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Im Religionsunterricht haben wir früher oft Filme geguckt. Einmal war das Platoon, den ich schrecklich öde fand. Was der Film mit Religion zu tun hatte? Nix. Aber vermutlich kann man einen Bezug herstellen, wenn man sich bemüht. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Höhere Handelsschule, dort hatte ich auch Religionsunterricht, und der Lehrer war ein Birkenstock-Typ, der immer mit dem Fahrrad kam. Wir haben viel diskutiert in seinem Unterricht, aber ich weiss auch, dass wir mindestens einmal eine Bibel in der Hand hatten. Doch das war eher die Ausnahme. Wir hatten sogar eine Mormonin in unserer Klasse, die mal erzählt hat, wie diese Totentaufen funktionieren. Witzig war der Test, den wir mal schreiben mussten, wo man in gewisser Weise, ich weiss aber nicht mehr wie und warum, ein bisschen von seinem eigenen Glaubenssystem darlegen musste, ganz zwangsläufig, denke ich. Und ich weiss dass ich bei diesem Test komischerweise nur eine 3 bekam und drunter hatte er geschrieben, ich würde ja auf eine Art und Weise glauben, wie die Naturvölker es heute noch tun, in der Art von »Gott ist auch in einem Stein«. Oder irgend was in der Art. Das fand ich sehr seltsam, dass dort mein Glaube scheinbar bewertet wurde. Schliesslich war ich keineswegs der Ansicht, Gott wäre in einem Stein oder sonst ein Blödsinn, aber das nur am Rande. Was wollt ich jetzt eigentlich erzählen? Ach ja. Jedenfalls war das immer ein sehr lockerer Unterricht, und bis auf zwei, drei Leute, die eine Eins bekamen, kriegten alle eine Zwei. Das lief so: der Lehrer fragte die Klasse: Was soll der und der kriegen? Und alle sagten: eine Zwei. Also schrieb er eine Zwei in sein kleines, rotes Buch. Und es hat aber auch wirklich jeder irgendwann mal irgendwas gesagt. Und einmal waren wir fertig und ich ging zurück in meine Klasse, wo immer der Unterricht für die Katholiken stattfand, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz zu Ende war. Lehrer war hier ein echter katholischer Pfaffe, und ich traute meinen Augen nicht: an der Tafel standen tatsächlich Sätze mit biblischen Bezügen, so Fragen in der Art von »Warum hat Jesus das und das zu dem und dem Zeitpunkt wohl gemacht«. Wir sassen nebenan, quatschten, guckten Filme und Dias und gingen einmal sogar mit dem Lehrer auf 'n Kaffee ins Cafe, und die sassen da und lernten richtig was. Sie taten mir leid, denn es war nicht so, dass wir nichts gelernt hätten. Aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt kein Katholik sein mögen - und auch später nie, aber das macht ja nichts, denn jetzt bin ich konfessionslos und sowieso ist alles anders. ;)
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