es einen bösen Krieg, und einen guten Krieg? Mir meinen Nein, aber es gibt einen bösen Krieg, einen ganz bösen Krieg, und einen schlechthin unfassbar entsetzlichen Krieg. Der Krieg der amerikanischen Streitkräfte gegen den Irak ist ein böser Krieg, aber das wars auch schon, müßig sich darüber den Kopf zu zerbrechen, »they have the technology«, also können sie es tun, irgendwie haben sich genug Leute gefunden die gemeint hätten daß das aus irgendwelchen Gründen eine gute Idee wäre, ob es so eine auch wirklich war ist ungewiss, der Body Count seitens der Zivilbevölkerung scheint jedenfalls derzeit sogar nach irakischen Angaben noch signifikant unter dem des letzten NATO-geführten Jugoslawienkrieges zu liegen, ob nun die amerikanische Praxis das Politikverständnis des laufenden Jahrhunderts im Gegensatz zu den vorhergehenden nachhaltig verändern wird kann man nicht wissen, unwahrscheinlich ist es nicht, schlimmer jedoch, oder auch nur genauso schlimm, als im letzten wird es kaum kommen. Als Bellizist taugen mir trotzdem bei weitem nicht, vielleicht noch als pseudo-bellizist, aber in die Protestmärschler wollen mir uns auch nicht einreihen, denn wer für eine prinzipiell vielleicht richtige Sache mit den falschen Argumenten ins Feld geht, für den laufe ich mir nicht meine Schuhe kaputt...


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