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Liamara & Alvar schrieb am 14.3. 2000 um 00:07:10 Uhr über

Amerika

Gayle Glitsch schwärmte für Stephen Schlonz, seit sie zusammen zur Junior Highschool gegangen waren. Dort hatten sie nämlich beide an einem Eierlaufwettbewerb teilgenommen, und Stephen hatte sein Ei auf ihr rosanes Kleid geklatscht, weil er ein kleiner Tollpatsch war.
Das hatte Gayle unheimlich sexy gefunden. Sie hatte versucht, ihn danach zum Hamburger-Essen
einzuladen, aber leider hatte er gerade eine Diät gemacht, und danach hatten sie nie wieder
miteinander gesprochen.

Und so sehnte sich die junge Mrs. Glitsch Jahr um Jahr nach ihrem Mr. Dreamboy Schlonz. So ein knackiger Boy ist ihr nämlich nie wieder über den Weg gelaufen, und schon bald war Abschlußball-Zeit, aber kein anderer Junge fand ihren Gefallen. Ihre Pickel hat sie schon lange mit irgendwelchen Mittelchen wie Clear-O-Glitsch und anderen ins Jenseits befördert, und trotz ausgeprägter weiblicher Rundungen konnte sie niemand als fett bezeichnen.
Vielleicht konnte sie allerdings noch ein bisschen an ihren Klamotten feilen. Sie hatte ja meist so ein bisschen biedere Sachen an. Ihr fehlte der letzte Pfiff, wie zum Beispiel eine witzige, gemusterte Krawatte oder so etwas. Leider hatte sie keine Freundinnen, die mit ihr einkaufen gingen. So war es natürlich kein Wunder, dass sich nur Typen für sie interessierten, die mit karierten Hemden, in deren Brusttaschen sie Kugelschreiber steckten, rumliefen.

Aus einem Sonderheft des In-Magazins »Fourteen Girl« mit dem erfolgversprechenden Titel »Wie reiße ich einen knackigen Boy auf« holte sie viele wertvolle Tipps: »Trage ein Männerunterhemd zu einem kleinen schwarzen Mini«, »Leih Dir Cheerleader-Klamotten und sage, Du kommst gerade vom Training«, »Lackiere Dir die Fingernägel in der Farbe seines Football-Teams« ...
Dummerweise halfen diese ganzen Tipps nur wenig, einzig der Turnlehrer, ein fetter Typ mit Trillerpfeife, schien sich für sie zu interessieren.

Stephen seinerseits stand auf Gayle seit seinem 8. Geburtstag, als sie ihm bei seiner Party ein Stück Butterkremtorte auf den Kopf gehauen hatte. Er hatte sie schon immer für eine scharfe Schnecke gehalten, aber einfach nicht gewusst, wie er sie ansprechen sollte. Sie war richtig cool, und er nur ein lahmer Computerfreak; es fehlte nicht viel, dass er angefangen hätte, karierte Hemden zu tragen. Er hatte auch seit einiger Zeit das Gefühl, dass er vielleicht eine Brille brauchte. Und Gayle... wie sie seit ein paar Wochen herumlief! Ihre Klamotten waren oberscharf, und er war schon ganz verzweifelt, denn in diesem Outfit war sie bestimmt der Schwarm aller Jungs, und er sah keine Chance mehr, sich je mit ihr zu verabreden. Dabei hätte er ihr so gern mal gezeigt, dass auch Typen wie er echt was drauf hatten.

Aber in »Boys Health« fand er die genialen Tipps: »Trainiere Deine Oberschenkelmuskeln«, »Trage nur ein Männerunterhemd und zeige allen Girls Deine Muckis« und natürlich: »Leihe Dir für eine Spritztour zu zweit einen roten Lamburghini«.
Und siehe da, schon nach zwei Wochen rannten ihm die Girls hinterher, aber leider nur die eingebildeten Cheerleader, dabei wollte er doch nur Gayle Glitsch!


