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gats schrieb am 20.5. 2003 um 03:12:55 Uhr über

Öl



Der Euro als
Wunderwaffe

Doch ein bisschen Öl
für Blut?

Blut für Öl







Ölpolitik

Florian Rötzer 19.05.2003

Der für das irakische Erdölministerium zuständige amerikanische »Berater«
räumt selbst Interessenskonflikte ein und schlägt eine Privatisierung der
Industrie sowie ein Ausscheren des Irak aus der OPEC vor

Wenn es schon keine Massenvernichtungswaffen im Irak gibt, dann wenigstens doch das
Öl, um das es allerdings bekanntlich nicht gegangen sein soll. Das soll, wie man seitens
der US-Regierung betont, dem irakischen Volke zu gute kommen, weswegen auch
schnellstens die Sanktionen aufgehoben werden müssen. Der »Berater«, den das
Pentagon an die Spitze des irakischen Erölministeriums gesetzt hat, überlegt aber auch
schon einmal, ob der Irak nicht aus der OPEC ausscheren sollte - natürlich nur, um dem
irakischen Volk zu dienen.




Fest im Blick hatten die alliierten Sieger im Irak offenbar trotz aller anderslautenden
Behauptungen das Erdöl. Gleich zu Beginn sicherte man die Erdölfelder, in Bagdad wurde
das Erdölministerium von Bomben verschont und mit Panzern vor Plünderungen geschützt,
was man bekanntlich nicht von allen anderen Einrichtungen sagen könnte ( »Das passiert«).




Schon vor dem Krieg sicherte sich Halliburton - Vizepräsident Cheney war bekanntlich vor
seinem derzeitigen politischen Amt der Direktor des Konzerns - ohne Ausschreibung den
Auftrag, brennende Ölquellen zu löschen ( Die Gewinner des Krieges). Später wurde
bekannt, dass der Auftrag auch die Inspektion und Reparatur irakischer Erölquellen umfasst,
was einen milliardenschweren Auftrag ergäbe. Doch schon allein im Rahmen von Operation
Iraqi Freedom hat die US-Armee an KBR, ein Tochterunternehmen von Halliburton, 425
Millionen Dollar gezahlt oder dafür Aufträge vergeben ( Krieg ist gut fürs Geschäft).

Nachdem nun der ehemalige US-General Garner, Präsident von SY Technology, Hersteller
von Software für Raketen und Raketenabwehrsysteme, also auch für Präzisionsraketen, als
oberster Verwalter vom Hardliner Paul Bremer abgelöst wurde, der als »Terrorismusexperte«
Direktor der nach dem 11.9. gegründeten Marsh Crisis Consulting wurde, scheint man nun der
Meinung zu sein, doch lieber länger die Zügel in den eigenen Händen halten zu wollen.
Möglichst schnell wolle man das Land den Irakern übergeben, hieß es zunächst immer, doch
nachdem wohl die Befreiten nicht unbedingt in die gewünschte Richtung gehen wollen,
Konflikte zwischen Gruppen vor Augen stehen und noch großes Chaos und ebenso große
Unzufriedenheit herrschen, will man zunächst unbefristet nur eine »Übergangsverwaltung« statt
der zunächst versprochenen »Übergangsregierung« einrichten. Das zumindest kündigten
Bremer und der britische Diplomat John Sawers am Wochenende an.

Der Berater für das Erdölministerium

Einen entscheidenden Posten in der »Übergangsverwaltung« hat der »Berater« des irakischen
Ölministeriums, der allerdings faktisch das Ministerium durch Besetzung der Stellen leiten
wird. Der Irak hat bekanntlich die zweitgrößten Erdölvorkommen der Welt, vor den
Sanktionen war Erdöl das fast ausschließliche Exportprodukt und machte das Land, bevor
Hussein den langen Krieg mit dem Iran begann und vieles in die eigene Tasche steckte, relativ
wohlhabend. Die Wahl des Pentagon fiel auf Philip Carroll, einen Mann, der als Experte wie
US-Präsident Bush aus Texas stammt, Präsident der Shell Oil Company war und schließlich
mit einem wohldotierten Vertrag an der Spitze des Dienstleistungsunternehmens Fluor
Corporation stand.

Fluor war neben Halliburton und wenigen anderen Unternehmen von USAID für erste
Wiederaufbaumaßnahmen in Betracht gezogen worden. Auch wenn dieser mit US-Geldern
finanzierte Vertrag schließlich an Bechtel gegangen ist, hat Fluor mit dem britischen
Unternehmen Amec ein Joint Venture gebildet, um sich beim U.S. Army Corps of Engineers
für einen Auftrag über mehrere Milliarden Dollar zu bewerben. Der Auftrag hat mit der
Wiederherstellung und Modernisierung der Erdölförderung zu tun.

Carroll räumte selbst ein, dass es durchaus einen Interessenskonflikt geben könne,
schließlich bezieht er nicht nur eine Million Dollar jährlich von dem Konzern, sondern besitzt
auch noch eine Million Aktien, die über 30 Millionen Dollar wert sind. Der »Berater«
versichert allerdings, dass er mit seinem Stab nur Pläne für die Zukunft ausarbeiten wolle und
nichts mit etwaigen Verträgen zu tun haben werde. Überdies interessiere ihn Geld nicht. Das
Geld, das aus dem Erdöl kommen wird, nachdem die Sanktionen aufgehoben sind, werde, so
beteuert er, nur dem Irak selbst zukommen. Solange die Besatzungsmacht herrsche, fließe das
Geld in einen Treuhandfonds, aus dem lediglich humanitäre Leistungen und
Wiederaufbaumaßnahmen bezahlt würden. Hieran können dann aber direkt die Konzerne der
Siegermächte profitieren, beispielsweise eben auch die Fluor Corporation, deren
Vizepräsident Kenneth Oscar zufällig aus dem Pentagon kommt. Möglicherweise aber auch
an den Plänen, die Carroll für die Zukunft des irakischen Erdöls ausarbeiten lässt.

