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Ich habs! Die Lösung für alles!
Brrr! Es ist doch noch ein bißchen kälter, als es ausschaut. Die brutalen profitgierigen Gastgewerbekapitalisten der Innsbrucker Altstadt haben mich wieder unverschämt reingelegt. Gestuhlt haben sie, draußen. Und weil draußen besser ist als drinnen, saß ich eben frohbeschwingt zwei Stunden meines fröhlichen Lebens angefroren auf einem unbequemen Sesselchen. Dafür sind jetzt wieder Leute unterwegs, manchmal auch Menschen, das sieht man erst auf den zweiten Blick. Und die Pärchenquote steigt wieder, das muß der Frühling sein. Im Frühling spritzen nicht nur die Hormone aus den Drüsen und beuteln uns durch die Gegend, im Frühling zieht man auch die Sonnenbrillen an und wird dadurch erheblich toleranter den Erscheinungsbildern potentieller Sexualpartner gegenüber. Die Sonne geht so früh auf, da zieht man sich die Augenverdunkler schon im Bett über, besser noch verdunkelte Kontaktlinsen, die sind noch besser. So ist man vorm Morgenanblick gefeit, vor dem man sich den ganzen Winter in die Hose macht. Das war aber noch nicht die alles überragende Erkenntnis, die in der Überschrift so vollmundig versprochen wurde. Doch bevor wir dieses Titelversprechen angehen, muß ich noch ein ganz kleinen Wutausbruch anbringen. Es scheißt mich furchtbar an, wenn ich nach Hause komme und ein geschniegelter Trottel kommt gerade zur Haustür heraus. Das geht schon noch, so tolerant will ich mal sein. Wirklich anscheißen (kraftvolles Wort, darum zum zweiten Mal) tut mich, wenn derjenige wieder mit mir hereingeht und sich vergewissert, ob ich schon ein Hausbewohner bin und nicht vielleicht sein selbstgebasteltes Türschild klauen will. Oder vielleicht seinen Postkasten aufbrechen, auf seinen Fußabstreifer pissen, oder sein Mountainbiketandem anzünden, kleine Matschbälle in sein Schlafzimmerfenster schmeißen, mir in der Biotonne eine Nase Koks reinziehen, »Haider ist doof« an die Lifttür schmieren, mit einem Nasenpopel sein Türschloß verkleben und was sonst noch so kleine anarchistische Rüpel mit blondgefärbten Haaren alles so machen. Heute hatte ich leider keine Zeit, diesen üblichen häuslichen Aktivitäten nachzugehen, weil ich ja der ganzen wichtigen Welt, die sich in meiner Leserinnengemeinde manifestiert, die Erkenntnis der letzten Lösung des Zusammenlebens präsentieren muß.
Wie sich durchschnittlich Bedarfte schon zusammengereimt haben, es handelt sich um Mann und Frau. Wie man das Comeback von Modern Talking ein für allemal abwürgen könnte, wäre zwar auch ein lobenswertes Unterfangen, aber diese Tat harrt noch ihrer Konzeption. Wir alle wissen, daß Männer durchsetzungsfreudiger, stärker, größer und prächtiger sind. Deshalb eignen sie sich auch so gut als Soldaten, Mörder, Vergewaltiger und Universitätsprofessoren. Frauen bleibt der Zugang zu diesen teilweise durchaus ehrenwerten Berufen meist verwehrt. Warum? Was macht die Mensch zum Frau oder zur Mann? Simone de Beauvoir ist mit dem Satz berühmt geworden: »Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.« Nur wie? Bisher hab ich geglaubt, daß sich das auf die nette Tradition bezieht, den Frischgeborenen auf den Hintern zu hauen und den Intelligenten fällt dann der Zipfel ab. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, nein!
