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Schon als Kind war er ausgesprochen gerne nackt gewesen, und am liebsten vor den Mädchen. Im Sommer überredete er seine Sandkastenfreundinnen, mit ihnen etwas tiefer in den Wald hinter dem Wohngebiet zu gehen, wo er sich dann im Gebüsch entkleidete, und zur Schau stellte. Eines der Mädchen folgte sogar seiner Aufforderung, sich ebenfalls nackt auszuziehen, was der Beginn von zeitweise recht regelmässigen Fummeleien war. Das unterschied ihn in seiner Grundschulzeit ein wenig von seinen Kameraden, für die die Mädchen seinerzeit eine andere Rasse Mensch waren, und man heftig darüber diskutierte, ob man mit ihnen spielen dürfe, könne oder sogar müsse - ganz ähnlich heutiger Diskussionen über Diskriminierungen übrigens. Regelmässige Anlässe zum Nacktsein ergaben sich übrigens auch unter den Duschen des Turnvereins und des Tischtennis-Clubs, und später dann auf dem Gymnasium nach dem Schulsport. Die Grundschule hatte damals noch keine Duschen an der Turnhalle. Da ging man verschwitzt nachhause.
Eines der Mädchen aus seiner Nachbarschaft war ganze zwei Jahre älter als der zwölfjährige, den sie im Geräteschuppen hinter der Garage des elterlichen Wohnhauses (des Mädchens) »verführte«, wobei man sich darüber streiten kann, von wem eigentlich die Initiative dazu ausgegangen war. Jedenfalls wußte er damals schon recht genau, was man sonst noch so ausser fummeln so veranstalten konnte. Es gab da so eine angestaubte Pornosammlung im elterlichen Wohnzimmerschrank (des Jungen). Aber hier durfe er es zum ersten mal selbst tun, wovon er vorher nur getagträumt hatte. Die Geschichte war etwas kniffelig, weil trotz allem guten Willen, das Geheimnis bei sich zu bewahren - schließlich war es ja einwandfrei »nicht erlaubt«, was sie da - im weiteren Verlauf des Sommers vornehmlich im Wald im Gebüsch so trieben. Es gab sogar elterliche Verbote, alleine zusammen so tief in den Wald zu gehen - diese Verbote waren natürlich leicht zu umgehen. Man traf sich auf versteckten kleinen Lichtungen vorzugsweise in Schonungen, und wusch sich danach mit mitgebrachtem Wasser. Die fünfzehnjährige achtete streng auf ihre Tage, so daß die Affaire keine Weiterungen zeitigte. Ebenso gab es eine Art Wichsgruppe, die nach dem Schulsport in den Duschräumen die 10-15 Minuten nutzte, bevor Sportlehrer oder Hausmeister nach dem Rechten sahen - sie wußten wohl, warum. In dieser Gruppen kam selbstverständlich auch wechselseitiges Wichsen vor. Er war der erste, der der eher ironischen Aufforderung eines Jungen, es solle ihm jemand umstehendes »einen blasen« Folge leistete und auch jeweils eine gleichartige Gegenleistung verlangte und größtenteils auch erhielt. Das ging nur einige Wochen lang gut so, bis daß die ersten Schwulenfeindlichkeiten anzogen - in Form recht harmloser Neckereien zunächst und in ihren Auswirkungen nur dadurch kontrolliert, daß es zu viele gab, die bei diesem Rumschwulen auch mal mitgemacht oder zugesehen hatten. Aber immerhin sah er sich genötigt, mit seiner fünfzehnjährigen »Freundin« anzugeben, und auch »Beweisfotos« anbringen zu müssen. Die fünfzehnjährige war da nicht sehr genierlich, solange es nur um ihre Möse ging. Für diese Fotos wurden ihm teilweise enorme Beträge geboten - jedenfalls für die Taschengeldverhältnisse eines Quintaners.
Seine Eltern merkten von alledem nichts. Sein Vater - schon herzkrank - mußte sich sowieso schonen, und die Gedanken seiner Mutter kreisten um primitive Formen christlicher Mystik. So wurde es auch kaum registriert, daß in diesem Sommer am Wagen des Eisverkäufers bzw. dem Warten auf diesen die geschiedene Nachbarin von schräg gegenüber begann, auf den Jungen ein gewisses Auge zu werfen, was der Junge nunmehr zu verstehen gelernt hatte. Mit dem jüngeren einem ihrer Söhne war er noch zur Grundschule gegangen, er war dann auf eine kirchliche Schule in einem anderen Landkreis gegangen. Diese Treffen gipfelten in einer Verabredung zu einem gemeinsamen nachmittäglichen Schimmbadbesuch ohne ihre Söhne. Sie holte den Jungen vorsichtig an der Bushaltestelle ab. Er verstand wohl, warum er seinen Eltern nur zu sagen brauchte, er würde mit dem Bus in Schwimmbad fahren. Da sähe es dann so aus, daß die Nachbarin zufällig mit dem Auto vorbeigekommen wäre. Die Fahrt endete natürlich nicht am Schwimmbades, sondern auf einem etwas entfernteren Parkplatz nahe eines Waldsees mit versteckten Liegeplätzchen. Er bekam Komplimente von der gute zwanzig jahre älteren Frau für seine Geschicklichkeit und Lernwilligkeit, die ihm sehr schmeichelten. Gleich beim ersten Mal - bzw. nach demselben - erzählte er ihr von den Erlebnissen mit dem Mädchen aus der gemeinsamen Nachbarschaft, was die Frau von 37 Jahren einerseits amüsierte, andererseits an ihre eigene Jugend erinnerte. Sie ermahnte ihn, künftig sorgfältig auf Verhütung zu achten.
Während also die Treffen mit dem Nachbarsmädchen im Herbst ihr jahreszeitlich bedingtes Ende fanden, gab es für die Treffen mit der Nachbarsfrau diese Beschränkungen nicht. Es gab einerseits ihren Renault 5, der zwar in gewisser Hinsicht unbequem war, aber auch seine Reize hatte. Begründet wurde dies mit regelmässigen gemeinsamen Schwimmbad-Besuchen, die dann auch nach den sexuellen Aufenthalten in Wald- und Feldwegen erfolgten. Alleine der Glaubwürdigkeit der Ausrede wegen. Viel Zeit verbrachten sie dabei am Beckenrand im Wasser oder ausserhalb, die mit verhältnismässig ernsten Gesprächen angefüllt waren, deren Themenkreis mit Sex, Liebe, Jugend, Erwachsen-Sein und Alter umrissen werden konnten. Diese Art von Gesprächen vermochte er mit der fünfzehnjährigen nicht zu führen - diese reagierte auf derartige Themen mit einem etwas ausdruckslosen, schweigendem Gesicht. Er begann, sich auf diese Zeiten des Beisammenseins im Gespräch fast mehr zu freuen, als auf das Geficke zuvor, und empfand die - naturgemäss flüchtigen - Berührungen während dieses Beisammenseins als glückhafter, als die mitunter heftigen Manipulationen errogener Zonen, was in einem Liebesgeständnis endete. Der nachfolgende Apell jener Frau an des Jungen gerade erwachenden Verstand blieb nicht völlig folgenlos. Wenngleich diese gefühlsmässige Assymetrie noch eine ganze Weile bestand, so sah er doch ein, daß mehr als eine liebevolle Freundschaft mit einer fast fünfundzwanzig Jahre älteren Frau »einfach nicht drinn« war für einen zwölfeinhalbjährigen.
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