Die Pläne

Als Idee hat Carroll, was schon vor dem Krieg manche als eine Intention der US-Regierung
thematisiert haben ( Öl-Junkies auf Kriegskurs), jetzt lanciert, dass der Irak aus der OPEC
ausscheren könne, um ohne Beschränkung möglichst viel Öl auf den Weltmarkt pumpen zu
können und so den Wiederaufbau zu beschleunigen. Das habe der Irak auch früher schon
gelegentlich aus nationalem Interesse heraus gemacht. Würde der Irak, ohne OPEC-Quoten
einzuhalten, den Markt mit Erdöl überfluten, so würde nicht nur das Land mehr Geld
einnehmen, sondern auch die Preise für das Erdöl würden sinken, was den USA, den weltweit
mit Abstand größten Verbraucher, zugute käme, den anderen erdölproduzierenden Ländern
wie Saudi-Arabien, Kuwait, Iran, Russland oder Venezuela aber geringere Gewinne brächte.

Die bislang staatliche Erdölindustrie hatte unter Hussein Verträge an Staaten wie Russland
oder Frankreich beispielsweise für die Förderung oder die Modernisierung der Produktion
vergeben. Carroll wird hier entscheidend mit beraten, welche Verträge als nichtig erklärt
werden oder welche möglicherweise »im besten Interesse des irakischen Volkes« fortgeführt
werden könnten. Das dürfte auch eine Möglichkeit sein, die Entscheidung im
UN-Sicherheitsrat zu beeinflussen.

Carroll wird aber auch Pläne ausarbeiten lassen, wie die staatliche Erdölindustrie privatisiert
werden kann und soll. Allerdings sollen alle Optionen zur Entscheidung angeboten werden,
also auch eine Weiterführung des staatlichen Modells, wobei allerdings Carroll seine
beratende Rolle schon einmal insofern ausübt, als er darauf hinweist, dass "hoch zentralisierte
Modelle nicht immer so effektiv sind, wie sie sein sollten. Sie tendieren zur Korruption."
Allerdings könnte eine zu starke Privatisierung das Öl in die Hände von wenigen Menschen
fallen lassen, die zu Milliardären werden, während das Land davon kaum etwas hat. Er
meinte, er sei nicht sicher, ob die Iraker schließlich das »amerikanische Modell«, sprich: die
völlige Privatisierung, wählen würden. Wie man an der US-Regierung sieht, wäre dies auch
keine Garantie dafür, dass eine künftige Regierung frei vom Einfluss der Wirtschaft handelt.
Gleichwohl geht er zumindest von einer Teilprivatisierung aus, von der dann auch die
amerikanischen Konzerne direkt profitieren könnten.

Möglicherweise deckt das irakische Erdöl nicht die Kosten des
Wiederaufbaus

Möglicherweise aber stimmen alle Rechnungen oder Hoffnungen nicht, die die Alliierten für
ihren Befreiungsfeldzug gemacht haben. Gerade der mit Erdöl reichlich ausgestattete Irak
sollte bald genug Geld haben, um den Wiederaufbau selbst finanzieren und so von finanzieller
Unterstützung unabhängig zu werden. Nach Berechnungen des spanischen
Wirtschaftsministeriums aber könnte, wie der Observer berichtet, das Land den Befreiern
noch teuer zu stehen kommen, wenn nicht weitere Länder mit Geldern einspringen.

Die irakische Erdölindustrie ist seit dem Embargo veraltet oder bald gar nicht mehr zu
gebrauchen. Es könnte viel Zeit vergehen und viel Geld erfordern, sie soweit wieder
aufzubauen, dass der Irak noch lange nicht genügend Mittel haben wird. Nach den spanischen
Berechnungen reichen für den Wiederaufbau vermutlich die zuvor geschätzten 41 Milliarden
Dollar bei weitem nicht aus, sondern es wird in den nächsten 10 Jahren mindestens doppelt so
viel Geld notwendig sein - nach manchen Schätzungen könnten es sogar bis zu 250 Milliarden
sein. Der Irak aber hat noch Schulden - möglicherweise bis zu 350 Milliarden Dollar -, die
zum großen Teil aus Reparationszahlungen an Kuwait bestehen. 2002 hatte der Irak gerade
einmal für 13 Milliarden Dollar Öl gefördert, was zumindest dieses Jahr nicht mehr zu
schaffen sein wird. Der amerikanische Kongress hat für den Wiederaufbau nur 2,5 Milliarden
Dollar bewilligt. Auf dem G-8 Gipfel waren sich die Finanzminister zwar einig, die
Schulden zu stunden, doch auf sie verzichten, wie dies die US-Regierung wünscht, wollen
Frankreich, Russland, Deutschland und Japan nicht.
















Kommentare:
Das stimmt fast (Leo_Plegger, 20.5.2003 1:36)
noch einer..... (Pincinato, 20.5.2003 0:56)
und das ist tragisch..... (Pincinato, 20.5.2003 0:48)
mehr...










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last modified: 19.05.2003
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