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CopyPaste schrieb am 18.5. 2005 um 22:27:43 Uhr über

Weltraumklavier

Piano Man from outer space, trying to establish contact?

Er trug ein schwarzes Jackett, eine Krawatte und eine elegante Hose, als die Polizei ihn fand. Er konnte nicht sagen, wie er heißt, wo er wohnt und warum er mitten in der Nacht bei Sturm und Regen eine Küstenstraße in Sheerness, im Südosten Englands herunterläuft. Er schien ihnen wie ein Gestrandeter. Er sprach kein Wort. Das war am 7. April 2005.

Die Polizisten brachten den 1,80 Meter großen Mann mit den hochgezogenen Schultern und dem ängstlichen Blick in die Psychiatrie im Medway Maritime Hospital in Kent. Dort konnten die Ärzte nichts finden, außer, daß er sich jedesmal krümmte, wenn er ein neues Gesicht entdeckte. Sie gaben ihm Zettel und Stift und er zeichnete damit eine schwedische Flagge und einen Flügel - dreidimensional mit der exakten Anzahl von Tasten und den richtigen Schattierungen. Man führte ihn zu einem Klavier in der Krankenhaus-Kapelle. Er setzte sich und spielte. Sie glaubten, es sei ein Wunder, was sie dann hörten. Der Kapellmeister erkannte in seinem melancholischen Spiel Tschaikowskys Schwanensee und viele Anlehnungen an klassische Stücke, die er nicht identifizieren konnte und die er für eigene Kompositionen des Mannes hielt. Er spielte in seinen Augen talentiert. Virtuos. Die Stücke liefen ineinander über, es gab keine Anfänge, keine Enden. Musikexperten verglichen sie mit den Arbeiten des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi.

»Nur wenn er spielt, wirkt er entspannt, es ist fast, als würde er von der Musik verschlungen«, sagt der Sozialarbeiter Michael Camp, der ihn betreut. »Am Klavier wird er lebendig, nur dann läßt er es zu, daß wir nahe bei ihm stehen, dann können wir ihn sogar berühren

Der »Piano Man«, wie sie ihn tauften, ist bis heute nicht identifiziert. 320 Anrufe und 70 E-Mails sind im Krankenhaus eingegangen. Hinweise, die sich auf den Mann zwischen 20 und 30 Jahren beziehen. Laut der Tageszeitung »The Guardian« dachte ein Anrufer, er sei ein schwedischer Pianist, der in Skandinavien und in Großbritannien arbeitet und im nächsten Monat in der Wigmore Hall in London spielt. Eine Frau behauptete, er sei ein depressiver Musiker aus Nordwestengland, den sie in den 80ern kennengelernt hat. Es wird mehrere Tage dauern, die Informationen auszuwerten, sagt ein Krankenhaus-Sprecher. »Er scheint ein professioneller Pianist mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu sein«, sagt Michael Camp der Tageszeitung »The Independent«. Die englische Boulevardzeitung »The Sun« hat ihm ein Keyboard geschenkt. Es steht in seinem Zimmer, aber er spielt von Tag zu Tag seltener darauf. Manchmal gar nicht mehr. Der »Washington Post« sagte Michael Camp, daß er in der ganzen letzten Woche geweint habe. »Es kann sein, daß eine Art Trauma das verursacht hat«. Der Washington Post erklärte er, daß der Mann schon sehr ängstlich im Krankenhaus angekommen sei. »Wir wissen nicht warum. Er hat, soweit wir wissen, kein Verbrechen begangen, aber wir haben den Eindruck, daß er sehr verletzlich ist«. Der »Piano Man« verlangt nach nichts, er ißt und wäscht sich wie ein normaler Mensch. Aber er wird von Tag zu Tag deprimierter. »Er meidet Menschen und er wird immer ängstlicher und nervöser«, sagt Krankenhaussprecher Adrian Lowther der Berliner Morgenpost. Manche meinen, er hätte ein Trauma erlitten, das eine Amnesie ausgelöst hat, eine Methode, die das Bewußtsein benutzt, um sich von einem Schockerlebnis zu erholen. Persönliche Erinnerungen können dabei verloren gehen, während die Möglichkeit zum Beispiel Klavier zu spielen, nicht beeinträchtigt ist.

Als die Polizisten ihn in der Nacht fanden, entdeckten sie, daß alle Markenlabel aus seiner Kleidung herausgetrennt waren. Das erschwert die Suche. Ein Arzt des Krankenhauses erklärte: »Die Markenlabel aus der Kleidung zu entfernen, kann ein obsessives Verhalten sein und ein Symptom für Autismus. Die Tatsache, daß dieser Mann sich nicht ausdrücken kann, aber verblüffendes musikalisches und künstlerisches Talent besitzt, sind andere Aspekte des Autismus

Laut der Boulevardzeitung »The Sun« gibt es zwei Namen, die bei den Hinweisen durch die Bevölkerung mehrfach genannt wurden. Unter der britischen Telefonnummer 0044/500 700 700 werden Hinweise entgegengenommen. »Wir haben keine Erfahrungen mit einem ähnlichen Fall. Es ist möglich, daß niemand ihn identifizieren wird«, sagt Krankenhaussprecher Adrian Lowther. Dieser Meinung ist auch Michael Camp: »Wenn niemand den Namen des Mannes kennt, kann ich mir nicht vorstellen, daß wir jemals seine Identität herausfinden


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