Eines Tages balancierte Stephen einen Riesenstapel Bücher, die er in der Bibliothek zum Thema »Wie man mit Girls umgeht« ausgeliehen hatte, über den Schulflur. Immerhin war ja bald der Abschlussball, und er wollte einfach nicht mit Bridney Braesig gehen, die eine Zahnspange so gross wie der Mississippi hatte. Leider konnte er kaum etwas sehen, und darum sah er nicht, dass ihm Gayle entgegenkam, mit einem Riesenstapel Bücher, die sie in der Bibliothek ausgeliehen hatte, zum Thema »Wie man mit Boys umgeht«. Natürlich prallten die beiden voll aufeinander. Alle Bücher klatschten auf den Boden. Gayle wurde puterrot. Stephen aber auch. »Oh, entschuldige bitte«, murmelte Stephen und tastete fahrig auf dem Boden herum, um seine Bücher einzusammeln, schliesslich sollte Gayle nicht sehen, was für einen Schund er da aufgetrieben hatte. Gayle hatte die gleichen Absichten. Als sie sich bückte, verrutschte ihr Ausschnitt, und Stephen bekam fast einen Herzinfarkt: in Gayle's Ausschnitt steckte das Buch »Wenn Jungs erwachsen werden: Sex für Anfänger«. Als Gayle sah, wo Stephen da hinglotzte, bekam sie einen solchen Schreck, dass sie statt nach den Büchern voll in seinen Schritt grabschte. Beide schrien laut auf. Gut, dass niemand auf dem Flur war!
»Ey sag mal«, fragte Stephen, einer plötzlichen Eingebung folgend.
»Ach duuuu, Steeeepheen«, begann Gayle, die sich an einen Ratschlag in dem Buch »Sprich doch mal den Boy an« erinnerte.
»Ja, Gayle?« hauchte Stephen.
»Neeein, du zuerst«, bestand Gayle darauf, dass er zuerst sagte, was ihm auf dem Herzen lag.
»Oh nein«, sagte er lässig, denn das hatte er in »Sprich doch mal ein Girl an« gelesen. »Ladies first
»Mein Gott«, dachte Gayle, »wie weltgewandt er doch ist
Laut sagte sie: »Ohm, Stephen... sag mal... gehst du auf den Abschlussball?«
Mittlerweile hatte sie das Buch in ihrem Ausschnitt bemerkt und warf es hastig hinter sich. Sie wollte ihn ja nicht verlegen machen.
»Der... Abschlussball! Ah ja! Ist wohl nächste Woche, was? Haha
Stephen hätte sich am liebsten sofort geköpft. Mensch, war er doof! Gayle runzelte die Stirn. DIESE Antwort stand aber nicht in dem Buch. Eigentlich hätte Stephen jetzt was anderes sagen müssen. Offensichtlich machte er seine Hausaufgaben nicht, aber das konnte man ihm ja noch austreiben.
Stephen fasste sich wieder und antwortete: »Oh, ich weiss nicht recht. Ich habe eigentlich noch keine Partnerin
Gayle schlug die Augen nieder. Ihr Herz pochte wie verrückt.
Stephen dachte angestrengt nach, was er jetzt zu sagen hatte. Nach einer Schrecksekunde, während der er schon dachte, auch dieses Jahr wieder während des Balls allein zu Hause sitzen zu müssen und Kartoffelchips zu futtern, erinnerte er sich an die passenden Worte. Als wäre es ihm gaaanz zufällig eingefallen, sagte er:
»Ja, Gayle, sag mal, hättest du Lust, mit mir zu gehen
Gayle kreischte, wurde rot und sagte dann lässig: »Oh ja klar, Stephen. Ich hab auch nix andres vor. Okay, komm um sieben, ja
JUCHU! schrien beide innerlich. Endlich!

Nach ihrem Gespräch raste Gayle sofort in die Stadt, aber sie brauchte tatsächlich bis zum letzten Tag, um ein schickes Kleid für den Abschlussball zu finden. Es war orange, mit Puffärmeln und einem gerafften Minirock. Toooodschick! fand Gayles Mutter, und das liess Gayle doch einen Moment lang zweifeln. Stephen wusste auch, was er zu tun hatte. Er kaufte einen grossen Topf Haargel, eine Packung Kondome in der Drogerie (wofür er sich einen Schnurrbart angemalt hatte und eine Perücke seiner Mutter aufgesetzt hatte, um nicht erkannt zu werden), einen Smoking und die Orchidee für Gayle, die sie an ihr Kleid stecken würde. Er wählte eine lilane. Todschick!
Endlich war es soweit. Der grosse Tag - besser gesagt abend - war gekommen. Pünktlich um sieben klingelte Stephen, geduscht, gegelt und mit einer ordentlichen Prise Haargel auf der linken Schulter, die er leider übersehen hatte, bei Gayle. Gayle stolperte in ihren hochhackigen Pumps die Treppe herunter und klatschte mit ihrem orangenen Kleid direkt in Stephens ausgestreckten Arm, in dem seine lila Orchideen hielt.

Aber schnell konnten sie dieses Malheur beseitigen, fuhren flott zur Turnhalle, wo alles stattfinden sollte, und betraten den Saal. Sie wunderten sich zwar über all die fremden Gesichter, die sie dort sahen. Aber das lag nur daran, dass sie sich verfahren hatten und dass ihnen niemand gesagt hatte, dass dies hier nicht der Abschlussball der High School, sondern ein Kostümfest war. Sie beide bekamen den ersten Preis für das verrücktest gekleidete Paar. Und als Gayle DAS begriffen hatte, sprach sie nie wieder ein Wort mit Stephen, nahm ein Taxi nach Hause und ging ins Kloster. Und Stephen? Nun, der trug irgendwann karierte Hemden, änderte seinen Namen und wurde ein berühmter Regisseur. Aber das ist eine andere Geschichte.




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