Um die Tiefen der neuen Erkenntnis zu begreifen, müssen wir etwas weiter ausholen. Es geht ganz simpel um die Prägung des einzelnen Menschen durch seine Umwelt, seine Umgebung. Man muß sich das so vorstellen, daß nach dem Klaps auf den Hintern manche mit Zipfel weiterleben müssen, manche ohne, und dann von allen Seiten Eindrücke auf uns einströmen, die wir irgendwann verarbeiten müssen. Dies geschieht vorwiegend alleine, wenn man Zeit und Muße hat, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. Erstens kann das im Bett geschehen, wobei dies allerdings im wesentlichen geschlechtsunabhängig stattfindet. Der zweite und meines Erachtens nach wichtigere Ort ist die Toilette. Der häufigste Vorwand, ein Klo aufzusuchen, um sich zu finden, ist das Wasserlassen. Und genau hier ist der Punkt, wo sich alles entscheidet. Aufgepaßt und mitdenken! Ein Mensch befindet sich in einer Toilette und tut den Harnblaseninhalt ablassen. Dabei erfährt dieser Mensch die momentane Einsamkeit und nützt ganz automatisch die Gelegenheit, sein Weltbild zu ordnen und zu glätten. Es entscheidet sich nun, wie diese Welt wahrgenommen und wie ihr entgegengetreten werden muß. Der Mensch öffnet die Augen ganz weit und sieht vor sich eine Allegorie der Welt. Handelt es sich beim regnenden Menschen um eine Frau, sieht sie meist eine TÜR. Eine Tür ist eine zu öffnende, etwas Gewaltloses und Einfaches, ein Ding, das Kommunikation und Interaktion erfordert und auch ermöglicht. Aber der pinkelnde Mann? Er starrt auf eine WAND, auf eine geflieste, starr geordnete, harte Wand. Das ist seine Welt. Mit Wänden interagiert man nicht, Wände reagieren nicht freundlich auf eine intelligente Handlung, sie lassen sich nicht durch gezieltes Handeln weich entfernen. Man schlägt dagegen, mit Fäusten und Meißeln, Preßlufthämmern, Maschinengewehren und Hubschraubern. Eine Tür wird geöffnet, eine Wand dagegen muß zerstört werden, um sich zu befreien!
So sieht der Mann seine Welt. Das muß sich ändern, meine lieben türengeprägten Leserinnen! Nach einer groben Schätzung, die ich noch gestern kurz vor dem Delirium berechnet habe, könnten alleine in Österreich fünfzig Morde, hundert Vergewaltigungen und siebzehn Universitätsprofessoren verhindert werden. Und zwar durch eine ganz einfache Maßnahme. Nehmt den Männern ihre Wände weg! Weg mit den Pissoirs, Männer auf die Klobrille!
Nicht schlecht wäre vorerst einmal ein Großversuch, beispielsweise auf Haiti, wo die Einwohner die Innsbrucker Postleitzahl auf Kreolisch herunterrattern und das geht so:
sis zewo de zewo
Zur Abwechslung in der Frageecke mal was aus der österreichischen Fernsehgeschichte. In den glorreichen siebziger Jahren gab es die Sendung »Wer bastelt mit?« . Gastgeber war ein etwa vierzigjähriger Herr, zu Gast drei bis vier sieben bis zwölfjährige Kinderlein.
»Hallo, liebe Kinder! Ich begrüße Euch zu einer neuen Ausgabe von' Wer bastlet mit?' ! Heute werden wir versuchen, aus kleinen Pockerln kleine Hexerln zu basteln, die wir mit Schnürln an kleine Staberln hängen und ein Perpetuum mobile draus wird. Und bei uns im Studio ist heute die Susi. Susi, was machst Du denn gerade?« »Ich mal die Pockerln rot an!« »Ja, die Susi macht das sehr schön, und die Kapperln für die Hexerln hat sie auch schon vorbereitet. Die Susi ist a sehr geschicktes Kind. Und die Susi hat mir nämlich versprochen, daß sie mir nach der Sendung ihr Unterhoserl zeigt. Ganz gut macht sie das. Wir schauen später nochmal bei der Susi vorbei. Der Martin ist auch da und malt Pockerln an, aber golden, was überhaupt nicht paßt. Also Martin, ich glaub das wird nichts! Da schauen wir lieber zu unserer zweiten Bastelrunde. Die basteln heute ein Hauserl für die Vogerln im Park, mit einem Sackerl dran, wo die Körnderl reinkommen, die wo die Vogerln dann ausserpicken können. Der Michael hat schon mit seinem Laubsägerl rechteckige Stückerl gesägt und, Michael, was machst Du jetzt gerade?« »Jaa, ich säg da die Dachstückerln heraus und dann mach i noch ein Fensterl in die Wand da, damit die Vogerln rausschauen können.« »Ja, Michael, das machst du ganz gut, rausschauen ist ganz wichtig für die Vogerln, und wenn du fertig bist nach der Sendung, dann können wir ins Büro gehen und da laß ich dann meinen Kasperl rausschauen. Dann ziehen wir ihm ein hübsches Kapperl an und du kannst mit ihm spüln.«
Dazu muß man wissen, daß Pockerln das sind, was die Tiroler Tschurtschen dazu sagen, und die wo sonst Tannenzapfen sind. Die kniffelige Frage jetzt: Wie hieß dieser leicht pädophil auftretende Moderator, der mich zu einem Wienerischverachter erster Güte machte?
So, liebe Gemeinde, jetzt seid gesegnet und entlassen, reißt die Mauern in euren Toiletten nieder, und tut Gutes
Euer Heiland
Sofort einen Leserbrief dazu!
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